Rückmeldungen zur jeweiligen DATZ-Ausgabe

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxIn der August-Ausgabe der DATZ erschien ein umfangreicher Artikel über Natur­beobachtungen an Breitfußschnecken oder „Seehasen“, die ich während mehrerer Aufenthalte auf der Philippinen-Insel Panay machte.
Der Vollständigkeit halber stelle ich hier zwei weitere Arten der Familie Aplysi­idae vor, die ich inzwischen in meinem Beobachtungs­gebiet vor der Westküste der Insel registrierte. Die Zahl der aus diesem kleinen Areal nachgewiesenen Spezies erhöht sich somit auf elf, dazu gehört ein weiterer Vertreter der artenreichen Gattung Aplysia.
Aplysia juliana erreicht eine Maximallänge von 30 Zentimetern, bleibt meist aber kleiner. Farbe und Zeichnung dieser zirkumtropisch verbreiteten Art sind extrem variabel, am häufigsten sind bräunliche Exem­plare mit helleren Flecken. Charakteristischste Merkmale dieser Art sind das Fehlen einer Purpurdrüse – die Schnecke kann nur milchige Sekretionen ausscheiden – sowie die Fähigkeit, den vorderen Teil des Fußes quasi als Saugnapf zu benutzen, mit dem sie sich an Hartsubstraten verankern kann und den sie zur Fortbewegung einsetzt.
Mit Notarchus ist eine weitere Gattung hinzugekommen, der nur zwei Arten angehören. In meinem Be­obachtungsgebiet ist das N. indicus. Diese Spezies ist mit maximal 25 Millimetern Länge einer der Zwerge unter den Seehasen. Der durchscheinend beigefarbene bis bräunliche Körper ist mit sehr kurzen weißen Papil­-len und filigranen dunklen Zeichnungselementen bedeckt.
Das Bemerkenswerte an diesen an sich unscheinbaren Tieren ist ihre Fortbewegung: Obwohl die Parapodien zu einer Parapodialhöhle verschmolzen sind, können die Schnecken schwimmen. Dazu nutzen sie das Rückstoßprinzip: Durch die vordere Öffnung ziehen sie Wasser ein, durch die hintere stoßen sie es ruckartig aus. Das versetzt die kleinen, zu einer Kugel zusammengezogenen Gastropoden in eine taumelnde Bewegung, sie purzeln quasi rückwärts durch das Wasser. Offenbar dient dieses Verhalten vor ­allem der Verwirrung von Räubern, eine tatsächliche Positionsveränderung erreichen die Tiere damit näm­-lich kaum. Der Anblick der durch das Wasser kugelnden Schnecken verwirrt auch menschliche Beobachter.
Maren Gaulke

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxAbgesehen davon, dass Rupert Riedl seine grundlegenden Erkenntnisse über Meereshöhlen nicht in der Adria, sondern im Tyrrhenischen Meer (Expeditionen 1948 bis 1953) gewann, habe ich folgende Anmerkungen zu dem Beitrag von Falk und Cornelia Wieland:
1. Die Geschlechtsöffnung der Holothurien (hier Holothuria tubulosa) liegt nicht unterhalb des Tentakelkranzes (wie angegeben), sondern im „Nacken“. Hätten die Autoren die Samenab­gabe abgewartet, hätten sie auch gesehen, wo sie erfolgt.
Das Aufrichten des Körpers mit Ausschütten der ­Geschlechtsprodukte findet nicht nur nachts statt, sondern bereits ab den Nach­mittagsstunden (etwa ab 16 Uhr).
2. Der blaue Bauchfleck
des Schriftbarsches beginnt nicht erst nachts im Kunstlicht zu leuchten, sondern ist tagsüber am kräftigsten und verblasst nachts aber auch im Aquarium (wo ebenfalls Kunstlicht herrscht).
3. Es gibt nicht nur die genannten drei Arten von Drachenköpfen im Seichtwas­-ser der Adria, sondern auch eine vierte: Scorpaena ma­durensis. Sie ähnelt den anderen, kleineren Spezies und wird daher meist nicht erkannt (sie ist auch bei Riedl nicht namentlich aufgeführt), unterscheidet sich aber durch einige kurze, einfache „Kinnbarteln“.
4. Die Rote Meerbarbe ist ­keine „normale Begegnung“, sondern eher selten in den von Tauchern besuchten Regionen, da sie meist erst ab 100 Metern Tiefe vorkommt. Bei den in Gruppen vor Seegraswiesen liegenden Tieren handelt es sich meist um Mullus surmuletus.
Das abgebildete Tier ist ebenfalls ein Exemplar dieser Art, nämlich in der Ruhefärbung, und nicht etwa ein Angehöriger der Spezies M. barbatus. Die Flecke in der Rückenflosse sind zwar nur schwach erkennbar, aber M. barbatus besitzt gar keine; außerdem ist der Kopf von M. barbatus kürzer und das Profil steiler.
Die Römer beobachteten übrigens nicht das normale Farbenspiel der Barben entzückt, sondern ergötzten sich am wunderbaren Farbwechsel des Erglühens und Verblassens der sterbenden Tiere vor, während und nach deren qualvollem Tod.
 Horst Moosleitner

Horst Moosleitner schreibt
in seinem Leserbrief, dass Rupert Riedl seine grundlegenden Erkenntnisse der Expeditionen von 1948 bis 1953 im Tyrrhenischen Meer gewonnen habe.
Im Originalwerk – „Bio­logie der Meereshöhlen“, Karte Untersuchungsgebiete im West-Mediterran und in der Adria, Seite 28 – lässt sich nachschlagen, dass vor Kroatien Meereshöhlen mindestens bei Rovinij, um Porec, um Krk, um Rab, um Marjan, Hvar und Cavtat untersucht wurden. Wir behaupten also nichts Falsches, wenn in unserem Text steht, dass das Riedl-Team auch kroatische Meereshöhlen in der Nähe des beschriebenen Zielgebietes Šolta, neun Seemeilen vor Split, erforschte. In der Adria finden sich die Untersuchungsgebiete des Riedelschen Teams, verglichen mit anderen Mittelmeer-Regionen, sogar recht dicht eingezeichnet.
Zu den weiteren Kritikpunkten:
1. Die Geschlechtsöffnung der Holothurien liegt unmittelbar hinter dem Tentakelkranz. Allein wenn Holothurien aufgerichtet sind, könnte man diese Lage als „Nacken“ interpretieren (es handelt sich schließlich um Wirbellose!). Da wir die Fortpflanzung der Holothurien ausschließlich nachts beobachteten, schilderten wir sie folglich als nächtliches Geschehen.
2. Wir beobachteten Schriftbarsche im prallen Sonnenlicht, und der blaue Fleck schien uns unter den grel­len Lichtbedingungen einer hochsommerlich beleuchteten Seegraswiese nicht sehr auffallend. Beim Nachttauchen empfanden wir diesen Fleck im Schein der Unterwasserlampen als stark phosphoreszierend. Sicher ist diese Schilderung eine Augenblicksbeobachtung und ein subjektiver Eindruck. Wir beobachteten Schriftbarsche stets im Meer und können zu ihrem Aussehen in Aquarien, wo sie womöglich unter Stress stehen, nichts schreiben.
3. Hier hat Moosleitner na­türlich Recht, in unserem ­Artikel sind nur die Arten aufgezählt, die wir beobachteten. Dass es eine vierte ­adriatinische Spezies gibt, war uns beim Schreiben des Artikels tatsächlich nicht bewusst.
4. Bei der Bestimmung der fotografierten Meerbarbe orientierten wir uns an Patrick Louisys „Meeresfische: Westeuropa und Mittelmeer“. Wir hielten die Art für Mullus barbatus, weil diverse Mullus-Arten nachts aus großer ­Tiefe (zehn bis 30 Meter) aufsteigen, weil der Fisch auf dem Foto nahezu farblose Rückenflossen hat, weil ein rosafarbener Grundton vorherrscht und weil das Auge relativ groß scheint (was ­unseres Erachtens alles für M. barbatus spricht) und weil außerdem kein richtiger, vom Auge ausgehender Längsstreifen zu sehen ist, wie er für M. barbatus beschrieben wird.
Es ist uns bewusst, dass Artbestimmungen anhand von Fotos kritisch und manchmal nicht sicher möglich sind.
Ferner ist uns durchaus bekannt, dass die alten Römer Barben in viel zu engen Glasvasen auf Festtafeln präsentierten, um deren Farbwechsel unter Stress zur ­Unterhaltung zu verfolgen. Wir berichteten dieses Tun wertfrei, eben als geschichtlichen Aspekt zu dieser Fischart. Selbstverständlich kann dieses Treiben nach heutigem Verständnis von Tier- und Naturschutz nicht als „geschmackvolle“ Unterhaltung gelten.
Aber wir wollten naturkundliche und historische Fakten erzählen; es war nicht unsere Absicht, die Moralvorstellungen der Römer und unsere heutigen wertend nebeneinanderzustellen. Falk und Cornelia  Wieland

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxUnter anderem erörterte Roland Schreiber in der Januar-Ausgabe der DATZ die Verwendung von Tubifex und Glanzwürmern als Lebendfutter. Bei der interessanten Lektüre erinnerte ich mich sogleich an einen Fund, den ich vor vier Jahren gemacht hatte.
Damals reinigte ich den verschlammten, vornehmlich mit Schaumstoffwürfeln bestückten Biofilter unseres Buntbarsch-Aquariums. In dem Filter vermehrten sich rote Posthornschnecken explosionsartig. Was ich beim Abschütten des Schlamms nach der Reinigung des Schaumstoffs entdeckte, verunsicherte mich: Auf dem Boden des Eimers krochen feine, rote Würmer umher.
Die Tierchen mussten im Filterschlamm „gewachsen“ sein. Für Tubifex schienen sie mir zu kurz. Unter dem USB-Mikroskop offenbarte sich ihre Struktur. Sie waren etwa 0,2 Millimeter dick und rund zehn Millimeter lang. Zoomte ich die Aufnahme heran, konnte ich erkennen, dass die „Segmente“ wohl durch den stark gefalteten Darm der Tiere entstanden. Leider war die Auflösung für eine genauere Betrachtung zu gering.
Unseren Fischen (Oreochromis sp.) schienen diese Filterbewohner nicht geschadet zu haben. Vermutlich hatte ich die Würmchen mit Wasserlinsen, die wir den Buntbarschen regelmäßig verabreichen, aus un­serem Naturteich eingeschleppt.
Kann mir ein DATZ-Leser sagen, um welche Würmer es sich handelt und ob sie sensibleren Aquarienbewohnern lästig werden könnten? Oder habe ich hier sogar wertvolles Lebendfutter gefunden? Petra Fitz

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxDen Beitrag „Von Goldstücken und Silberpfeilen“ von Uwe Dost in der März-Aus­gabe las ich sehr aufmerksam, rief er mir doch lang zurückliegende Erlebnisse mit diesen „besonderen“ Halbschnabelhechten lebhaft in Erinnerung.
Anfang der 1980er-Jahre bekam ich von einem Großimporteur zwei etwa fünf Zentimeter lange Wildfänge von Dermogenys pusilla. Die beiden Halbschnäbler setzte ich in ein speziell einge­richtetes 50-Liter-Aquarium ohne weitere Mitbewohner. Leider starb aus ungeklärter Ursache nach etwa drei Wochen eines der Tiere.
Der überlebende Fisch, ein Weibchen, gedieh prächtig und wurde abwechslungsreich mit Larven der Stechmücke (Culex pipiens), stummelflügeligen Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) und Silberfischchen (Lepisma saccharina) gefüttert; von diesen Urinsekten bekam er täglich zwei Stück und war offenbar sehr davon angetan. Kaum hatte ich die Silberfischchen ins Wasser gesetzt, erfasste der Halbschnabelhecht sie mittels Seitwärtsstoß und verspeiste sie genüsslich.
Nach etwa einem dreiviertel Jahr – das Dermogenys-Weibchen hatte, offenbar dank der abwechslungsreichen Ernährung, die imposante Länge von gut zehn Zentimetern erreicht – bekam ich von einem befreundeten Aquarianer ein Männchen.
Nach der üblichen Quarantäne setzte ich die beiden Tiere zusammen. Anfangs wurde das viel schmächti­gere Männchen noch vom Weibchen bedrängt, konnte sich aber in dem dicht wuchernden ­Bogormoos (Taxiphyllum barbieri) in Sicherheit bringen.
Nach einigen Tagen duldete das Weibchen den neuen Partner in seiner Nähe, und der begann mit seiner ausgeprägten Balz.
Nach weiteren dreieinhalb Monaten – ich hatte die Hoffnung auf Nachwuchs schon aufgegeben – bemerkte ich im Bogormoos nahe der Wasseroberfläche die ersten Jungfische. Unverzüglich fing ich die Alttiere aus dem Aquarium und setzte sie in ein parallel eingerichtetes Becken mit gemeinsamer Wasserzirkulation.
An die Jungfische – ich zählte 23 – verfütterte ich so lange Nauplien von Artemia salina, gesiebte Daphnia sp. und Cyclops sp., bis sie die ausgewachsenen Wasserflöhe und Hüpferlinge sowie stummelflügelige Fruchtfliegen bewältigten.
In Abständen von etwa eineinhalb Monaten gebar das Weibchen nun seine Jungen. Die Zahl der geborenen (und entdeckten) Jungen variierte erheblich. Beim vierten Wurf zählte ich 96 Exemplare! Danach stellte ich gut vier Monate lang keinen frisch geborenen Nachwuchs mehr fest.
Obwohl ich das Aquarium in der Regel stets gut verschloss, lag eines Morgens das Weibchen vertrocknet auf dem Fußboden. Der of­fene Spalt der Deckscheibe war kaum einen Zentimeter breit!
Da ich beruflich mehrere Monate ins Ausland musste, gab ich meine Nachzuchten an einen befreundeten Zoofachhändler ab und pflegte seither – leider – nie wieder Halbschnabelhechte.
Hans Esterbauer