Rückmeldungen zur jeweiligen DATZ-Ausgabe

Sehr geehrter Herr Reize,
mir ist aufgefallen, dass es eine Chorococcum-Alge offensichtlich nicht gibt; hier werde ich über Google in Richtung „Bodenbakterien“ geleitet. Heißt die Alge Chlorococcum?
Ihren Beitrag finde ich sehr interessant, und ich wünsche mir einen Folge­artikel, der das Aquarium beschreibt (Bodengrund, Mitbewohner ...) und darstellt, wie die Muscheln die hohe Temperatur auf die Dauer vertragen, wie Sie die Futteralge am Leben halten und wie Sie düngen, ohne dass der mit den ­Algen zu den Muscheln ­ge­langende Dünger toxisch auf die Mollusken wirkt.
Ist es nicht gefährlich, Muscheln aus dem Freiland ins heimische Aquarium zu überführen? Sie sind doch ziemlich häufig von Würmern (Cercarien) befallen.
Zu der Grünalge habe ich nicht viele Informationen gefunden. So interessiert mich beispielsweise, ob sie eher kältere oder eher wärmere Temperaturen benötigt. Und: Wo finde ich sie überhaupt?
Also, eine Fortsetzung der Geschichte wäre sehr schön, auch zum Süßwasserschwamm, über die unterschiedlichen Haltungsbedingungen und so wei­ter …

Viola Schenklin

Sehr geehrte Frau Schenklin,
Sie haben Recht, es muss Chlorococcum heißen (ein dummer Tippfehler), danke für den Hinweis!
Die Algen kultiviere ich seit 30 Jahren in einer Glasröhre von vier Litern Inhalt. Sie stammen ursprünglich aus der Algensammlung des Kölner Botanischen In­stituts. Am Spülbecken des Labors standen die alten Kulturen nach der Verdünnung immer herum, und in den ersten Jahren goss ich alles in die Röhre. Chlorococcum setzte sich dann als dominante Alge durch.
Die Kultur ist denkbar einfach. Alle drei bis vier ­Monate lasse ich die Hälfte des Wassers ab, fülle Leitungswasser nach und gebe eine Kappe Volldünger hinzu. Das Gefäß ist einen ­Meter lang, dahinter brennt eine Leuchtstoffröhre, die eine schöne Raumbeleuchtung abgibt. Belüftet wird das Ganze ausschließlich mit Raumluft.
Inzwischen setzen die Algen sich nicht mehr nur an der Lampenseite am Glas fest, was bei nicht axenischen Kulturen (Reinkulturen) üblich ist.
Die Algen sind ubiquitär, so findet man sie beispielsweise in abgestandenem Blumenvasen-Wasser. In Böden und in natür­lichen Gewässern gibt es ebenfalls genug davon, eine planktonische Art wird bestimmt dabei sein. Aber ich kann Ihnen auch gern eine „Portion“ schicken. Selbst gedüngte Grünalgen sind übrigens nicht toxisch.
Die Röhre zu Hause war für mich so etwas wie der „seelische“ Ausgleich zu meiner Arbeit im Labor, die Kultur läuft seit Langem. Ich mag es pragmatisch: 40 bis 50 Milliliter, je nach Dichte, fülle ich morgens und abends in das Aquarium, sodass das Wasser leicht trüb ist. Die Pflanzen und Tiere in dem 54-Liter-Becken haben sich dadurch nicht verändert. Ein 90-prozentiger Wasserwechsel erfolgt alle zwei bis drei Monate.
Der Bodengrund besteht aus Vogelsand, drei Zentimeter hoch. Er beherbergt viele Turmdeckelschnecken, die ihn durchpflügen und auf­lockern. Javamoos ist die einzige Pflanze. Bei den Fischen handelt es sich um einen 40 Jahre alten Stamm des Zwergkärpflings (Heterandria formosa), die auf ein einziges Pärchen zurückgehen.
Alle zwölf Muscheln sind noch vorhanden und halten ihre Schalen fest geschlossen. Wie es ihnen jetzt geht, kann ich nicht sagen. Ihr Schalenwachstum kann sich auch bei Hunger fortsetzen, während die Tiere selbst schrumpfen. Seit Oktober ­leben sie nun in dieser Umgebung, und jetzt heißt es einfach weiter warten.
Die Schwämme haben sich während des Winters in ihrem Habitus nicht verändert. Mal sehen, was im Sommer mit ihnen passiert.
Ingo Botho Reize

Garnelen treiben Brutpflege, nicht Brutfürsorge. Biologen unterscheiden zwischen Brutfürsorge und der weitergehenden Brutpflege. Tiere, die ihre Eier dort ablegen, wo besonders günstige Bedingungen für deren Entwicklung herrschen, treiben Brutfürsorge.
So legen beispielsweise Schmetterlinge die Eier auf die Nahrung der Raupen, der Kohlweißling auf den Kohl oder die als Futtertier und Bienenschädling bekannten Wachsmotten in Bienenstöcke. Fruchtfliegen legen ihre Eier auf überreifes Obst, die meisten Reptilien deponieren ihre Eier an geschützten Stellen mit geeigneten Temperaturen.
Honigbienen und Hor­nissen beispielsweise treiben darüber hinausgehende Brutpflege, indem sie ihre Larven verteidigen und füttern, das Nest instand halten und temperieren. Mauerbienen hingegen treiben „nur“ Brutfürsorge, indem sie ein Nest mit Kammern anlegen, die sie mit je einem Ei und Futter belegen, verschließen und dann sich selbst überlassen.
Garnelen treiben meines Wissens keine Brutfürsorge. Entweder sie laichen und kümmern sich nicht weiter um ihre Nachkommen, oder sie treiben unterschiedlich weit reichende Brutpflege, indem sie die Eier mit sich umhertragen, mit frischem Wasser umspülen und reinigen, um dann Larven unterschiedlicher Stadien oder fertige Junggarnelen zu entlassen.
Brutfürsorge läge dann vor, wenn eine Garnele ihre Eier beispielsweise auf geeigneter Nahrung absetzen würde, anstatt sie einfach ins Wasser abzugeben. Dieses Verhalten kommt meines Wissens jedoch bei keiner Art vor.

Klaus de Leuw

Zu dem Aquarienpraxis-Beitrag von Uwe Dost schrieb uns ein Leser: „Leider hat sich in den Vorspann des sehr interessanten Artikels ein Fehler eingeschlichen. Die in der Überschrift und sonst im Text korrekt als Turbellarien bezeichneten Strudelwürmer sind natürlich keine ‚Plana­rien‘, denn die leben ausschließlich in Süßwasser oder an Land.“ Wie gut, dass es solche aufmerksamen Zeitgenossen gibt!

Redaktion

Kürzlich fand ich dieses Foto in meinen Beständen, kann es aber nicht mehr richtig ­zuordnen.
Sehr wahrscheinlich stammt es aus dem River-­Safari-Zoo in Singapur. Es ist ja so etwas wie ein warnendes Hinweisschild, und weil in diesem Stadtstaat für unsere Begriffe allerhand verboten ist, würde das ganz gut passen.
Aber für wen soll der Ratschlag gelten – für die Besucher? Auf öffentliche Toiletten wird ausreichend häufig hingewiesen. An den Wasserspiegel offener Aquarien gelangen nur gestandene Kletterkünstler, das Personal hat bestimmt auch kein Interesse für solche Aktionen.
Wenn man sich in Sin­gapur aufhält, denkt man selbst als Aquarianer sicher nicht gleich an Südamerika. Im Amazonas-Becken leben kleine Schmerlenwelse der Unterfamilie Vandelliinae, sogenannte Harnröhrenwelse. Eigentlich ernähren sich die Parasiten vom Blut größerer Fische, werden aber durch in das Wasser urinierende Säugetiere – somit auch Menschen – angelockt und dringen in deren Harnröhren ein.
Allerdings kann ich mich nicht daran erinnern, im River-Safari-Zoo kleine Welse der einschlägigen Gattungen und Arten gesehen zu haben. Habe ich sie womöglich übersehen?
Oder richtete sich das Hinweisschild doch schlicht und ergreifend an die Besucher?Reinhold Wawrzynski

„Symbiose“ bezeichnet das Zusammenleben von Individuen zweier verschiedener Arten, aus dem sich für beide Beteiligten Vorteile ergeben. Ein Aquarianern geläufiges Beispiel dürfte die Gemeinschaft von Clownfischen und Seeanemonen sein.
Bei einem Aufenthalt in der thailändischen Provinzhauptstadt Chiang Mai stieß ich in der Altstadt auf große Wassergräben, die parallel zur alten Stadtmauer verliefen. In den Gewässern entdeckte ich mehrfach mittelgroße Fische, die von Passanten an den zahlreichen Brücken gefüttert wurden. Wie oft in Südostasien sieht man hier aber kaum einheimische Schuppenträger, son­dern vielmehr die allgegenwärtigen afrikanischen Buntbarsche der Tilapia-Verwandtschaft.
Auffällig war, dass sich bei den Fischfütterungen auch Tauben ganz nah am Ufer, fast schon im Wasser, einfanden. Beim Betrachten der beiden so unterschiedlichen Tierarten kam mir der Begriff Symbiose in den Sinn. Die Tilapien werden mit Reis, Brot und Mais gefüttert. Ganz sicher fällt nicht jeder Futterbrocken ins Wasser, am Ufer bleibt stets etwas zurück, zum Vorteil für die Stadttauben.
Tauben werden nicht nur als „Friedensboten“, sondern auch als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet. Laut Internet können diese Vögel bis zu zwölf verschiedene ­gesundheitsschädliche Insekten mit sich umhertragen. Von diesem Ungeziefer – Flöhe, Milben, Fliegen … – fällt bei der gierigen Futtersuche bestimmt einiges ins Wasser, Futterreste sowieso und Unverdautes wahrscheinlich ebenfalls, zum Vorteil für die Cichliden.
Während meiner Beobachtungen herrschten übrigens außergewöhnliche hohe Lufttemperaturen und eine nicht unbeträchtliche Luftfeuchtigkeit. Aber ich bin davon überzeugt, dass meine Symbiose-Gedanken nichts mit diesen meteoro­logischen Umständen zu tun hatten …
Reinhold Wawrzynski