Das Grün darf an die frische Luft: ein Praxisbericht über die Herangehensweise bei der Pflanzenkultur unter natürlichem Licht und dem Einfluss von Temperaturschwankungen | von Jochen Degrell

Ein Artikel über die emerse Haltung von Echinodoren im Gewächshaus (Mees 2012) inspirierte mich, diverse Pflanzen (Echinodorus, Sagittaria und Cryptocoryne) aus dem Aquarium auf die Fensterbank und ins Gewächshaus zu setzen. Von den gewonnenen Erfahrungen soll hier berichtet werden.

Während einer botanischen Studienreise nach Kolumbien wurden zwei natürliche Standorte von Echinodorus trialatus untersucht. In der Aquaristik war die Art bisher unbekannt, denn ihre natürliche Fortpflanzung gelingt nur durch Samen. Unsere Autorin berichtet erstmals über Ökologie, Kultur und produktive Vermehrung der neuen Schwertpflanze. | von Christel Kasselmann

Die Gattung Echinodorus umfasst nur wenige Arten und Naturhybriden, dennoch ist ihre wissenschaftliche Bearbeitung schwierig. Auch nach der Revision der Gattung durch Lehtonen (u. a. 2016) sind noch viele Fragen offen. Die Nomenklatur von E. trialatus ist jedoch eindeutig. Die Art wurde 1955 durch den nordamerikanischen Botaniker N. C. Fassett beschrieben und besitzt keine Synonyme. Von anderen Spezies der Gattung lässt sie sich gut unterscheiden. Bestimmungsmerkmale sind die dreikantig geflügelte und lang herablaufende Basis der Blattspreite mit der langen Blattspitze, die fehlenden durchscheinenden Zeichnungen (Milchsafträume), der dreikantig geflügelte Blütenstängel, die kleinen Blüten mit 11–14 Staubblättern, die fehlenden Adventivpflanzen am Blütenstand sowie Form und Größe der Nüsschen.

Und wieder eine neue Rotala-Art für die Aquarienkultur! Rotala occultiflora ist eine zarte Stängelpflanze mit hohen Ansprüchen an die Kultur. Unsere Autorin stellt die 2019 aus Australien eingeführte Art erstmals ausführlich vor. | von Christel Kasselmann

Es ist bemerkenswert, in welcher Anzahl neue Aquarienpflanzen und Wuchsformen bekannter Arten in den vergangenen Jahren eingeführt wurden. Viele Spezies zeigen je nach Herkunft eine erstaunliche Variabilität in Färbung und Habitus. Bei manchen Rotala-Arten beispielsweise ist diese Vielgestaltigkeit eindrucksvoll: Als Beispiele seien Rotala rotundifolia, R. macrandra, R. wallichii, Rotala mexicana und R. ramosior genannt.

Durch die Einfuhr neuer Farb- und Wuchsformen wissen wir, dass einige Rotala-Arten erstaunlich vielgestaltig sind. Offenbar trifft das auch auf Rotala wallichii zu. Zwei neue Ökotypen aus Kambodscha und Bangladesch wurden von unserer Stammautorin bestimmt. | von Christel Kasselmann

In der Aquaristik gibt es einen regelrechten Hype auf neue Rotala-Pflanzen. In den letzten Jahren kamen durch Aufsammlungen meistens aus asiatischen Ländern nicht nur neue Arten hinzu, sondern auch besonders dekorative Wuchsformen lange bekannter Spezies. Es ist bemerkenswert zu sehen, wie variabel etwa Rotala rotundifolia und R. macrandra in Färbung und Gestalt sein können, obwohl wir sie schon seit mehr als fünf Jahrzehnten kultivieren und zu kennen glaubten. In unserer globalisierten Welt leben überall Aquarianer, die sich an der Kultur von Aquarienpflanzen erfreuen – und offenbar auch in der Natur die eine oder andere Kostbarkeit entdecken. Wir lernen dadurch Erstaunliches über unsere Aquarienpflanzen.

Aquarianer interessieren sich für Wasserpflanzen, weil sie Biodiversität spannend finden oder weil die Gewächse ästhetisch aussehen – für die ersten Menschen in Europa dagegen waren Wasserpflanzen eine willkommene Ergänzung des Speiseplans. | von Martinus Fesq-Martin

Teich- und Seerosen sind die Zierde jedes Gartenteichs, ein Ausdruck von Harmonie in der Grenzschicht zwischen Wasser und Luftraum. Der französische Maler Claude Monet hat in seinen berühmten Gemälden genau diese Stimmung der Kontemplation eingefangen, ein träger Sommernachmittag am Ufer eines nährstoffreichen Teiches, auf dem die Seerosen blühen – und platsch, ein stark muskulöser Mann mit ausgeprägten Überaugenwülsten und rötlichen Haaren durchbricht die Wasseroberfläche und taucht mit ananasgelben Pflanzenteilen auf. Kein Quellgeist oder Nöck, sondern ein Neandertaler!