Krabben genießen in der Meeresaquaristik einen schlechten Ruf – zu Recht oder zu Unrecht? Wie fast immer bei Verallgemeinerungen, passt auch hier kein Schwarz-Weiß-Denken … | Von Joachim Großkopf †

"Da ist eine Krabbe!“ Schon zuckt der Aquarianer vor seinem Riffbecken erschrocken zusammen. Schließlich gelten diese Krebse als gemeingefährlich. Viele sind tatsächlich üble Räuber, andere jedoch harmlose oder sogar nützliche Tiere. Laut Ng et al. (2008) gibt es 6.793 ­Arten, die an Land, im Süßwasser und – zum weitaus größten Teil – im Meer leben.
Die Echten Krabben (Brachyura) gehören zu den Zehnfußkrebsen (Ordnung Decapoda), ihre weitere Unterteilung erfolgt in Sektionen, Über­familien und Familien. Die Klassifi­kation der Dekapoden ist noch recht verworren und wird sich durch wei­-tere Untersuchungen der Erbinformationen (mtDNS) sicher irgendwann erheblich ändern.
In der Entwicklungsgeschichte sind die Echten Krabben relativ moderne Tiere. Die ältesten Fossilien von Brachyuren stammen aus geologischen Schichten von vor etwa 120 Millionen Jahren. Die meisten Funde datieren jedoch aus sehr viel späteren Zeiten, nämlich rund 40 bis 20 Millionen Jahren vor heute.
Der Körperbau der Krabben unterscheidet sich erheblich von dem
der langschwänzigen Zehnfußkrebse (Garnelen, Flusskrebse, Hummer, Langusten). Der Hinterleib (Abdomen oder Pleon) der Langschwanzkrebse (Macrura) endet (fast immer) in einem gefächerten Schwanz und besitzt zudem meist Schwimmfüße (Pleopoden) an der Unterseite. Viele Langschwanzkrebse können mittels ihrer Pleopoden oder des Schwanzfächers zumindest über kürzere Strecken schwimmen.

Haben Sie schon einmal Krabben gegessen? Wirklich? Eher wohl nicht, denn diese Zehnfußkrebse werden in unseren Breiten normalerweise nicht zum Verzehr angeboten. Und wenn Sie ein „Krabbenbrötchen“ oder einen „Krabbencocktail“ bestellen, serviert man Ihnen Garnelen, die in Norddeutschland auch als „Granat“ oder eben – irreführend – als „Krabben“ bezeichnet werden. | von Uwe Werner

Was also sind Krabben? – Höhere Krebse, die in unterschiedlichen Formen auftreten und ganz verschiedene Lebens­räume besiedeln. Das gilt aber auch für alle anderen Zehnfußkrebse (Ordnung Decapoda), also für die Garnelen und Flusskrebse.
Grundsätzlich teilt man die Ordnung in zwei Unterordnungen: die schwimmenden (Natantia) und die laufenden oder kriechenden Krebse (Reptantia). Zu den Natantia gehören alle garnelenartigen Vertreter, umgangssprachlich „Garnelen“ genannt, während zu den Reptantia (neben ­weiteren Formen) die Echten Flusskrebse, oft einfach und falsch „Krebse“ genannt, und die Brachyura zählen, die man im Deutschen als Kurzschwanzkrebse oder Echte Krabben bezeichnet. Hierher gehören die Echten Süßwasserkrabben (Potam­oidea), die Springkrabben (Graps­idae), die Renn- und Winkerkrabben (Ocypod­idae), die Schwimmkrabben (Portun­idae) und die Landkrabben im engeren Sinn (Gecarcinidae).

Manche wirken filigran und zerbrechlich, etliche fallen durch ihre kompakte Gestalt und ­massive Panzerung auf. Die einen sind grell bunt, die anderen tragen ein unscheinbares Kleid, weitere sind so gut getarnt, dass man sie kaum erkennen kann. Viele führen ein Leben als Einzelgänger, ebenfalls nicht wenige setzen alles auf die Partnerschaft mit anderen Tierarten. So vielfältig das Erscheinungsbild von Krabben ist, so überraschend sind auch ihre Über­lebensstrategien. | von Helmut Göthel

Schon wenn man sich die Extreme bezüglich der Körpergröße unter den fast 7.000 weltweit vorkommenden Krabben-Spezies anschaut, wird deutlich, wie vielgestaltig diese artenreichste Gruppe in der Ordnung der Zehnfußkrebse (Deca­poda) ist.

Riesen …
Mit einem Körperradius von fast 40 und einer Spannweite der gestreckten Beine von 370 Zentimetern sowie einem Körpergewicht bis zu 14 – unbestätigten Berichten zufolge bis zu 20
– Kilogramm wird die Japanische ­Riesenkrabbe (Macro­cheira kaempferi) ihrem Namen völlig gerecht; sie ist der absolute Riese unter den Krabben. Sie lebt nur im Pazifik, vor allem in den Gewässern um Japan, in Tiefen zwischen 300 und 400 Metern und ernährt sich von Aas und von Wirbel­losen, etwa Mollusken, deren Schalen sie mithilfe ihrer Scheren öffnen kann.