Wussten Sie, dass Charles Darwin seine Forscherkarriere als Meeresbiologe an den Stränden Edinburghs begann? | von Martinus Fesq-Martin

"Charles Darwin? Ja klar, der Entdecker der Darwin-Finken und Erfinder der Evolutionstheorie!“ Der englische Naturforscher hat sein festes Image. Beschäftigt man sich eingehender mit Darwin, so entpuppt er sich als Spezialist für mari­ne Wirbellose. Besonders intensiv hat er Seepocken analysiert. An seinem Cirripedia-Projekt forschte Charles Darwin acht Jahre lang, bis er sich an eine Veröffentlichung wagte: „The Lepadidae; or, pedunculated cirripedes“ (1851) und „The Balanidae, (or sessile cirripedes); the Verrucidae“ (1854).
Auch über die Entstehung von Korallen-Atollen stellte Darwin eine bis heute überzeugende Hypothese vor: „The structure and distribution of coral reefs“ (1842) [„Über den Bau und die Verbreitung der Corallen-Riffe“ (1876)].
Seine ersten Schritte als Meereszoologe machte Darwin bereits als ­Jugendlicher. Besonders die Zeit von Oktober 1825 bis zum Frühjahr 1827, die der Teenager an der Westküste Schottlands verbrachte, scheint prägend gewesen zu sein.

In DATZ 10/2017 erschien ein kleiner Beitrag über das fast vier Jahre lang wegen Renovierung geschlossene und im vergangenen Herbst neu eröffnete Haus – mit dem Versprechen auf einen tieferen Einblick in die Meerwasser-Abteilung. Hier ist er. | Von Rainer Stawikowski

Im Aufenthaltsraum erzählen mir die dreiköpfige „Mannschaft“  der Meerwasserabteilung (die allerdings aus zwei Frauen und nur einem Mann besteht; in der Süßwasserabteilung arbeiten drei weitere Damen), und die Wasserrevier-Kuratorin Ma­rion Wille (siehe DATZ 10/2017) über sich, ihre Aquarien und ihre Arbeit.

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxMehr noch als weiße und rote gelten schwarze Mückenlarven als „Allzweckwaffe“ vieler Fischzüchter. Sie sind oft das letzte Mittel, um heikle Fische zum Fressen anzuregen oder eine selten gepflegte Art nachzuziehen. | Von Roland Schreiber

Stechmücken (Culicidae) sind die wohl meistgehassten und lästigsten Kerbtiere dieser Welt, denn sie haben sich nicht nur als ­Plagegeister, sondern auch als Überträger einer ganzen Reihe gefährlicher Krankheitserreger (Arboviren, Fadenwürmer, Protozoen) auf Mensch und Tier einen schlechten Ruf erworben. Beispielsweise verbreiten sie Malaria, Dengue-, West-Nil- und Gelbfieber, ­Filariasis oder Enzephalitis und ver­ursachen indirekt weltweit mehr Erkrankungen und Todesfälle unter den Menschen als alle anderen Organismen (Harbach 2013).
Innerhalb des Stamms der Insekten (Insecta) zählt die Familie Culic­idae Meigen, 1818 zur Ordnung der Zweiflügler (Diptera). Sie ist weltweit in allen tropischen und gemäßigten Regionen vertreten und umfasst zurzeit 3.557 Arten, die mit 113 Gattungen auf zwei Unterfamilien (Anophelinae und Culicinae) verteilt sind.
Zurzeit sind 488 Anophelinen-­Arten anerkannt. Ihre Larven lassen sich auf den ersten Blick anhand ihrer grün irisierenden Färbung, ihrer mit Schwimmkörpern ausgestatteten Eier sowie ihrer waagerechten Haltung ­direkt unter der Wasseroberfläche von den Culicinen unterscheiden. Außerdem besitzen sie kein Atemrohr, sondern nehmen den benötigten Luftsauerstoff über zwei am Hinterrand des vorletzten Segments befindliche Atemöffnungen auf. Adulte Imagines sind an der um 30 bis 45 Grad nach vorn geneigten Sitzhaltung einfach zu erkennen.
Die Unterfamilie Culicinae umfasst aktuell 3.069 Arten, verteilt auf 110 Gattungen. Erwachsene Tiere sind an ihrer Körperhaltung parallel zur Sitzfläche und am Atemrohr der Larven erkennbar, das dazu dient, atmosphärischen Sauerstoff aufzunehmen.
Die bekanntesten Gattungen der
52 einheimischen Stechmückenarten (Becker 2016) sind Culex, Aedes und Anopheles, wobei für Deutschland zurzeit sechs Culex-Arten (C. [Barraudius] modestus, C. pipiens, C. torren­tium, C. [Maillotia] hortensis, C. [Neoculex] martinii und C. [N.] territans) nachgewiesen sind.
Die am häufigsten anzutreffende Spezies ist sicher die Gemeine Stechmücke (C. pipiens). Genau genommen handelt es sich dabei nicht um eine einzelne Art, sondern um einen sehr umfassenden Komplex von Spezies, deren taxonomischer Status (Art, Unterart, Form oder Biotyp) nach wie vor umstritten ist.
Von den als „Malaria“- oder „Fiebermücken“ bezeichneten Anopheles-Arten sind in Deutschland mittler­weile ebenfalls sechs anzutreffen (A. algeriensis, A. atroparvus, A. claviger, A. maculipennis, A. messeae, A. plumbeus; Snow & Ramsdale 2017). Sie sind in den Tropen als Überträger einer Vielzahl gefährlicher Krankheiten (etwa Malaria) gefürchtet.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 1/2018

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxSie sind fast überall präsent, auch wenn sie sich kaum blicken lassen. In der Natur gehören sie zu den wichtigsten Nährtieren für Fische: rote Mückenlarven. Allein in Mitteleuropa sind annähernd 1.000 Arten bekannt. | Von Roland Schreiber

Insekten – Imagines wie Larven – stellen die Hauptnahrung vieler Fische dar (Broyer & Curtet 2011; Komatsu et al. 2000; Medeiros & Arthington 2008).
Einige Arten haben sich im Lauf der Evolution sogar auf diese Nahrung spezialisiert, beispielsweise Schmetterlingsfische oder Beilbauchsalmler. Diese oberflächenorientiert lebenden Fische erbeuten die mitunter massenhaft auf das Wasser fallenden Kerb­tiere.
Auch die Nahrung bodenlebender (benthischer) Fischarten besteht zu großen Teilen (40 bis 70 Prozent) aus Mückenlarven und -puppen (Ali 1995; Lobón-Cerviá & Bennemann 2000).
Den Zuckmücken (Chironomidae) kommt dabei eine besondere Rolle zu, handelt es sich wahrscheinlich doch um die artenreichste Insektenfamilie, die in Binnengewässern vertreten ist. Allein aus Mitteleuropa sind etwa 1.000 Spezies bekannt, die alle mög­lichen Gewässertypen – verschmutzte wie saubere – besiedeln (Streble & Krauter 2011; Thompson et al. 1986).
Rote Mückenlarven erreichen sehr hohe Populationsdichten von 1.000 bis 3.000 Individuen pro Quadrat­meter, und in manchen Teichen re­präsentieren sie bis zu 75 Prozent der im Schlamm lebenden Bodenfauna (Bellmann 1988; Engelhardt 1986; Gutjahr 1997; Thompson et al. 1986). Einige Autoren nennen für Chironomus-Arten sogar weit höhere Dichten von 75.000 (Groenendijk et al. 1998) oder über 100.000 Exemplaren pro Quadratmeter (Armitage et al. 1995).
Die Bezeichnung „Zuckmücken“ geht auf das nach vorn abgestellte erste Beinpaar dieser Dipteren zurück, das beim Ertasten der Umgebung wie ein zusätzliches Fühlerpaar zuckende Bewegungen ausführt (gr. kheironómos = „Pantomime“).
Aquarianer kennen die Larven dieser Mückenfamilie meist nur als „rote Mückenlarven“, ein Hinweis auf deren vom Blutfarbstoff Hämoglobin in ihrer Körperflüssigkeit hervorgerufene Färbung. Die wichtigste Aufgabe dieses Proteins besteht im Transport von Sauerstoff, es ermöglicht den Tieren somit ein Leben in O2-armer Umgebung.
Diese markante Farbgebung zeigen aber nur einige Arten der Unterfami­lien Chironominae und Tanypodinae oder Spezies der Gattungen Propsilocerus und Tokunagayusurika (Armi­tage et al. 1995). Hierher gehören auch die Larven und Puppen von Chironomus plumosus, der als Futter für Aquarienfische bekanntesten und bedeutendsten Chironomiden-Art (Bremer 1997; Mielitsch 2007).
Neben den hell- bis dunkelrot gefärbten Formen finden wir auch solche mit überwiegend weißer, gelblicher, grüner oder braungrauer Tönung (Engelhardt 1986), die sich vorzugsweise in sauerstoffreicher Umgebung, etwa zwischen Wasserpflanzen oder nahe der Wasseroberfläche, aufhalten (Thompson et al. 1986).

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 1/2018

Weiße Mückenlarven sind das ganze Jahr über als Lebendfutter verfügbar. Ob sie sich kultivieren lassen und wie es um ihren Nährwert bestellt ist – auch darum geht es auf den folgenden Seiten. | Von Roland Schreiber

Von Wilhelm Busch stammt dieser Reim, den sicher viele von uns kennen:
Fortuna lächelt; doch sie mag
nur ungern voll beglücken;
schenkt sie uns einen Sommertag,
so schenkt sie uns auch Mücken.
Aquarianer sind an den kleinen Plagegeistern, die uns im Sommer mehr oder weniger heftig zur Last fallen, eher nicht interessiert. Anders verhält es sich mit ihren aquatischen Larven, einem wichtigen Glied im Nahrungsnetz vieler Gewässer. Von manchen Fischarten heißt es sogar, dass sie „nachgewiesenermaßen erst nach Fütterung mit Mückenlarven Laich ansetzen“ (Baensch et al. 1992).
Die Unterordnungen der Mücken (Nematocera) und der Fliegen (Brachycera) zählen zur Ordnung der Zweiflügler (Diptera), die weltweit über 144.000 Arten umfasst (Menzel 2017).
Aquarianer verwenden als Fischfutter vor allem die Entwicklungsstadien aus den Familien der Büschelmücken (Chaoboridae), der Zuckmücken (Chironomidae) und der Stechmücken (Culicidae), die uns als weiße, rote und schwarze Mückenlarven bekannt sind. Sie besitzen nicht nur einen hohen Nährwert, sondern sind auch fast das ganze Jahr über verfügbar und lassen sich teils sogar einfach kultivieren. Ich habe mich intensiv mit diesen Lebendfuttersorten befasst und gehe hier auf viele bisher weniger bekannte Details zur Formenvielfalt, zur Kultivierung dieser Tiere und zu ihren Nährwerten sowie auf weitere Besonderheiten ein.
Der erste Teil beschäftigt sich mit der Familie der Büschelmücken (Chaoboridae), deren Larven aufgrund ihrer hellen, oft transparenten Gestalt als „Glasstäbchen“ oder „weiße Mückenlarven“ bezeichnet werden.

Eiskalte Räuber
Büschelmücken sind, außer in der Antarktis, weltweit anzutreffen. Anders als die Stechmücken (Familie Culicidae) fallen sie dem Menschen nicht übermäßig zur Last, da ihre Imagines kein Blut saugen.
Deutliche Erkennungszeichen der aquatischen Larven sind ihre nahezu durchsichtige Erscheinung, ihre waagerechte Schwimmhaltung sowie die beiden Paare dunkel pigmentierter Tracheenblasen im Thorax und im siebten Hinterleibssegment. Diese mit verschiedenen Gasen (Sauerstoff, Methan, Stickstoff) gefüllten hydrostatischen Apparate befähigen die Larven, ihren Körper in einer horizontalen Lage zu halten, und sorgen für einen Druckausgleich in unterschiedlichen Wassertiefen (Burrows & Dorosenko 2014; Damant 1924; Krogh 1911; Teraguchi 1975). Der Gasaustausch, also die Sauerstoffaufnahme, erfolgt unabhängig davon ausschließlich über die Hautoberfläche.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 1/2018