margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxNicht nur Nacktschnecken faszinieren durch Farbe und Form ihres Weichkörpers. Auch bei manchen Gehäuseschnecken ist der Körper auffälliger ist als die Schale. | Von Maren Gaulke

Der „aufgeblähte“ Trivialname von Hydatina physis, einer Meeresschnecke aus der kleinen Familie Aplustridae (vier Gattungen mit insgesamt zwölf Arten), bezieht sich auf die Schale. Sie ist sehr dünn und zerbrechlich, und die letzte Windung umschließt die älteren Windungen komplett, sodass sich eine rundliche oder blasenförmige Gestalt ergibt.
Das transparent bräunliche bis weißliche Haus ist mit gewellten braunen, schwarzen, grünlichen oder roten Linien verziert. Bei einem Spaziergang in der Gezeiten­zone findet man meist nur die ­maximal sechs Zenti­meter langen ­angeschwemmten Schalen dieser Schnecken-Spezies, die rund um den Globus in allen tropischen Meeres­gebieten verbreitet ist. Vollständig ­erhaltene Gehäuse sind wegen ihrer Fragilität allerdings die Ausnahme.
Ein zweiter, weniger gebräuchlicher Name für H. physis, „Meeres­rose“, bezieht sich auf den Weichkörper, der die Schale in großen, blass rosafarbenen bis burgunderroten und meist türkisblau eingefassten Rüschen umgibt und tatsächlich an Rosenblätter erinnert. Der große Körper, der etwa die doppelte Schalenlänge erreicht, kann nicht vollständig einge­zogen werden.
Erst bei näherem Hinsehen erkennt man die unterschiedlichen Abschnitte des Weichkörpers. Der Fuß wird durch große seitliche Fortsätze, die Parapodien, verbreitert. Der Kopf ist auf beiden Seiten von Mantel­fortsätzen umgeben, die ihn wie eine Maske einrahmen. In ihrer Mitte sind die nah beieinander liegenden, dunklen Augenflecke zu erkennen, die jedoch nur zur Licht- und nicht zur ­Objektwahrnehmung taugen.
Dafür aber hat die Schnecke eine Reihe weiterer Sinnesorgane: Die langen Rhinophoren, die beidseits des Kopfes seitlich unter der Maske hervorschauen, sind durch paarige Nerven mit dem Rhinophorenganglion im Kopf verbunden, das der Reizver­arbeitung dient.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 10/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxWoher kommt das große Interesse der Aquarianer an Fischen und anderen Organismen in Meeren, Seen und Flüssen? Die Wurzeln unserer Leidenschaft reichen weit zurück, wahrscheinlich sogar bis in die Vorgeschichte der menschlichen Spezies. | Von Martinus Fesq-Martin

Jeder Mensch entstammt auf zweifache Weise dem Wasser. Zum einen haben alle Landwirbeltiere Vorfahren, die bis vor rund 365 Millionen Jahren an aquatische Lebensräume gebunden waren. Zum anderen verbrachte jeder von uns ­seine ersten neun Monate in einem Aquarium, das mit Fruchtwasser gefüllt war. Sowohl die frühe stammesgeschichtliche Evolution unseres Bauplans als auch seine embryonale Entwicklung fanden in aquatischen Umwelten statt.
Diese Erkenntnis trifft jedoch auf die meisten Säugetiere zu, auf Elefanten und Schneeleoparden ebenso wie auf Gorillas und andere Primaten. Im Vergleich zu den übrigen Menschen­affen zeigt unsere Art aber eine aus­geprägte Affinität, die Ressourcen ­von Küstenlebensräumen zu nutzen. Archäologische Entdeckungen in Süd­afrika – aber auch in Deutschland – offenbarten Überlebensstrategien prähistorischer Menschen, die als aus­gereifte Anpassungen an marine und an Süßwasser-Ökosysteme interpretiert werden müssen.

Die Mollusken-Experten vom Kap
Die Kap-Region im Südwesten Süd­afrikas mauserte sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Dorado für die Erforschung der Urgeschichte unserer eigenen Art. In bestimmten Höhlen wurden Artefakte und zahlreiche weitere Indizien für die Anwesenheit von Homo sapiens ausgegraben, die einen Zeitraum von rund 160.000 Jahren ­umfassen, darunter die ältesten von Menschen hergestellten Gegenstände, die die Definition von Kunst erfüllen. Besonders beeindruckend sind die symmetrischen Ritzmuster auf einem Ockerstück aus der Blombos-Höhle, gezeichnet vor über 75.000 Jahren (Stillbay-Kultur).
Dass gerade die Kap-Region so attraktiv für den frühen H. sapiens war, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ökologische Gründe. Der Evolutionsbio­loge Curtis W. Marean von der Ari­zona State University beschreibt die urgeschichtlichen Vorzüge der Region Kapstadt: „Jene Menschen hatten Glück: Während Homo-sapiens-Populationen in anderen Gegenden zugrunde gingen, weil Kälte und Trockenheit ihre Nahrung dezimierten, fanden sie an diesem Küstenstrich ausreichend Meeresfrüchte und kohlenhydratreiche Gewächse.“
In der Höhle PP13B bei Mossel Bay ergab die Datierung von Schichten mit Resten von Miesmuschel- und Alikreukel-Schalen ein Alter von 164.000 Jahren! In jüngeren Schichten (110.000 Jahre) fanden sich auch Napfschnecken und Sandmuscheln, die dort verspeist wurden. Die prähistorischen Menschen müssen sich demnach bei ihrer Nahrungsbeschaffung aktiv mit der Wirbellosenfauna im Litoral aus­einandergesetzt haben.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 9/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxSie leben in allen Meeren der Erde und besitzen kein schützendes Haus. Viele von ihnen
sind so bunt, dass sie schon von Weitem auffallen. Dennoch sind sie keine leichte Beute für ­Fressfeinde. Andere Arten sind völlig unscheinbar gefärbt. Marine Nacktschnecken verfügen über unterschiedlichste Strategien im Kampf ums Überleben. | Von Helmut Göthel

Marine Nacktschnecken haben nur sehr wenig mit jenen Nacktschnecken zu tun, die jeder von uns als unattraktive, schleimige Gartenschädlinge kennt, die in Blumen- und Gemüsebeeten ihr Unwesen treiben; die gehören zur Unterordnung der Landlungenschnecken (Stylommatophora), deren wissenschaftlicher Name aus dem Griechischen stammt und „Stielaugenträger“ bedeutet.

Eigenes Haus – pro und contra
Beim Gehäuse von Schnecken handelt es sich, wie auch bei den Schalen der Muscheln, um ein Außenskelett. Neben seiner Hauptfunktion als wirk­samer Schutz vor Fressfeinden bei ­allen Schneckenarten im Meer und an Land bietet es Landschnecken außerdem Schutz vor dem Austrocknen.
Als Nacktschnecken bezeichnet man grundsätzlich solche Gastropoden, die ihr in vielen Fällen embryo­-nal angelegtes Gehäuse entweder ­vollständig rückgebildet haben und sich zumindest als erwachsene Tiere nicht mehr in ein schützendes Haus zurückziehen können oder es weit­gehend reduziert und in ihren Weichkörper hinein verlagert haben.
Dabei ist „Nacktschnecken“ keine Bezeichnung einer systematischen Gruppe (Taxon) von Schnecken. Vielmehr hat sich der Vorgang der Rückbildung der Schneckenschale bei den Vertretern unterschiedlicher Schneckengruppen mehrfach unabhängig voneinander entwickelt (Konvergenz). Dabei kann der Grad der Schalenre­duzierung innerhalb der einzelnen Gruppen stark variieren.
Doch welche Vorteile bringt der Verzicht auf ein schützendes Schneckenhaus? Zum einen wird für die ­Produktion eines Gehäuses Energie benötigt, auch das Umhertragen einer vor allem bei zahlreichen Meeresschnecken recht schweren Schale verbraucht ständig Energie.
Zum anderen schränkt ein Schneckenhaus die Beweglichkeit und den Aktionsradius seiner Träger mitunter massiv ein und verschließt ihnen in ­vielen Fällen durch sein Gewicht und Volumen den Zugang zu potenziel­-
len Nahrungsquellen. Schnecken ohne Haus sparen eine Menge an Energie, sind deutlich beweglicher, und aufgrund ihres wesentlich geringeren Körpergewichts können sie Nahrungsgründe erschließen, die für Gehäuseschnecken gleicher Größe unerreichbar sind.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 8/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxDie auch als Seehasen bekannten Breitfußschnecken (Aplysiomorpha) gehören zu den Hinterkiemerschnecken (Opisthobranchia). Die monotypische Familie Akeridae umfasst nur sechs Arten (Akera ssp.). Sie besitzen noch eine relativ große Schale, die zwar nicht den gesamten Körper, aber zumindest den Eingeweidesack umhüllt. Die teils grabend lebenden Schnecken sind nicht sehr auffällig. Demgegenüber gehören etliche Taxa der Familie Aplysiidae mit ihren knapp 70 Arten in elf Gattungen schon aufgrund ihrer teils beachtlichen Größe, aber auch ihrer an geeigneten Standorten saisonal extrem hohen Populationsdichten zu den dominierenden Hinterkiemerschnecken im Flachwasser. | Von Maren Gaulke

Die Aplysiiden sind marine Kosmopoliten, den größten Artenreichtum verzeichnet der Pa­zifik, aber auch in der Nordsee sind sie mit mehreren Arten vertreten. Da sämtliche Mitglieder Pflanzenfresser sind, bewohnen sie bevorzugt lichtdurchflutete, dicht mit Algen oder ­Seegräsern bewachsene Flachwasser­zonen. Einige Arten wie Stylocheilus striatus kommen aber bis in etwa 30 Metern Tiefe vor.

Meerhasen auf großem Fuß
Der Trivialname „Seehase“ erklärt sich aus der äußeren Erscheinung der Aplysiiden. Die langen, auf dem Hinterkopf stehenden Rhinophoren (mit Chemorezeptoren bedeckte Sinnesorgane) erinnern an Hasenohren. Dazu kommt der bei einigen häufigen Arten wie Dolabella auricularia nach hinten ansteigende Körper, mit dem sie an ­einen hoppelnden Hasen erinnern, und die bei einigen Spezies verzweigten Papillen, die ihnen ein pelziges Aussehen verleihen.
Der zweite Trivialname, „Breitfußschnecke“, bezieht sich auf die Parapodien, breite, seitlich am Fuß befindliche Hautfortsätze. Bei vielen Arten dienen sie der Fortbewegung und ­Stabilisierung am Boden, einige benutzen sie auch zum Schwimmen. Bei anderen Spezies, so beim Fransenseehasen (D. auricularia), sind die Parapodien über dem Rücken zusammengewachsen und bilden die Parapodi­alhöhle, die die Mantelhöhle schützend umgibt.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 8/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxIn vielen Publikationen über Schneckenbuntbarsche ist zu lesen, die leeren Schneckenhäuser seien die „ökologische Nische“ dieser Arten – ein Missverständnis zwischen der Wissenschaft und den Aquarianern. | Von Hans-Peter Ziemek

Der amerikanische Ökologe Charles Elton formulierte 1933 erstmals den Begriff der ökologischen Nische. Er schrieb, „dass die Nische eines Organismus dessen Lebensweise sei im gleichen Sinn, wie wir in der menschlichen Gesellschaft von Gewerbe, Arbeit oder Beruf sprechen“. Der Begriff der Nische eines ­Organismus wurde seitdem benutzt, um zu beschreiben, wie – und nicht nur wo! – er lebt (Townsend et al. 2003).
Um den Ort des Aufenthaltes eines Individuums oder einer Population
zu beschreiben, wurde zusätzlich der Begriff des Habitats eingeführt. Er ­bezieht sich auf die möglichen Auf­enthaltsorte.
Der Begriff der ökologischen Nische geht über diese Definition hin­-aus und bezeichnet ein Gedanken­experiment, bei dem für einen Organismus sämtliche Toleranzbereiche und Ansprüche für sein Leben summiert werden.
Diese Erweiterung des Begriffs beschrieb George E. Hutchinson (1957). Er nannte die komplexen Wechselwirkungen, die auf ein Tier einwirken. Es geht dabei um die Toleranzbereiche für Umweltfaktoren (Wassertempe­ratur, Sauerstoffgehalt, pH-Wert, Strömungen …) und den Bedarf an verschiedenen Ressourcen (Nahrung).
So definiert das Konzept der öko­logischen Nische die Grenzen, innerhalb derer eine Art leben und sich ­reproduzieren kann, über die Benennung der potenziell zur Verfügung stehenden abiotischen und biotischen Ressourcen.
Das leere Schneckenhaus im flachen Wasser eines ostafrikanischen Sees ist also nur ein kleiner Teil der ökologischen Nische eines Schneckenbuntbarsches. Die gesamte „Nische“ muss man sich als ein virtuelles Gebilde mit unterschiedlichen Faktoren vorstellen, die alle miteinander und mit den Tieren im Wechsel wirken.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 8/2017