Rückmeldungen zur jeweiligen DATZ-Ausgabe

Na klar, Sie werden sagen, kennt doch jeder: „Rückenschwimmende Kongowelse, die hatte ich auch schon mal …“
Sicher, viele Aquarianer haben diesen Fisch mit seiner auffälligen Schwimmweise schon gepflegt, aber dann vielleicht wochen­-lang nicht gesehen oder in ih­rem Gesellschaftsbecken nur noch selten zu Gesicht bekommen. Vor allem wenn man nur ein oder zwei ­Exemplare eingesetzt hat, neigen diese Nachtschwärmer tagsüber zu einer un­-verbesser­lichen Verstecksucht.
Gar nicht so selten wird der Rückenschwimmende Kongowels (Synodontis ni­griventris) aus der Familie Mochokidae (für die es übrigens keine deutsche Bezeichnung gibt) und der ­Unterfamilie Mochokinae (die heißt auf Deutsch Fiederbartwelse) mit den beiden Arten S. nigrita und S. eupterus verwechselt.
Außerdem sind leider nicht alle Menschen, die mit Aquarienfischen handeln, ehrbare Kaufleute, und so geraten schon einmal wei­tere ähnliche Afrikaner auf den Markt, schlimmstenfalls sogar Hybriden.
Allerdings schwimmen solche „falschen“ Rückenschwimmer nicht dauernd mit dem Bauch nach oben. Außerdem werden sie als adulte Tiere mindestens sechs Zentimeter länger als ihre Verwandten, die lediglich sieben bis neun Zentimeter Gesamtlänge erreichen.
Das hier wiedergegebene Foto von „echten“ Rückenschwimmern habe ich in dem schönen „Aquarium of the Bay“ in San Francisco aufgenommen. Selten sieht man eine ganze Gruppe dieser Welse so hübsch beieinanderschwimmen.
Wie es sich für Fiederbartwelse gehört, besitzt der Rückenschwimmende Kongowels keine Schuppen. Er weist drei Paare von Barteln auf, von denen die am Unterkiefer gefiedert sind.
Die Körperseiten und der Rücken sind cremefarben, die Unterseite ist vorwiegend dunkelbraun bis schwarz, worauf sich das lateinische Artat­tribut bezieht: nigri­ventris bedeutet „schwarzbäuchig“. Mit dem Bauch nach oben schwimmen die ­Fiederbartwelse unablässig dicht unter der Wasseroberfläche.

Reinhold Wawrzynski

Obwohl ich beim Lesen dieser liebenswert erzählten Anekdote ein gewisses Mitleid mit den betroffenen ­Tieren (und natürlich dem Autor) empfand, konnte ich mir ein tiefes Grinsen nicht verkneifen. Irgendwie erinnerte mich die Geschichte an eine Episode aus meiner frühen Jugendzeit.
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Kultivierung von Lebendfutter für meine Aqua­rienfische. Den Anstoß zu dieser Leidenschaft bekam ich bereits während meiner Schulzeit, als ich regelmäßig einen befreundeten Aquarianer besuchen durfte, der seinen Spleen etwas „übertrieben“ auslebte.
In seiner Wohnung (einem kompletten Haus) züchtete er – vom Keller bis unters Dach – Fische und Reptilien – meist Killis und kleine Salmler, eine Unmenge Schlangen und Leguane –, aber auch Spinnen und weitere, mir nicht näher bekannte Arten. Reihenweise waren die Aqua­rien und Terrarien in den einzelnen Zimmern gestapelt, teilweise ­dekorativ eingerichtet und wunderschön beleuchtet. Eine Vielzahl unterschiedlicher Tiere gab es hier zu bewundern.
Auch das benötigte ­Lebendfutter züchtete er selbst, und so war in seinem Haus kaum eine Ecke zu finden, in der sich nicht irgendein Einmachglas, ein Wassereimer oder ein Plastikbehälter befand, selbst die Küche und das Schlafzimmer wurden für diese Zwecke genutzt.
In der gesamten Wohnung tummelte sich also ­allerlei Futter­getier, von Heimchen und Schaben, Grillen und Springschwänzen über Schnecken und Würmer bis hin zu Mäusen. Hinzu kamen eine stabile Silberfischchen-Population sowie ein bunt gemischtes und frei fliegendes Fliegen- und Mückensortiment.
Ganz zu Anfang (vor langer, langer Zeit) waren die Behälter bestimmt sicher verschlossen gewesen, doch im Lauf der Zeit „verselbstständigte“ sich das Ganze immer mehr, was zum einen an den verschmutzten und nicht mehr dicht schließenden Gefäßen lag, zum anderen aber auch an der mangelnden Disziplin des Hausherrn.
So entwickelte sich das ­Gebäude über die Jahre zu einem artenreichen Biotop, in dem nicht immer ganz eindeutig zu entscheiden war: Sind die umherkrabbelnden Tierchen schon Heim- oder noch Futtertiere? Unnötig anzumerken, dass der Mann seit Jahren allein wohnte, nachdem seine Lebenspartnerin entnervt ausgezogen war.
Meine Mutter, der ich damals oft von dem abenteuerlichen Haus erzählte, nannte den Besitzer „Affen-Jo“, eine nicht untreffende Anspielung darauf, dass es bei Joachim, so hieß der Mann, roch wie in einem Primatengehege. Doch den Anblick seiner tollen Aquarienanlagen und der wunderschönen Fische darin habe ich heute noch in meinem Gedächtnis.
Jedenfalls zeigen solche Geschichten, dass wir Menschen nicht alle und nicht immer perfekt sind. Aber das ist auch gut so. Oder?

Roland Schreiber

In DATZ 12/2017 schrieb Reinhold Wawrzynski über die Verwendung von Korkröhren in Aquarien.
Ein Vorteil dieses Materials ist sein natürliches Aussehen, ein Nachteil, dass es innerhalb einiger Jahre verrottet und dabei Stoffe an das Wasser abgibt. Bei den in der Aquaristik üblichen Wasserwechsel-Intervallen ist das sicher kein Problem, solange man keine Fische pflegt, die empfindlich auf organische Belastung reagieren (in deren Aquarien man besser auch keine Hölzer verwendet). Wawrzynski schilderte mehrere Methoden, um den Auftrieb der Korkröhren zu kompensieren, damit sie in Bodennähe platziert werden können.
Nun gibt es aber Aqua­rientiere, die oberflächen­orientiert leben. Für sie kann man die Röhren „un­beschwert“ verwenden. Zunächst ragen sie noch deutlich über den Wasserspiegel hinaus, nach einigen Tagen haben sie aber so viel Wasser aufgenommen, dass sie sich überwiegend unter der Wasserlinie befinden und dabei sehr natürlich aussehen.
Man kann die Röhren frei treiben lassen, aber auch so fixieren, dass sie sich gut einsehen lassen und die Wasserpflanzen nicht in ihrem Vollschatten hungern müssen. Das gelingt, indem man sie mit Aquariensaugern und Kabelbindern oder Angelschnur an einer Scheibe befestigt.
Oder man führt Kabelbinder oder Angelschnur durch einen Schlitz zwischen den Deckscheiben und befestigt sie dort. Auch das Einklemmen zwischen einer Steinplatte und Aquarienscheibe oder in einer größeren Holzwurzel ist möglich.
Kleinere Röhren werden bereits durch Pflanzen an ­ihrem Platz gehalten, etwa Vallisnerien oder flutenden Gewächsen wie Hornfarn, Nixkraut und Hornkraut. Zwischen Schwimmpflanzen fixierte oder frei schwimmende Röhren folgen Veränderungen des Wasserstands, was durchaus Vorteile haben kann.
Je nach Dicke saugen sich die Korkrinden innerhalb weniger bis vieler Monate so voll, dass sie sinken. Bei fixierten Röhren ist das unproblematisch, sie bleiben ja an ihrem Platz.
Gesunkene Röhren kann man auf dem Boden liegen lassen und an der Oberfläche neue platzieren. Auch eine senkrechte Aufstellung ist möglich, was besonders reizvoll ist, wenn die nach vorn weisende Seite etwas offen steht.
Man kann benutzte Röhren übrigens trocknen lassen, anschließend treiben sie wieder oben.
Schwimmende Korkröhren verwende ich seit über zehn Jahren, einige tatsächlich über diesen gesamten Zeitraum. Man bekommt sie in den unterschiedlichsten Formaten in Terraristik-Abteilungen des Zoohandels. Sucht man größere Stücke, lohnt auch der Blick in die Nagerabteilung.
Bewährt haben solche Korkröhren sich bei aquatisch lebenden Amphibien wie Zwergkrallenfröschen oder Schwimmwühlen, die gern darin ruhen und von dort bequem die Wasseroberfläche zum Atmen erreichen. Dasselbe gilt für Flösselaale und viele Labyrinthfische.
Vor allem maulbrütende Männchen vieler Kampffisch- und Schlangenkopf­arten schätzen den Komfort und die Deckung solcher Röhren, Schaumnester fand ich auch schon darin. Verschließt man ein Ende einer kleinen Korkröhre mit einem Flaschenkorken, erhält man einen optisch ansprechenden Ersatz für die früher oft als Laichhöhle verwendeten Filmdosen, die ja immer seltener als Abfall im Haushalt anfallen.
Weitgehend unverzichtbar sind die Röhren bei der Pflege von Schlangenkopf­fischen. Selbst eingespielte Paare pflegen bisweilen einen derart robusten Umgang miteinander, dass ein geeignetes Versteck entscheidet, ob die Kontrahenten über­leben. Ideal sind Röhren, die mehr als körperlang sind bei einem Innendurchmesser, der nur wenig größer
ist als der Durchmesser des schutzsuchenden Fisches. Sie sollten an der Oberseite ein Loch aufweisen, das es dem Tier erlaubt, Luft zu atmen, ohne die Röhre zu verlassen.
Die Verwendung eines ausreichend großen Aqua­riums, in dem der Unterle­gene einfach ausweichen kann, ist oft nicht möglich, würde es doch das ganze Zimmer ausfüllen. In einem solchen Becken könnte man die Fische kaum noch be­obachten. Rechtzeitiges Herausfangen kann aufgrund der Abwesenheit des Aqua­rianers scheitern (geprügelt wird oft nachts).
Außerdem gehören Rüpeleien bei Arten wie Channa bankanensis zum Vorspiel, sodass eine Trennung der Partner die Fortpflanzung nur verhindern würde.
Klaus de Leuw

Durch eine Unachtsamkeit seitens der Redaktion wurde einer der an der vorgestellten Studie beteiligten Wissenschaftler als Autor des Beitrags „Tropische Korallen spiegeln die Ozeanversauerung wider“ genannt. Den Magazin-Artikels hat jedoch Susanne Eickhoff (ZMT) verfasst.
Außerdem wurde es versäumt, den Bildautor zu nennen: Braddock K. Linsley.
Redaktion

In seinem Artikel über Polycentrus und Polycentropsis erwähnt Uwe Werner unter anderem, dass laut Literatur und nach seiner Vermutung der Vielstachler Polycentrus schomburgkii in den Guyana-Ländern auch in Brackwasser vorkommt. Das kann ich voll und ganz bestätigen.
Im Februar 2017 war ich von Johan Chevalier, dem damaligen Leiter des Réser­-ve Naturelle Nationale de l’Amana, einem großen Schutzgebiet im Nordwesten Französisch-Guayanas, eingeladen, zehn Tage im Gästehaus seiner Einrichtung zu wohnen, um dabei zu helfen, die Süß- und Brackwasser­fische sowie die Garnelen des Reservats zu kartieren. Das ermöglichte es mir, in Ecken zu gelangen, die sonst nur den Park-Rangern – und Wilderern – zugänglich sind.
Besonders beeindruckte mich ein viele Quadratkilometer großer, von der Küste abgeschnittener Mangrovensumpf namens Savane Cercelle in der Nähe von Mana.
Die Savane Cercelle hat seit vielen Jahren keinen direkten Kontakt mit dem Meer, nur bei Sturmfluten soll ein Eintrag frischen Meerwassers möglich sein. Dementsprechend ist auch fast kein Einfluss der Gezeiten festzustellen.
Zwei Ranger durfte ich bei ihrer Patrouille im Kanu begleiten, um auch in den abgelegenen Teilen des Sumpfes zu fischen. Nach etwa 90 Minuten Paddeln erreichten wir das Zentrum des Gebiets.
Hier erwies sich das Fischen zwischen und unter den Wurzeln der Mangrovenbäume als am ergiebigsten. Erwartungsgemäß gingen jungen Tarpone (Megalops atlanticus), Lebendgebärende (Poecilia viviparae, Micropoecilia parae, M. picta) und Eierlegende Zahnkarpfen (Kryptolebias marmoratus) sowie Grundeln (Eleotris amblyopsis, Dormitator lopho­cephalus) ins Netz.
Aber auch zwei Arten, die man gemeinhin als Süßwasserfische betrachtet, konnte ich in großen Stückzahlen nachweisen. Zum einen war das der Killifisch Anableps­oides (Rivulus) lungi, zum anderen eben P. schomburgkii. Vor allem die Vielstach­-ler kamen in einer unglaub­lichen Dichte vor und machten insgesamt knapp ein Viertel der gefangenen Fische aus.
Den Salzgehalt ermittelte ich mittels Refraktometer. Er betrug 1,2 Prozent, also knapp ein Drittel von dem des Meerwassers.
Während meines Aufenthaltes regnete es jeden Tag mehr als reichlich, der Fe­bruar gehört in Französisch-Guayana zur Regenzeit. Man darf also annehmen, dass während der Trockenzeit die Salinität in der Savane Cercelle noch beträchtlich ansteigt.
Oliver Helker