Rückmeldungen zur jeweiligen DATZ-Ausgabe

Die roten Würmchen, die ­Petra Fitz im Filterschlamm des Biofilters ihres Buntbarsch-Aquariums gefunden hat, könnten in der Tat ein gutes Lebendfutter sein. Ein Blick in Strebles & Krauters „Das Leben im Wassertropfen“ zeigt, dass die Beschreibung, die Frau Fitz gibt, am ehesten auf Lumbricillus lineatus zutrifft, auch Wasser-Enchy­träe genannt.
Lumbricillus lineatus (in einer älteren Ausgabe des Buchs noch als Pachydrilus lineatus bezeichnet) gehört tatsächlich in den Verwandtschaftskreis der Enchyträen. Da diese Würmer wie Regenwürmer zu den Gliederwürmern gehören, kann es sich bei dem, was Petra Fitz unter dem USB-Mikroskop als vermeintliche Segmente wahrgenommen hat, um richtige gehandelt haben.
Laut Streble & Krauter kommt die Wasser-Enchy­träe in der Uferzone von Gewässern aller Art vor, ins­besondere auch in Brackwassertümpeln. Da Frau Fitz ihre afrikanischen Buntbarsche wahrscheinlich in eher härterem Wasser hält, dürfte das Milieu dieses Aquariums den Würmchen zusagen.
Es wäre bestimmt interessant zu testen, ob sich Wasser-Enchyträen gezielt kultivieren und als Lebendfutter verwenden lassen.
Karl-Otto Rothhaupt

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxObwohl nirgendwo mehr im größten See Deutschlands zu übersehen, bleibt es unklar, welche ökologischen Faktoren die Massenver­mehrung des Drei­stachligen Stichlings (Gas­ter­osteus aculeatus) ausgelöst haben.
Das Schnorcheln im Bodensee verspricht zurzeit eine besondere Überraschung. Überall trifft man auf den Dreistachligen Stichling. Es handelt sich nicht um vereinzelte Exemplare, sondern Stichlinge sind die häufigsten Fische, denen man unter Wasser begegnet. Ob man in Überlingen, Bodmann oder auf der Reichenau ins Wasser springt, es dauert nur Sekunden, bis der erste Stichling an der Taucherbrille vorbeischwimmt. Seltsamerweise ist sogar der Anteil der Stichlinge im Freiwasser extrem hoch. Die Mitarbeiter der Fischereiforschungsstelle Langenargen sind gerade dabei, die explosionsartige Vermehrung der Kleinfische zu untersuchen.
Seit etwa drei oder vier Jahren ist dieser rapide Anstieg zu beobachten, aber zu dem dreistachligen Phänomen gibt es mehr Fragen als Antworten. Es ist noch nicht einmal geklärt, seit wann genau die Fischart im Bodensee lebt und wie sie dort hingekommen ist.
Meist wird spekuliert, dass Dreistachlige Stichlinge erst vor einem Jahrhundert in das größte Binnengewässer Mitteleuropas gelangt sind – wahrscheinlich mit menschlicher Hilfe, denn es ist kaum möglich, dass die Kleinfische aus dem Rheinsystem über den 23 Meter ­hohen Rheinfall bei Schaffhausen in Richtung See aufgestiegen sind.
Die ökologischen Faktoren, die die Massenvermehrung der Stichlinge ausgelöst haben, bleiben unklar. Sind es gestörte Parasiten-Fisch-Interaktionen, die normalerweise die Entwicklung der Stichlingspopulationen einbremsen? Interessant ist auch, dass die Stichlings­dominanz ausgerechnet vor dem Hintergrund stetig abnehmender Nährstoffkonzentrationen im Bodensee stattfindet.
Bei meinen Schnorchel-Ausflügen im Juni tauchte ich mitten in die Fortpflanzungssaison der Stichlinge ein. In den dichten Matten aus Armleuchteralgen bauten sich die rotbauchigen Männchen ihre Nester, die dann von prall mit Eiern ­gefüllten Weibchen zum ­Laichen besucht wurden. Es war wie in einem Schulbuch zum Thema Verhaltensbio­logie. Überall Balzverhalten und übereifrige Männchen! Was der Nobelpreisträger Niko Tinbergen einst vor dem Aquarium sitzend analysierte, lässt sich im sommerlichen Bodensee auf nahezu jedem Quadratmeter des Litorals beobachten.
Ist es vor allem ihr Brutpflegeverhalten, das die Stichlinge so erfolgreich werden lässt? Die dichten Bestände der Armleuchteralgen (Charales) scheinen ideal zum Anlegen der Nester zu sein.
Die Armleuchteralgenmatten wiederum sind eine Folge der nährstoffarmen Wasserqualität. Man sollte nicht vergessen: In den 1970er- bis 1980er-Jahren hatte der Bodensee stellenweise noch den Charakter einer eutrophierten Brühe. Für Armleuchteralgen, die sensibel auf Wasserbelastungen reagieren, waren ­damals die Bedingungen schlecht.
Heute sind diese Algen die eigentlichen Gewinner von Ringkanalisation und verbesserter Klärtechnik und indirekt mit ihnen womöglich auch der Dreistachlige Stichling.
Martinus Fesq-Martin

Das Aquarium am Nettel­beckufer wurde geschlossen (siehe Ausrisse „Thüringer Allgemeine“, 14. Juli). Das Haus war ein Teil des Zooparks Erfurt und bestand immerhin 67 Jahre. Die Einrichtung wurde mit privatem ­Engagement und viel Herzblut geführt.
Das Schauaquarium beherbergte ein großes Riffbecken, acht Schaubassins von jeweils 1.000 Litern Volumen und 35 kleinere Süß- und Meerwasserbehälter. Außerdem fanden hier die Fischbörsen der Erfurter Zierfischfreunde statt.
Aquaristisch hat Thüringen jetzt nicht mehr viel zu bieten, da gibt es nur noch das Meerwasser-Aquarium in Zella-Mehlis. Schade!
Thomas Scholl

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxIn der August-Ausgabe der DATZ erschien ein umfangreicher Artikel über Natur­beobachtungen an Breitfußschnecken oder „Seehasen“, die ich während mehrerer Aufenthalte auf der Philippinen-Insel Panay machte.
Der Vollständigkeit halber stelle ich hier zwei weitere Arten der Familie Aplysi­idae vor, die ich inzwischen in meinem Beobachtungs­gebiet vor der Westküste der Insel registrierte. Die Zahl der aus diesem kleinen Areal nachgewiesenen Spezies erhöht sich somit auf elf, dazu gehört ein weiterer Vertreter der artenreichen Gattung Aplysia.
Aplysia juliana erreicht eine Maximallänge von 30 Zentimetern, bleibt meist aber kleiner. Farbe und Zeichnung dieser zirkumtropisch verbreiteten Art sind extrem variabel, am häufigsten sind bräunliche Exem­plare mit helleren Flecken. Charakteristischste Merkmale dieser Art sind das Fehlen einer Purpurdrüse – die Schnecke kann nur milchige Sekretionen ausscheiden – sowie die Fähigkeit, den vorderen Teil des Fußes quasi als Saugnapf zu benutzen, mit dem sie sich an Hartsubstraten verankern kann und den sie zur Fortbewegung einsetzt.
Mit Notarchus ist eine weitere Gattung hinzugekommen, der nur zwei Arten angehören. In meinem Be­obachtungsgebiet ist das N. indicus. Diese Spezies ist mit maximal 25 Millimetern Länge einer der Zwerge unter den Seehasen. Der durchscheinend beigefarbene bis bräunliche Körper ist mit sehr kurzen weißen Papil­-len und filigranen dunklen Zeichnungselementen bedeckt.
Das Bemerkenswerte an diesen an sich unscheinbaren Tieren ist ihre Fortbewegung: Obwohl die Parapodien zu einer Parapodialhöhle verschmolzen sind, können die Schnecken schwimmen. Dazu nutzen sie das Rückstoßprinzip: Durch die vordere Öffnung ziehen sie Wasser ein, durch die hintere stoßen sie es ruckartig aus. Das versetzt die kleinen, zu einer Kugel zusammengezogenen Gastropoden in eine taumelnde Bewegung, sie purzeln quasi rückwärts durch das Wasser. Offenbar dient dieses Verhalten vor ­allem der Verwirrung von Räubern, eine tatsächliche Positionsveränderung erreichen die Tiere damit näm­-lich kaum. Der Anblick der durch das Wasser kugelnden Schnecken verwirrt auch menschliche Beobachter.
Maren Gaulke

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxAbgesehen davon, dass Rupert Riedl seine grundlegenden Erkenntnisse über Meereshöhlen nicht in der Adria, sondern im Tyrrhenischen Meer (Expeditionen 1948 bis 1953) gewann, habe ich folgende Anmerkungen zu dem Beitrag von Falk und Cornelia Wieland:
1. Die Geschlechtsöffnung der Holothurien (hier Holothuria tubulosa) liegt nicht unterhalb des Tentakelkranzes (wie angegeben), sondern im „Nacken“. Hätten die Autoren die Samenab­gabe abgewartet, hätten sie auch gesehen, wo sie erfolgt.
Das Aufrichten des Körpers mit Ausschütten der ­Geschlechtsprodukte findet nicht nur nachts statt, sondern bereits ab den Nach­mittagsstunden (etwa ab 16 Uhr).
2. Der blaue Bauchfleck
des Schriftbarsches beginnt nicht erst nachts im Kunstlicht zu leuchten, sondern ist tagsüber am kräftigsten und verblasst nachts aber auch im Aquarium (wo ebenfalls Kunstlicht herrscht).
3. Es gibt nicht nur die genannten drei Arten von Drachenköpfen im Seichtwas­-ser der Adria, sondern auch eine vierte: Scorpaena ma­durensis. Sie ähnelt den anderen, kleineren Spezies und wird daher meist nicht erkannt (sie ist auch bei Riedl nicht namentlich aufgeführt), unterscheidet sich aber durch einige kurze, einfache „Kinnbarteln“.
4. Die Rote Meerbarbe ist ­keine „normale Begegnung“, sondern eher selten in den von Tauchern besuchten Regionen, da sie meist erst ab 100 Metern Tiefe vorkommt. Bei den in Gruppen vor Seegraswiesen liegenden Tieren handelt es sich meist um Mullus surmuletus.
Das abgebildete Tier ist ebenfalls ein Exemplar dieser Art, nämlich in der Ruhefärbung, und nicht etwa ein Angehöriger der Spezies M. barbatus. Die Flecke in der Rückenflosse sind zwar nur schwach erkennbar, aber M. barbatus besitzt gar keine; außerdem ist der Kopf von M. barbatus kürzer und das Profil steiler.
Die Römer beobachteten übrigens nicht das normale Farbenspiel der Barben entzückt, sondern ergötzten sich am wunderbaren Farbwechsel des Erglühens und Verblassens der sterbenden Tiere vor, während und nach deren qualvollem Tod.
 Horst Moosleitner