In den weiteren Teilen dieses Artikels geht es um die Aquarienhaltung und das gattungstypische Verhalten der Badis-Arten. Dabei greift der Autor auf eigene Beobachtungen und Erfahrungen sowie auf die Beschreibungen anderer Aquarianer zurück. | von Uwe Manzke

Bereits unmittelbar nach der Einfuhr der ersten Exemplare von Badis badis nach Deutschland (1904) erkannten die damaligen Profis, etwa Paul Matte (Lankwitz-Berlin), schnell, dass die Männchen des Blaubarsches gern Höhlen besetzen. Dementsprechend gelangen die ersten Nachzuchten in Aquarien mit einer solchen „Höhle“, damals oft einem Blumentopf, aus dem der Boden herausgeschlagen war. In der „Wochenschrift“ und in den „Blättern für Aquarienkunde“ tauchte in der Folge immer wieder dieser neue „Barsch“ auf, und es stellte sich die Frage nach der Geschlechtsbestimmung, übrigens eine Frage, die auch mich manches Mal beschäftigte.
Männchen sind in der Regel größer, weisen eine konkave, also nach innen eingebuchtete Bauchlinie auf und sind farbenprächtiger. Zudem sind ihre Flossen größer und länger ausgezogen, vor allem die Rücken-, Schwanz- und Afterflosse. Weibchen sind meist weniger farbig, wirken oft blass, sind kleiner und weisen eine konvexe, also nach außen gewölbte Bauchlinie auf. Außerdem sind ihre Flossen nicht so groß und verlängert wie die der Männchen.
Zudem sind die Männchen inner­artlich aggressiver als die Weibchen. Das gilt mehr oder weniger für alle Badis-Taxa. Allerdings können die ­Tiere stimmungsabhängig, insbesondere Jungtiere, so aussehen wie das jeweils andere Geschlecht. Das beobachtete ich bei sämtlichen Arten, die ich ­gehalten hatte, vor allem bei B. ferra­risii (vergleiche die Fotos im ersten Teil). Mit zunehmendem Wachstum festigen sich die geschlechtsspezifischen Merkmale dann, vor allem in der Körperform.

Die Parancistrus-Arten gelten als heikel in der Pflege und schwierig in der Nachzucht. Zudem sollen sie ziemlich territorial werden. Dass dies nicht zu verallgemeinern ist, zeigt der Beitrag über den vielleicht kleinsten Vertreter der Gattung. | von Fabian Deuschle

Im Sommer 2016 sah ich zum ersten Mal lebende Tiere dieses schönen Harnischwelses in der Anlage von „OF Aquaristik“. Damals hatte ich aber ­weder genügend Platz zur Verfügung, noch traute ich mir
die Haltung von Parancistrus-Arten zu, gelten sie doch als hinfällig und schwierig über län­gere Zeit zu pflegen. Auch die in der Literatur angegebene zu erwartende Endgröße schreckte mich ab. Oliver Frank klärte mich aber auf, dass es sich bei diesen Tieren nicht um Ver­treter der Spezies P. aurantiacus handelte, die häufig als gelb gefärbte ­Morphe gehandelt werden und über 25 Zentimeter Totallänge (TL) erreichen können.
Im Gegensatz zu den „echten Aurantiacus“, die im Rio Araguaia sowie im Mittellauf des Rio Tocantins leben sollen, stammt der graue P. sp. aff. ­aurantiacus aus dem Unterlauf des
Rio Tocantins von der Umgebung der Stadt Belém bis mindestens zum Tucurui-Stausee. In Gefangenschaft erreicht diese Art gerade einmal zwölf bis 16 Zentimeter TL und wirkt in der Draufsicht nicht ganz so breit und ­bullig wie P. aurantiacus.
Schneller als gedacht zogen dann Anfang November desselben Jahres acht frisch importierte, etwa acht ­Zentimeter lange Wildfänge von P. sp. aff. aurantiacus bei mir ein. Anfangs waren die Tiere noch sehr dünn, und ich päppelte sie bis kurz nach Weihnachten in einem sporadisch eingerichteten Aquarium mit den Maßen 120 x 60 x 25 Zentimeter auf. Gefiltert wird das Becken über zwei Eck-HMF (Hamburger Mattenfilter) mit Luftheber-Betrieb.

In der Aquaristik findet von den klein bleibenden Barschartigen Asiens lediglich der Blaubarsch (Badis badis) eine größere Beachtung und Verbreitung. Dabei gibt es eine Vielzahl weiterer schöner Arten in dieser Gattung, die unser Interesse verdient haben – so auch die hier vorgestellte. | von Ernst Sosna

Der indische Exporteur bot die Tiere Ende 2014 noch unter dem Namen Badis tuivaiei an. Ein Jahr später beschrieben Valdesalici & van der Voort das Taxon B. autumnum, worauf Uwe Manzke mich aufmerksam machte, dem ich hier für seinen Hinweis danke.
Meine Tiere vereinen alle Merk­male, die für B. autumnum als typisch genannt werden, insbesondere die dunkle Zone hinter dem Auge in Kombination mit dem Fehlen des Schulterflecks, den die meisten anderen Gattungsvertreter zeigen, und ein schwarzes „liegendes T“ auf der Schwanzwurzel. Zudem kann jede Schuppe von einem roten Fleck geziert sein, was dem Fisch den Populärnamen „Rotpunkt-Badis“ einbrachte.

Einiges über die Arten der Gattung Badis, die „Blaubarsche“, die oft rotbraun aussehen … | von Uwe Manzke

Die ersten Blaubarsche (Badis badis) wurden bereits 1904 von Hans Stüve (Hamburg) nach Deutschland eingeführt (Bade 1905; Stüve 1905; Stansch 1914). Ihre Heimat wurde mit „Indien und Vorder­indien“ angegeben.
Schon in den ersten Berichten wurde auf die stimmungsabhängige und außerordentlich vielseitige Färbung und die damit verbundenen Farbwechsel dieses „neuen Nander-Barsches“  hingewiesen. Daher erhielt er auch den Namen „Chamäleonfisch“. Seine andere Bezeichnung – „Topfgucker“ – bekam er, weil die Männchen gern einen in das Aquarium gestellten Blumentopf besetzen und aus dem ­herausgeschlagenen Boden gucken.
Badis badis wurde bereits 1822 von Hamilton als Labrus badis beschrieben. Jüngere Synonyme sind Labrus fasciatus (Cichla fasciata) Swainson, 1839 und Badis buchanani Bleeker, 1854.
Gleichfalls von Hamilton und auch aus dem Jahr 1822 stammt die ­Beschreibung eines zweiten „Badis“: Labrus dario (heute Dario dario).
Ungefähr 100 Jahre nach der Beschreibung von B. badis wurde das dritte Badis-Taxon durch Schreitmüller als Unterart beschrieben: Badis badis ruber („Roter Badis“). Dieser Blaubarsch wurde 1936 von Ahl mit Bezug auf sein Vorkommensgebiet – Birma (= Myanmar, Burma) – als B. badis burmanicus bezeichnet.
Kurz darauf (1937) beschrieb gleichfalls Ahl den „Assam-Blaubarsch“ (B. badis assamensis).
Ende der 1950er-Jahre folgte der thailändische oder „Siam-Blaubarsch“ (B. badis siamensis Klausewitz, 1957).
Bis in die 1960er-Jahre waren damit fünf verschiedene Badis-Arten re­spektive Unterarten bekannt, wobei nur eine Spezies regelmäßig in den Aquariengeschäften angeboten wurde, der Blaubarsch (B. badis). Der „Rote Badis“ (B. ruber mit dem Syn­onym B. burmanicus) gelangte ab den 1960er-Jahren immer wieder einmal nach Deutschland. Badis siamensis hingegen wurde nur äußerst selten oder gar nicht in den Zoogeschäften angeboten.

Der hier vorgestellte Harnischwels ist aquaristisch bislang weitgehend unbekannt. Vermutlich wurde er von meinen Reisebegleitern und mir sogar erstmals eingeführt. Mol (2012) bildet die Art ab und bezeichnet sie als Ancistrus sp. „Reticulate“ – ein passender Name, der auf die Wurmlinienzeichnung des Kopfes und das Netzmuster des Körpers hinweist. Da es weitere Ancistrus-Arten mit ähnlichem Aussehen gibt, erhält die Art hier die L-Nummer 503. | von Karsten Schönherrann

Der Antennenwels Ancistrus sp. (L 503) kommt laut Mol (2012) im Mindrineti-Fluss im Saramacca-Einzug und im oberen Commewijne (Surinam) vor. Wir fanden die Art auch im Cottica, einem Zufluss des unteren Commewijne. In einem kleinen Cottica-Nebenfluss fünf Kilometer südlich des Städtchens Moengo kescherten wir 2014 zunächst nur ein einzelnes juveniles Männchen. Die hier abgebildeten adulten Exemplare stammen aus dem Oberlauf des Cottica; wir fingen sie im Oktober 2016 etwa 20 Kilometer südlich von Moengo und östlich der kleinen Siedlung Java.
Der Fluss führt zur Trockenzeit relativ wenig Wasser, es wechseln sich Abschnitte mit kaum feststellbarer und wenige Zentimeter tiefe Abschnitte mit mäßiger Strömung über grobem Kiesboden ab. An unserem Fundort gab es einiges an Totholz im Flussbett; insbesondere unter den Holzstämmen und Ästen fanden wir die Antennenwelse in allen Größen. Offenbar ist ihre Fortpflanzung nicht an eine bestimmte Jahreszeit gebunden.
Ancistrus sp. (L 503) kommt zusammen mit den Welsen Corydoras aeneus „Surinam“, C. punctatus, Trachelyopterus galeatus, Chasmocranus longior, Pimelodella cristata und He­logenes marmoratus vor. An weiteren Fischen fingen wir in tieferem Wasser unter anderem Blattfische (Polycentrus schomburgkii), Ziersalmler (Nannostomus beckfordi) und viele andere kleine Salmler.