margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Lisa-Ann Gershwin. 224 Seiten, 260 Farbfotos, Hardcover. Verlag Delius Klasing, Bielefeld, 2017. ISBN 978-3-667-11024-4. 29,90 €

Wenn jemand beschließt, ein Fachbuch zu schreiben, dann sollte die wichtigste Voraussetzung eine große Portion Fachwissen sein. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber leider nicht immer gegeben.
Die promovierte Biologin Lisa-Ann Gershwin hat in den 25 Jahren, in denen sie sich mit Quallen beschäftigt, über 200 (!) Arten wissenschaftlich beschrieben und damit ihre Fachkompetenz wohl unter Beweis gestellt. Und diese einzigartige Kompetenz, verbunden mit ihrer Begeisterung für die zu den ältesten tierischen Lebensformen unserer Ozeane gehörenden Organismen, findet sich in ihrem gesamten Werk, in jedem Kapitel und auf jeder Seite.
Das Buch ist in die fünf Kapitel „Anatomie der Quallen“, „Lebenszyklen von Quallen“, „Taxonomie und Evolution der Quallen“, „Ökologie der Quallen“ und „Unsere Beziehungen zu Quallen“ unterteilt. In jedem dieser Abschnitte werden neun Teilaspekte auf jeweils einer Doppelseite behandelt, unterstützt von aussagekräftigen Schemazeichnungen und Fotos. Zum Abschluss jedes Kapitels folgen zehn Doppelseiten, auf denen zehn Quallenarten vorgestellt werden, die das zuvor Gelesene veranschaulichen. Jedes Porträt besticht mit einem hervorragenden ganzseitigen Foto. Auf der gegenüberliegenden Seite wird die betreffende Art in einem informativen Text beschrieben. Außerdem findet der Leser den wissenschaftlichen Namen, die systematische Einordnung sowie Hinweise auf anatomische Besonderheiten, Lebensraum, Größe und Verbreitungsgebiet.
Besonders hervorzuheben sind die dem jeweiligen Foto entsprechenden, beschrifteten Schemazeichnungen, die erläutern, was der Leser auf dem Foto im Einzelnen sieht, beispielsweise Augen, Mundöffnung, Keimdrüsen, Larventaschen und vieles mehr.
Die Texte sind so anspruchsvoll und umfassend, dass sie selbst gestandenen Biologen eine Fundgrube an Informationen bieten. Man könnte das gesamte Buchkonzept eins zu eins auf eine Vorlesung für Biologiestudenten übertragen. Dabei sind alle Kapitel ausgesprochen flüssig und spannend geschrieben, sodass auch Laien oder Neueinsteiger in die faszinierende Welt der Quallen nicht überfordert, sondern gefesselt werden!
Bislang gab es auf dem Buchmarkt über Quallen nichts auch nur annähernd Vergleichbares. Der Autorin ist ein einzigartiges Werk gelungen, das es verdient, zum deutschsprachigen Standardwerk über diese Tiere zu werden.

 

Helmut Göthel

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Ulrich Schliewen. 288 Seiten, 600 Farbfotos, Hardcover. Gräfe und Unzer, München, 2017. ISBN 978-3-833-80859-3. 24,99 €

Die komplette Aquaristik in einem Buch – geht das? Und ist das überhaupt noch zeitgemäß? Es gibt doch sämt­liche Informationen über Aquaristik im Internet, das Stichwort „Aquarium“ erzielt bei „Google“ 194 Millionen Treffer!
Dennoch hat sich schon die Vorgängerausgabe dieses Buchs sehr gut verkauft. Was steht also drin in diesem Universalwerk? Und was unterscheidet es von den Informationen im Internet?
Der Verfasser ist gelernter Biologe und seit seiner Kindheit begeisterter Aquarianer. Er schreibt seine Erfahrungen auf, kombiniert mit den neuesten Erkenntnissen. Informationen aus einer Hand, basierend auf langer Erfahrung, dafür gibt es offensichtlich einen Markt. Wer sich lieber bei Zankereien selbst ernannter Experten in Internetforen informiert, dem geht es ohnehin nicht um solides biolo­gisches Wissen.
Das bekommt der Leser in Schliewens Praxishandbuch sofort. Es beginnt mit dem Kapitel „Fischbiologie leicht gemacht“. Auf 25 Seiten führt es vom Körperbau über die Sinnesleistungen zum Fischverhalten und zu den natürlichen Lebensräumen der Aquarienbewohner.
Vorbildlich ist der Abschnitt zum Arten- und Naturschutz, denn er weist schon an prominenter Stelle auf die Verpflichtung der Aquarianer hin, eine möglichst naturverträgliche Vivaristik zu treiben.
Im folgenden Kapitel ­werden auf über 40 Seiten die Grundlagen der Aqua­rientechnik sowie der Wasserphysik und -chemie nachvollziehbar und in­struktiv beschrieben. Allerdings fällt hier ein gewisses Durcheinander auf. Alle wichtigen Stichworte sind genannt, für den Anfänger aber nicht in eine vernünftige Ordnung gebracht, nämlich unter der Leitfrage: Was ist wirklich wichtig und notwendig, um das erste Aquarium einzurichten und langfristig zu betreiben?
Es folgt der Abschnitt „Dekorieren, schön bepflanzen“. Hier finden sich ebenfalls viele Einzeltipps, und alle haben sie Hand und Fuß. Aber es fehlen konkrete Vorschläge zur sinnvollen Kombination von Materialien und Pflanzenarten. Die folgen dann in dem Kapitel „Einrichtung und Aquarienpflege“. Praxisnah werden darin die Einrichtung und der Betrieb eines mittelgroßen Aquariums vorgestellt.
Ab Seite 120 geht es um die Ernährung der Aquarienbewohner. Hier wird vernünftig zwischen Futter aus dem Zoofachhandel und aus „natürlichen“ Quellen unterschieden.
Das Kapitel über Krankheiten führt die hohe Qua­lität weiter und gibt einen schnellen Überblick zu den wichtigsten Krankheitsbildern.
Was sich anschließt, ist ein „Mischkapitel“. Zusammengefasst werden Hinweise zur Nachzucht von Fischen, zur Einrichtung von Nano-Aqua­rien und zum Betrieb von Meerwasserbecken.
Die Schilderung verschiedener Methoden zur Vermehrung von Süßwasserfischen zeugt von der großen Erfahrung des Verfassers. Für Anfänger sind einige Beispiele allerdings schon zu speziell. Sinnvoller wären Hinweise, welche Nachzuchtmöglichkeiten ein normales Wohnzimmeraquarium bietet.
Die Zeilen zu den „Nanos“, den Nano-Aquarien, wirken in diesem Buch auf mich wie ein Fremdkörper.
Dieses Gefühl verstärkt sich noch bei den wenigen Seiten zur Meerwasseraquaristik. Auf sechs Seiten lässt sich dieses Thema einfach nicht sinnvoll behandeln. Als ausgesprochen ärgerlich empfinde ich den Abschnitt: „Ein Aquarium für Nemo.“ Ein „Plug-and-Play-Aquarium“ zur erfolgreichen Haltung von Anemonenfischen (Amphiprion spp.) zu empfehlen verträgt sich nicht mit dem Anspruch der übrigen Kapitel.
Auf 90 Seiten folgen schließlich Porträts von 400 Arten, darunter auch solche, die ein Durchschnitts-Aquarianer nie halten wird: Rochen, Gabelbärte, Flösselhechte. Dafür gibt es dann nur knappe Informa­tionen zu aquaristisch interessan­teren Arten.
Insgesamt wäre im Artenteil weniger mehr gewesen. Dass Osteoglossum, der über einen Meter lang wird, Maulbrutpflege treibt, ist im ­Rahmen der bisherigen Beschreibungen des Buchs einfach irrelevant. Demgegenüber heißt es etwa beim Zebrabärbling (Danio rerio) lediglich: „Ein sehr lebhafter und schwimmfreudiger Bach­fisch.“ Hinweise zur Pflege dieser Anfängerart gibt es leider nicht.
Die letzten Seiten des Artenteils sind „Kugelfischen und anderen Sonderlingen“ gewidmet. Der Begriff „Sonderling“ sollte bei einer Überarbeitung ersetzt werden. Stachelaale mögen seltsam aussehen, aber ihre Bezeichnung als „Sonderlinge“ ist für eine ökologische Betrachtung nicht geeignet.
Es folgen noch einige Garnelen, weitere Krebse und Schnecken. Sie kommen mir etwas zu kurz, sind sie doch in den vergangenen Jahren verstärkt im Fachhandel zu finden.
Die beiden Amphibienarten auf den Seiten 250 und 251 hingegen wirken ­deplatziert, denn die in dem Buch beschriebenen Aquarien kommen für ihre Haltung nicht infrage.
Der Abschnitt zur Vergesellschaftung verschiedener Organismen in einem Aquarium fällt zu kurz aus. Hier wäre bei einer Neubearbeitung eine umfangreichere Darstellung sinnvoll.
Oft sind in manche ­Kapitel „Fragen“ als eigene Abschnitte eingefügt. Damit sollen praxisnahe Aspekte vermittelt werden. Das gelingt mal mehr, mal weniger gut. Im Teil zur Vergesellschaftung wäre es besser ­gewesen, konkrete Vorschläge zu geben.
Der „Quickfinder Wissen“ (eine sprachliche Chimäre) schließlich ist ein Spezifikum der ­Bücher von Gräfe und Unzer.
In dem umfangreichen Glossar kann der Leser schnell nach bestimmten Fachbegriffen suchen.
Einige Adressen und Literaturhinweise runden das Werk ab. Ärgerlich sind das Fehlen der Erscheinungsjahre bei den Büchern und von Hinweisen auf die Betreiber verschiedener Internet-Quellen.
Trotz der vorgetragenen Kritik ist das „Praxishandbuch Aquarium“ insgesamt für jeden Einsteiger in die Aquaristik bestens geeignet. Es versammelt eine Unmenge von Informationen und bringt sie in sinnvolle Zusammenhänge. Damit ist das Werk stärker als die Gesamtheit aller Treffer bei Google.
Die angesprochenen Unklarheiten und Überfrachtungen lassen sich bei einer erneuten Überarbeitung sicher ganz einfach besei­tigen. Auch in Zeiten der ungefilterten Informations-Sintflut ist weniger oft mehr.


Hans-Peter Ziemek

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Sy Montgomery. 336 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen. mareverlag GmbH & Co. oHG, Hamburg, 2017. ISBN 978-3-8664826-5-4. 28 €

„Tintenfische haben die verwandelnde Zauberkraft der Literatur nicht nötig. Die ­Magie ihrer reinen Existenz – ihrer Seele – ist mehr als genug.“
Das schreibt die ­große Donna Leon im Nachwort zu Sy Montgomerys außer­gewöhnlichem Buch. Was aber ist dieses Buch? Eine Erzählung? Ein Porträt? Eine Dokumentation? Egal, ein großes Abenteuer allemal, denn Fakten werden hier zu Geheimnissen, Geheimnisse strahlen Zauberkraft aus, und Begegnungen zwischen Mensch und Tier erweisen sich als geradezu magisch.
„Der Oktopus ist ein Tier, das über Gift verfügt ... über einen Schnabel ... und über Tinte wie ein altmodischer Füllfederhalter.“ Er könne so viel wiegen wie ein Mensch, schreibt Sy Montgomery, schöpft auf über 300 Seiten aus schier unendlichem Oktopus-Wissen, und dennoch könne er seinen „schlabbe­rigen, knochenlosen Körper durch ein Loch mit dem Durchmesser einer Orange zwängen“.
Ein Gewicht von 15 Kilogramm hebe ein Pazifischer Riesenkrake, die größte aller Oktopus-Arten, mit einem einzigen Saugnapf hoch, und er besitze nicht weniger als 1.600 davon. Ehrfurcht und Respekt, Interesse und Neugier wachsen hier schnell von Seite zu Seite, die man zudem mit viel Vergnügen liest. Sy Montgomery wurde mehrfach für ihre Reportagen und Sachbücher ausgezeichnet. Man möchte fast sagen, voller Charme berichtet sie über ein Tier, das „dem Menschen nicht unähnlicher sein könnte“. Dennoch, schnell findet die Autorin Zugang zu den seltsamen Wesen, verliebt sich geradezu in sie. Aber: Wie schade, nicht ein ein­ziges Bild von den Begegnungen der Autorin mit ­jenen viel zu wenig beach­teten ­Tieren, keine einzige Fotografie von den Stationen, zu denen Montgomery den Leser mitnimmt! Sei es das New England Aquarium in Boston, ein Besuch an den Riffen von Französisch-Polynesien oder im Golf von ­Mexiko.
Kraken, sie spielen gern, erkennen Menschen wieder, sie zeigen Sympathie oder Abneigung, ihr Blut ist blau, das „Hirn ist um seinen Hals gewickelt, und statt mit Haaren ist er mit Schleim ­bedeckt“. Er wird nur weni­-ge Jahre alt, und er wächst nach dem Schlupf aus dem Ei schneller als jedes andere Tier auf dieser Welt.
Es ist die tolle Mischung aus Fakten und Atmosphäre, aus eigenen Beobachtungen und der Einbettung eines ­bemerkenswerten Tieres in Geschichte, Biologie und Forschung, die diese Lektüre so ansprechend macht.
Und die Frage, ob Kraken ein Bewusstsein haben, ob diese Tiere, die in Kunst und Mythologie als Ungeheuer dargestellt wurden, gar eine Seele besitzen – die mag sich der Leser selbst beantworten!

Barbara Wegmann

 

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Esther Gonstalla. 128 Seiten, 45 doppelseitige Infografiken, Hardcover. oekom verlag, München, 2017. ISBN 978-3-96006-012-3. 24 €

Wer ein Buch im A4-Format in die Hand nimmt, wird entweder einen prächtig illus­trierten Bildband erwarten oder ein informatives Sachbuch mit viel Text, das ebenfalls anschaulich und reich bebildert ist, ganz besonders dann, wenn es um die Ozeane unserer Welt geht, die ja eine unglaubliche Viel­falt an farbenprächtigen und faszinierenden Meeresbewohnern beherbergen. Doch „Das Ozean-Buch“ von Esther Gonstalla ist ganz anders.
Schon der plakativ blau leuchtende Einband mit seinen schwarzen Silhouetten von Walen, Schildkröten, Quallen, verschiedenen Fischen, Plankton und anderen Meeresbewohnern erinnert auf den ersten Blick an ein Bilderbuch.
Zwischen diesen Motiven erkennt der aufmerksame Betrachter aber auch meh­rere Objekte, die in unseren Meeren eigentlich nichts zu suchen haben und die erste Hinweise darauf geben, wie der Mensch die Existenz der für unseren Planeten lebenswichtigen Ozeane durch sein Verhalten bedroht.
Schlägt der Leser das Buch dann auf, findet er ­weder bunte Bilder noch ­lange Fließtexte. Vielmehr fühlt er sich an ein Bilderbuch erinnert. Insgesamt 45 doppelseitige Infografiken, ausschließlich in Schwarz und verschiedenen Grau- und Blautönen gehalten, ­liefern einen umfassenden und sehr gut verständlichen Überblick zu den höchst komplexen Zusammenhängen der Ökosysteme unserer Meere und zur aktuellen Situation ihrer vielfältigen Bedrohungen.
Dabei verzichtet die Autorin auf alles Überflüssige und beschränkt sich auf aussagekräftige und didaktisch sehr gut durchdachte Grafiken, die mit wenig Text auskommen. Sie setzen beim Betrachter keinerlei Vorwissen voraus und vermitteln dennoch nicht nur ein breites Wissen, sondern sie stellen darüber hinaus die aktuelle Situation unserer Ozeane mit den drängendsten Problemen, aber auch mög­liche Lösungsansätze, sachlich und ohne jegliche Effekthascherei dar. Gonstalla überträgt trockene und ab­strakte Zahlen und Fakten, deren Dimensionen der Leser sich oftmals kaum vor­zustellen vermag, „einfach“ in ihre Grafiken, wodurch die Abbildungen gewissermaßen lebendig und begreifbar werden.
Das Buch ist in fünf Ka­pitel unterteilt, die die größten Bedrohungen unserer Ozeane behandeln: „Klimawandel“, „Verlust der bio­logischen Vielfalt“, „Über­fischung“, „Industriegebiet Ozean“ sowie „Verschmutzung“.
Jeder dieser Abschnitte behandelt eine entsprechende Zahl an Themen. Unter der Überschrift „Überfischung“ werden unter anderem jeweils auf einer Doppelseite industrielle und tra­­di­tionelle Fangmethoden erläutert, die rigorose Ausbeutung  der Thunfisch-Bestände, illegale Fischerei sowie die Bedrohung von Haien, Del­finen und Meeresschildkröten veranschaulicht, aber auch gewerbliche Aquakultur und die Fischzucht der Zukunft vorgestellt.
Das Ozean-Buch ist in ­jeder Hinsicht ein derart ­hervorragendes und uneingeschränkt empfehlenswertes Buch, dass es eigentlich zur Pflichtlektüre an weiterführenden Schulen gehören müsste!

Helmut Göthel

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Heinz Krimmer. 224 Seiten, 100 Farbfotos, Paperback (Breitklappenbroschur). Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2017. ISBN 978-3-440-15447-2.
19,99 €

Jeder hat es wahrscheinlich schon einmal erlebt: Man nimmt ein Buch in die Hand, irgendeinen spannenden Roman oder eine witzig verfasste Unterhaltungslektüre, beginnt zu ­lesen und kann einfach nicht mehr aufhören. Aber ein Sachbuch mit Sucht­faktor?
Bei „Netzwerk Korallenriff“ von Heinz Krimmer handelt es sich um genau ein solches Buch. Sein Schreibstil ist nicht etwa trocken und schwer verständlich, wie bei vielen Fachbüchern üblich. Vielmehr gelingt es ihm, beeindruckende Informationen und komplexe Zusammenhänge so darzustellen, dass auch Laien problemlos folgen können. Dabei schafft er es, den Leser mitzunehmen, indem er Atmosphäre vermittelt und komplizierte Sachverhalte sehr anschaulich und leicht verständlich erklärt. Obwohl es sich bei seinem Buch um ein wissenschaftlich höchst fundiertes Werk handelt, liest es sich wie eine packend geschriebene Reportage.
Der Autor startet seine Reise in die Welt der Korallenriffe mit einem Nachttauchgang auf den Malediven und der Beobachtung einzelner planktonfressender Korallenpolypen. Direkt danach kommt er zu ihrer Bedeutung als Baumeister von Korallenriffen, Erschaffer ganzer Inseln und sogar kompletter Gebirge. Ausführlich erläutert er, um
was für Tiere es sich bei ­Korallen eigentlich handelt, beschreibt ihre ausgesprochen interessante Biologie und Lebensweise und liefert so das Fundament für das Verständnis des Naturphänomens Korallenriff.
In den folgenden Abschnitten widmet sich Krimmer der Frage, was ein Ko­rallenriff eigentlich ist und wie solche Riffe überhaupt entstehen konnten. Hier ­erhält der Leser Einblicke in die biologische, ökologische und auch wirtschaft­liche Bedeutung tropischer Korallenriffe und ihre vielfältigen Vernetzungen untereinander und auch mit anderen Ökosystemen.
Das Kapitel „Korallenriff 4.0“ beschreibt dem Leser ­einige eindrucksvolle Beispiele dafür, welche Bedeutung Korallenriffe als Lie­ferant oder als Vorlage für Wirkstoffe zur Bekämpfung von Krankheiten wie AIDS und verschiedenen Krebsformen jetzt schon haben. Und das Potenzial für zukünftige Wirkstoffe aus Korallenriffen wird von Bio­logen, Chemikern und Medizinern als riesig angesehen, da Korallen und viele andere sessile Riffbewohner mit einem unvorstellbaren Arsenal zur chemischen Kriegsführung im Kampf um ihr Überleben ausgestattet sind.
Auch Bionikern liefern Korallenriffe unzählige Problemlösungen in der Natur, die analysiert werden und als Vorlagen für technische Entwicklungen dienen können.
Die letzten beiden Kapitel widmen sich zunächst der aktuellen Bedrohung von Korallenriffen, ohne in Effekthascherei und Panikmache zu verfallen, und geben dann einen Ausblick, wie es gelingen kann, die Korallenriffe unserer Welt auch für die Zukunft zu erhalten!    Helmut Göthel