Rückmeldungen zur jeweiligen DATZ-Ausgabe

Von Robert Brunner erhielten wir das Foto eines aus der Haut fahrenden Wasserflohs. Der Bildautor schreibt dazu: „Das Foto entstand in einem Zuchtbecken für Wasserflöhe. Da es sich um Wildfänge handelte und sich Daphnien doch stark den Haltungsbedingungen anpassen, ist eine endgültige Bestimmung nicht ganz einfach, ich glaube aber, es handelte sich um die Art Daphnia pulex.“
Die Redaktion

Sehr geehrter Herr Wolf,
da ich auch heute noch Salmler züchte, habe ich den Artikel von Wolfram Enders mit Interesse gelesen. Über Hyphessobrycon takasei und H. wadai habe ich meine Erfahrungen auch schon in der DATZ veröffentlicht. Aber damit hat Herr Enders sicher auch keine Schwierigkeiten bei der Nachzucht, die relativ leicht ist. Mit Hemigrammus coeruleus sieht das schon anders aus. Da kann ich ihm und weiteren Interessierten Leserinnen und Lesern folgende DATZ-Artikel von Peter und Martin Hoffmann empfehlen, die vielleicht zu einem Zuchterfolg beitragen können: „Roter Chamäleonsalmler – eine sonderbare Geschichte“ (DATZ 10/2004, S. 10) und „XXL - Nachzucht des Chamäleonsalmlers“ (DATZ 9/2017, S.44).
Mit freundlichen Grüßen,
Peter Hoffmann

Sehr geehrte Damen und Herren,
der verstorbene Dr. Eduard Schmidt-Focke schrieb in seinem Beitrag „Wiederentdeckt“:
„Der hohe Segelflosser. Neuimporte von Pterophyllum altum. Die erste Bekanntschaft mit diesen eleganten Tieren machte ich bei Josef Swanka in Hamburg. Ihm wurden von Aquarium Hamburg Wildfänge von Pterophyllum altum zu Zuchtzwecken zur Verfügung gestellt. Obwohl Herr Swanka über die natürliche Lebensweise dieser sensiblen Fische nicht genau Bescheid wusste, gelang ihm die Zucht – eine erstaunliche Leistung. Das Hamburger Leitungswasser hatte damals ungefähr 10 °dH. Die Aufzucht der Jungtiere im Hamburger Leitungswasser machte unüberwindliche Schwierigkeiten: Hungerformen mit kleinem Körper, extrem langen Flossen und eingefallener Bauchpartie waren die Folge von falscher Haltung und noch nicht erkannten Krankheiten. Im Jahre 1959 brachte Kyle Sweglesi, Inhaber des Rainbow-Aquariums in Chicago, vier Pterophyllum altum zusammen mit grünen Diskusfischen von einer Fangreise mit. Der Importeur und Fischkenner Heiko Bleher brachte 1972 Pterophyllum altum wieder nach Deutschland. Er entdeckte sie in einem Fluß von ungefähr 5 m Tiefe, pH-Wert 5,8–6,2; Wasserhärte 1 °dH. Die Fische versteckten sich in einem dichten Gestrüpp von dünnen Ästen und umgefallenen Baumstämmen an den Uferzonen. Es war ein Seitenfluss des Río Orinoco. Fische von 45 cm Länge wurden gefangen. Eingeborene glaubten jedoch, noch größere Fische gesehen zu haben.“
Ich selbst besuchte vor ca. 25 Jahren Kölle Zoo in Stuttgart-Zuffenhausen. Im Eingangsbereich stand ein großes Aquarium mit ca. 30 Pterophyllum altum. Sie waren 40 cm hoch. Die Größenangaben in manchen Aquarienbüchern können nicht stimmen. Herr Friedhelm Meier-Böke schreibt in einem Beitrag, die Fische würden im Wildleben 80 cm hoch. Die heutigen Pterophyllum altum werden nicht mehr von Venezuela exportiert, denn es gibt ein Ausfuhrverbot, sondern über Bogotá (Kolumbien). In Bogotá ist es viel kühler als in Venezuela. Die Fische haben zu lange anhaltende Unterkühlung, die meisten sterben beim Importeur. Meine 25 cm hohen Pterophyllum-altum-Wildfänge starben an einer Panikreaktion: Ein Fisch erschrak und riss alle mit in den Tod – die Tiere verletzten sich an den Scheiben tödlich.
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Singer

Anmerkung d. Red.: Der Leserbrief entstammt einem handschriftlichen Manuskript, das mit der Bitte um Veröffentlichung zugeschickt wurde. Unseres Wissens bezieht es sich nicht auf einen (in jüngster Zeit in der DATZ) veröffentlichten Beitrag. Selbstverständlich drucken wir auch Beiträge und Geschichten für das Forum ab, in denen es nicht um Hinweise auf kürzlich veröffentlichte Ausgaben geht, liebe Leserinnen und Leser – handschriftliche, schreibmaschinengeschriebene wie auch digital übermittelte.

Es ist interessant festzustellen, wie räumlich und zeitlich begrenzt so manche in umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse nur gültig sind. In dem Beitrag von Andrea Daschner: „,Erschreckt Nemo‘: Wie reagieren Clownfische im Korallenriff auf die Begegnung mit Menschen?“ wird erklärt, warum Amphiprion clarkii durch seine Scheu vor dem Menschen wenig Chancen auf ein Überleben hat.
In anderen Meeresgebieten haben Fische derselben Art ganz andere Verhaltensweisen. So zeigt A. clarkii z. B. bei den Malediven keinerlei Scheu vor dem Menschen, ja, er schwimmt ihm sogar entgegen und greift ihn auch an, wenn er der Anemone zu nahe kommt. Wie oft hat mich so ein Anemonenfisch an den Haaren gezupft, um mich zu vertreiben.
Leider ist es nicht mehr möglich festzustellen, ob A. clarkii bei den Malediven von Natur aus weniger Scheu vor dem Menschen oder gelernt hat, dass von diesem keine Gefahr ausgeht und er bei dessen Ankunft auch nicht in seine Anemone zu flüchten braucht.
Viele andere Fische haben sich ebenfalls an die ständige Anwesenheit des Menschen gewöhnt. Vom Clownfisch weiß man spätestens seit H. Fricke (der dies schon in den 1970er-Jahren feststellte), dass er sehr lernfähig ist. Warum sollte er also diese Anpassung nicht schaffen?     
Meiner Meinung nach geht von der Anwesenheit des Menschen keine große Gefahr für den Clownfisch aus, wohl aber durch seine ständig ansteigenden schädigenden Einflüsse auf die Umwelt.
Dr. Horst Moosleitner

Mit großem Interesse habe ich den Artikel von Dirk Schulte-Tickmann gelesen. Vor etlichen Jahren verfolgte ich einen ähnlichen Ansatz mit einem 180 l-Aquarium. Ich wählte den Besatz gezielt nach dem Kriterium aus, dass mit Nachwuchs auch im laufenden Betrieb zu rechnen ist. Kaisertetras, Brillantsalmler, Apistogramma borellii, Metallpanzerwelse und L 181 bildeten die südamerikanische Gemeinschaft.
Ständig gab es etwas zu beobachten: Die Salmler und Zwergbuntbarsche waren regelmäßig auch bei 24 °C beim Ablaichen zu sehen, während die Welse durch ein Anheben der Temperatur auf 27–28 °C in Verbindung mit großzügigen Wasserwechseln gezielt zur Vermehrung bewegt wurden. Das Leitungswasser war sehr hart; mithilfe einer Torfkanone enthärtete ich es vor dem Wasserwechsel etwas und reicherte es zugleich mit Huminsäuren an. Um das Aufwachsen einzelner Jungfische trotz des Feinddrucks zu ermöglichen, waren die beiden hinteren Ecken zu ihrem Schutz dicht mit Vallisnerien bzw. einem sehr ausladenden Javafarn bepflanzt. Er bot mit seinem fein gefiederten Wurzelwerk zudem eine große Oberfläche für Einzeller, die den Larven als erste Nahrung dienten.
Weiterhin unterstützte ich das Aufkommen von Jungfischen dadurch, dass ich mindestens drei Mal die Woche Artemia-Nauplien zufütterte, die natürlich auch von den adulten Fischen sehr gern gefressen wurden. Ich denke, insbesondere das gezielte und regelmäßige Zufüttern geeigneter Jungfischnahrung ist bei einem Aquarium mit dem Ziel der extensiven Nachzucht sehr hilfreich, da so die Larven möglichst schnell aus dem Beutespektrum der anderen Fische herauswachsen (vgl. auch Houde, „Bigger is better“; Anderson, „stage duration hypothesis“).
Rückblickend war es ein Aquarium mit einem holistischen Ansatz: Das intensive Beobachten des Fischverhaltens und der Ontogenese, die stete Auseinandersetzung mit der natürlichen Ernährung der Fische und den Lebenszyklen der Futtertiere, das Herausfinden der geeigneten abiotischen Faktoren, um das Fortpflanzungsverhalten der Fische anzuregen – all das führte zu einem sehr intensiven Erleben und dazu, dass es nie langweilig wurde, zu einer dauerhaften Intensität, die ich so in meinen 26 Jahren Praxiserfahrung nie zuvor und auch danach nicht wieder erlebte. Ähnlich dem Autor saß ich oftmals abends beim Radiohören einfach vor dem Becken und erlag der Schönheit der Tiere im Licht der durch das Fenster dringenden Abendsonne.
Ich denke, es wird wieder Zeit für so ein Becken. Herzlichen Dank an den Autor für diese Anregung – ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen!
Dr. Matthias Paulsen

Literatur
Anderson, J. T. (1988): A Review of Size Dependend Survival during Pre-recruit Stages of Fishes in Relation to Recruitment. – Journal of North­west Atlantic Fishery Science, 8: 55–66.
Houde, E. D. (1987): Fish early Life Dynamics and Recruitment Variability. – American Fisheries Society Symposium:17-29.