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Aquarienfische und Aquarienpflanzen aus Thailand

Thailand gehört zu den wichtigsten Produktions- und Exportländern für Aquarienfische. Fische haben sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Über 3000 meist kleine Familienbetriebe leben von der Fischzucht. Das Directorate of Fisheries betreut, unterstützt und reguliert die Branche.

Aquarienfische haben ein hohes Wertpotenzial. Das Geschäft mit den kleinen bunten Fischen, die weltweit in vielen Millionen Aquarien gehalten werden, ist lukrativer, als mancher vermutet. Wie lohnend es ist, lässt sich jedoch nur erahnen, denn Produktion und Export sind unzureichend erfasst. Die „Sensoren“ und Daten, mit denen Zoll und andere Behörden die Warenbewegungen bei Fischen registrieren, sind eher auf Essbares, also Filets, Tiefkühlprodukte und Convenience, ausgerichtet als auf lebende Fischchen, die in Plastikbeuteln schwimmen.

Deshalb sind die Schätzungen der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations = Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) zum Aquarienfischmarkt auch sehr
grob und spiegeln die tatsächlichen Verhältnisse nur unvollkommen wider. Danach soll der Primärwert der weltweit produzierten Aquarienfische bei rund 200 Millionen US-Dollar liegen. Im Großhandel erhöht sich ihr Wert bereits auf über eine Milliarde, und auf der Einzelhandelsebene werden mit Aquarienfischen weit mehr als drei Milliarden US-Dollar umgesetzt. Ein winziger Guppy, für den sein Züchter im Erzeugerland wenige Cent erhält, bringt später dem Händler im Zielland einige
Dollar ein.

Thailand gehört zu den zehn wichtigsten Zucht- und Exportländern für Aquarienfische. Seit über vier Jahrzehnten exportiert das Land Fische, vor allem Süßwasserarten. Über 70 Staaten werden beliefert, wobei die größten Abnehmer die USA, Singapur (viele Händler in Singapur kaufen Fische in Thailand ein, um sie anschließend weiter zu exportieren), die EU und Japan sind.

Der Gesamtwert der Fischexporte Thailands übersteigt 50 Millionen US-Dollar jährlich. So ungenau dieser Wert auch ist, lässt er die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors erkennen, zumal etliche Züchter ihr Gewerbe in ländlichen, schwach strukturierten Gegenden des Landes treiben, wo es kaum andere Erwerbsmöglichkeiten gibt.

Über 3000 Aquarienfischzuchtbetriebe gibt es im Land, meist kleine Familienunternehmen mit rund zehn Angestellten. In der Regel haben sich die Züchter das nötige Know-how selbst angeeignet. Thailand ist
reich an natürlichen Ressourcen und besitzt lange Traditionen in der Fischzucht.

Seitdem das Directorate of Fisheries (DoF) die Betriebe dieser Branche unterstützt, haben die Züchter einen zusätzlichen Schub erhalten. Die Zucht ist heute stärker wissenschaftlich fundiert und auf eine hohe Qualität der Tiere ausgerichtet.

Während die privaten Zuchtbetriebe fast nur Süßwasserarten aufziehen, bleibt die Erbrütung mariner Arten den Instituten und Forschungseinrichtungen des DoF vorbehalten. In der Brackwasserstation Krabi werden zum Beispiel mehr oder weniger regelmäßig neun Arten reproduziert: Monodactylus argentus, Platax orbicularis und sieben Anemonenfischarten (Amphiprion ocellaris, A. clarkii, A. sebae, A. polymnus, A. akallopisos, A. frenatus, A. ephippium).

Diese Fische werden auch zum Wiederbesatz der natürlichen Gewässer genutzt, um die Bestände gefährdeter Arten zu stützen.

DoF unterstützt die Branche

Insgesamt gibt es über 60 Exportbetriebe für Aquarienfische in Thailand. Etwa die Hälfte davon befindet sich im Umkreis von Bangkok, der Rest konzentriert sich in den Provinzen Phuket, Chiengmai, Nakornratchasrima, Khonkaen und Udonthani.

Die Exporteure beziehen die Fische entweder direkt von den Züchtern, die manchmal vertraglich gebunden sind, oder von Zwischenhändlern, die auf Großhandelsmärkten einkaufen. Wichtige Märkte gibt es etwa auf dem Gelände des Chatuchak Sunday Market in Bangkok sowie in der Provinz Ratchaburi. In der Provinz Pathumthani wurde mit Unterstützung des DoF der 16 Hektar große Großhandelsmarkt Bangkhan errichtet, der den Züchtern als regionales Exportcenter besseren Zugang zu internationalen Märkten verschafft.

In derselben Provinz hat das DoF ein Institut eröffnet, das sich mit Forschung und Entwicklung der Aquarienfischzucht befasst. Unter anderem werden dort Kurse und Schulungen für Züchter durchgeführt.

Ein wichtiger Beitrag des DoF, der auf die Qualität der gezüchteten Fische zielt, ist die jährliche Pramong Noam Kroa Exhibition, die den Leistungsvergleich unter den Züchtern fördert. Besonders attraktive Züchtungen werden prämiert.

Die meisten thailändischen Zuchtbetriebe beschränken sich auf eine oder wenige Arten. Diese Spezialisierung stabilisiert den Aufzuchterfolg und verschafft den Züchtern eine bessere wirtschaftliche Basis.

Besonders hochwertige Arten, etwa Diskusfische, werden vorwiegend um Bangkok herum produziert, wo sauberes Trinkwasser in ausreichenden Mengen aus dem örtlichen Leitungsnetz zur Verfügung steht. In ländlichen Gegenden siedeln sich die Betriebe entweder in der Nähe der vielen Bewässerungskanäle an oder greifen auf
Grundwasser zurück.

Das Gewerbe ist genehmigungspflichtig. Wer einen Zuchtbetrieb für Aquarienfische eröffnen will, braucht eine Lizenz vom DoF. Biologen des Fachministeriums prüfen an Ort und Stelle die Gegebenheiten und sanitären Bedingungen, bevor sie ihre Zustimmung erteilen. Die Branche ist also relativ gut organisiert und unterliegt zudem regelmäßigen Kontrollen.

Qualität steht im Vordergrund

Alles in allem umfasst das Exportangebot Thailands über 300 Fischarten aus dem Süßwasser. Nur 50 davon sind einheimische Arten, so der Siamesische Kampffisch mit seinen zahllosen Zuchtformen oder verschiedene Guramis und Schmerlen. Die Mehrzahl, etwa 250 Arten, wurden aus anderen Regionen der Welt nach Thailand eingeführt. Neben aquaristischen Klassikern wie Guppy, Platy oder Schwertträger werden neuerdings auch immer
öfter afrikanische und amerikanische Cichliden produziert.

Thailand exportiert aber nicht nur Fische aus Zuchtbetrieben, sondern auch Wildfänge, die aus handwerklich betriebener Fischerei in verschiedenen Regionen des Landes stammen. Üblicherweise arbeiten die Fischer in kleinen Gruppen zusammen, die von Händlern oder Exporteuren angeworben, finanziert und ausgebildet werden. Man unterweist sie in schonenden Fangtechniken, Haltungs- und Transportmethoden. Je nach Art beginnt die Fangsaison meist gegen Ende der Regenzeit, wenn Teile des Landes überschwemmt sind.

Händler und Exporteure sind verpflichtet, Wildfänge vor dem Verkauf eine bestimmte Zeit in Quarantäne zu halten. Der Aufenthalt in den Quarantäneeinheiten kann einige Tage bis Wochen dauern. Die Dauer hängt unter anderem vom Gesundheitszustand der Fische und von den Erfahrungen der Exporteure ab. Durch den Stress bei Fang, Selektion und Transport wird das Immunsystem der Fische geschwächt, und ihre Krankheitsanfälligkeit steigt.

Die Erfahrung des Exporteurs macht deshalb sehr viel aus. Mit geschultem Blick muss er zum Beispiel auffällige Fische isolieren und besonders beobachten. Die Freigabe darf erst erfolgen, wenn die Tiere kräftig genug für die Transportreise zu den Kunden in aller Welt sind. Manchmal fordern die Kunden sogar ein Gesundheitszertifikat, bevor sie die Lieferung akzeptieren. Unabhängig davon brauchen die Exporteure für jede Lieferung eine Exportlizenz, bevor die Fische das Land verlassen dürfen.

Weitaus höher als bei Süßwasserarten ist der Anteil der Wildfänge bei marinen Fischen. Die überwiegende Mehrzahl der etwa 100 Meeresfischarten, die Thailand exportiert, stammt aus Wildfängen der Provinzen Phuket und Rayong. Zusätzlich importieren die Händler bei großen Bestellungen oft noch weitere Fische von den Philippinen und aus Indonesien.

Schutzvorschriften sind streng

Wie in vielen Ländern sind auch in Thailand die Angaben zum Aquarienfischexport recht vage. Zwar erfassen mit Zoll und Directorate of Fisheries gleich zwei Behörden die Ausfuhren, doch stützen sich beide auf unterschiedliche Quellen.

Der Zoll registriert den Export gemäß den internationalen Bestimmungen. „Ornamental Fish, live“ werden unter einem einheitlichen zehnstelligen Code (HS.CODE 0301.100.000) erfasst, der aber nicht nur Aquarienfische, sondern auch Meerestiere, die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind (Garnelen, Besatzfische), einschließt.

Zusätzlich zeichnet der Zoll das Gewicht der Aquarienfische (einschließlich Verpackung) auf und registriert jede Box mit einem Einheitswert von 300 Baht (etwa sechs Euro), obwohl die Packungen je nach Fischart 2500 bis 5000 Baht wert sein können.

Das DoF hat zwar eine gute Übersicht zu jenen Lieferungen, für die ein Gesundheitszertifikat angefordert wurde (jährlich werden zwischen 1200 und 1500 Zertifikate ausgestellt), doch sind die längst nicht bei allen Exporten verpflichtend. Da die Fehler bei der Erfassung aber immer gleich bleiben, lassen sich – über mehrere Jahre betrachtet – zumindest grundsätzliche Trends bei den Exporten erkennen. In den letzten Jahren stiegen die Exporte stetig an.

Gemäß internationalen Bestimmungen und Verträgen sind zahlreiche Fischarten vom internationalen Handel ausgenommen. Das betrifft nicht nur 400 Meeresfischarten, sondern auch etliche Süßwasserfische, insbesondere jene, die auf einer der
Verbotslisten des CITES stehen. Dazu gehören etwa Julliens Barbe (Probarbus jullieni), Mekong-Riesenwels (Pangasius gigas) oder Knochenzüngler (Scleropages formosus). Einige Unternehmen züchten Arowanas
aber mit großem Erfolg nach und dürfen sie mit CITES-Genehmigung exportieren.


Auch nationale Gesetze wie der Thai Wildlife Protection Act (1992) beschränken den Export. Dieses Gesetz zum Schutz von Wildtieren verbietet zum Beispiel, Schachbrettschmerlen (Yasuhikotakia sidthimunki), den Süßwasser-Fledermausfisch (Oreoglania siamensis) oder den Siam-Tigerbarsch (Colus microlepis) auszuführen.

Auf den ersten Blick scheinen die Produktion und der Export von Wasserpflanzen weniger spektakulär und wirtschaftlich bedeutend als die Fischzucht zu sein. Der Eindruck täuscht jedoch, denn gerade dieser noch relativ junge Wirtschaftszweig hat sich in den letzten Jahren überaus dynamisch entwickelt.

Traditionell wurden Wasserpflanzen vor allem im Freiland auf weitläufigen flachen Wasserflächen kultiviert, die man mit hohem Aufwand sauber und frei von Krankheiten hielt. Neuerdings bevorzugen einige Firmen jedoch eher modernere Methoden wie die Gewebekultur, die eine Vervielfachung besonders schöner Pflanzen und neuer Zuchtformen unter beinahe sterilen Laborbedingungen ermöglicht.

Autor: Manfred Klinkhardt


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