Das Sumpfdickblatt ist eine bei uns noch wenig bekannte Aquarienpflanze. Unsere Autorin berichtet über ihre Erfahrungen mit der Kultur sowie über Anpflanzungen im jahreszeitlichen Wechsel im Botanischen Garten Berlin-Dahlem. | von Christel Kasselmann

In den USA gibt es einige sehr ak­tive Pflanzen-Enthusiasten, die in den vergangenen Jahren vermehrt nordamerikanische Sumpf- und Wasserpflanzen auf ihre Eignung für die Kultur im Aquarium testeten. Einige Arten, die die Tests bestanden, ge­langen nach und nach auch in den ­europäischen Zoofachhandel. Nicht jede der neuen Spezies aus Nord­amerika ist allerdings für das Normal­aquarium empfehlenswert; manche werden wohl wieder verschwinden. Das hier vorgestellte Sumpfdickblatt gehört zu den geeigneten, jedoch langsam wachsenden Neuheiten.
Den wissenschaftlichen Namen Penthorum sedoides las ich vor zwei Jahren das erste Mal. Über einen Online-Handel bestellte ich im Frühjahr 2018 einen Topf, um die Art auszuprobieren. Anhand der Blattstruktur war leicht feststellbar, dass die gelieferten Pflanzen im Gewächshaus kultiviert worden waren. Also teilte ich die Por­tion auf: Die eine Hälfte pflanzte ich submers in den Vordergrund eines Aquariums, die andere emers in ein Mini-Gewächshaus, um sowohl über als auch unter Wasser die weitere Entwicklung beobachten zu können.

Der Indische Wasserwedel (Hygrophila difformis) wird seit vielen Jahrzehnten als dekorative Aquarienpflanze kultiviert. Nun kommt eine ähnliche Pflanze hinzu: Hygrophila triflora. Unsere Autorin stellt die Art erstmals aquaristisch vor. | von Christel Kasselmann

Vor gut zwei Jahren erhielt ich durch die Wasserpflanzengärtnerei Tropica eine unbekannte Sumpfpflanze mit der Bitte um Bestimmung. Die Pflanzen stammten aus der Gewächshauskultur.
Die erhaltene Portion teilte ich auf: Eine Hälfte setzte ich emers in eine Schale mit nasser Erde, die andere submers in mein Aquarium. Unter Wasser bildeten sich schnell rotbraune Blattspreiten, die in ihrer Form an die ganzrandigen Landblätter von ­Hygrophila difformis erinnerten. Der Indische Wasserwedel, seit vielen ­Jahren eine beliebte Aquarienpflanze, entwickelt als Sumpfpflanze genau solche Blätter mit gesägtem Rand, ­unter Wasser bilden sich jedoch die bei Aquarianern gut bekannten charak­teristischen Fiederblätter mit leuchtend hellgrüner Färbung. Deshalb hielt ich die neue Aquarienpflanze zunächst für eine rotbraune Farbform von H. difformis.

Phylogenetische Untersuchungen zeigten, dass die Aquarienpflanzen Zosterella dubia und Hydrothrix gardneri zur Gattung ­Heteranthera gehören. Am häufigsten wird Heteranthera zosterifolia kultiviert. Unsere Autorin stellt die drei Arten vor. | von Christel Kasselmann

Schon vor gut 20 Jahren (Graham et al. 1998) führten umfangreiche genetische Untersuchungen an zahlreichen Arten der Familie Pontederiaceae zu überraschenden Ergebnissen. Sie zeigten, dass die beiden monotypischen Gattungen (Genera mit jeweils nur einer Spezies) Hy­drothrix (mit der Art H. gardneri) und Zosterella (mit der Spezies Z. dubia) stammesgeschichtlich in das Genus ­Heteranthera einzuordnen sind. Doch erst kürzlich (Pellegrini 2017) erfolgte die wissenschaftliche Umkombina­tion von Hydrothrix zu Heteranthera gardneri (Hooker f.) M. Pellegrini.
In dieser Publikation wird auch die aquaristisch kaum bekannte Art Scholleropsis lutea – diese Gattung ist ebenfalls monotypisch – in Heteranthera lutea (H. Perrier) M. Pellegrini umbenannt. Eine Überführung von Zosterella dubia nach Heteranthera war dagegen nicht erforderlich, weil der nordamerikanische Botaniker Conway MacMillan bereits 1892 diese Auffassung vertrat und die Art zur Gattung Heteranthera gestellt hatte.
Die Familie Pontederiaceae wurde somit um drei Gattungen verkleinert und umfasst zurzeit sechs Genera mit gut 30 Spezies. Alle wachsen an feuchten und nassen Standorten, und unter ihnen könnten sich noch weitere für die Aquaristik interessante Pflanzen befinden. Aquarianer und Teichliebhaber kultivieren insbesondere Vertreter der Gattungen Eichhornia, Pontederia und Heteranthera.

Bislang trennten geringe Unterschiede im Blütenbau die Gattungen Hemianthus und ­Micranthemum. Nach molekularen und morphologischen Untersuchungen wurden alle ­Hemianthus-Arten in das Genus Micranthemum überführt. | von Christel Kasselmann

Moderne Forschungsmethoden führten in den vergangenen Jahren zu zahlreichen Neueinteilungen bei Pflanzenfamilien und Gattungen. Auch die große Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae) wurde nach phylogenetischen (stammesgeschichtlichen) Analysen aufgespalten. So gehören Bacopa und Limnophila neuerdings zu den Wegerichgewächsen (Plantaginaceae), und Lindernia und Micranthemum (einschließlich Hemianthus) sind der Familie der Büchsenkräuter (Linderniaceae) zugeordnet. Trotz schon erfolgter umfangreicher Gen-Analysen zur Klärung der Verwandtschaftsverhältnisse sind die ­Arbeiten keineswegs abgeschlossen, sondern nur ein erster Schritt zur ­taxonomischen Neubewertung vieler Gattungen und Arten.
Fischer et al. (2013) untersuchten die phylogenetischen Beziehungen der Familie Linderniaceae. Der Arbeit ist zu entnehmen, dass im Stammbaum das Genus Micranthemum am nächsten mit Lindernia verwandt ist. Aus dieser Gattung werden die einander ähnlichen Arten L. parvifolia und L. rotundifolia in Aquarien kultiviert.

Pogostemon deccanensis ist eine empfehlenswerte und häufig kultivierte Aquarienpflanze. Sie wurde im Jahr 2010 als P. erectus eingeführt. Unsere Autorin fand heraus, dass die Art damals falsch bestimmt wurde. | von Christel Kasselmann

Die Gattung Pogostemon umfasst 79 Arten, von denen bisher fünf in Aquarien kultiviert werden. Als Erste wurde P. stellatus 1978 ein­geführt. Diese Spezies besitzt eine ­große Variationsbreite, und es sind mehrere Wuchsformen bekannt.
Viel Aufmerksamkeit erhielt die Einfuhr des Kleinen Wassersterns (P. helferi) im Jahr 2004. Die thailändische Art ist bis heute eine beliebte Aqua­rienpflanze.
Pogostemon quadrifolius kam als P. stellatus „Octopus“ in den Handel. Der Handelsname war völlig irreführend, denn die Blattquirle weisen ziemlich konstant vier Blätter auf (und nicht acht).
Auch P. sampsonii aus China wurde zunächst unter einer anderen Bezeichnung, nämlich als P. cf. pumilus, verbreitet; mit diesem Taxon ist die ­Pflanze allerdings eng verwandt.
Der häufig kultivierte P. erectus, um den es in diesem Artikel geht, wurde 2010 unter der falschen Bezeichnung Rotala verticillaris eingeführt. Nach meinen Untersuchungen trifft auch der Name P. erectus für die häufig gehandelte Pflanze nicht zu. Es wird wohl lange dauern, bis sich der neue Name – P. deccanensis – durchgesetzt hat.