Im Wartezimmer einer Tierarztpraxis im brandenburgischen Cottbus zieht ein Aquarium die Blicke der Patientenbesitzer immer wieder auf sich und sorgt dafür, dass den Wartenden die Zeit nicht zu lang wird. | von Patrick Lehmann

Dass ein Aquarium im Wartezimmer einer Arztpraxis die Zeit für die wartenden Patienten geradezu verfliegen lassen kann, ist lange bekannt. Aber was dürfte noch passender sein als ein Blickfang ausgerechnet im Warteraum einer Tierarztpraxis?
Betritt man die Praxis von Tierarzt Klaus Buder in Cottbus, fällt einem das Becken mit gut 450 Litern Inhalt sofort ins Auge. Üppig grün bepflanzt ist es, und in dem Aquarium tummeln sich zahlreiche farbenfrohe und vitale Fische, an jeder Stelle ist ­etwas an­deres zu entdecken. Selbst Nicht-Aquarianer sind sofort interessiert, das bunte, muntere Leben in dem Glaskasten fasziniert Groß und Klein.
Vor gut fünf Jahren entschied sich Klaus Buder für ein Süßwasseraqua­rium im Warteraum seiner Praxis,
weil er selbst schon immer großes ­Interesse an diesem Hobby hatte und weil es eben das Warten für die ihn ­besuchenden Tierbe­sitzer etwas kurzweiliger gestalten kann.
Schon zu Zeiten der DDR besaß Klaus Buder ein 80-Liter-Aquarium. Zum Besatz gehörten damals eben ­solche Fische, wie sie in jener Zeit ­verfügbar waren. So bildeten vorwiegend Lebendgebärende Zahnkarpfen wie Guppys und Platys sowie Saugwelse der Gattung Ancistrus eine „klassische“ Fischgesellschaft. Das Angebot an Aquarienfischen in den Zooläden der DDR war nun einmal mehr oder weniger überschaubar.
Ein Umzug trennte den Tierarzt dann später von seinem Bassin, bis er sich im Jahr 2013 dazu entschloss, unseren aktuellen Blickfang aufzustellen und einzurichten. Bei einer Größe von 150 x 50 x 60 Zentimetern bietet er dem Betrachter einiges zu entdecken, zumal ein recht großzügiger Fisch­besatz gewählt wurde. Aber dazu gleich mehr.

Querenburg ist ein südlicher Stadtteil von Bochum, Standort der Ruhr-Universität und der Hochschule – sowie unseres aktuellen Blickfangs. | Von Rainer Stawikowski

Bereits als Kind, noch vor der Einschulung, war Kevin Stevens (Jahrgang 1988) ganz wild darauf, öffentliche Aquarien zu besuchen. Und davon gibt es in der näheren und weiteren Umgebung seiner Geburtsstadt Essen gleich mehrere, im Bochumer Tierpark etwa oder im Duisburger Zoo oder im Düsseldorfer Löbbecke Museum.
Auch die Nordsee-Ferien mit den Eltern trugen sicher dazu bei, dass ­Kevin schon so früh sein Interesse für Biologie – in erster Linie Zoologie, Botanik weniger – entdeckte. Vor allem aquatische Organismen faszinierten ihn. Die selbst gekescherten Sandaale, Schollen und weitere tierische Urlaubsbekanntschaften mussten ausgiebig studiert werden, ehe sie ihre Freiheit wiederbekamen.
Kurzzeitig gab es in Kevins Elternhaus auch ein Aquarium, doch dessen Einfluss auf seine aquaristische Entwicklung war weniger nachhaltig; er betont, dass es ganz und gar sein eigener Wunsch war, ein mit Süßwasser­fischen besetztes Becken zu besitzen.
So war das 100 x 40 x 40 Zentimeter große Aquarium, das der 13-Jährige aufstellte, nicht etwa ein Geburtstags- oder Weihnachts-Geschenk. Vielmehr hatte er sich das 160-Liter-Gesellschaftsbecken selbst zusammengespart. Er besetzte es mit westafrikanischen Buntbarschen (Pelvicachromis taeniatus, Anomalochromis thomasi), Trauermantelsalmlern (Gymnocorymbus ternetzi) und Gefleckten Panzerwelsen (Corydoras paleatus). Den Fischbesatz hatte er mithilfe des „Aquarien-Atlas“ zusammengestellt. Bei „Zoo Millat“ in Essen, einem Fachhändler mit artenreichem Cichliden-Angebot (Stawikowski 2005), fand er die gewünschten Kandidaten.

Sein erstes Aquarium besaß er bereits als Kind. Seine Liebe zu den bunten Buntbarschen aus dem berühmten ostafrikanischen Grabensee entdeckte Jürgen Brocks jedoch erst vor wenigen Jahren. | von Rainer Stawikowski

Sieben oder acht Jahre alt – erinnert sich Jürgen Brocks (Jahrgang 1959) – waren er und sein Zwillingsbruder Peter, als sie – endlich! – ihr eigenes Aquarium bekamen. Schon im ersten Schuljahr zog es die beiden, so oft es irgendwie ging, in die Zoogeschäfte der näheren Umgebung, das heißt in Gelsenkirchen-Buer. Burda’s Tierwelt, wie sie sich heute darstellt, gab es damals noch nicht, aber den Vorgänger des über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Fachhändlers (bei dem Jürgen natürlich Stammkunde ist) und den einen oder anderen weiteren Laden. Regelmäßige Besuche wert war aber auch ein Nachbar, der im Keller seines Wohnhauses mit großer Hingabe alle möglichen Süßwasserfische vermehrte.

An dem großen Riffaquarium, das Sascha Bücker im Wohnzimmer betreibt, haben auch ­Ehefrau Kerstin, Tochter Celina und Sohn Robin ihre helle Freude. | von Rainer Stawikowski

Aquarianer war Sascha Bücker, geboren 1972 in Hagen am Teutoburger Wald, schon im Kindergartenalter. Offenbar hatte er das Hobby von seinem Vater geerbt, der war nämlich leidenschaftlicher Diskus-Züchter. Sascha ließ es sich nicht nehmen, Vater beim Wasserwechsel zu helfen und auf seinen Streifzügen durch die Natur zu begleiten. So verwundert es nicht, dass er schon früh sein eigenes Guppy-Becken besaß.
Später pflegte er weitere Süßwasserfische, Harnischwelse (Ancistrus sp.) etwa, die sich in seiner Obhut auch prächtig vermehrten.

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxTrautes Heim, Glück allein! Wer kennt ihn nicht, diesen Spruch, den viele Zeitgenossen als spießig empfinden? Aber trifft er manchmal nicht dennoch zu? Im eigenen Fischkeller etwa oder im vertrauten Kreis von Vereinsfreunden? | Von Rainer Stawikowski

Vereinseigene Aquarienanlagen habe ich – nicht zuletzt im Rahmen meiner „Blickfang-Hausbesuche“ – schon etliche gesehen: in Schulen, Gartenanlagen, Jugendheimen und weiteren öffentlichen, aber auch privaten Räumlichkeiten. Wohl dem Verein, der über einen solchen Treffpunkt verfügt! Einen Ort, an dem man sich zusammenfindet, Erfahrungen austauscht, Vorträge hört, Ausflüge und Feste plant, aber eben auch ­arbeitet. Schließlich sollen die dort stehenden Aquarien und Terrarien nicht nur etwas hermachen, sondern auch für die Vivaristik werben, denn: Welcher Verein freut sich nicht über den Besuch von Gästen? Und vielleicht ­gefällt es dem einen oder anderen ja so gut, dass er wiederkommt und am Ende selbst Mitglied wird?

Die Aquarienfreunde Herne 1909
e. V. sind ein eher kleiner Verein. Dennoch verfügen auch sie über ein eigenes Domizil, in dem sie sich regelmäßig treffen, sogar zweimal pro Woche, und zwar „in unserem Aquarienkeller, Bochumer Straße 45, 44623 Herne“, wie auf der Homepage des Vereins zu ­lesen.
Als ich diese Adresse zum ersten Mal aufsuche, bin ich ein wenig überrascht. Zwar hat mir Friedhelm Behnke (siehe Blickfang in DATZ 11/2013) die Örtlichkeit als unverwechselbares „älteres Haus mit einer Arztpraxis“ ­beschrieben (als ob die Hausnummer allein nicht gereicht hätte), aber nicht erwähnt, dass es sich um ein ansehnliches Gebäude aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert handelt. Schon die Jugendstil-Außenfassade mit den Weinreben- und Bacchus-Motiven und der luftig hohe Hausflur mit den massiven Rotkiefer-Türen sind beeindruckend. Und die liebevoll ausgeführten Gemälde auf den Flurwänden und auf dem Mobiliar, in erster Linie Wiesenblumen, sind sehenswert – und nicht zu übersehen, führt der Weg hinunter zum Aquarienkeller doch an diesen Blickfängen vorbei.
Später erfahre ich von der Eigen­tümerin, Ingrid Iwobi, dass sie es war, die die Stuckornamente hat auffrischen und die Malereien ausführen lassen, nachdem sie das Haus in den 1980er-Jahren erworben hatte.
Die Fachärztin für Allgemeinme­dizin im Ruhestand erzählt mir aber auch, dass sie noch vor wenigen Jahren eine richtige Tiernärrin war. So ­betrieb sie gleich mehrere Terrarien und Aquarien, darunter ein sage und schreibe 6.000 Liter großes Buntbarschbecken. Das schafft sie nun nicht mehr, geht sie doch mittlerweile auf die 77 zu. Heute besitzt sie – neben ihrem Gartenteich mit einigen Gold­fischen und Koikarpfen – „nur noch“ vier Katzen, drei Papageien und Paul, ihren treuen Boxer-Dalmatiner-Mischling.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 2/2018