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Kleine Harnischwelse aus Nordost-Brasilien

Die Bundesstaaten Nordostbrasiliens werden nur selten von Aquarienfischfängern aufgesucht; dementsprechend sporadisch gelangen Fische von dort zu uns.

Einer dieser seltenen Importe erreichte die Münchner Importfirma Transfish aus dem brasilianischen Bundesstaat Ceará und enthielt unter anderem zwei Arten von Hypoptopomatinen aus der Gattung Parotocinclus.

Bei Parotocinclus haroldoi Garavello, 1988 handelt es sich sicher um die attraktivste aller bekannten Parotocinclus-Arten. Sie besticht mit ihren feinen, weißen Punkten auf dunklem, manchmal schwarzem Körper.

Parotocinclus haroldoi lebt in küstennahen Flüssen Nordost-Brasiliens. Der der Artbeschreibung zugrunde liegende Holotypus stammt, wie auch die Paratypen, aus dem Bundesstaat Piaui, dort aus dem Córrego do Otaviano, Poco do Sanharó, Riacho Sanhaó. Der Artname ehrt Haraldo P. Travassos (Museu Nacional, Rio de Janeiro).

Beim zweiten eingeführten Parotocinclus, der aus dem Rio Inhisu, Bundesstaat Ceará, stammt, handelt es sich um eine noch nicht beschriebene Art, die große Ähnlichkeiten mit P. spilosoma aufweist. An der wissenschaftlichen Beschreibung wird zur Zeit in Brasilien gearbeitet, so dass wir diese Art vorläufig als Parotocinclus sp. aff. spilosoma bezeichnen.

Sowohl P. haroldoi als auch P. sp. aff. spilosoma zeigen im Aquarium eine bodengebundene, eher nachtaktive und scheue Lebensweise. Ihre Ernährung ist problemlos mit Tabletten- und Granulatfutter, am besten auf pflanzlicher Basis, sowie verschiedenen Gemüsesorten. Auch bezüglich der Wasserwerte stellen die Fische keine unerfüllbaren Ansprüche. Sowohl in Weich- als auch in mittelhartem Leitungswasser hat sich die Haltung als einfach erwiesen.

Garavello (1977, 1988) unterteilt die Gattung Parotocinclus, basierend auf der Ausbildung der Odontoden, in zwei Artengruppen. Die Arten der „P. maculicauda-Gruppe“ um P. maculicauda zeigen stark ausgebildeten Odontodenbewuchs auf Schnauzenspitze, Brust- und Bauchflossen, während die der „P. spilosoma-Gruppe“ um P. spilosoma nur einen schwachen Bewuchs mit Odontoden aufweisen, was er als Anpassung an ihre Ökologie deutet.

Die Formen der P. maculicauda-Gruppe kommen auf Unterwasservegetation sitzend vor und sollen durch den starken Odontodenbewuchs besseren Halt finden, während die Vertreter der P. spilosoma-Gruppe – zu der auch die beiden hier vorgestellten Parotocinclus zählen – eine eher bodenorientierte Lebensweise führen.

Die geografische Verbreitung der Gattung Parotocinclus in Südamerika (Amazonassystem und nördliche bis südöstliche Küstengebiete) und ihr Fehlen im Paraná-Paraguay-System haben unter Wissenschaftlern zu Diskussionen über den Ursprung der Gattung geführt (Garavello 1977, 1988; Schaefer & Provenziano R. 1993; Schaefer 1998; Britski & Garavello 2002; Garavello & Britski 2003; Gauger & Buckup 2005). Noch ist man sich uneins, ob die Vorfahren der heutigen Arten ursprünglich im Amazonassystem entstanden und von dort aus Richtung Küstengebieten gewandert sind oder umgekehrt.

Hier gibt es reichlich Diskussionsstoff – die Artenvielfalt in Brasiliens atlantischen Küstengebieten ist jedenfalls auffällig.

Mittlerweile sind auch Identifizierungsschlüssel für die Arten aus Nordost- (Britski & Garavello 2002) und Süd-Brasilien (Garavello & Britski 2003) verfügbar.

Leider werden die Aquarianer nur sehr selten mit Fischen aus diesen Gebieten versorgt. Die kleinen Kobolde der Gattung Parotocinclus würden sicher zahlreiche Freunde finden, wie es bei den wenigen regelmäßig erhältlichen Arten, zum Beispiel P. jumbo, ja bereits heute der Fall ist.

Autor: Walter Lechner


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