margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxAuf manche „Story“ kommt ein Autor in einer schlaflosen Nacht, er wird von Freunden oder dem Ehepartner darauf hingewiesen, dass es schon merkwürdig sei, was er da gerade treibt. Manchmal bringt einen auch der Redakteur der DATZ auf eine Idee: „Etwas lustig könne die Geschichte ruhig sein“, meinte er, und sogleich fiel mir ein Erlebnis ein, das sich vor nicht allzu langer Zeit genau so und nicht anders zutrug. | Von Roland Schreiber

Wieder einmal war eine für mich neue und interessante Art im Handel aufgetaucht: der Assel-Kugelfisch (Colomesus asellus), einziger Süßwasserkugelfisch Südamerikas, mit riesig großen Kulleraugen und einer (wie meine Frau meinte) „echt süßen“ Schwimmweise.
Ein gutes Dutzend der bereits geschlechtsreifen Tiere bezog eines meiner größeren Aquarien. Ihre Pflege erwies sich als einfach, was die Berichte bestätigte, die ich über die Art gelesen hatte. Nur bezüglich der Nachzucht scheint sie eine dieser „harten Nüsse“ zu sein.
Nach intensiver Recherche stieß ich auf Hinweise, dass C. asellus wohl den saisonalen Zyklus (Hoch- und Niedrigwasser) benötigt, um sich fortzupflanzen. Die Tiere wandern mit ­Beginn der Regenzeit von den austrocknenden Auenseen in die größeren Flüsse und laichen dort. Die geschlüpften Larven durchleben offenbar in Ufernähe eine planktonische Phase und werden durch starke ­Niederschläge ins offene Wasser gespült (Araujo-Lima & Oliveira 1998; Araujo-Lima et al. 1994).
Aus meiner Sicht war dieser Fisch ein typischer Fall für die sogenannte Kirschbaum-Methode, die wechselnde Niedrig- und Hochwasserbedingungen simuliert und den Tieren den Beginn einer Regenzeit (Fortpflanzungszeit) vorgaukelt.
So weit, so gut. Die meisten dieser Bedingungen (Veränderungen der Wasserchemie und des Wasserstands, Regensimulation) lassen sich pro­blemlos imitieren. Ich hatte jedoch in einem älteren Aquarienbuch (Scheurmann 1989) gelesen, dass heraufziehende Gewitter besonders stimulierend zu sein scheinen. Vor allem laute Donnerschläge und grelle Lichtblitze scheinen von den empfindlichen Organen der Tiere (Augen, Seitenlinie) wahrgenommen und als Startschuss für die beginnende Regenzeit (= Laichphase) interpretiert zu werden. Die Autorin imitierte Tropengewitter mithilfe des Blitzgeräts ihrer Kamera und lautes Backblech-Schepperns in der Küche.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 10/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxIm ersten Teil des Beitrags ging es um die altbekannte Malaiische Turmdeckelschnecke, in der Regel ein willkommener Gast in unseren Aquarien, der aber auch bei einem Massenauftreten zur Plage werden kann. | Von Uwe Werner

Die auf den folgenden Seiten ­näher vorgestellte Schneckenart gehört noch nicht allzu ­lange zum Gastropoden-Sortiment in der Süßwasser-Aquaristik.

Turmdeckel-Raubschnecke
Die kleine, aus Asien stammende Turmdeckel-Raubschnecke (Clea helena [Meder, 1847]) wurde ursprünglich gar nicht gezielt ­importiert, sondern gelangte versehentlich nach Deutschland; sie wurde mit Wasserpflanzen eingeschleppt. Aufgrund ihres dekorativen Aussehens und ihrer speziellen Ernährungsweise wird sie aber seit 2006 mehr oder weniger regelmäßig eingeführt. Auch sie kann nämlich helfen, andere Schnecken zu redu­zieren, da ihre natürliche Nahrung
in beträchtlichem Umfang aus ihresgleichen zu bestehen scheint. Doch davon soll gleich noch die Rede sein.
Die Turmdeckel-Raubschnecke gehört zur Familie der Kinkhörner oder Hornschnecken (Buccinidae), deren Vertreter allesamt Fleischfresser (karnivor) sind. Ursprünglich hatte Meder 1847 (in Philippi) sie als Clea-Art ­beschrieben, doch überführte Crossman sie 1901 in seine neu aufgestellte Gattung Anentome. Heute gilt dieses Taxon als Untergattung und A. theminckiana (Petit, 1853) als Synonym. Auch bei C. nigricans (Adams, 1855) könnte es sich um dieselbe Spezies handeln, ­vielleicht aber auch um eine nah verwandte weitere Art.
Das natürliche Vorkommen dieser Schnecke umfasst weite Teile Südostasiens (Indonesien, Malaysia, Thailand), wo sie nicht nur fließende (Flüsse, Bäche), sondern auch stehende Gewässer (Weiher, Seen) bewohnt. Sie lebt hauptsächlich am Boden, bevorzugt schlammige Habitate und feinkörnige Untergründe, ist gelegentlich aber auch auf steinigem und felsigem Substrat anzutreffen. Im Aquarium soll sie sich in klarem, sauerstoffreichem Wasser am wohlsten fühlen. Außerdem ist ein feiner oder zumindest nicht zu schwerer Bodengrund angeraten, da sie sich zur Nahrungssuche gern eingräbt.

Anatomisches
Das Schneckenhaus von C. helena ist wie das von M. tuberculata ausgesprochen festwandig, also dick und nicht durchscheinend, dabei rechtsgedreht und kegelförmig konisch. Es besteht aus vier bis sechs Windungen und kann 15 bis 28 Millimeter lang werden. Die Umgänge sind meist mit unterschiedlich stark ausgebildeten axialen Rippen besetzt, die gelegentlich aber auch fehlen. In der oberen Hälfte sind sie mit feinen spiraligen Linien ver­sehen. Am unteren Ende, wo sich die relativ große, ovale Gehäusemündung befindet, die bei einer Gehäusehöhe von 21 Millimetern etwa einen Zentimeter hoch und fünf Millimeter breit

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 9/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxUnter den über 250 Salmlerarten, die „die Hoffmänner“ in den vergangenen ­Jahrzehnten nachgezogen haben, gehört die hier vorgestellte zweifellos zu den ­spektakulärsten. | Von Peter und Martin Hoffmann

Mehrfach berichteten wir über diesen Salmler, unseren Lieblings-Beifang, in der DATZ, sogar schon sehr ausführlich (Hoffmann & Hoffmann 2001, 2004, 2009). Unseren aktuellen Nachzuchterfolg möchten wir interessierten Lesern dennoch nicht vorenthalten.
Vor drei Jahren hatten wir die letzten Exemplare von Hemigrammus coe­ruleus, wie immer als Beifang, von Aquarium Glaser (Rodgau) erhalten. Es handelte sich allerdings nur um zwei Tiere.
Leider sind diese Fische unter gezielt eingeführten Salmlern wie Carnegiella- und Gasteropelecus-Arten oder auch Nannostomus unifasciatus und N. trifasciatus inzwischen fast gar nicht mehr zu finden. Sie werden wahrscheinlich aussortiert, um art­reine Sendungen auf den Weg bringen zu können. Bis vor kurzem dürfte also ein bewusster Import von H. coeruleus in größerer Stückzahl sicher nicht erfolgt sein (siehe unten).
Die beiden Tiere waren halbwüchsig, und an eine Nachzucht war noch nicht zu denken. Aber wir hatten natürlich Geduld und achteten sorgfältig auf die Fische. Erfreulicherweise handelte es sich tatsächlich um ein Pärchen.
Die Salmler wuchsen heran, und eines Tages bemerkten wir, dass sich das Männchen um sein Weibchen bemühte. Es präsentierte sich mit kräftig roter Körperfärbung und schwarzen Flossen.
Also setzten wir das Paar in unser Gesellschaftszuchtbecken (GZB; Hoffmann & Hoffmann 2008) und hofften – zum x-ten Mal – auf einen Nachzuchterfolg. Wie viele solcher Ansätze wir mit dieser Art bereits begonnen hatten und erfolglos wieder abbrechen mussten, wissen wir nicht mehr, wir haben sie nicht gezählt.
Immer wenn wir andere, neue Salmlerarten erfolgreich vermehrt hatten und das GZB leer stand, kam das Coeruleus-Pärchen zum Einsatz. Mittlerweile hatten beide Tiere eine Totallänge von 60 Millimetern erreicht, und das Weibchen zeigte sichtbar Laichansatz.
Die Wasserverhältnisse hatten wir durch Zugabe reinen Regenwassers auf folgende Werte eingestellt: 85 µS/cm; pH etwa 6,5; 24 °C.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 9/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxDie Schlammschnecken (Lymnaeidae) zählen zu den Lungenschnecken ­(Pulmonata). Bezüglich der Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Familie gibt es noch keinen Konsens, je nach Bearbeiter werden mehrere Genera oder aber nur eine einzige
Gattung aufgelistet. | Von Uwe Dost

Lymnaeiden sind weltweit verbreitet und reine Süßwasserbewohner. Ihre Gehäuse sind rechtsgedreht und meist mehr oder weniger kegelförmig. Die Größe der Öffnung im Verhältnis zur Schalen­höhe und die Ausbildung und Zahl der Windungen werden zur Arter­kennung herangezogen. Da jedoch ihr Lebensraum – etwa die Gewässergröße und -tiefe, die Wassertemperatur, -bewegung und -chemie – sowohl die Form als auch die Farbe der Schale beeinflusst und die Unterscheidung der Arten früher lediglich anhand ihres Äußeren erfolgte, wurden etliche Standort-Varianten als eigene Spezies beschrieben. Erst die anatomische ­Untersuchung der Weichteile – beispielsweise gibt es äußerlich sehr ­ähnliche Arten, die nur anhand der mikroskopischen Betrachtung des Geschlechtssystems unterscheidbar sind – brachte hier Klarheit, weshalb viele Taxa letzten Endes wieder eingezogen wurden.

Keine Haustür
Anders als etwa bei der Sumpfdeckelschnecke (Viviparus viviparus) können Spitzschlammschnecken ihren Körper nicht vollständig in ihr Gehäuse zurückziehen, und mangels eines Deckels dient allein der Fuß als Verschluss. Charakteristisch für alle Lymnaeiden sind die flachen, kompakten, dreieckigen Fühler sowie ein vorn breiter, hinten rund auslaufender, ovaler Fuß. Die Häuser sind relativ dünnschalig und brechen leicht, wenn man sie in die Hand nimmt.
Schlammschnecken, die in seichten, ruhigen Gewässern leben, kommen zum „Atmen“, dem Austausch des Luftvorrats in ihrer Mantelhöhle, an die Wasseroberfläche. Ein verzweigtes Gefäßnetz in der Mantel­höhle, die „Lunge“, dient dem Gasaustausch. In der Körperflüssigkeit (Hämolymphe) erfolgt der Sauerstofftransport mittels Hämocyanin (das
ist ein kupferhaltiges Molekül), im ­Gegensatz zum eisenhaltigen Hämoglobin beim Menschen.
Je sauerstoffärmer ein flaches Gewässer, desto häufiger kommen die Schnecken an die Oberfläche. Der Luftaustausch erfolgt über ein verschließbares Atemloch seitlich am Körper. Das ermöglicht es den Schnecken, auch sauerstoffarme Habitate zu besiedeln, in denen kiemenatmende Wasserschnecken nicht mehr gedeihen. In tieferen Gewässern oder im Winter unter geschlossener Eisdecke erfolgt der Sauerstoffaustausch über die Haut anstatt über die Mantelhöhle, etwa über die gut durchbluteten Fühler.

Ernährung
Schlammschnecken weiden die Algen­beläge von Wasserpflanzen, Steinen und versunkenen Hölzern ab. Auch Biofilme an der Wasseroberfläche, die sogenannte Kahmhaut, wird gefressen. Zudem verschmähen Lymnaeiden weder abgestorbenes pflanzliches Material noch Aas, weshalb Aquarianer und Teichbesitzer sie als Gesundheitspolizei durchaus schätzen. Auch zur Bekämpfung von Moostierchen, Hy­dren und anderen Wasserschnecken – sie fressen deren Gelege, teils aber auch ihre eigenen – werden sie in Teichen und Aquarien geduldet. Exem­plare, die in tiefem Wasser leben, ernähren sich vor allem von Detritus.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 9/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxBeim Thema „Schnecken“ scheiden sich seit jeher die Aquarianer-Geister. Die einen sehen sie als Ärgernis, das man sich mit Pflanzen einschleppt, das schnell zur Plage wird und bekämpft werden muss. Die anderen finden diese Tiere faszinierend und wissen sie als Algenfresser und Restevertilger zu schätzen. Seitdem attraktive und skurrile Arten eingeführt werden, von denen sich viele sogar vermehren lassen, haben sich die Relationen zwischen Schnecken­hassern und -liebhabern deutlich verschoben … | Von Ingo Seidel

Ganz besonders beliebt sind die meist recht groß werdenden Turmdeckelschnecken (Pachychilidae), die in Amerika, Afrika und Asien vorkommen. Diese Familie besteht zurzeit aus elf Gattungen mit über 240 Arten. Davon sind jedoch nur die Genera Brotia, Faunus und Tylo­melania für uns von Bedeutung; von ihnen werden etliche Spezies aus Südostasien importiert. Sie eignen sich sehr gut auch für bepflanzte Aquarien, da sie das Grün nicht antasten.

Brotia
Die artenreiche Gattung Brotia Adams, 1866 ist in Südostasien weit verbreitet (von Indien über Thailand bis Indo­nesien). Es handelt sich vor allem um Fließwasserbewohner, die auch im Aquarium eine leichte Strömung und sauerstoffreiches Wasser bevorzugen. Sie weiden den Aufwuchs auf den ­Einrichtungsgegenständen ab, ernähren sich aber auch von verrottenden Pflanzenteilen und filtrieren Mulm. Trockenfutter verschmähen sie ebenfalls nicht, ideal sind Flocken auf pflanzlicher Basis.
Die Pflege der meisten Brotia-Arten sollte bei 18 bis 26 °C problemlos ­gelingen. Nach meinen Erfahrungen kommen die Tiere auch mit härterem Wasser gut zurecht. Bei mir vermehrten sich zwei Arten selbst im harten Leitungswasser des Berliner Umlandes (rund 850 µS/cm).
Die Schnecken dieser Gattung sind getrenntgeschlechtlich und lebend­gebärend. Die Männchen übergeben Spermienpakete an die Weibchen, die ihre Eier in eine Bruttasche legen, in der sie sich entwickeln. Die geschlüpften Jungtiere werden dann ins Wasser entlassen. Die Vermehrungsrate ist meist eher gering, doch dafür sind die Jungschnecken bereits zwei bis vier Millimeter lang.
Nach meinen Beobachtungen ist – neben guten Wasserbedingungen – auch die Konkurrenzsituation für die Fortpflanzung dieser Schnecken entscheidend: Stehen sie in einem Aquarium mit sich schnell vermehrenden und erfolgreichen Arten (etwa Melan­oides tuberculata oder Thiara winteri) im Wettbewerb, wird man sich an ihrer Nachzucht häufig die Zähne ausbeißen.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 8/2017