Weiße Mückenlarven sind das ganze Jahr über als Lebendfutter verfügbar. Ob sie sich kultivieren lassen und wie es um ihren Nährwert bestellt ist – auch darum geht es auf den folgenden Seiten. | Von Roland Schreiber

Von Wilhelm Busch stammt dieser Reim, den sicher viele von uns kennen:
Fortuna lächelt; doch sie mag
nur ungern voll beglücken;
schenkt sie uns einen Sommertag,
so schenkt sie uns auch Mücken.
Aquarianer sind an den kleinen Plagegeistern, die uns im Sommer mehr oder weniger heftig zur Last fallen, eher nicht interessiert. Anders verhält es sich mit ihren aquatischen Larven, einem wichtigen Glied im Nahrungsnetz vieler Gewässer.

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxSie sind fast überall präsent, auch wenn sie sich kaum blicken lassen. In der Natur gehören sie zu den wichtigsten Nährtieren für Fische: rote Mückenlarven. Allein in Mitteleuropa sind annähernd 1.000 Arten bekannt. | Von Roland Schreiber

I nsekten – Imagines wie Larven – stellen die Hauptnahrung vieler Fische dar (Broyer & Curtet 2011; Komatsu et al. 2000; Medeiros & Arthington 2008).
Einige Arten haben sich im Lauf der Evolution sogar auf diese Nahrung spezialisiert, beispielsweise Schmetterlingsfische oder Beilbauchsalmler. Diese oberflächenorientiert lebenden Fische erbeuten die mitunter massenhaft auf das Wasser fallenden Kerb­tiere.
Auch die Nahrung bodenlebender (benthischer) Fischarten besteht zu großen Teilen (40 bis 70 Prozent) aus Mückenlarven und -puppen (Ali 1995; Lobón-Cerviá & Bennemann 2000).
Den Zuckmücken (Chironomidae) kommt dabei eine besondere Rolle zu, handelt es sich wahrscheinlich doch um die artenreichste Insektenfamilie, die in Binnengewässern vertreten ist. Allein aus Mitteleuropa sind etwa 1.000 Spezies bekannt, die alle mög­lichen Gewässertypen – verschmutzte wie saubere – besiedeln (Streble & Krauter 2011; Thompson et al. 1986).
Rote Mückenlarven erreichen sehr hohe Populationsdichten von 1.000 bis 3.000 Individuen pro Quadrat­meter, und in manchen Teichen re­präsentieren sie bis zu 75 Prozent der im Schlamm lebenden Bodenfauna (Bellmann 1988; Engelhardt 1986; Gutjahr 1997; Thompson et al. 1986). Einige Autoren nennen für Chironomus-Arten sogar weit höhere Dichten von 75.000 (Groenendijk et al. 1998) oder über 100.000 Exemplaren pro Quadratmeter (Armitage et al. 1995).
Die Bezeichnung „Zuckmücken“ geht auf das nach vorn abgestellte erste Beinpaar dieser Dipteren zurück, das beim Ertasten der Umgebung wie ein zusätzliches Fühlerpaar zuckende Bewegungen ausführt (gr. kheironómos = „Pantomime“).
Aquarianer kennen die Larven dieser Mückenfamilie meist nur als „rote Mückenlarven“, ein Hinweis auf deren vom Blutfarbstoff Hämoglobin in ihrer Körperflüssigkeit hervorgerufene Färbung. Die wichtigste Aufgabe dieses Proteins besteht im Transport von Sauerstoff, es ermöglicht den Tieren somit ein Leben in O2-armer Umgebung.
Diese markante Farbgebung zeigen aber nur einige Arten der Unterfami­lien Chironominae und Tanypodinae oder Spezies der Gattungen Propsilocerus und Tokunagayusurika (Armi­tage et al. 1995). Hierher gehören auch die Larven und Puppen von Chironomus plumosus, der als Futter für Aquarienfische bekanntesten und bedeutendsten Chironomiden-Art (Bremer 1997; Mielitsch 2007).
Neben den hell- bis dunkelrot gefärbten Formen finden wir auch solche mit überwiegend weißer, gelblicher, grüner oder braungrauer Tönung (Engelhardt 1986), die sich vorzugsweise in sauerstoffreicher Umgebung, etwa zwischen Wasserpflanzen oder nahe der Wasseroberfläche, aufhalten (Thompson et al. 1986).

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 1/2018

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxMehr noch als weiße und rote gelten schwarze Mückenlarven als „Allzweckwaffe“ vieler Fischzüchter. Sie sind oft das letzte Mittel, um heikle Fische zum Fressen anzuregen oder eine selten gepflegte Art nachzuziehen. | Von Roland Schreiber

Stechmücken (Culicidae) sind die wohl meistgehassten und lästigsten Kerbtiere dieser Welt, denn sie haben sich nicht nur als ­Plagegeister, sondern auch als Überträger einer ganzen Reihe gefährlicher Krankheitserreger (Arboviren, Fadenwürmer, Protozoen) auf Mensch und Tier einen schlechten Ruf erworben. Beispielsweise verbreiten sie Malaria, Dengue-, West-Nil- und Gelbfieber, ­Filariasis oder Enzephalitis und ver­ursachen indirekt weltweit mehr Erkrankungen und Todesfälle unter den Menschen als alle anderen Organismen (Harbach 2013).
Innerhalb des Stamms der Insekten (Insecta) zählt die Familie Culic­idae Meigen, 1818 zur Ordnung der Zweiflügler (Diptera). Sie ist weltweit in allen tropischen und gemäßigten Regionen vertreten und umfasst zurzeit 3.557 Arten, die mit 113 Gattungen auf zwei Unterfamilien (Anophelinae und Culicinae) verteilt sind.
Zurzeit sind 488 Anophelinen-­Arten anerkannt. Ihre Larven lassen sich auf den ersten Blick anhand ihrer grün irisierenden Färbung, ihrer mit Schwimmkörpern ausgestatteten Eier sowie ihrer waagerechten Haltung ­direkt unter der Wasseroberfläche von den Culicinen unterscheiden. Außerdem besitzen sie kein Atemrohr, sondern nehmen den benötigten Luftsauerstoff über zwei am Hinterrand des vorletzten Segments befindliche Atemöffnungen auf. Adulte Imagines sind an der um 30 bis 45 Grad nach vorn geneigten Sitzhaltung einfach zu erkennen.
Die Unterfamilie Culicinae umfasst aktuell 3.069 Arten, verteilt auf 110 Gattungen. Erwachsene Tiere sind an ihrer Körperhaltung parallel zur Sitzfläche und am Atemrohr der Larven erkennbar, das dazu dient, atmosphärischen Sauerstoff aufzunehmen.
Die bekanntesten Gattungen der
52 einheimischen Stechmückenarten (Becker 2016) sind Culex, Aedes und Anopheles, wobei für Deutschland zurzeit sechs Culex-Arten (C. [Barraudius] modestus, C. pipiens, C. torren­tium, C. [Maillotia] hortensis, C. [Neoculex] martinii und C. [N.] territans) nachgewiesen sind.
Die am häufigsten anzutreffende Spezies ist sicher die Gemeine Stechmücke (C. pipiens). Genau genommen handelt es sich dabei nicht um eine einzelne Art, sondern um einen sehr umfassenden Komplex von Spezies, deren taxonomischer Status (Art, Unterart, Form oder Biotyp) nach wie vor umstritten ist.
Von den als „Malaria“- oder „Fiebermücken“ bezeichneten Anopheles-Arten sind in Deutschland mittler­weile ebenfalls sechs anzutreffen (A. algeriensis, A. atroparvus, A. claviger, A. maculipennis, A. messeae, A. plumbeus; Snow & Ramsdale 2017). Sie sind in den Tropen als Überträger einer Vielzahl gefährlicher Krankheiten (etwa Malaria) gefürchtet.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 1/2018