Von Chris Lukhaup & Stefan Hummel. 200 Seiten, 200 Farbfotos, Softcover. Dennerle GmbH, Vinningen, 2016. ISBN 978-3-943968-21-7. 29,95 €

Was ist wohl ein „Plantahunter“? Ein Pflanzenjäger? So etwas gab es früher wirklich, aber eher zum Nachteil vor allem geschützter Gewächse, denn sie wurden von solchen „Jägern“ rücksichtslos ausgegraben und gewinnbringend verkauft (teils geschieht das noch heute). Aber nicht allein durch solche Diebe ist unsere Natur bedroht, insbesondere Wasserlebensräume sind vielfältig gefährdet. Chris Lukhaup und Stefan Hummel sind freilich anders gestrickt. Sie sind leidenschaftliche Naturliebhaber, Lukhaup ist mir vor allem als Garnelenexperte bekannt. Die beiden Autoren von „Wasserwelten“ gingen jahrelang auf „Plantahunter- Touren“, um Pflanzen und deren Habitate aufzusuchen und zu dokumentieren. Dabei herausgekommen ist ein Bildband, der einmalig ist. Über das Layout kann man sich streiten, als Berufsbüchermacher bin ich hier voreingenommen. Mir gefallen die vielen unregelmäßigen Einklinker in die Abbildungen nicht.

Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen
Von Morten A. Strøksnes. 368 Seiten, gebunden. Deutsche Verlags-Anstalt, München, 2016. ISBN 978-3-421-04739-7. 19,99 €

Ob Morten A. Strøksnes, als er dieses Buch schrieb, ahnte, dass der Grönlandoder Eishai (Somniosus microcephalus) erst kürzlich Schlagzeilen machte? Ein „schwimmender Methusalem“ sei er, so hieß es, das älteste Wirbeltier werde bis zu 400 Jahre alt. Unglaublich! Diese Meldungen und Berichte geben dem Buch des im Norden Norwegens geborenen, preisgekrönten Autors zusätzlich Reiz und Attraktivität. Dieses „Urzeitwesen“ zu jagen, das nehmen sich die beiden Freunde Hugo und Morten vor. Was es so genau ist, das weiß man nicht. Ein Roman, ein Sachbuch, eine Abenteuergeschichte? Aber das ist eigentlich vollkommen egal, auf jeden Fall sind die über 360 Seiten dieser autobiografischen Geschichte höchst spannend, sehr, sehr informativ, sie lesen sich für Jung und Alt gleichermaßen unterhaltsam, wenngleich stellenweise auch etwas abschweifend, ganz selten ein wenig langatmig oder weit ausholend.

Illuminating Biodiversity in the Shadowy Haunts of Planet Earth
Von Danté Fenolio. 312 Seiten, 222 Farbfotos, Hardcover. Johns Hopkins University Press, 2016. ISBN 978-142-141-863-6. 27,95 €

Life in the Dark – Einblick in den Reichtum des Lebens dort, wo die Sonne niemals scheint – genau dies gewährt dieser hervorragende Fotoband von Danté Fenolio. Er entführt uns in die lichtlose Welt der Höhlen- und Tiefseebewohner, in die Erde unter unseren Füßen und auf den Grund der Gewässer. Damit überschreitet er eine Grenze in einen Bereich unserer Umwelt, der von uns nicht bewusst wahrgenommen wird. In unseren Mythen und Ängsten werden diese Orte bewohnt von den Kreaturen der Nacht, eben jenes ewigen Dunkels, das Fenolio mit seinen fantastischen Farbfotografien für uns erhellt. Es werden Lebewesen dargestellt, die oft geradezu extraterrestrisch scheinen, wie die Handwühle, der Kaskadenfisch oder der Dumbo- Oktopus. Sie und viele weitere, die der bekannte Naturfotograf und Biologe in ungebremstem Forscherdrang ans Licht brachte, hätte man eher der Fantasie eines Science- Fiction-Autors zugeschrieben als den Wegen der Evolution.

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxPreiswerte Technik – pflegeleichte Tiere Von Daniel Knop. 328 Seiten, rund 350 Farbfotos, Hardcover. Dähne Verlag, Ettlingen, 2016 (achte Auflage). ISBN 978-3-944821-19-1. 29,80 €

Daniel Knop hat sein Standardwerk neu aufgelegt und aktualisiert. Allein der Umstand, dass seine „Riffaquaristik für Einsteiger“ in der achten Auflage erscheint, bestätigt ihre Beliebtheit und ihren Wert. Wenn eine Publikation so lange auf dem Markt besteht, kann sie nicht schlecht sein. Natürlich nagt der Zahn der Zeit an solchen Veröffentlichungen. So war es nur konsequent und sinnvoll, das Buch komplett zu überarbeiten und neu zu bebildern. Herausgekommen ist allerdings nicht das, was auf dem Titel steht. Bitte nicht falsch verstehen: Das Werk ist ausgezeichnet und vollgestopft mit Wissen! Ein reines Einsteigerbuch ist es aber gewiss nicht. Dafür enthält es viele Informationen und Hinweise, die ein Einsteiger nicht unbedingt braucht oder von denen er sogar besser die Finger lässt. Der Anfänger in der Meeresaquaristik sollte ganz sicher keine Seepferdchen halten oder Steinkorallen oder Muränen, auch wenn diese Tiere möglicherweise ganz „pflegeleicht“ sind und wenn dies heute mit der passenden Technik (und der entsprechenden Erfahrung) gut machbar ist.

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxDie Haltung des Scheibenbarsches im Wandel der Zeit Von Peter Pretor. 32 Seiten, 36 Farbfotos, Klammerheftung. AKFS, Selbstverlag, 2015. ISSN 1864-8681. 5 € (es gibt nur noch Restbestände, die über den Autor zu beziehen sind)

Die Aquarienhaltung eher unscheinbarer Kaltwasserfische und Fische der Subtropen gehört im Zeitalter der schicken Design- und Nano-Aquaristik, bei der oft das Prinzip „Form follows function“ ad absurdum geführt wird, sicher nicht zum Mainstream. Zu den kommerziell eher uninteressanten Kaltwasserfischen der Subtropen zählt der Scheibenbarsch (Enneacanthus chaetodon) aus der Familie der Sonnenbarsche. Diesem altbekannten, jedoch nahezu in Vergessenheit geratenen Fisch von Nordamerikas Ostküste widmete der AKFS im Herbst 2015 ein Sonderheft, das – wenig spektakulär – unter dem Titel „Die Haltung des Scheibenbarsches im Wandel der Zeit“ erschien. Der scheinbare Anachronismus, der mit der Pflege nordamerikanischer Scheibenbarsche verbunden ist, wird gleich zu Beginn dokumentiert: Peter Pretor, Jahrgang 1940 und einzi- ger Autor des Sonderhefts, schildert dem Leser seinen ersten Kontakt mit dem Scheibenbarsch, der 1948 zu seinem achten Geburtstag zustande kam und beinahe 70 Jahre zurückliegt. (Seinerzeit assoziierte der Aquarianer mit Garnelen sicher nur den Begriff „Lebendfutter“.) Pretors weitere aquaristische Begegnungen mit dem Scheibenbarsch im Lauf der Jahrzehnte und die Pflege dieser ruhigen Art, die immer im Schatten des auch optisch auffälligeren Gemeinen Sonnenbarsches (Lepomis gibbosus) stand, sind wunderbar zu lesen, überaus detailreich – und Lichtjahre vom aquaristischen Zeitgeist entfernt. Fazit: Diese Publikation gehört nicht nur in die Hände von Spezialisten. Sie zeigt allen aquaristisch Interessierten, auf was es mehr denn je ankommt: Es geht um die Lebewesen hinter Glas, die wir pflegen, beobachten und von denen wir auch lernen wollen – und nicht um Statussymbole oder technische Spielereien. Der Scheibenbarsch ist dafür sehr gut geeignet – und dieses Sonderheft ebenfalls. Christian Matz