margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Heinz Krimmer. 224 Seiten, 100 Farbfotos, Paperback (Breitklappenbroschur). Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2017. ISBN 978-3-440-15447-2.
19,99 €

Jeder hat es wahrscheinlich schon einmal erlebt: Man nimmt ein Buch in die Hand, irgendeinen spannenden Roman oder eine witzig verfasste Unterhaltungslektüre, beginnt zu ­lesen und kann einfach nicht mehr aufhören. Aber ein Sachbuch mit Sucht­faktor?
Bei „Netzwerk Korallenriff“ von Heinz Krimmer handelt es sich um genau ein solches Buch. Sein Schreibstil ist nicht etwa trocken und schwer verständlich, wie bei vielen Fachbüchern üblich. Vielmehr gelingt es ihm, beeindruckende Informationen und komplexe Zusammenhänge so darzustellen, dass auch Laien problemlos folgen können. Dabei schafft er es, den Leser mitzunehmen, indem er Atmosphäre vermittelt und komplizierte Sachverhalte sehr anschaulich und leicht verständlich erklärt. Obwohl es sich bei seinem Buch um ein wissenschaftlich höchst fundiertes Werk handelt, liest es sich wie eine packend geschriebene Reportage.
Der Autor startet seine Reise in die Welt der Korallenriffe mit einem Nachttauchgang auf den Malediven und der Beobachtung einzelner planktonfressender Korallenpolypen. Direkt danach kommt er zu ihrer Bedeutung als Baumeister von Korallenriffen, Erschaffer ganzer Inseln und sogar kompletter Gebirge. Ausführlich erläutert er, um
was für Tiere es sich bei ­Korallen eigentlich handelt, beschreibt ihre ausgesprochen interessante Biologie und Lebensweise und liefert so das Fundament für das Verständnis des Naturphänomens Korallenriff.
In den folgenden Abschnitten widmet sich Krimmer der Frage, was ein Ko­rallenriff eigentlich ist und wie solche Riffe überhaupt entstehen konnten. Hier ­erhält der Leser Einblicke in die biologische, ökologische und auch wirtschaft­liche Bedeutung tropischer Korallenriffe und ihre vielfältigen Vernetzungen untereinander und auch mit anderen Ökosystemen.
Das Kapitel „Korallenriff 4.0“ beschreibt dem Leser ­einige eindrucksvolle Beispiele dafür, welche Bedeutung Korallenriffe als Lie­ferant oder als Vorlage für Wirkstoffe zur Bekämpfung von Krankheiten wie AIDS und verschiedenen Krebsformen jetzt schon haben. Und das Potenzial für zukünftige Wirkstoffe aus Korallenriffen wird von Bio­logen, Chemikern und Medizinern als riesig angesehen, da Korallen und viele andere sessile Riffbewohner mit einem unvorstellbaren Arsenal zur chemischen Kriegsführung im Kampf um ihr Überleben ausgestattet sind.
Auch Bionikern liefern Korallenriffe unzählige Problemlösungen in der Natur, die analysiert werden und als Vorlagen für technische Entwicklungen dienen können.
Die letzten beiden Kapitel widmen sich zunächst der aktuellen Bedrohung von Korallenriffen, ohne in Effekthascherei und Panikmache zu verfallen, und geben dann einen Ausblick, wie es gelingen kann, die Korallenriffe unserer Welt auch für die Zukunft zu erhalten!    Helmut Göthel

 

 

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxTexte und Gedichtauswahl von Rambharos Jha und Tara Books, Illustrationen von Rambharos Jha, Übersetzung aus dem Englischen von Eveline Masilamani-Meyer. 28 Seiten, gebunden, durchgehend ganzseitig illustriert. Baobab Books, Basel, 2016. ISBN 978-3-905804-74-4. 42 €

Ja, es ist richtig, der Preis ist für die Kategorie Kinderbuch sicher hoch. Wer das Buch allerdings in Händen hält, sich in die Illustrationen vertieft, die ihn magisch anziehen und in die Wasserwelt entführen, der wird „Wasserwelten“ mit anderen Augen sehen: Es ist ein großes Buch und ein kleines, überaus liebenswertes Kunstwerk!
Baobab (Books), so auch der Name des Verlags, der die „kulturelle Vielfalt in der Kinder- und Jugendliteratur“ fördert, bedeutet Affenbrotbaum, „in dessen Schatten sich die Menschen Geschichten erzählen“. Und das hat eine sehr lange Tradition.
Die Texte dieses in Handarbeit in Indien hergestellten Buchs stammen aus uralten tamilischen Quellen. Sie wurden von dem indischen Künstler Rambharos Jha ­illustriert. Der Siebdruck auf handgeschöpftem Papier verleiht dem Werk Exklusi­vität und einen ganz besonderen Charme.
„Unser hübsches Dorf liegt am Meer, wo weißgekrönte Wellen nach Fischen riechend und grünes Ufer mit dunklen Palmen vereint sind wie der Mond und die Nacht.“ In feinen Strichen – eine Fleißarbeit! – präsentiert sich der große dunkel­rote Hummer auf feine, zerbrechliche, hellblaue Wellen gelegt. Rambharos verknüpft alte Erinnerungen mit seinen Bildern, fügt den ausgewählten Texten Gedanken und Rückblicke auf seine Kindheit hinzu.
„Regen prasselt, lauter Donner, alle Wege sind verschwommen. In tiefen Gräben lärmen gestreifte Frösche, als spielten sie Trommeln zum Tanz.“ Es sind die uralten Texte, die schnell Fantasie wach rufen, und die die eigentlich nüchternen, wenig verschnörkelten Bilder mit Leben erfüllen. „Als Kind ging ich oft mit meinem Bruder am Fluss ­fischen. Eines regnerischen Tages ... wurden wir durch eine Schlange aufgeschreckt, die durchs Wasser glitt. Nicht weit von ihr entfernt saß ein heldenhafter Frosch. Ganz schnell, als hinge sein Leben davon ab, sprang er davon.“
Seepferdchen und Kraken, Fische und Krabben, Schlangen und Schwäne, Schildkröten und Frösche beleben und erfüllen dieses außergewöhnlich schöne Buch. Nein, es ist alles an­dere als „nur“ ein Kinderbuch!

Barbara Wegmann

 

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxHerausgegeben von Billo Heinzpeter Studer mit Beiträgen von 39 Autoren. 360 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, gebunden. Edition mutuelle, Winterthur, 2017. ISBN 978-3-9524784-0-0. 40 €

Gleich 39 Autoren wurden die titelgebenden Fragen „Darf mensch Tiere nutzen? Und wenn ja: Wie? Und Pflanzen?“ gestellt. Vorab: Das inbegriffene Versprechen, dadurch ein breit gefächertes Spektrum verschiedener Meinungen zu präsentieren, wird voll und ganz eingelöst. Es wurde im Vorfeld offensichtlich nicht gefiltert, und so schwanken die dargelegten Ansichten zwischen einer recht naiv und polemisch begründeten Veganismus-Feindlichkeit und einem flammenden, dabei aber dennoch sachlich ar­gumentierten Plädoyer für eben jenen konsequenten Verzicht auf tierische Produkte.
Heinz Emmenegger bezeichnet Veganismus nämlich fälschlicherweise pauschal als eine „totalitäre Idee“, die ihm „gefährlich“ und „lustfeindlich“ scheint, kommt dem naturalisti­-schen Fehlschluss, etwas sei falsch, weil es unnatürlich sei, erschreckend nah und misst zwar dem Leiden nicht-menschlicher Tiere einen gewissen negativen Wert bei, verkennt aber leider den Wert des Lebens an sich.
Nebenbei bemerkt: Wer einmal beispielsweise einen Vegan Street Day in Dortmund oder in Stuttgart besucht hat, wird über den pauschalen Vorwurf der Lustfeindlichkeit schmunzelnd den Kopf schütteln können.

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxRoman von Bernhard Kegel. 384 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag. Mareverlag, Hamburg. ISBN 978-3-86648-251-7. 22

Vielleicht sind die Galápagos-Inseln demnächst Ihr Urlaubsziel? Dann käme ­diese Lektüre ja gerade passend. Für Anne Detlefsen, Leiterin der Kieler Mordkommission, und Biologieprofessor Hermann Pauli ist es der erste gemeinsame Urlaub, und er könnte ja so schön sein, wäre Pauli nicht besessen von der Suche nach einer seltsamen und geheimnisumwitterten Haiart. „… hier kann doch nicht plötzlich aus dem Nichts eine unbekannte Haiart auftauchen. So etwas ist mir in dreißig Jahren noch nicht passiert.“ Auch den anderen Experten der Charles-Darwin-Station gibt das mysteriöse Tier Rätsel auf. „Ist es möglich, dass sich die Lebensgemeinschaften im Meer rasant verändern?“
Der promovierte Biologe Bernhard Kegel wurde schon oft ausgezeichnet für seine Bücher, zu Recht: „Der Rote“, die Geschichte um ein gewaltiges Seebeben vor Neuseeland und seine geheimnisvollen Offenbarungen, oder „Ein tiefer Fall“, die Kriminalgeschichte um „kostbare Urzellen auf dem Grunde der Tiefsee“ – Kegels Romane haben ein klares ­Rezept: Sie bieten eine hinreißende Mischung aus Wissenschaft und Verbrechen, aus biologischer Forschung, aus naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und kriminellem Tun. Ein Mix, der Seite für Seite attraktiv ist, eine Lektüre am Strand, die das vor einem liegende Meer zum fantastischen Abenteuer werden lässt. Seine Ro­mane lesen sich stellenweise wie höchst attraktive Sachbücher, und seine Sachbücher lassen einen manchmal zweifeln, ob es sich hier um Realität oder nicht doch um Fiktion handelt. Kegel ist ein Wissenschaftsautor, der mit viel Fantasie herrliche Geschichten schreibt. So bildhaft, so anschaulich und fesselnd formuliert er auch hier wieder, so spannend entwickelt sich seine neueste Geschichte.

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxAxolotl – Lebensweise, Haltung, Nachzucht Von Joachim Wistuba. 104 Seiten, 86 Farbfotos, elf REM-Aufnahmen, Karten, neun Zeichnungen, Softcover. Natur und Tier - Verlag, Münster, 2015 (vierte Auflage). ISBN 978-3-86659-290-2. 19,80 €

 

 

 

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxAxolotl-Fibel, ein Exot erobert unsere Aquarien Von Werner Hoedt, Maite Schneider und Friederike Weinzierl. 96 Seiten, 140 Farbfotos, Hardcover. Dähne-Verlag, Ettlingen, 2017 (zweite Auflage). ISBN 978-3-94482-115-3. 15,80 €

Alexander von Humboldt brachte 1804 von seiner amerikanischen Reise die ersten beiden konservierten Exemplare der Art Ambystoma mexicanum nach Paris und löste damit einen nunmehr über 200 Jahre währenden Hype um die skurril anmutenden Dauerlarven des Axolotls aus.
Pflege und Nachzucht von A. mexicanum begannen allerdings erst nach 1860. Damals gelangten 34 lebende Exemplare, die eine französische Expedi­tion gesammelt hatte, wiederum nach Paris. Wahrscheinlich stellten sie die Ausgangspopulation der heute weltweit verbreiteten Aquarienexemplare dar (siehe DATZ 4/2017).
Es ist also sinnvoll, gute Anleitungen zur Haltung und Vermehrung dieses Quer­zahnmolchs auf den Markt zu bringen. Zurzeit gibt es zwei Bücher zum Thema, die in Aufmachung und Preis ähnlich scheinen. Sollte man beide im Regal stehen haben?
„Der Wistuba“ liegt bereits in der vierten Auflage vor. Seit 2005 mehrfach über­arbeitet, ist auf rund 100 ­Seiten das gesamte Wissen des Autors zusammengefasst. Nach einer kurzen Einleitung zur Historie der Er­forschung des Axolotls geht es unverzüglich mit dem Misch­kapitel „Haltung und Zucht“ los. Über 26 Seiten wird, fast atemlos, eine Unmenge an Daten zusammengetragen. Hier wäre eine deutliche Gliederung mit weiteren Unterkapiteln sinnvoll gewesen.