Rückmeldungen zur jeweiligen DATZ-Ausgabe

Sehr geehrte Damen und Herren,
der verstorbene Dr. Eduard Schmidt-Focke schrieb in seinem Beitrag „Wiederentdeckt“:
„Der hohe Segelflosser. Neuimporte von Pterophyllum altum. Die erste Bekanntschaft mit diesen eleganten Tieren machte ich bei Josef Swanka in Hamburg. Ihm wurden von Aquarium Hamburg Wildfänge von Pterophyllum altum zu Zuchtzwecken zur Verfügung gestellt. Obwohl Herr Swanka über die natürliche Lebensweise dieser sensiblen Fische nicht genau Bescheid wusste, gelang ihm die Zucht – eine erstaunliche Leistung. Das Hamburger Leitungswasser hatte damals ungefähr 10 °dH. Die Aufzucht der Jungtiere im Hamburger Leitungswasser machte unüberwindliche Schwierigkeiten: Hungerformen mit kleinem Körper, extrem langen Flossen und eingefallener Bauchpartie waren die Folge von falscher Haltung und noch nicht erkannten Krankheiten. Im Jahre 1959 brachte Kyle Sweglesi, Inhaber des Rainbow-Aquariums in Chicago, vier Pterophyllum altum zusammen mit grünen Diskusfischen von einer Fangreise mit. Der Importeur und Fischkenner Heiko Bleher brachte 1972 Pterophyllum altum wieder nach Deutschland. Er entdeckte sie in einem Fluß von ungefähr 5 m Tiefe, pH-Wert 5,8–6,2; Wasserhärte 1 °dH. Die Fische versteckten sich in einem dichten Gestrüpp von dünnen Ästen und umgefallenen Baumstämmen an den Uferzonen. Es war ein Seitenfluss des Río Orinoco. Fische von 45 cm Länge wurden gefangen. Eingeborene glaubten jedoch, noch größere Fische gesehen zu haben.“
Ich selbst besuchte vor ca. 25 Jahren Kölle Zoo in Stuttgart-Zuffenhausen. Im Eingangsbereich stand ein großes Aquarium mit ca. 30 Pterophyllum altum. Sie waren 40 cm hoch. Die Größenangaben in manchen Aquarienbüchern können nicht stimmen. Herr Friedhelm Meier-Böke schreibt in einem Beitrag, die Fische würden im Wildleben 80 cm hoch. Die heutigen Pterophyllum altum werden nicht mehr von Venezuela exportiert, denn es gibt ein Ausfuhrverbot, sondern über Bogotá (Kolumbien). In Bogotá ist es viel kühler als in Venezuela. Die Fische haben zu lange anhaltende Unterkühlung, die meisten sterben beim Importeur. Meine 25 cm hohen Pterophyllum-altum-Wildfänge starben an einer Panikreaktion: Ein Fisch erschrak und riss alle mit in den Tod – die Tiere verletzten sich an den Scheiben tödlich.
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Singer

Anmerkung d. Red.: Der Leserbrief entstammt einem handschriftlichen Manuskript, das mit der Bitte um Veröffentlichung zugeschickt wurde. Unseres Wissens bezieht es sich nicht auf einen (in jüngster Zeit in der DATZ) veröffentlichten Beitrag. Selbstverständlich drucken wir auch Beiträge und Geschichten für das Forum ab, in denen es nicht um Hinweise auf kürzlich veröffentlichte Ausgaben geht, liebe Leserinnen und Leser – handschriftliche, schreibmaschinengeschriebene wie auch digital übermittelte.

Es ist interessant festzustellen, wie räumlich und zeitlich begrenzt so manche in umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse nur gültig sind. In dem Beitrag von Andrea Daschner: „,Erschreckt Nemo‘: Wie reagieren Clownfische im Korallenriff auf die Begegnung mit Menschen?“ wird erklärt, warum Amphiprion clarkii durch seine Scheu vor dem Menschen wenig Chancen auf ein Überleben hat.
In anderen Meeresgebieten haben Fische derselben Art ganz andere Verhaltensweisen. So zeigt A. clarkii z. B. bei den Malediven keinerlei Scheu vor dem Menschen, ja, er schwimmt ihm sogar entgegen und greift ihn auch an, wenn er der Anemone zu nahe kommt. Wie oft hat mich so ein Anemonenfisch an den Haaren gezupft, um mich zu vertreiben.
Leider ist es nicht mehr möglich festzustellen, ob A. clarkii bei den Malediven von Natur aus weniger Scheu vor dem Menschen oder gelernt hat, dass von diesem keine Gefahr ausgeht und er bei dessen Ankunft auch nicht in seine Anemone zu flüchten braucht.
Viele andere Fische haben sich ebenfalls an die ständige Anwesenheit des Menschen gewöhnt. Vom Clownfisch weiß man spätestens seit H. Fricke (der dies schon in den 1970er-Jahren feststellte), dass er sehr lernfähig ist. Warum sollte er also diese Anpassung nicht schaffen?     
Meiner Meinung nach geht von der Anwesenheit des Menschen keine große Gefahr für den Clownfisch aus, wohl aber durch seine ständig ansteigenden schädigenden Einflüsse auf die Umwelt.
Dr. Horst Moosleitner

Mit großem Interesse habe ich den Artikel von Dirk Schulte-Tickmann gelesen. Vor etlichen Jahren verfolgte ich einen ähnlichen Ansatz mit einem 180 l-Aquarium. Ich wählte den Besatz gezielt nach dem Kriterium aus, dass mit Nachwuchs auch im laufenden Betrieb zu rechnen ist. Kaisertetras, Brillantsalmler, Apistogramma borellii, Metallpanzerwelse und L 181 bildeten die südamerikanische Gemeinschaft.
Ständig gab es etwas zu beobachten: Die Salmler und Zwergbuntbarsche waren regelmäßig auch bei 24 °C beim Ablaichen zu sehen, während die Welse durch ein Anheben der Temperatur auf 27–28 °C in Verbindung mit großzügigen Wasserwechseln gezielt zur Vermehrung bewegt wurden. Das Leitungswasser war sehr hart; mithilfe einer Torfkanone enthärtete ich es vor dem Wasserwechsel etwas und reicherte es zugleich mit Huminsäuren an. Um das Aufwachsen einzelner Jungfische trotz des Feinddrucks zu ermöglichen, waren die beiden hinteren Ecken zu ihrem Schutz dicht mit Vallisnerien bzw. einem sehr ausladenden Javafarn bepflanzt. Er bot mit seinem fein gefiederten Wurzelwerk zudem eine große Oberfläche für Einzeller, die den Larven als erste Nahrung dienten.
Weiterhin unterstützte ich das Aufkommen von Jungfischen dadurch, dass ich mindestens drei Mal die Woche Artemia-Nauplien zufütterte, die natürlich auch von den adulten Fischen sehr gern gefressen wurden. Ich denke, insbesondere das gezielte und regelmäßige Zufüttern geeigneter Jungfischnahrung ist bei einem Aquarium mit dem Ziel der extensiven Nachzucht sehr hilfreich, da so die Larven möglichst schnell aus dem Beutespektrum der anderen Fische herauswachsen (vgl. auch Houde, „Bigger is better“; Anderson, „stage duration hypothesis“).
Rückblickend war es ein Aquarium mit einem holistischen Ansatz: Das intensive Beobachten des Fischverhaltens und der Ontogenese, die stete Auseinandersetzung mit der natürlichen Ernährung der Fische und den Lebenszyklen der Futtertiere, das Herausfinden der geeigneten abiotischen Faktoren, um das Fortpflanzungsverhalten der Fische anzuregen – all das führte zu einem sehr intensiven Erleben und dazu, dass es nie langweilig wurde, zu einer dauerhaften Intensität, die ich so in meinen 26 Jahren Praxiserfahrung nie zuvor und auch danach nicht wieder erlebte. Ähnlich dem Autor saß ich oftmals abends beim Radiohören einfach vor dem Becken und erlag der Schönheit der Tiere im Licht der durch das Fenster dringenden Abendsonne.
Ich denke, es wird wieder Zeit für so ein Becken. Herzlichen Dank an den Autor für diese Anregung – ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen!
Dr. Matthias Paulsen

Literatur
Anderson, J. T. (1988): A Review of Size Dependend Survival during Pre-recruit Stages of Fishes in Relation to Recruitment. – Journal of North­west Atlantic Fishery Science, 8: 55–66.
Houde, E. D. (1987): Fish early Life Dynamics and Recruitment Variability. – American Fisheries Society Symposium:17-29.

Herr Lahrmann interessiert sich vielleicht für Folgendes: Zwischen 1975 und 1979 hatte ich bei Landungen (unterwegs auf der guten alten 07) öfter in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, freie Tage. Meistens zog es mich dann nach Norden, um die Landschaft und den Blauen Nil zu bewundern, aber irgendwann fuhr ich auch einmal Richtung Süden, ins flache und trockene Land.
Etwa 100 km südlich von Addis Abeba querte die Straße einen Wasserlauf. Da kescherte ich nach alter Gewohnheit ein wenig herum und fing auch ein paar interessante Fische. Zurück zu Hause beschrieb ich sie Dr. Lothar Seegers am Telefon – er reiste sofort an und nahm sie zur Bestimmung mit. Der Name Pantodon (für den westafrikanischen Schmetterlingsfisch) war mir damals natürlich geläufig, aber Pantanodon hielt ich zuerst für einen Versprecher. Die im Titelthema besprochenen Kleinfischchen sind also auch in Äthiopien zu finden. Bestimmt hat Herr Seegers die Fische im Museum Alexander Koenig hinterlegt … Ich besaß sie nur so lange, bis sie Herr Seegers abholte, aber sie sahen genauso aus wie die Tiere auf den Fotos von Herrn Lahrmann in der Novemberausgabe der DATZ.
Thomas Schulz

In der letzten Ausgabe hatten wir über einen – nennen wir es einmal kreativ  ausgeschilderten – Schwimmenden Hornfarn (Ceratopteris pteridoides) aus dem Handel berichtet. Ein sachdienlicher Hinweis dazu kommt von unserer Beirätin und Autorin Christel Kasselmann: Auf dem Etikett steht zwar der Froschbiss (Limnobium spongia), aber das zugehörige Bild zeigt noch mal ein ganz anderes Gewächs, nämlich den Weißköpfigen Wassernabel (Hydrocotyle leucocephala). Merke: Im Gartencenter nennt man einen Hornfarn also Froschbiss – gestützt auf ein Bild eines Wassernabels.
Redaktion