margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxSeit etwa fünf Jahren wird ein tiefrot gefärbter Ludwigia-Typ kultiviert, der als „Super Red“ bezeichnet wird. Unsere Autorin hat keine Zweifel, dass es sich dabei um Ludwigia palustris handelt. | Von Christel Kasselmann

Niemand weiß, woher Ludwigia palustris „Super Red“‘ stammt und wer die Pflanze in die Aquaristik eingeführt hat. Ich kenne sie seit etwa fünf Jahren aus dem Zoofachhandel, der sie als Sorte L. sp. ‘Red’ oder ‘Super Red’ bezeichnet. Die dänische Gärtnerei Tropica führt sie mittlerweile als L. palustris.
Die Art ist keine Unbekannte in der Aquaristik: Schon Wendt (1952–1983) nennt sie in seiner berühmten Loseblattsammlung als Aquarienpflanze. Er schreibt, dass „Gärtner und Händler“ die Spezies „bereits vor Jahrzehnten in großen Mengen aus den USA“ importierten. Die damals kultivierten Pflanzen waren jedoch nur „rötlich bis violett rötlich“ gefärbt.
Rötliche Sprosse sind bei L. palus­tris nichts Besonderes. Die submerse Färbung von L. palustris „Super Red“ ist jedoch in der Tat ungewöhnlich intensiv und weicht deutlich von allen mir bekannten Aufsammlungen ab. Insofern kann man durchaus von einer neuen Aquarienpflanze sprechen.
Um sie von bisherigen Formen abzugrenzen, ist es sinnvoll, ihren Handelsnamen „Super Red“ in doppelte Anführungszeichen (und nicht als Sorte ‘Super Red’) zu führen. Eine Sorte ist aus botanischer Sicht nicht gerechtfertigt, weil die tiefrote Färbung in der Variationsbreite der Art liegt.
Empfehlenswerte deutsche Bezeichnungen, wie sie bereits im Internet verwendet werden, sind „Rotes“ oder „Tiefrotes Sumpf-Heusenkraut“ und „Tiefrote Ludwigie“.


Emerses Wachstum
Im Frühjahr setzte ich einige Sprosse der neuen Ludwigie emers in ein Kleingewächshaus und stellte es an einen sonnigen und warmen Platz. Das Wachstum zeigte sich unproblematisch und zügig. Kurze Zeit später bildeten sich die ersten Blüten, die bis in den Herbst hinein an jedem Spross in großer Zahl vorhanden waren, sodass eine Bestimmung als L. palustris nicht schwierig war.
Die etwa vier Millimeter großen Blüten bilden sich in fast jeder Blatt­achsel und sind sitzend. Die Einzelblüte besteht aus vier grünen Kelchblättern, vier Staubblättern und einem Griffel mit zweilappiger Narbe. Als besonderes Merkmal dieser Art ist das Fehlen der Kronblätter zu nennen, wodurch sie sich von anderen kultivierten Ludwigien mit gegenständigen Blättern gut unterscheiden lässt.
Der neue L.-palustris-Farbtyp bildet auch über Wasser leuchtend rot gefärbte Stängel sowie rote Staub­fäden und eine rötliche Nervatur der Kelchblätter.

Gewöhnlich nicht invasiv
Das Sumpf-Heusenkraut kommt natürlich vor an sonnigen, nicht zu heißen Standorten in Europa und im westlichen Asien sowie in vergleichbarem Klima in Nord- und Mittelamerika. Aber auch in Nordafrika ist die Art beheimatet.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 1/2018

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxDiese Aquarienpflanze wird seit 2013 auf dem europäischen Markt angeboten; zuletzt wurde sie als Micranthemum „Monte Carlo“ bezeichnet. Unsere Autorin bestimmte die Art und porträtiert sie erstmals in einer Aquarienzeitschrift. | Von Christel Kasselmann

Bei Micranthemum tweediei handelt es sich um eine kleinwüchsige, kriechende Vordergrundpflanze. Im Habitus ähnelt sie Hemianthus callitrichoides aus Kuba, wird jedoch etwas größer und ist weniger anspruchsvoll.
Die neue Aquarienpflanze wurde 2010 von Japanern im Nordosten Argentiniens gesammelt und zunächst nach Japan eingeführt (www.flowgrow.de). Aquarianer in Argentinien und Uruguay hielten sie für eine Ba­copa- oder eine Hemianthus-Art und nannten sie „Bacopita“ („kleine Bacopa“).
In den Verkauf gelangte M. twee­diei 2013 zunächst unter der falschen Bezeichnung Elatine hydropiper. Die Firma Tropica beauftragte die Botanikerin Gitte Petersen, eine DNA-Ana­lyse zu erstellen; ihre Untersuchung ordnete die Art der Gattung Micranthemum zu. Seitdem wird M. tweediei von Wasserpflanzengärtnereien und in den Internetforen als M. sp. „Mon­tecarlo-3“ oder auch „Monte Carlo“ ­bezeichnet.

Die Gattung
Micranthemum Michaux (1803) ist ein konservierter Name (nomen conservandum) über das Taxon Globifera J. F. Gmelin (1791). Mit vier akzep­tierten Arten ist das Genus sehr überschaubar. Alle Vertreter sind in Ame­rika verbreitet.
Aus der Gattung kennen Aquarianer bisher M. umbrosum. Die Art ist seit vielen Jahren eine dekorative, aber anspruchsvolle Vordergrundpflanze. In Deutschland ist sie nicht ­häufig im Zoofachhandel zu sehen. In den gut beleuchteten niederlän­dischen Pflanzenaquarien kann man sie jedoch des Öfteren in prächtigen Beständen bewundern. Viele Jahre lang wurde sie unter dem heutigen Syn­onym M. orbiculatum kultiviert.
Die Beschreibung von M. umbrosum erfolgte 1788 als Anonymos um­brosum Walter; der amerikanische Botaniker S. F. Blake überführte die Spezies 1915 in das Genus Micranthemum. Es handelt sich um die Typusart der Gattung.
Der englische Botaniker George Bentham beschrieb M. tweediei im Jahr 1846. In der Flora brasiliensis (Schmidt 1862) wird sie jedoch als ­Varietät von M. orbiculatum aufgefasst: Micranthemum orbiculatum var. tweediei. ­Descole & Borsini (1954) sowie Marchesi (1979) betrachten M. tweediei später wieder als eigenstän­dige Art, Dawson (1979) dagegen weiterhin als Synonym von M. umbrosum.
Die unterschiedlichen Auffassungen der Botaniker zeigen die nahe ­Verwandtschaft und die Ähnlichkeit zwischen M. tweediei und M. umbrosum. Tatsächlich ist ihre Unterscheidung anhand von Herbar-Belegen schwierig. Im Aquarium lassen sich beide Arten jedoch gut durch ihren Wuchs gegeneinander abgrenzen: Micranthemum umbrosum wächst überwiegend aufrecht, während M. tweediei ausschließlich kriechende Bestände bildet.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 11/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxDie Unionsliste verbietet Handel und Kultur von elf Wasserpflanzen. Die Entscheidungen der EU haben weitreichende Bedeutung für Handel, Millionen von Aquarianern und Gartenteich­besitzern sowie botanische Gärten. In den folgenden Steckbriefen setzt sich unsere Autorin kritisch mit den Maßnahmen der EU auseinander. | Von Christel Kasselmann

Sind die pauschalen Verbote ausreichend begründet? Hilft die Unionsliste, etablierte Neophyten zurückzudrängen? Wo liegen die Schwächen der Liste? Welche Rolle spielen Aquaristik und Gartenteichhandel bei den Bioinvasionen? Mit diesen Fragen befasse ich mich in den Steckbriefen der vom Verbot betroffenen Wasserpflanzen.

Cabomba caroliniana
Viele werden überrascht sein, dass ­die Karolina-Haarnixe nicht mehr gehandelt und vermehrt werden darf. Das ist äußerst bedauerlich, weil diese Art als besonders dekorative Pflanze seit vielen Jahrzehnten bei Millionen von Aquarianern kultiviert wird. Allerdings ging ihr Handel in Deutschland schon in den vergangenen zehn Jahren deutlich zurück.
Die beiden ursprünglichen Verbreitungsgebiete der Art liegen in den östlichen USA und im südöstlichen Südamerika, also sehr weit auseinander. Nach Auffassung von Mackey & Swarbrick (1997) ist jedoch nur das Vorkommen in ­Südamerika als indigen zu betrachten, und die Bestände in den USA sind auf eine Einbürgerung vor mehreren hundert Jahren ­zurückzuführen. Bereits Or­gaard (1991, 1992) vermutet eine Einschleppung durch Vögel oder Schiffe.
Cabomba caroliniana ist in vielen Ländern ein Neophyt; sie ist in Neuseeland, Australien, Japan und China sowie einigen asiatischen Ländern wie Indien, Malaysia und Sri Lanka eingeschleppt. Häufig entwickelt sich die Art in der Natur zu einer Plage, was Strategien zu ihrer Bekämpfung erforderlich macht.

Verbreitung in Europa
Das Auftreten von C. caroliniana in ­Europa soll hier genauer beleuchtet werden, um ihre Invasivität und die Aufnahme in die Unionsliste beurteilen zu können. Aus Europa sind nur vereinzelte Vorkommen in Belgien (Scheers et al. 2016), Schweden (Hallstan 2005), England (www.nonnativespecies.org 2015), Frankreich, Griechenland (www.eppo.int/2007), Ungarn (Kiraly 2008), Österreich (Fischer & Niklfeld 2011) und Deutschland (Hussner et al. 2010) bekannt. Allein aus den Niederlanden wird ein häufiges Vorkommen gemeldet (www.verspreidingsatlas.nl/5533).

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 10/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxSind Aquarianer die Verursacher einer Invasion von Wasserpflanzen? Dürfen Aquarienpflanzen draußen kultiviert werden? Welche limitierenden Faktoren spielen für die Ansiedlung fremdländischer Arten eine Rolle? Welche aquatischen Pflanzen können der einheimischen Flora gefährlich werden? Welche Auswirkungen hat die „Unionsliste“ auf die Aquaristik? Sind ­Handels- und Kulturverbote geeignete Maßnahmen zum Zurückdrängen invasiver Arten? | Von Christel Kasselmann

Auf dem VDA-Kongress 2017 in Dachau hörte ich einen sehr lehrreichen Vortrag über die Sumpfkultur von Aquarienpflanzen in kleinen Feuchtbiotopen im Garten. Jens Helemann (Falkenberg) demon­strierte, wie man im Sommer bei viel Licht und Wärme unter anderem ­Ludwigia-, Bacopa- und Echinodorus-Arten erfolgreich vermehren kann. Das Publikum wurde angeregt, es ihm gleichzutun.
In der folgenden Präsentation gab der VDA-Vertreter des Referats NAT (Natur-, Arten- und Tierschutz), Stefan Hetz, kritisch zu bedenken, dass Aquarienpflanzen, insbesondere Echinodorus-Arten, die im Freiland gehalten oder „entsorgt“ werden, sich in der Natur ansiedeln und invasiv werden könnten. Im Blick hatte der Referent offenbar die „Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung“ („Unionsliste“) und die auf politischen Ebenen geführten Diskussionen, in denen vermutlich nicht ­selten Aquarianer, Gartenteichbesitzer und der Handel für Invasoren verantwortlich gemacht werden. Allerdings besitzt nicht eine einzige Echinodorus-Art die ökologische Potenz, um sich in Deutschland dauerhaft ­ansiedeln oder in der Europäischen Union invasiv werden zu können; zudem fehlen den Spezies dieser Gattung explosive Reproduktionsraten.
Zum Thema „invasive Wasserpflanzen“ gibt es in der Aquaristik ­anscheinend großen Informations­bedarf. Deshalb nehme ich zu den jüngsten Verboten der von der Unionsliste betroffenen Wasserpflanzen kritisch Stellung, stelle limitierende Ausbreitungsfaktoren dar und bewerte die Invasivität der auf Gefährdungs­listen stehenden aquatischen Arten nach bisherigem Kenntnisstand.
Eingebürgerte Spezies werden als Neobiota bezeichnet, eingeschleppte Pflanzen als Neophyten. Nur wenige aquatische Arten, die zugleich im Aquarium kultiviert werden, besitzen das ökologische Potenzial, um in ­Europa invasiv zu werden. Von den rund 450 bekannten Aquarienpflanzen wurden etwa zehn Spezies in manche Regionen Europas eingeschleppt und konnten sich in der Natur mehr oder weniger etablieren. In einigen Ländern werden sie in Gefährdungslisten klassifiziert.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 10/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxEine launische Diva behandelt ihre Mitmenschen mal besser, mal schlechter und ist somit schwer einschätzbar. Auf Ammannia praetermissa trifft das nicht zu. Sie ist anscheinend immer schlechter Laune und tut das durch Wachstumsverweigerung kund. | Von Stephan Gohmann

Nachdem die hier beschriebene Art über 20 Jahre ohne wissenschaftlichen Namen war und als Rotgrüne Nesaea sowie als N. sp. und sp. „red“ bezeichnet wurde, beschrieb Kasselmann (2012) sie als N. praetermissa. Wenige Monate nach der Erstbeschreibung erschien die ­Publikation von Graham & K. Gandhi (2013), die aufgrund genetischer Untersuchungen festgestellt hatten, dass Nesaea und Ammannia zu einer monophyletischen Gruppe gehören; sie überführten deshalb die bis dahin ­bekannten Nesaea-Arten in die ältere Gattung Ammannia – ohne die kurz zuvor beschriebene Spezies N. prae­termissa. Kasselmann gruppierte sie kurze Zeit später ebenfalls in die ­Gattung Ammannia ein, weshalb die Pflanze nun botanisch korrekt A. praetermissa Kasselmann (2013) heißt.
Während die Benennung seitens der Wissenschaft mit A. praetermissa abgeschlossen zu sein scheint, ist die Herkunft wohl nach wie vor fraglich. Beheimatet irgendwo zwischen „weiß man nicht“ (Kasselmann 1999) und Westafrika (www.aquaticplantcentral.com), so mein momentaner Wissensstand nach Recherchen im ­Internet und in der mir zur Verfügung stehenden Literatur. Allerdings ist ­beides, Name und Herkunft, im aquaristischen Alltag von untergeordneter Bedeutung; deshalb geht es direkt weiter in Richtung Haltung.
Sieht man A. praetermissa im Handel, dann sticht ihr intensives Orange- bis Weinrot ziemlich deutlich hervor. Als ich sie vor diversen Jahren das erste Mal erwarb, war mir nicht klar, welche Probleme ich mir damit ins Haus holen sollte.
Eigentlich komme ich mit Aqua­rienpflanzen ganz gut zurecht, mein Motto lautet: „Kannste eine, kannste alle halten“, doch A. praetermissa zeigte mir, wo der Hammer hängt. Erst wunderschön rot, wurde sie im Lauf weniger Wochen grünlicher, kleiner, krüppeliger, kurzum, ein Abklatsch dessen, was ich in dem Verkaufsbecken ­gesehen hatte. Von Wachstum konnte gar keine Rede sein. In solchen Fällen wird man als großer, erfahrener Aquarianer wieder auf Normalformat geschrumpft.
Derartige Rückschläge kann man auf zweierlei Weise verarbeiten. Man trennt sich wegen unüberbrückbarer Differenzen von der Pflanze, oder man nimmt das Ganze als Herausforderung und hat eine neue Lebensaufgabe. Da in meinen Augen Dinge, die funktionieren, eher langweilig sind (deswegen habe ich ja auch Chemie mit Schwerpunkt Analytik studiert und bin in meinem beruflichen Leben mit der Lösung von Prozessproblemen sowie der Reklamationsbearbeitung befasst), wählte ich selbstverständlich die zweite Variante. Vorübergehende depressive Phasen seien nur beiläufig erwähnt.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 9/2017