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Unter den politischen Bedingungen des Kalten Krieges entwickelte sich das Symposium aber rasch zu einer Begegnungsstätte für Aquarianer aus dem Ostblock und aus westlichen Ländern, insbesondere für Bewohner der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Da Österreich zur politischen Neutralität verpflichtet war, durften unter besonderen Bedingungen und Voraussetzungen selbst Bürger der DDR trotz des Reiseverbots an der Veranstaltung teilnehmen.
In diesem Herbst sind seit dem Fall der Mauer 25 Jahre vergangen. Deshalb wurden die traditionell engen Beziehungen zwischen Wien und Berlin dadurch betont, dass sich Teilnehmer aus dem Berliner Umland nicht nur mit drei Vorträgen am Symposium beteiligten, sondern auch das musikalische Unterhaltungsprogramm am Samstagabend im Hanfdorf Reingers gestalteten. Marco Hasselmann und Karsten Fietzke unterhielten nach dem gemütlichen Abendessen die Gäste mit „Liedern vom Leben, Lieben, Lügen“. Meerestiere bildeten das Thema von zwei der 14 meist halbstündigen Vorträge, die alle Felder der Vivaristik abdeckten. Nach der Eröffnung des Symposiums am Freitagabend durch Max Kahrer, Vizepräsident von Basis. Kultur. Wien, zeigte Fritz Kaa einen Film aus Raja Ampat, einem Korallen-Paradies in Irian Jaya, mit beeindruckenden Aufnahmen von Manta-Rochen und einer Dokumentation der Formenvielfalt der Seescheiden (Ascidiae). Jürgen Pfleiderer zeigte eine Auswahl besonders seltener und farbiger Meeresfische.
Lebensgemeinschaften in Binnengewässern wurden in vier Präsentationen behandelt: Robert Guggenbühl setzte sich kritisch mit dem neuen Trend des sogenannten Biotop- Aquariums auseinander. Christel Kasselmann hatte den Fundort von Crinum malabaricum in Indien besucht und stellte diese Hakenlilie als weltweit größte Süßwasserpflanze vor. Anton Lamboj berichtete über eine Reise in das Macarena-Gebiet in Kolumbien, und ich dokumentierte in kurzen Unterwasserfilmen Beispiele der Fischbiozönosen in sechs südamerikanischen Gewässern. Marco Hasselmann gab einen unterhaltsamen Überblick über die Methoden der artgerechten Fütterung der Tiere im Berliner Zoo-Aquarium. Walter Hödl berichtete mit drei Mitarbeitern seiner Arbeitsgruppe Amphibienforschung – Doris Preininger, Iris Starnberger und Daniel Philippi – über Froschprojekte in Österreich, Indien und Afrika. Reiner Praschag schilderte Planung und Bau seiner Haltungs- und Zuchtanlagen für gefährdete Schildkrötenarten sowie Bemühungen, sie vor dem Aussterben zu retten. Wirbellose standen im Fokus zweier Vorträge. André Mégroz stellte geistreich und humorvoll Parallelen im Sexualverhalten von Insekten und Menschen heraus – insbesondere von prominenten –, und Helmut Göthel vermittelte Einblicke in die beinahe unglaubliche Formenmannigfaltigkeit der Gespenst- und Fangschrecken sowie besonders farbiger Krabben. Gerald Benyr gab einen kritischen, äußerst informativen Überblick über Ziele, Methoden und Strategien von Tierschutzaktivisten und ihren Organisationen. In einer Retrospektive schilderte Manfred Christ, wie sich Wiener Aquarianer für den Naturschutz engagierten und erfolgreich für die Erhaltung der Donau-Auen als Naturschutzgebiet einsetzten.
Das von allen Teilnehmern einhellig als ungewöhnlich interessant und niveauvoll eingestufte Vortragsprogramm beendete Max Stelzle mit kurzen Filmsequenzen über seine Erlebnisse in einer Auffangstation für Wildtiere am Rand der Kalahari, in der unter anderem Tierfilme für das deutsche Fernsehen gedreht werden.
Die Vorträge wurden durch vier Arbeitskreise ergänzt, in denen Fragen der Meeresaquaristik und Guppy-Hochzucht sowie die Bedeutung einer Quarantäne bei Fischen und die Zukunft von Aquarienvereinen diskutiert wurden. Karl Kolar sorgte wieder für die technisch einwandfreie Wiedergabe aller Bild- und Tonmedien. Die Exkursionen an den beiden folgenden Tagen führten auf den Spuren von Hans Hass an die Alte Donau, in die Konzertsäle des Wiener Musikvereins, in das Haus des Meeres, den Tiergarten Schönbrunn und das Institut für Wildtierbiologie in Wilhelminenberg.
Ganz besonderer Dank gilt Evelyn Kolar, denn sie sorgte wie in den Vorjahren für eine perfekte Planung und Durchführung der Veranstaltung und organisierte für ohne Auto über Wien angereiste Teilnehmer den Transfer ins Waldviertel. Wolfgang Staeck