margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxIn vielen Publikationen über Schneckenbuntbarsche ist zu lesen, die leeren Schneckenhäuser seien die „ökologische Nische“ dieser Arten – ein Missverständnis zwischen der Wissenschaft und den Aquarianern. | Von Hans-Peter Ziemek

Der amerikanische Ökologe Charles Elton formulierte 1933 erstmals den Begriff der ökologischen Nische. Er schrieb, „dass die Nische eines Organismus dessen Lebensweise sei im gleichen Sinn, wie wir in der menschlichen Gesellschaft von Gewerbe, Arbeit oder Beruf sprechen“. Der Begriff der Nische eines ­Organismus wurde seitdem benutzt, um zu beschreiben, wie – und nicht nur wo! – er lebt (Townsend et al. 2003).
Um den Ort des Aufenthaltes eines Individuums oder einer Population zu beschreiben, wurde zusätzlich der Begriff des Habitats eingeführt. Er ­bezieht sich auf die möglichen Auf­enthaltsorte. Der Begriff der ökologischen Nische geht über diese Definition hin­-aus und bezeichnet ein Gedanken­experiment, bei dem für einen Organismus sämtliche Toleranzbereiche und Ansprüche für sein Leben summiert werden.
Diese Erweiterung des Begriffs beschrieb George E. Hutchinson (1957). Er nannte die komplexen Wechselwirkungen, die auf ein Tier einwirken. Es geht dabei um die Toleranzbereiche für Umweltfaktoren (Wassertempe­ratur, Sauerstoffgehalt, pH-Wert, Strömungen …) und den Bedarf an verschiedenen Ressourcen (Nahrung).
So definiert das Konzept der öko­logischen Nische die Grenzen, innerhalb derer eine Art leben und sich ­reproduzieren kann, über die Benennung der potenziell zur Verfügung stehenden abiotischen und biotischen Ressourcen.
Das leere Schneckenhaus im flachen Wasser eines ostafrikanischen Sees ist also nur ein kleiner Teil der ökologischen Nische eines Schneckenbuntbarsches. Die gesamte „Nische“ muss man sich als ein virtuelles Gebilde mit unterschiedlichen Faktoren vorstellen, die alle miteinander und mit den Tieren im Wechsel wirken.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 8/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxDie auch als Seehasen bekannten Breitfußschnecken (Aplysiomorpha) gehören zu den Hinterkiemerschnecken (Opisthobranchia). Die monotypische Familie Akeridae umfasst nur sechs Arten (Akera ssp.). Sie besitzen noch eine relativ große Schale, die zwar nicht den gesamten Körper, aber zumindest den Eingeweidesack umhüllt. Die teils grabend lebenden Schnecken sind nicht sehr auffällig. Demgegenüber gehören etliche Taxa der Familie Aplysiidae mit ihren knapp 70 Arten in elf Gattungen schon aufgrund ihrer teils beachtlichen Größe, aber auch ihrer an geeigneten Standorten saisonal extrem hohen Populationsdichten zu den dominierenden Hinterkiemerschnecken im Flachwasser. | Von Maren Gaulke

Die Aplysiiden sind marine Kosmopoliten, den größten Artenreichtum verzeichnet der Pa­zifik, aber auch in der Nordsee sind sie mit mehreren Arten vertreten. Da sämtliche Mitglieder Pflanzenfresser sind, bewohnen sie bevorzugt lichtdurchflutete, dicht mit Algen oder ­Seegräsern bewachsene Flachwasser­zonen. Einige Arten wie Stylocheilus striatus kommen aber bis in etwa 30 Metern Tiefe vor.

Meerhasen auf großem Fuß
Der Trivialname „Seehase“ erklärt sich aus der äußeren Erscheinung der Aplysiiden. Die langen, auf dem Hinterkopf stehenden Rhinophoren (mit Chemorezeptoren bedeckte Sinnesorgane) erinnern an Hasenohren. Dazu kommt der bei einigen häufigen Arten wie Dolabella auricularia nach hinten ansteigende Körper, mit dem sie an ­einen hoppelnden Hasen erinnern, und die bei einigen Spezies verzweigten Papillen, die ihnen ein pelziges Aussehen verleihen.
Der zweite Trivialname, „Breitfußschnecke“, bezieht sich auf die Parapodien, breite, seitlich am Fuß befindliche Hautfortsätze. Bei vielen Arten dienen sie der Fortbewegung und ­Stabilisierung am Boden, einige benutzen sie auch zum Schwimmen. Bei anderen Spezies, so beim Fransenseehasen (D. auricularia), sind die Parapodien über dem Rücken zusammengewachsen und bilden die Parapodi­alhöhle, die die Mantelhöhle schützend umgibt.

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margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxBeim Thema „Schnecken“ scheiden sich seit jeher die Aquarianer-Geister. Die einen sehen sie als Ärgernis, das man sich mit Pflanzen einschleppt, das schnell zur Plage wird und bekämpft werden muss. Die anderen finden diese Tiere faszinierend und wissen sie als Algenfresser und Restevertilger zu schätzen. Seitdem attraktive und skurrile Arten eingeführt werden, von denen sich viele sogar vermehren lassen, haben sich die Relationen zwischen Schnecken­hassern und -liebhabern deutlich verschoben … | Von Ingo Seidel

G anz bsonders beliebt sind die meist recht groß werdenden Turmdeckelschnecken (Pachychilidae), die in Amerika, Afrika und Asien vorkommen. Diese Familie besteht zurzeit aus elf Gattungen mit über 240 Arten. Davon sind jedoch nur die Genera Brotia, Faunus und Tylo­melania für uns von Bedeutung; von ihnen werden etliche Spezies aus Südostasien importiert. Sie eignen sich sehr gut auch für bepflanzte Aquarien, da sie das Grün nicht antasten.

Brotia
Die artenreiche Gattung Brotia Adams, 1866 ist in Südostasien weit verbreitet (von Indien über Thailand bis Indo­nesien). Es handelt sich vor allem um Fließwasserbewohner, die auch im Aquarium eine leichte Strömung und sauerstoffreiches Wasser bevorzugen. Sie weiden den Aufwuchs auf den ­Einrichtungsgegenständen ab, ernähren sich aber auch von verrottenden Pflanzenteilen und filtrieren Mulm. Trockenfutter verschmähen sie ebenfalls nicht, ideal sind Flocken auf pflanzlicher Basis.
Die Pflege der meisten Brotia-Arten sollte bei 18 bis 26 °C problemlos ­gelingen. Nach meinen Erfahrungen kommen die Tiere auch mit härterem Wasser gut zurecht. Bei mir vermehrten sich zwei Arten selbst im harten Leitungswasser des Berliner Umlandes (rund 850 µS/cm).
Die Schnecken dieser Gattung sind getrenntgeschlechtlich und lebend­gebärend. Die Männchen übergeben Spermienpakete an die Weibchen, die ihre Eier in eine Bruttasche legen, in der sie sich entwickeln. Die geschlüpften Jungtiere werden dann ins Wasser entlassen. Die Vermehrungsrate ist meist eher gering, doch dafür sind die Jungschnecken bereits zwei bis vier Millimeter lang.
Nach meinen Beobachtungen ist – neben guten Wasserbedingungen – auch die Konkurrenzsituation für die Fortpflanzung dieser Schnecken entscheidend: Stehen sie in einem Aquarium mit sich schnell vermehrenden und erfolgreichen Arten (etwa Melan­oides tuberculata oder Thiara winteri) im Wettbewerb, wird man sich an ihrer Nachzucht häufig die Zähne ausbeißen.

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margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxSeit ewigen Zeiten kennen Aquarianer die Malaiische Turmdeckelschnecke, während die viel hübschere Turmdeckel-Raubschnecke erst seit etwa 15 Jahren verfügbar ist. | Von Uwe Werner

Tropische Süßwasserschnecken sind bei Aquarianern beliebt, weil sie Algen und Futterreste fressen und interessante, manchmal auch hübsche Pfleglinge sein können. Ja, es gibt spezialisierte Liebhaber, die sich ganz und gar der Pflege und Nachzucht von Gastropoden verschrieben haben. Allerdings können Schnecken, wenn sie sich massenhaft vermehren, auch zur Plage werden, und dann ist guter Rat gefragt.

Turmdeckelschnecke
Das betrifft vor allem die Turmdeckelschnecke (Melanoides tuberculata Müller, 1774), deren Synonymliste so lang ist, dass sie den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Als deutschen Populärnamen fand ich im Internet unter anderem „Nadel-Kronenschnecke“, eine Bezeichnung, die ich vorher noch nie gehört hatte.
Die Art ist von Ostafrika bis Südostasien verbreitet, soll mittlerweile aber auch nach Südeuropa eingeschleppt worden sein. In Süßwasser-Habitaten am Golf von Mexiko verdrängt sie einheimische Arten. Ihre Bestände dort gehen wahrscheinlich auf Aquarien-Exemplare zurück, die Anfang der 1950er-Jahre in die Ge­wässer gelangten.
Die Turmdeckelschnecke besitzt ein gestrecktes, bis etwa 2,5 Zentimeter langes, turmartig zu einer Spitze gedrehtes und sehr stabiles Gehäuse mit meist acht bis 15 Windungen; es lässt sich mit den Fingern kaum zerdrücken. Wenn sich diese Schnecken, wie auch Clea helena, ganz in ihr Gehäuse zurückziehen, können sie es mit einem Deckel verschließen, dem Operculum.
Bei vielen meiner älteren Schnecken haben die Häuser weiße Riefen, vor allem an ihrer Spitze. Im Internet fand ich als Erklärung, dass die Schale aus einer inneren Kalk- und einer äußeren Proteinschicht besteht, die die Kalziumschicht schützt. Wird sie beschädigt, ist die Kalkschicht den Angriffen des Wassers ausgesetzt, was zu einem Problem werden kann, wenn es sauer ist, also einen pH-Wert unter dem Neutralpunkt aufweist, da Säuren Kalzium bekanntlich auflösen. So entstehen hässliche Löcher oder zumindest weißliche Stellen, an denen der Kalk frei liegt; sie verschwinden auch nicht mehr, weil die äußere Gehäuseschicht nicht regeneriert wird. Deshalb weisen die ältesten Schalenstellen am häufigsten solche Schäden auf. Eine vorbeugende Kontrolle des pH-Werts ist hier sinnvoller als Jammern. Was mich jedoch irritiert, ist die Tatsache, dass mein Wasser we­-der niedrige pH-Werte aufweist noch weich ist.

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margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxSie leben in allen Meeren der Erde und besitzen kein schützendes Haus. Viele von ihnen
sind so bunt, dass sie schon von Weitem auffallen. Dennoch sind sie keine leichte Beute für ­Fressfeinde. Andere Arten sind völlig unscheinbar gefärbt. Marine Nacktschnecken verfügen über unterschiedlichste Strategien im Kampf ums Überleben. | Von Helmut Göthel

Marine Nacktschnecken haben nur sehr wenig mit jenen Nacktschnecken zu tun, die jeder von uns als unattraktive, schleimige Gartenschädlinge kennt, die in Blumen- und Gemüsebeeten ihr Unwesen treiben; die gehören zur Unterordnung der Landlungenschnecken (Stylommatophora), deren wissenschaftlicher Name aus dem Griechischen stammt und „Stielaugenträger“ bedeutet.

Eigenes Haus – pro und contra
Beim Gehäuse von Schnecken handelt es sich, wie auch bei den Schalen der Muscheln, um ein Außenskelett. Neben seiner Hauptfunktion als wirk­samer Schutz vor Fressfeinden bei ­allen Schneckenarten im Meer und an Land bietet es Landschnecken außerdem Schutz vor dem Austrocknen.
Als Nacktschnecken bezeichnet man grundsätzlich solche Gastropoden, die ihr in vielen Fällen embryo­-nal angelegtes Gehäuse entweder ­vollständig rückgebildet haben und sich zumindest als erwachsene Tiere nicht mehr in ein schützendes Haus zurückziehen können oder es weit­gehend reduziert und in ihren Weichkörper hinein verlagert haben.
Dabei ist „Nacktschnecken“ keine Bezeichnung einer systematischen Gruppe (Taxon) von Schnecken. Vielmehr hat sich der Vorgang der Rückbildung der Schneckenschale bei den Vertretern unterschiedlicher Schneckengruppen mehrfach unabhängig voneinander entwickelt (Konvergenz). Dabei kann der Grad der Schalenre­duzierung innerhalb der einzelnen Gruppen stark variieren.
Doch welche Vorteile bringt der Verzicht auf ein schützendes Schneckenhaus? Zum einen wird für die ­Produktion eines Gehäuses Energie benötigt, auch das Umhertragen einer vor allem bei zahlreichen Meeresschnecken recht schweren Schale verbraucht ständig Energie.
Zum anderen schränkt ein Schneckenhaus die Beweglichkeit und den Aktionsradius seiner Träger mitunter massiv ein und verschließt ihnen in ­vielen Fällen durch sein Gewicht und Volumen den Zugang zu potenziel­-
len Nahrungsquellen. Schnecken ohne Haus sparen eine Menge an Energie, sind deutlich beweglicher, und aufgrund ihres wesentlich geringeren Körpergewichts können sie Nahrungsgründe erschließen, die für Gehäuseschnecken gleicher Größe unerreichbar sind.

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