Nach zwei Goodeiden-Wochen im Hochland von Mexiko (DATZ 4/2018) setzt unser Autor seine Reise fort und überquert die Sierra Madre Oriental im Nordosten des Landes. Der Rückweg entlang der Ostküste führt ihn durch das „Schwertträger-Land“. | von Uwe Dost

Das Verbreitungsgebiet der Schwertträger erstreckte sich ursprünglich vom mexikanischen Bundesstaat Coahuila im Südosten des Landes über 2.200 Kilometer (Kallman & Kazianis 2006) an Mittelamerikas Atlantikseite entlang nach Süden bis Honduras. Inzwischen setzte der Mensch jedoch weltweit verschiedene Xiphophorus-Arten aus ­(Wikipedia führt 28 Taxa auf), nicht nur auf dem nordamerikanischen Kontinent, sondern auch in Afrika und in Australien. Wir fanden auf unserer Rundreise durch das Hochland ebenfalls Vertreter dieser Gattung weit außerhalb ihrer ursprünglichen Heimat, in mehreren Gewässern etwa Schwertträger-Populationen und dabei neben „normalen“ grünen Exem­plaren von X. hellerii rote und sogar Wagtail-Zuchtformen.
Da wir nur eine Woche Zeit hatten, um nach Mexiko Stadt und zum Flug­hafen zurückzukommen, mussten wir uns sputen. Bei der Vorbereitung der Reise hatte ich einige Ziele im Tiefland ausgesucht, darunter den Catemaco-See und eine Bachhöhle im Bundesstaat Oaxaca (Habitat des Höhlenwelses Rhamdia redelli und des Höhlenkrebses Procambarus oaxacae redelli; siehe DATZ 1/2005), die ich unbedingt besuchen wollte. Daher schauten wir nicht in jedes der vielen Gewässer, die unsere Route kreuzte.

Edelkrebse sind vielfältig bedroht. Gewässerausbau, Nährstofffracht und Sauerstoffmangel können die Populationen ebenso reduzieren wie übergroßer Aal-Besatz. Hinzu kommt die stete Gefahr, dass amerikanische Flusskrebse die Krebspest auf die einheimischen Zehnfußkrebse übertragen. Dann erlischt oft der gesamte Bestand. Dennoch erfinden sich die Völker der Edelkrebse immer wieder neu. | von Falk und Cornelia Wieland

Der Hunger der Baustoffindus­trie nach hochwertigen Kiesen und Sanden scheint unersättlich. Immer wieder genehmigen die Behörden neue Abbaustätten. Als Gewässerfreund vermag der Autor darin nichts Negatives zu sehen, weil regelmäßig Seen entstehen und die Landschaft bereichern. Viele Kies-Seen sind anfangs tief, klar, kalt und sauerstoffreich. Ihr Wasser entspricht idealerweise jenem Grundwasser, das durch die Kiese und Sande als perfekt gefiltert gelten darf.
Ein Tagebau hat üblicherweise ­alles Organische ausgeräumt; es gibt kaum etwas, das unter Sauerstoffverbrauch zersetzt werden könnte. Erst der Eintrag von Niederschlagswasser und Nährstoffen aus dem terrestrischen Umfeld macht ein sparsames Wasserpflanzen-Wachstum möglich.
Seen dieser Art sind, was die Tierwelt anbelangt, idealer Siedlungsraum ohne Konkurrenzdruck, zugleich aber eben auch „Hungerlöcher“. Ein paar Fischlein und Schilf gibt es meist schon während der Bergbautage. Auch ohne Besatzmaßnahmen durch Anglerverbände finden sich bald Flussbarsche ein. Befinden sich Fließgewässer in der Nähe, werden Seen dieser Art vergleichsweise oft von Edelkrebsen (Astacus astacus) besiedelt. Es wird ihr Geheimnis bleiben, wie sie in weiter entfernten Lebensräumen die Chancen im neuen Kies-See „gewittert“ haben.

Vor allem die Freunde Lebendgebärender Zahnkarpfen und der Hochlandkärpflinge ­kommen in diesem Land auf ihre Kosten, beherbergen seine Gewässer doch über 70 Poeciliiden- und Goodeidenarten. | von Uwe Dost

Im letzten Jahr besuchte ich mit einigen Mitgliedern meines Aquarienvereins (Nymphaea Esslingen e. V.) Wien. Dort buchten wir Führungen hinter die Kulissen im Tierpark Schönbrunn sowie im Haus des Meeres, denn beide Institutionen bergen etliche aqua(ris)tische Kostbarkeiten (DATZ 1 und 2/2018).
Im Haus des Meeres bestaunten wir eine der bemerkenswertesten Goodeiden-Kollektionen der Welt sowie einige Zahnkarpfen, etwa den Blauen Zwergschwertträger (Xiphophorus ni­grensis).
Obwohl inzwischen einige Jahre vergangen waren, weckte der Anblick der vielen Mexikaner Erinnerungen an die vielfältigen Reiseeindrücke, die Walter Kroll und ich auf einer Mexiko-Rundreise im Jahr 2000 gesammelt hatten. Damals, im Zeitalter der ana­logen Fotografie, hatten wir eine begrenzte Zahl Diafilme im Gepäck, ­weshalb ich nur selektiv Aufnahmen machte, sodass ich nicht von allen unserer Ziele Bilder besitze.

Cornwall ist ein beliebtes Reiseziel, die Grafschaft bietet mildes Klima mit tropischen Blumen und Palmen, dazu jede Menge Sehenswürdigkeiten. Die wenigsten wissen jedoch, dass es unter Wasser ebenso interessant weitergeht. Der Golfstrom schafft eine überaus spannende Welt mit prallem Leben. | von Frank Rossow

Die meisten von uns Aquarianern beschäftigen sich mit tropischen Fischen aus den fernsten Gegenden der Welt, zu Cornwall fallen uns bestenfalls die Rosamunde-Pilcher-Filme ein. Wer kommt schon auf den Gedanken, dass es in dieser englischen Grafschaft unter Wasser ebenso schöne „Gärten“ und Landschaften geben könnte wie an Land?
Im Herbst 2016 wählten wir Cornwall zum ersten Mal als Urlaubsziel. Mitte September ging es mit dem Auto (Tauchsachen, Fotoausrüstung und Hund sollten mit) per Fähre von Calais nach Dover und dann weiter nach Westen. Linksverkehr, Stau, Autobahnsperrung und Starkregen machten die Fahrt nicht gerade zu einem perfekten Einstieg in einen entspannten Urlaub. Wäre Südspanien nicht doch besser gewesen?

Buntbarsche gehören schon lange zu den beliebtesten Aquarienfischen. Einige Arten sind mittlerweile in europäischen Gewässern anzutreffen. Im ungarischen Héviz haben Rote Cichliden der Gattung Hemichromis ein Thermalgewässer besiedelt. | Von Thilo Hanold

Dass es in Europa Lebensräume gibt, in denen sich aus tro­pischen Regionen stammende Organismen dauerhaft etablieren konnten, ist seit Längerem bekannt. Diese Habitate lassen sich grob in zwei Typen unterteilen.
Die erste Kategorie umfasst solche Biotope, die es ausschließlich dem Einfluss des Menschen verdanken, dass tropische Tiere und Pflanzen sie für sich erschließen können. Dazu zählen Gewässer, deren hohe Tem­peraturen auf den Betrieb in der nä­heren Umgebung befindlicher Kraftwerksanlagen zurückzuführen sind, indem sie beispielsweise durch deren Kühlwasser gespeist werden.
In der zweiten Gruppe finden sich Lebensräume, deren Existenzbedingungen für tropische Lebensgemeinschaften weitestgehend unabhängig von menschlichem Zutun bestehen. Das sind beispielsweise Habitate, deren Wasser in Thermalquellen seinen Ursprung hat. Gewässer dieses zweiten Typs sind aus Österreich, Italien und Ungarn bekannt.
Für europäische Aquarianer sind solche Lebensräume von großem In­teresse, liegen sie doch in erreichbarer Nähe und bieten die Möglichkeit, ihre Pfleglinge einmal in einer natürlichen Umgebung zu beobachten.
In den vergangenen Jahren gab es über solche Lebensräume immer wieder einmal Neues, sei es in Form von Beiträgen in einschlägigen Internet­foren, sei es in Zeitschriften-Publikationen. Darüber hinaus wurden wissenschaftliche Studien erstellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.