margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Harald Hauser. 68 Seiten, 15 Fotos, 16 Grafiken und Tabellen, Broschüre, Klammerheftung. biophil-Verlag, Brieselang, 2017. Bezug direkt vom Verlag, Ulmenweg 1 e, 14656 Brieselang, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. 15 €

Mit den Urzeitkrebsen Brandenburgs beschäftige ich mich bereits seit einigen Jahren und habe in dieser Zeitschrift auch schon einen ausführlichen Artikel dar­über veröffentlicht (DATZ 3 und 4/2013). Umso mehr freut es mich, dass zu den ­interessanten Tieren kürzlich ein kleines Buch erschienen ist.
„Urzeitkrebse“ ist kein wissenschaftlicher Terminus. Vielmehr wurde der ­Begriff von der Jugendzeitschrift „Yps“ geprägt, die in den 1980er-Jahren mit Artemia-Aufzucht-Sets als Beilage diese Tiergruppe ­einer breiteren Schicht bekannt machte. Die Bezeichnung hat sich als Populärname
für Großbranchiopoden oder Kiemenfußkrebse durchgesetzt. Er ist durchaus passend, handelt es sich bei diesen Tieren doch um stammesgeschichtlich sehr alte Organismen.
Besonders spannend an dieser Tiergruppe ist ihre ex­treme Anpassung an tem­poräre Gewässer, deren Trockenzeiten sie eingekapselt als Zysten (umgangssprachlich oft als „Eier“ bezeichnet) im Bodengrund verbringen.
In Brandenburg gibt es zwei Gebiete, in denen die sonst seltenen Tiere Vorkommens-Schwerpunkte haben, nämlich die Döberitzer Heide mit dem zu den Kiemenfüßern (Anostraca) zählenden Feenkrebs Branchipus schaefferi und dem zu den Rückenschalern ­(Notostraca) gehörenden Schildkrebs Triops cancriformis – beide Arten sind dort nur im Sommer in Pfützen zu finden – sowie, ganz in der Nähe, der Brieselanger Forst mit dem Feenkrebs Eubranchipus grubii und dem Schildkrebs Le­pidurus apus, beide ausschließlich im Winter in Schmelzwassertümpeln anzutreffen.
Harald Hauser, der seine Publikation im Eigenverlag herausbrachte, lebt in Brieselang und hat somit die wichtigsten Vorkommen direkt vor seiner Haustür. Sein Buch dient zur Bestimmung der Arten und zur Beschreibung ihrer Lebensweise und Habitate. Hinweise zur Aquarien- oder Gartenteichhaltung von Urzeitkrebsen hingegen sucht man vergeblich. Sie wären auch wenig sinnvoll, denn die einheimischen Arten sind entweder geschützt oder aufgrund der benötigten niedrigen Temperaturen im Aquarium gar nicht haltbar. Dazu eignen sich tropische Formen, die sich einfach im Internet beziehen lassen, viel besser.
So liefert der Autor eine ausführliche Einführung in das Thema „Was sind Urzeitkrebse?“, erläutert in verschiedenen Kapiteln „Körperbau und Verwandtschaft“, „Lebensweise“, „Lebensräume“, „Gefährdung und Schutz“.
Am „Fallbeispiel Brieselanger Forst“ wird die Ana­lyse von Gefährdung und Schutz der Großbranchiopoden in einem konkreten Lebensraum anhand eines Management-Plans für dieses FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU) im Osthavelland wiedergegeben.
Es folgen die Kapitel „Nutzung“, „Beobachten“, „Bestimmungsschlüssel“ und „Arten“. Dort werden alle in Brandenburg gefundenen Großbranchiopoden – Artemia salina, B. schaefferi, Tanymastix stagnalis, E. grubii, L. apus, T. cancriformis, Limnadia lenticularis und Lynceus brachyurus – mit Bestimmungsschlüssel und -zeichnung sowie einer Beschreibung ihrer Ökologie vorgestellt. Den Abschluss bildet eine his­torische Betrachtung zum Typusfundort der Spezies E. grubii beim „Alten Finkenkrug“.
Abgerundet wird das Werk mit einem kleinen Glossar und einem sehr ­umfangreichen Literaturverzeichnis.
Das Buch ist mit zahl­reichen Lebensraumfotos und Zeichnungen illustriert, auch mit großen Bestimmungstafeln. Damit wird es dem Naturfreund, der sich auf den Spuren Theodor Fontanes oder andernorts auf die Suche nach diesen faszinierenden Kleinkrebsen begibt, eine große Hilfe.
Florian Lahrmann