Seltene Beobachtungen gelangen im Juni in der Nordsee: Im Natura-2000-Schutzgebiet Doggerbank wurden zwei Zwergwale (Balaenoptera acutorostrata) beobachtet, nahe dem Schutzgebiet Sylter Außenriff wurde ein Riesenhai (Cetorhinus maximus) gesehen. „Die vermehrten Sichtungen unterstreichen die Bedeutung der Natura-2000-Schutzgebiete, insbesondere der Doggerbank, in der deutschen Nordsee und auch international“, erläuterte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz (BfN) erheben Wissenschaftler des Forschungs- und Technologiezentrums Westküste (FTZ) der Universität Kiel regelmäßig die Seevogel- und das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover die Schweinswal- Vorkommen in der deutschen Nord- und Ostsee. Anfang Juni war das FTZ zur Erfassung der Seevögel während der Brutzeit im äußersten Nordwesten der deutschen Nordsee, dem sogenannten Entenschnabel, unterwegs. Hier wurden schon in den vergangenen Jahren immer wieder vereinzelt Zwergwale gesichtet. Bei der Flugerfassung am 6. Juni beobachteten die Wissenschaftler dort erneut zwei Zwergwale.

In den vergangenen Jahren kam es in Israel und in Ekuador wiederholt zu massenhaften Sterben von Buntbarschen der Tilapia-Verwandtschaft in Aquakulturbetrieben. Ein internationales Forscherteam fand kürzlich die Ursache. Ein zuvor unbekanntes Virus tötet die Fische, die in vielen Ländern eine wichtige Eiweißquelle darstellen. Als Epidemiologen aus den USA und Israel umfassende Erbgutanalysen an verendeten Tilapien aus den betroffenen Betrieben durchführten, stießen sie auf Spuren des Virus. Der als „Tilapia- See-Virus“ bezeichnete Erreger vermehrt sich vor allem in Leber und Nerven der Fische. Die Forscher hoffen, bald einen Impfstoff gegen das Virus entwickeln zu können. Nach Karpfen sind Tilapien weltweit die am häufigsten gezüchteten Speisefische. Die globalen Umsätze mit Tieren, die überwiegend aus Aquakultur-Betrieben stammen, werden auf 7,5 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt. In Israel sind die Erträge seit dem Auftreten des Virus um 85 Prozent gesunken. Ähnliche Verluste wurden aus Ekuador und Kolumbien berichtet. Die Studie erschien im Fachmagazin mBio, doi: 10. 1128/mBio.00431-16. – http:// dx.doi.org/10.1128/mBio. 00431-16). Redaktion

Im Herbst 1985 beschloss der Hobby-Diskus-Züchter Horst Köhler (Friedberg bei Augsburg), neben seinem Beruf eine vierteljährlich erscheinende Zeitschrift herauszubringen. Da ihm anfangs nur ein gelegentlich erscheinender, zwei- oder dreiseitiger Rundbrief für die Abnehmer seiner Nachzuchten vorschwebte, nannte er das Projekt „Diskus-Brief“. Doch die erste Ausgabe, Anfang 1986 noch auf einer elektrischen Schreibmaschine ohne Korrekturmöglichkeit getippt und im einfachen Schwarzweiß- Kopierverfahren hergestellt, war gleich eine kleine Zeitschrift mit 16 Seiten, die auch einige gewerbliche Anzeigen enthielt. Mit steigender Abonnentenzahl erhöhten sich Umfang, Zahl der Abbildungen, Angebot und Qualität der Artikel sowie die Papierqualität. Auch das Druckverfahren wurde verbessert. Nur das Format, DIN B5, wurde bewusst unverändert beibehalten, bis heute. In der Diskus-Szene wurde der Brief zu einem gefragten Periodikum. Einige Artikel wurden in andere Sprachen übersetzt und erschienen in ausländischen Aquarienzeitschriften. Später gab es neben der deutschen Originalausgabe sogar vorübergehend drei eigenständige Lizenzausgaben in englischer, italienischer und chinesischer Sprache. Einige Diskus-Vereine verwendeten das Blatt als ihr offizielles Mitgliederorgan. Seit März 1997 ist der Diskus- Brief-Verlag mit seiner Website (www.d i s kusbrief. org), in den ersten Jahren noch mit einem Diskus-Forum, im Internet. Er publizierte einige Bücher zu verschiedenen Themen rund um die Diskus- Aquaristik, von denen er heute noch zwei Titel in seinem Programm hat. Nach 30 Jahren mit insgesamt 120 Ausgaben hat sich Horst Köhler aus Altersgründen dazu entschieden, seine Zeitschrift mit Erscheinen der Ausgabe 4/2015 einzustellen. Der Verlag und seine Website bleiben vorerst aber weiter bestehen. Diskus-Brief-Verlag

Seit Oktober 2014 hält der Frankfurter Zoo als einziger zoologischer Garten in Deutschland Tintenfische (Sepia officinalis). Nun gelang sogar die Nachzucht. Nach dem Laichen sterben die weiblichen Sepien ziemlich schnell, spätestens nach einigen Wochen. Daher wurden die mit ein bis zwei Jahren Lebensdauer recht kurzlebigen Tiere zu Beginn dieses Jahres eine Weile den Blicken des Publikums entzogen. Nun sind aber ihre Nachkommen groß genug, sodass sie eines der Schaubecken im Exotarium bevölkern dürfen. Hoffentlich folgen sie dem Beispiel der vorherigen Generation und sorgen ebenfalls für Nachwuchs! Dietrich Rössel

Extrakte aus Braunalgen könnten gegen die Infektion des Menschen mit dem Immunschwäche- Virus HIV-1 wirksam sein. An der Studie einer Gruppe von Wissenschaftlern war auch der Riffökologe Christian Wild vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie beteiligt. Das Team ließ Extrakte der Braunalge Lobophora auf menschliche Zellkulturen einwirken und stellte fest, dass die Viren nicht mehr in die Wirtszellen eindringen konnten, um sich dort zu vermehren. „Braun- und Rotalgen besitzen ein ganzes Arsenal an unbekannten Molekülen, die im Verdacht stehen, Krankheiten wie Krebs und Hepatitis zu bekämpfen“, so Wild. „Bei der Suche nach Arzneimitteln aus der Natur sind sie gemeinsam mit Schwämmen und Weichkorallen die Organismen, die den meisten Erfolg versprechen.“ Für das Projekt sammelte der Ökologe mit dem Erstautor der Studie, Stephan Kremb von der König-Abdullah- Universität in Saudi- Arabien, Algenmaterial aus Korallenriffen des Roten Meeres und aus der Karibik – die Braunalge ist in tropischen Meeresregionen weit verbreitet. Die Extrakte aus der Alge hemmen die Vermehrung verschiedener Stämme von HIV-1, darunter auch multiresistente, indem sie das Anheften der Viren an die Zellen verhindern. Welche Stoffe in den Extrakten für diese Wirkung verantwortlich sind, ist noch nicht bekannt. Die Wissenschaftler haben bestimmte Polyphenole im Verdacht, Sekundärmetaboliten, die zu den Stoffwechselprodukten der Pflanzen gehören. „Sekundärmetabolite sind noch kaum bekannt“, sagt Wild. „Das ist ein Fundus an möglichen Heilmitteln, den wir erkunden müssen“. Das Team stellte fest, dass die Extrakte aus Algen, die im Meer starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt gewesen waren, das Virus weitaus wirksamer hemmten. Den gleichen Effekt fanden die Wissenschaftler bei Braunalgen, die mit Moostierchen oder mit Kleinalgen besiedelt waren, sogenannten Epibionten. Beide sind für die Alge Stressfaktoren, gegen die sie Abwehrstoffe, eben jene Polyphenole, bildet. Maßgeblich an der Studie beteiligt, die kürzlich in „PLOS One“ erschienen ist, waren auch Christian R. Voolstra von der King Abdullah Universität und Ruth Brack-Werner vom Institut für Virologie am Helmholtz Zentrum München. Für das Forscherteam beginnt nun die Suche nach den Molekülen, die Virenhemmung verursachen. Susanne Eickhoff

Literatur Kremb, S., M. Helfer, B. Kraus, H. Wolff, C. Wild, M. Schneider, C. R. Voolstra & R. Brack-Werner (2014): Aqueous extracts of the marine brown alga Lobophora variegata inhibit HIV-1 infection at the level of virus entry into cells. – Plos One 9 (8), DOI: 10.1371/journal.pone.010 3895.