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Farbenfrohe Flussschmerlen aus Burma
Aus Gebieten Südostasiens, die bisher kaum im Blickpunkt kommerzieller Fänger standen, sind in den letzten Jahren vermehrt neue und interessante Fischarten zu uns gelangt.
Neben Welsen, von denen wir einige schon vorgestellt haben, stammt der größte Teil dieser bislang unbekannten Arten aus der Ordnung der Karpfenartigen, deren Vertreter ja in den Süßgewässern Asiens eine führende Rolle einnehmen. Viele Barben und Bärblinge (Familie Cyprinidae) sind eingeführt worden, aber auch
Pracht- (Botiidae) und Plattschmerlen (Balitoridae).
Die Gattung Schistura wird in der Familie Balitoridae in die Unterfamilie Nemacheilinae gestellt (Flussschmerlen – für manche Autoren auch eine eigene Familie, Nemacheilidae). Die Gattung wurde schon 1839
durch McClelland geschaffen. Sie stellt sich mit heute über 150 beschriebenen und zahlreichen noch zu bearbeitenden Arten als systematisch schwierig und unübersichtlich dar.
Wer sich Arbeiten des für diese Fischgruppen führenden
Ichthyologen, des Schweizers Maurice Kottelat (1990, 2000), ansieht, bekommt einen Eindruck davon, wie problematisch Einordnung und Artabgrenzung dieser Fische sind. Allein 2000 beschreibt er 39 Arten der Gattung Schistura aus Laos. Viele von ihnen kommen nur in einem begrenzten Areal vor, und bei zahlreichen
Arten dient die Lebendfärbung als eines der Hauptkriterien zur Identifikation.
Bei solchen Zahlen verwundert es nicht, dass sich die meisten importierten Schistura keiner Art sicher zuordnen lassen. Genaue Fundortangaben fehlen so gut wie immer. Morphologische Merkmale sind an im
Aquarium lebenden Fischen oft nicht erkennbar. Färbungen sind variabel und viele dieser Schmerlen wohl noch gar nicht wissenschaftlich beschrieben.
Seit 2006 tauchen im Handel hin und wieder wunderschön gefärbte Schistura auf. Die Exporteure bieten sie als „Triband Orange Sumo loach“ an.
Die meisten Flussschmerlen kommen ja eher dezent in Beige, Grau, Braun und Schwarz daher und gefallen durch ihr Streifen- und/oder Fleckenmuster auf dem Körper und in der Rückenflosse. Die neue(n) Art(en) bestechen hingegen mit einer roten oder orangegelben Färbung auf der hinteren Körperhälfte, von der sich oft ein Muster aus dunklen Streifen abhebt. Einige Arten/Formen besitzen auch orangegelbe Brust-, Bauch-,
After- und Schwanzflossen.
Meist werden diese Tiere als Schistura balteata (Rendahl,
1948) angeboten, aber es handelt sich fast sicher um (mindestens) eine andere, unbeschriebene Art. Nennen wir sie also Schistura sp. aff. balteata (lat. affinis = „ähnlich“).
Da die Tiere von unterschiedlichen Fundorten stammen - an manchen sollen rot-orange-gelbe und rein rote gemeinsam vorkommen, an anderen wiederum nur mehr oder weniger einheitlich gefärbte Tiere –, ist es sogar wahrscheinlich, dass sich hinter diesen bunten Schmerlen mehr als nur eine Art verbirgt. Problematisch ist auch hier, dass sich Exporteure und Fänger bezüglich der Fundorte bedeckt halten.
Die Firma Transfish (Planegg bei München) hat in mehreren Importen zwei dieser farbigen
Flussschmerlen-Arten eingeführt, die wir Schistura sp. aff. balteata „1“ und Schistura sp. aff. balteata „2“ nennen.
Wie auf den Fotos zu erkennen, handelt es sich bei S. sp.
aff. balteata „1“ um Tiere mit einer rosafarbenen bis grauen Grundtönung des Hinterkörpers; die Intensität der Färbung ändert sich aber je nach Stimmung der Fische und Farbe des Untergrundes. Drei stärker rosafarbene bis rötliche S-förmige Bänder auf Höhe der Rückenflosse heben sich von der Grundfarbe ab. Das Kopfprofil ist eher rundlich, die Flossen sind beinahe transparent.
Bei S. sp. aff. balteata „2“ handelt es sich um Tiere mit
roter Grundfarbe auf dem Hinterkörper, die zur Schwanzflosse hin in Orangegelb übergeht; so sind auch Schwanz- und Afterflosse getönt. Sechs dunkle Querbänder durchbrechen diese Färbung. Die Rückenflosse weist das für viele Bachschmerlen typische Muster aus dunklen Flecken auf, unterscheidet sich aber von dem von S. sp. aff. balteata „1“. Das Profil dieser Art ist spitzer als das der zuvor genannten.
Die eingeführten Tiere beider Arten weisen Totallängen
von rund sieben Zentimetern auf und scheinen bereits ausgewachsen zu sein. Laut Exporteur (Patrick Yap, Singapur) stammen sie von unterschiedlichen Fundorten im südlichen Burma. Aber auch er war bezüglich genauer Ortsangaben nicht sehr auskunftsfreudig.
Beide Formen von S. sp. aff. balteata haben sich als ähnlich problemlose Pfleglinge erwiesen wie die meisten ihrer Gattungsgenossen. Natürlich sollte man ihnen durch regelmäßige Wechsel sauberes Wasser bieten, doch Härte und pH sind für ihre Haltung weniger wichtig, solange die Werte im üblichen Rahmen liegen. Ebenso ist es mit der Temperatur; 20 bis 26 °C sind in Ordnung.
Auch die Ernährung dieser Schmerlen ist einfach. Sie nehmen jegliches Frost-, Trocken- und natürlich auch Lebendfutter passender Größe gierig an.
Dennoch ist die Haltung dieser Fische nicht ganz einfach.
Schäfer (2008 a) schreibt zwar über Schistura: „Ausnahmslos alle Arten sind tolle Aquarienfische!“ Dieser Aussage kann man aber nicht ohne Weiteres
zustimmen. Zumindest ein Zusatz wie: „... für Spezialisten, die ihnen ein geeignetes Becken bieten“, wäre sicher angebracht gewesen.
Frank (2007) und Ott (2008) weisen nachdrücklicher auf
mögliche Schwierigkeiten bei der Flussschmerlenpflege hin, und Schäfer gibt sich in einem weiteren Artikel (Schäfer 2008 b) ebenfalls ein wenig vorsichtiger.
Da Flussschmerlen ein ausgeprägtes Sozial- und Territorialverhalten zeigen, ist eine entsprechende Dekoration des Aquariums vonnöten.
Einzelhaltung ist nicht angebracht und auch nicht artgerecht. Da diese Fische Reviere bilden und untereinander eine Rangordnung ausfechten, sind
eine gute Strukturierung des Aquariums, viele Versteckplätze und Sichtschutzbarrieren notwendig. Sonst wären rangniedere Tiere den dauernden Attacken ranghöherer ausgesetzt. Durch den fortwährenden Stress würden sie wohl kaum länger überleben.
Aber nicht nur Artgenossen gegenüber zeigen sich Schistura oftmals äußerst unverträglich; auch artfremde Fische können sie drangsalieren. Da gibt es aber große Unterschiede zwischen einzelnen Arten, wie Frank (2007) und Ott (2008) beschreiben.
Innerartlich gibt es wohl ebenfalls Unterschiede, denn
man begegnet friedlicheren und weniger „lieben“ Tieren. Diese bunten Arten gehören zwar zu den verträglicheren Flussschmerlen, doch ist ihre Pflege im Gesellschaftsbecken dennoch nicht anzuraten.
Aquarianern, die sich für Schmerlen begeistern, wird
das ohnehin klar sein; für sie stellen die fantastisch gefärbten S. sp. aff. balteata sicher lohnenswerte Pfleglinge dar. Mit ihrer außergewöhnliche Attraktivität werden sie wohl eine weite Verbreitung bei den Spezialisten erfahren, so dass wir hoffentlich bald mehr über das Verhalten, die Geschlechtsunterschiede und
die Fortpflanzung erwarten dürfen.
Autor: Walter Lechner




