von Sebastian Wolf

Nicht nur Leitungswasser kann über Aktivkohle aufbereitet werden, so mancher Aquarianer weiß auch die Eigenschaften sauberen Regenwassers für die Zucht seiner Salmler, Killis, Labyrinthfische und anderer durchaus zu schätzen: Kostenloses, weiches Wasser fast ohne zusätzlichen Ressourcenverbrauch – alles, was gebraucht wird, ist ein Sammelbehälter.
Nicht unbegründet allerdings ist die Frage nach im Regenwasser gelösten, möglicherweise für Organismen schädlichen feinen Partikeln aus der Luft oder vom Dach, besonders in industrialisierten Regionen.
Über einen längeren Zeitraum im letzten Jahr maß ich nach kräftigeren Niederschlägen immer wieder einmal die Leitfähigkeit des in einer Regentonne gesammelten Wassers, das über ein Kunststoffrohr vom Hausdach eingeleitet wurde. Gemessen wurde immer erst in einer weiteren Tonne im Aquarienraum, bei recht konstanten Temperaturen zwischen 20 und 22 °C. Es lag die Annahme zugrunde, dass die elektrische Leitfähigkeit als ein Summenparameter Rückschlüsse auf den Gesamtsalzgehalt und damit auf die „Belastung“ des Regenwassers durch gelöste Ionen zulässt.
Dabei handelt es sich um eine relative Einschätzung - ein einzelner Wert sagt wenig aus, in Kombination mit anderen ermittelten Werten kann sich aber ein Bild ergeben. Ein Beispiel: Wenn für ein Aquarium Leitungswasser mit bekannter (und wenig schwankender) Leitfähigkeit verwendet wird, die Leitfähigkeit im Becken aber über einen bestimmten Zeitraum wesentlich ansteigt, dann lässt sich daraus erkennen, dass durch die Stoffwechseltätigkeit der Bewohner eine höhere Wasserbelastung entstanden ist. Sprich: Es wird Zeit für einen Wasserwechsel. Damit hat man eine physikalische Größe zur Hand, die leicht und kostengünstig ermittelt werden kann und die einem in der Praxis von Nutzen ist.
Derart sollte sich auch einschätzen lassen, wie geeignet das aufgefangene Regenwasser wäre. Die Ergebnisse waren grundsätzlich unabhängig von der Jahreszeit, eine Fluktuation der Leitfähigkeit über einen Zeitraum von Frühjahr bis Spätsommer war dennoch gegeben: Ich maß zwischen minimal 24 µS/cm und maximal 69 µS/cm (bei insgesamt zwölf Messungen und einem gemittelten Wert von 43 µS/cm).
Ein echter Beweis fehlte mir, ich denke aber, es spielte eine nicht unwesentliche Rolle, ob das Regenwasser unmittelbar nach Beginn des Regens in die Tonne eingeleitet wurde oder erst einige Zeit später bzw. wie sauber das Hausdach war.
Und nun? Eher aus einer subjektiven Empfindung denn aus handfesten Beweisen heraus suchte ich nach einer Möglichkeit, das Regenwasser vor der Verwendung im Aquarium über Kohle zu filtern. Salopp gesagt – wenn man nicht weiß, was genau im Wasser ist, möchte man davon vielleicht doch weniger im Aquarium haben.
Aktivkohle bindet viele verschiedene organische Stoffe, die Adsorption benötigt allerdings Zeit, und so wird eine Verweildauer des Wassers von 5–10 min im Filter empfohlen (Hans-J. Krause, Aquarientechnik 2004), wenn das Wasser die Aktivkohle nur ein Mal durchläuft. Die Wassermenge je Zeit hängt dabei vom Filtervolumen ab – das heißt, ein doppelt so großes Filtervolumen sollte im selben Zeitraum auch doppelt so viel gefiltertes Wasser liefern. Aber: Bei mehrmaligem Filterdurchlauf sollte das laut obiger Quelle nicht von Belang sein!
Zunächst installierte ich also in einer Tonne mit 60 l Volumen einen kleinen Innenfilter (Volumen 100 ml) mit einer Leistung von 120 l/h, den ich mit Aktivkohle-Pellets füllte. Pro Stunde sollte die komplett gefüllte Tonne also zweimal gefiltert werden. Um es kurz zu machen: Ein nennenswerter Rückgang der Leitfähigkeit war bei drei Versuchen nicht zu erkennen, auch nicht nach zweitägigem Filtern (gemessen wurde nach 2, 24 und 48 h). Die Leitfähigkeit sank maximal um 8 µS/cm. Eine neue Idee musste her: Ein selbst gebauter, kleinvolumiger und luftbetriebener Filter sollte per Ventil so heruntergeregelt werden, dass die Verweildauer von 5 min eingehalten werden konnte, um endlich einen Effekt (= sinkende Leitfähigkeit) zu erzielen.
Als sehr praktisch erwies sich eine leere, 300 ml fassende Futterdose aus einem elastischen, gut schneidbaren Kunststoff mit Schnappdeckel. Der Boden wurde großzügig herausgeschnitten, mit einem passenden Stück Schaumstoff verschlossen (besser wäre ein Gitter aus Edelstahl) und diente als Einströmöffnung. In den Deckel kam ein Loch, das gerade groß genug war, um einen handelsüblichen Luftheber zu halten. Das perforierte Rohr des Lufthebers, über das bei normaler Verwendung (mit einer Schaumstoffpatrone) das Wasser angesaugt wird, wurde auf die Innenseite des Deckels gesteckt, das verbindende Winkelstück (auf dem wiederum das Steigrohr sitzt) auf dessen Außenseite.
Der Filter war damit prinzipiell einsatzbereit. Ein praktisches Problem ergab sich jedoch dadurch, dass man mit den genannten Vorgaben auf eine sehr geringe Wassermenge kommt, die den Filter je Zeiteinheit durchläuft. In meinem Fall hieß das: Innerhalb von 5 min sollten maximal 300 ml Wasser gefiltert werden, also in 1 min 60 ml – oder andersherum: in einer Stunde 3,6 l. Das Luftventil derart einzustellen und mit einem Messbecher die geförderte Wassermenge zu berechnen, erwies sich als nicht ganz einfach: Aufgrund der geringen Fördermenge ließ sich die Ausströmöffnung des Lufthebers nur minimal über die Wasseroberfläche heben, um das Wasser im Messbecher aufzufangen.
Irgendwie funktionierte es, und der Filter blubberte äußerst sanft vor sich hin – allerdings nur so lange, wie die Ausströmöffnung weder über noch weit unterhalb der Wasseroberfläche lag. Das Gewicht der Aktivkohle (130 g) hätte den Filter bei ausreichend langem Luftschlauch bis auf den Boden des Tonne gezogen, und schon in wenigen Zentimetern Tauchtiefe war der Wasserdruck für den geringen Wasserumsatz zu groß. Deshalb kam ein ca. 5 x 5 cm großes Stück Styropor als Schwimmer zum Einsatz, der auf das Steigrohr gesteckt wurde. So wurde die richtige Lage an der Wasseroberfläche immer gewahrt. Und auch im laufenden Betrieb war eine Wasserentnahme bereits möglich, ohne dass die Filterfunktion beeinträchtigt wurde – was bei einem am Tonnenrand befestigten Filter ebenfalls zu einer Unterbrechung des Wasserdurchflusses geführt hätte.
Derart eingestellt, konnten also rechnerisch 86 l Wasser über einen Zeitraum von 24 h über Kohle gefiltert werden – mehr, als die Tonne insgesamt fasste. Und über 48 h wurde der Inhalt damit fast dreimal über Aktivkohle gefiltert. Rein theoretisch, denn eine Ungenauigkeit in der Durchflussmenge war sicherlich vorhanden. Wichtiger war mir der gewünschte Effekt: In sechs Versuchen, mit Ausgangswerten des ungefilterten Regenwassers von minimal 31 µS/cm und maximal 63 µS/cm, sank die Leitfähigkeit nach 48 h Kohlefilterung durchschnittlich um 26 µS/cm. In dreien der Versuche betrug die Senkung mehr als 50 % des ursprünglichen Wertes. Diese Versuche wären natürlich ausbaufähig gewesen, aber aktuell benötige ich kein Regenwasser mehr.
Das derart gefilterte Wasser stellte sich jedenfalls als gut geeignet fürs Aquarium heraus, offensichtliche Probleme bemerkte ich nie. Der Filter lässt sich mit sehr wenig Aufwand herstellen und über Luft betreiben. Natürlich kann man ihn noch mit anderen Materialien bestücken – eben auch gerade dort, wo ein schwimmender Filter vorteilhaft ist.

von Sebastian Wolf

Manchmal muss es schnell gehen – so auch kürzlich, als ein paar Männchen von Kampffisch-Wildformen etwas über die Stränge schlugen und ihren Artgenossinnen trotz ausreichend Platz und Versteckmöglichkeiten zu arg hinterherjagten.    
Wie also trennen? Lauter kleine Becken einzeln zu beheizen, ist nicht so meine Sache. Nur ein Standard-Baumarkt-Becken der Maße 80 x 35 x 40 cm stand zur Verfügung. Die Zielsetzung: Dieses in sechs gleich große Einzelbecken aufzuteilen, dennoch einen einzigen Wasserkörper beizubehalten. Schnell bezugsfertig musste es sein, und nur bereits vorhandene Materialien sollten verwendet werden. Und: Alles ohne Verklebungen, zum einen, um schnell wieder abbauen zu können, zum anderen war das Becken noch gefüllt (aber ausgeräumt).
Die Sichtung der Altbestände ergab zwei Materialien für den Einbau der fünf trennenden Wände: Filtermatte in 2 cm Stärke und eine alte (nicht mehr biegefähige) Plexiglasscheibe in 1 mm. Die alleinige Nutzung des Schaumstoffes wäre etwas zu Lasten des für die Fische dann zur Verfügung stehenden Raumes gegangen und hätte subjektiv betrachtet zu künstlich ausgesehen.
Beim Plexiglas fiel beides nicht ins Gewicht. Zuerst wurden daher die einzelnen Trennwände daraus zurechtgesägt. Aus der 100 x 50 cm langen Scheibe ließen sich genau fünf je 20 cm hohe Stücke erzielen. Damit war die Höhe des Wasserstandes entsprechend vorgegeben. Die Breite der Scheiben wurde mit 34,1 cm so gewählt, dass sie sich gerade noch ohne Schwierigkeiten in das Glasaquarium (Becken(innen)breite von 34,2 mm) einsetzen ließen.
Zum Fixieren kamen kurze, aufgeschnittene Stücke von Luftschläuchen aus Silikon zum Einsatz. Die dickere Variante, die ich zur Verfügung hatte, passte perfekt in den minimalen Spalt zwischen der Vorderkante der Plexiglasscheiben und die Glasfront des Aquariums. Diese lose eingesetzten und mit elastischem Material (Silikon) in Position gehaltenen Trennwände sollten keinen starken Druck auf die Glaswände ausüben – unter Umständen könnte es sonst irgendwann passieren, das sich die Silikonnähte eines alten, vielleicht auch noch eher billig verklebten Aquariums lösen. Somit erschien mir aber auch das Fixieren der Hinterkanten der Plexiglasscheiben an der hinteren Glaswand mit weiteren Silikonstücken etwas riskant.
Aus Mangel an Alternativen kam stattdessen ein 13 mm dickes, 75 cm langes PVC-Rohr zum Einsatz, in das in den passenden Abständen schmale Spalten gesägt wurden. Das Rohr setzte ich dann an der Rückwand auf die Trennwände auf, die beiden Enden versah ich mit passenden Kappen (damit später kein Fisch hineinschlüpfen konnte). Somit waren die Scheiben im oberen Bereich an beiden Enden abgesichert. Ein testweise durchgeführter Wasserwechsel ergab, dass trotz des leichten Drucks des eingefüllten Frischwassers die im unteren Bereich nicht fixierten Wände fest genug saßen.
Blieb noch die Frage der Wasserzirkulation und -filterung. Die im äußeren linken Abteil eingebrachte Schaumstoffpatrone mit Luftheber sollte das Wasser entlang der Rückwand bis in das Abteil rechts außen befördern, von wo aus es durch alle anderen innen liegenden Abteile wieder nach links fließen sollte. Die schmalen Spalten an Vorder- und Rückwand würden aber vielleicht zu wenig Wasser durchlassen, am Boden saßen die Trennwände ebenfalls recht dicht auf. Aber nach oben hin war noch Platz. Ein Wasserstand, der nur wenige Millimeter höher lag als die Oberkante der Plexiglasscheibe, erwies sich zur Zirkulation als ausreichend. Die Kampffische hätten dann aber leicht in andere Abteile gelangen können, also musste die Oberseite der Wände weiter über die Wasseroberfläche hinaus gesichert werden, natürlich ohne den Durchfluss zu verhindern.
Hierzu erwies sich der Filterschaumstoff als nützlich, der in passende Stücke von 10 cm Höhe zurechtgeschnitten und auf jede Plexiglas-Trennwand aufgesetzt wurde. Um mehr Halt zu gewährleisten, wurde dafür eine lange Schmalfläche des Schaumstoffes mittig ca. 2 cm tief eingeschnitten und die Länge des Schaumstoffs auch etwas größer als das Innenmaß der Beckenbreite gewählt. Auf die Plexiglaswände aufgesetzt, sicherten diese Schaumstoffstreifen die Abteile damit ungefähr 8 cm über die Wasseroberfläche hinaus ab. Der Heizer wurde ebenfalls im linken Abteil installiert. Bepflanzt wurde mit Anubias und in aufgeschnittene PET-Flaschen eingetopften Stängelpflanzen, ein Bodengrund entfiel. Das Mehrkammer-Aquarium für Kampffische war damit nach wenigen Stunden Arbeitszeit (inkl. Überlegungen zum Bau) bezugsfertig.
Plastiklastig ist es, wenn auch bereits gebrauchtes Material benutzt wurde. Optisch geht das – in Anbetracht der raschen Konstruktion – zumindest für meine Zwecke in Ordnung, was den durchsichtigen Wänden zu verdanken ist. Und bei längerer Standdauer wird die strahlend blaue Farbe des Schaumstoffs im oberen Bereich auch weniger präsent sein, man kennt das ja vom dezenten Braunton alter Mattenfilter. Zudem ließen sich die Matten durch Bepflanzen mit Moosen kaschieren.
Das Becken ist nur zur Hälfte seiner Höhe mit Wasser gefüllt, aber das ist eigentlich kein Nachteil, der maximale Fischbesatz (sechs Tiere) ist – gemessen am Wasservolumen – recht gering, und die Pflanzen haben Platz, um über die Wasseroberfläche hinauszuwachsen, was auch optisch eine Aufwertung ergibt. Jedes Abteil hat rechnerisch die Abmessungen 13 x 35 x 20 cm, also etwas über 9 l Volumen, bei einem gesamten Wasservolumen von etwa 54 l. Da nichts fest eingebaut ist, können die einzelnen Abteile auch innerhalb weniger Minuten abgebaut werden, und man hat wieder ein normales Aquarium mit wohnzimmertauglicher, hoher Frontscheibe.
Text und Fotos von Sebastian Wolf

 von Ivan Simeonov

Sogenannte Green bags sind im Kommen: Die Netze aus Polyester werden schon in vielen Geschäften als Alternative zur Einweg-Plastiktüte angeboten. Sie sind wiederverwendbar, damit nachhaltiger und umweltfreundlicher, stabil, hygienisch – und wasserfest. Auch für Aquarianer sind sie durchaus interessant.
Oft hat man Nachwuchs bei seinen Fischen, ohne dass ein weiteres Aquarium für die Aufzucht vorhanden wäre. Oder Platz wäre vorhanden, die Einwilligung der besseren Hälfte allerdings nicht. Für ihre Entwicklung brauchen auch Jungfische trotz ihrer geringen Größe ausreichend Schwimmraum. Den im Handel angebotenen Netz-Aufzuchtkästen mangelt es daran, die meisten haben ein Volumen von nur einem bis anderthalb Litern, was in der Regel viel zu wenig ist.
Deshalb habe ich einen Aufzuchtkasten aus Green bags entwickelt. Mit diesem großzügiger bemessenen Behälter spart man sich unter Umständen die Anschaffung eines weiteren Aquariums. Fünf solcher Kästen habe ich im Dauereinsatz, und die Erfahrung zeigt, dass sie sich gut für die Aufzucht (in meinem Fall von Lebendgebärenden) eignen. Das Ganze kann als Bausatz einfach verschickt werden, oder man bastelt es sich selber.
Zuerst misst man Länge und Breite des Green bags und errechnet daraus die benötigten Längen für ein Gittergerüst aus Schlauchstücken und Steckverbindern. In meinem Fall brauchte ich für die lange Seite acht Schlauchstücke zu 13 cm, für die Höhe einmal zwei Schlauchstücke zu 15 cm sowie vier Stück zu 7 cm. Für die kürzere Seite benötigte ich acht Stück zu 5 cm; für eine zusätzliche Querverbindung (die das Gerüst stabiler machen und ein Kollabieren der Netzwände verhindern sollte) war dann noch ein Stück zu 11 cm notwendig.
Zusammengesteckt wurde es wie auf dem Foto zu sehen. Der Zeitaufwand liegt bei unter 30 Minuten. Es ergibt sich ein Volumen von ca. 4 l.
Aufgrund der verwendeten (geschlossenen) Luftschläuche geht der Kasten eigentlich nicht unter. Dennoch wird er über die vorhandene Schnur des Beutels an dünnen Stäben (Orchideenstäbchen) befestigt, die wiederum an den Glasstreben fixiert sind – so kann er nicht frei durchs Becken treiben. Die Beutelöffnung liegt immer oberhalb des Wasserspiegels. Man kann auch zwei Stücke Styrodur am Rahmen (mit Kabelbindern) befestigen, wenn einen ein beweglicher Kasten nicht stört.
Die Anschaffungskosten betragen etwa 20 € – sofern man die Materialien alle neu kauft, die dann aber sehr lange genutzt werden können. Falls noch alte Schläuche und Steckverbinder vorhanden sind, belaufen sich die Kosten nur auf den Netzbeutel (ca. 0,60 €)!

 von Sebastian Wolf

Es gehört idealerweise zu einer guten Beratung beim Zoofachhändler oder privaten Anbieter, dass die Käufer von Aquarientieren über eine behutsame Anpassung ihrer neuen Pfleglinge informiert werden. Die Unterschiede in der unmittelbaren Anpassungsfähigkeit sind groß: Viele der verfügbaren Arten sind derart robust, dass sie auch rapide Änderungen ihrer Umwelt problemlos verkraften, manche der von mir gepflegten Spezies würde ich dagegen nicht mal innerhalb meiner eigenen Anlage direkt umsetzen. Zudem sind auch „harte“ Arten durch Fang, Transport und die unbekannte Einrichtung einem gewissen Stress ausgesetzt, weshalb man eigentlich immer versuchen sollte, andere Stressoren wie Schwankungen der Temperatur und des Wasserchemismus zu mindern.
Überraschenderweise wird dabei häufig empfohlen, einfach den Beutel mit den neuen Tieren in das zukünftige Aquarium zu legen, eine halbe Stunde zu warten und sie dann direkt umzusetzen. Abgesehen davon, dass eine helle Aquarienbeleuchtung zusätzlichen Stress verursachen kann, sind auch die Temperaturdifferenz von Transport- und Aquarienwasser sowie das geringe Wasservolumen im Transportbeutel zu beachten: Einen im Winter bei Ankunft zu Hause leicht abgekühlten Beutel in ein auf 27 °C dauerbeheiztes Becken zu legen, wo er sich innerhalb kurzer Zeit auch auf diese Temperatur erwärmt, kann nicht mehr als vorsichtige Temperaturangleichung betrachtet werden, sondern ist schon eher rabiat. Diese Methode berücksichtigt zudem nicht, dem Organismus etwas Zeit zu geben, sich auch an andere Wasserwerte (pH-Wert, Ionenkonzentrationen) zu akklimatisieren.
Schonender geht es mit etwas Zubehör, das aus dem Medizinbedarf stammt. Infusionssysteme aus der Medizin sind für wenig Geld erhältlich, und damit lässt sich die sogenannte Tropfmethode einfach bewerkstelligen.
Die zum Infusionssystem gehörende Tropfkammer und Anschlussverbindung schneidet man weg, man benötigt nur den Durchflussregler und den Schlauch. In den Deckel eines 10-l-Eimers sticht man mit einem Spitzel ein Loch, das gerade groß genug ist, um den Schlauch mit etwas Kraft einzuführen. Das ist wichtig, denn der Schlauch darf sich nicht von selber im laufenden Betrieb lösen, sonst setzt man womöglich den Raum unter Wasser. In diesen (tiefer als das Aquarium stehenden) Eimer gibt man behutsam den Beutelinhalt samt den Tieren. Bei kleinen Transportbeuteln mit geringem Wasservolumen ist ein solcher Eimer aber eventuell überdimensioniert, dann kann auch ein kleineres Gefäß (mit Deckel) verwendet werden.
Bleibt noch, das andere Schlauchende im Aquarium zu befestigen. Klebestreifen sind mir dafür zu unzuverlässig, Klammern können abrutschen oder lassen sich nicht ideal an der Oberkante des Aquariums anbringen (Deckscheibe). Aus dem Rest einer PVC-Hartschaumplatte habe ich mir deshalb Schwimmer gebaut, in deren Mitte man ebenfalls ein Loch für den Schlauch sticht. Styropor ginge auch, der Schwimmer aus PVC liegt aber irgendwie besser auf der Wasseroberfläche (auch wenn das Gewicht eines nach unten reichenden Schlauches auf ihm lastet).
Es sei hier ausdrücklich auf das Risiko eines überlaufenden Eimers hingewiesen, denn der Schwimmer passt sich dem Wasserstand an, damit kann theoretisch alles Wasser aus dem Becken über den Schlauch abfließen und landet zuerst im Eimer, später auf dem Boden. Wem das zu riskant ist und wer die Möglichkeit hat, das ins Aquarium reichende Schlauchende sicher am Glas anzubringen, kann dieses Risiko auch vermeiden: Das Schlauchende reicht dabei nur so weit ins Becken, dass höchstens so viel Wasser ablaufen kann, wie dem maximalen Volumen des Eimer entspricht.
Beispiel: Ein Eimer fasst komplett gefüllt 10 l, das Becken hat die Maße 60 x 30 x 30 cm – reicht das Schlauchende 5 cm ins Aquarium (von der Oberkante aus gemessen), können maximal 9 l Aquarienwasser in den Eimer gelangen, bevor der Schlauch aufgrund des fallenden Wasserspiegels trocken läuft.
Sollte die Raumtemperatur deutlich unter der Beckentemperatur liegen, ist es zudem ratsam, den Eimer vor Wärmeverlust zu schützen. Entweder man umhüllt ihn mit einem isolierenden Material oder stellt ihn gleich in eine Styroporbox, in deren Deckel man für die Schlauchdurchführung ebenfalls ein Loch bohrt.
Meiner Meinung nach lässt sich der Durchflussregler feiner einstellen als ein herkömmliches Ventil aus der Aquaristik. Das kann bei kleinen Tieren, die einzeln in einem sehr geringen Wasservolumen transportiert werden, wichtig sein.
Eine dritte Möglichkeit, eher eine Notlösung, sei zum Vergleich erwähnt: ein herkömmlicher dünner Silikonschlauch kann verknotet werden, um ebenfalls ein Tropfsystem herzustellen, wenn gerade nichts anderes zur Hand ist. Allerdings lässt sich das nicht wirklich gut einstellen – gerade neue Schläuche, die noch viel Weichmacher enthalten, lassen sich nicht eng genug verknoten oder wieder entknoten (um die Durchflussmenge anzupassen), mit alten Schläuchen bekommt man oft ebenfalls keinen anständigen Knoten hin.
Innerhalb eines halben Tages lässt man dann mit der beschriebenen Methode das Vier- bis Fünffache des Beutel­inhaltes an Aquarienwasser in den Eimer laufen. Die Durchflussmenge kann nach einiger Zeit auch erhöht werden. Damit hat man ein praktisches System, ohne viel manuelle Arbeit seine neuen Pfleglinge behutsam anzupassen oder auch um Tiere aus dem eigenen Bestand umzusetzen (etwa vom Freiland ins Haus zurück oder umgekehrt). Durch das auftropfende Wasser gelangt zudem Sauerstoff ins Wasser. Für scheue Arten bringt man noch eine Pflanze zur Deckung in den Eimer ein, dessen Farbe eher keine Rolle spielt. Und noch ein Herzenstipp aus eigener Erfahrung: Bitte stellen Sie sicher, dass Sie die Kontrolle nicht vergessen – sonst heißt es Wasser aufwischen.
Text und Fotos von Sebastian Wolf

 

 von Sebastian Wolf

„Wer züchten will, braucht Platz.“ Diese Aussage stimmt grundsätzlich, erweckt aber den Eindruck, wenn man eben wenig Platz hat, braucht man es gar nicht erst zu versuchen. Außerhalb des eigentlichen Aquariums aufgestellte Zucht-/Aufzuchtbecken haben gewisse Nachteile – sie müssen unter Umständen separat gefiltert und beheizt werden, der Wasserchemismus ist vielleicht auch ein anderer. Dann kommt als weiterer Faktor noch die Zeit hinzu, die man braucht, um ein externes Zucht-/Aufzuchtbecken vorzubereiten und eventuell einfahren zu lassen.
Ein innerhalb des Haltungsbeckens betriebenes Aufzuchtaquarium dagegen bereitet solche Schwierigkeiten nicht. Käuflich erwerbbare, ausgefeilte Einhängeboxen aus Glas sind schick, mir aber zu bruchgefährdet. Die Netzkästen aus feiner Gaze haben bestenfalls für Spezialanwendungen eine Berechtigung, etwa um die Weibchen kleiner Lebendgebärender darin werfen zu lassen. Für die Aufzucht kleinerer Jungfische ist die Handhabung viel zu nervig, vor allem da sie nicht wirklich einsehbar sind, kleine Tiere sich zwischen Rahmen und Netz einklemmen können und die Plastikgestelle zu leicht brechen. Und dann dieses Gefummele, wenn man das Netz abgezogen hat und wieder über den Rahmen stülpen möchte …
Klar ist: Es kommt auch auf die zu vermehrende Art an, ob ein „Becken im Becken“ sinnvoll ist. Ich verwende die hier beschriebenen Schwimmboxen zur Ei-Inkubation und Aufzucht während der ersten Lebenswochen für diverse Arten (Regenbogenfische, Blauaugen, Oryzias spp.) und bin bezüglich Handhabung, Kontrolle und Reinigung mehr als zufrieden. Grundlage sind wiederverwendbare Plastikboxen aus Polypropylen (PP) für den Lebensmittelbedarf, die im Terraristikhandel auch einzeln verkauft werden.
Der Gedanke: Die Boxen sollen kein geschlossenes System bilden, sondern mit dem Wasser des größeren Aquariums in Verbindung stehen, wodurch sich eine Filterung erübrigt. Um einen solchen Austausch mit dem Hauptbecken zu ermöglichen, eignen sich eingebrachte Flächen aus Edelstahlgaze mit 1 oder 0,5 mm Maschenweite, die ebenfalls in der Terraristik oder bei spezialisierten Händlern vor allem im Internet verfügbar ist.
Ich schneide zwei etwa 10 x 9 cm große Fenster in die Boxen, eine seitlich und eine am Boden, jeweils mittig. Diese Anordnung bringt zum einen den Vorteil, dass sich die Box beim Herausnehmen automatisch fast ganz entleert. So lassen sich zum anderen aber auch Boxen kurz herausnehmen, in denen noch die Jungfische schwimmen – man hält die Box beim Hochheben einfach leicht schräg, dadurch sammelt sich in einer Ecke eine kleine Menge Wasser mit den Fischen an.
Die einzige Arbeit besteht eigentlich im Anbringen der Gaze – ich mache das mittels Lötkolben mit einer Lötspitze in Meißelform. Die Gaze, etwa 1,5–2 cm länger und breiter ausgeschnitten als die Fenster im Plastik, wird von innen aufgelegt und dann mittels der aufgedrückten Lötspitze mit dem Plastik verschmolzen. Diese Bauweise hält – ordentlich ausgeführt – für immer und ist absolut ausbruchsicher. Dass einzelne Drahtenden abstehen, sollte man sicherheitshalber vermeiden, obwohl ich noch nie erlebt habe, dass sich ein Tier daran verletzt hätte. Diese Arbeit erfordert etwas Übung, vor allem aber aufgrund der Rauchentwicklung Maßnahmen, die immer unbedingt eingehalten werden müssen: Die Arbeiten werden im Freien durchgeführt, es werden nur hierzulande zugelassene Lötgeräte mit Prüfzeichen benutzt, und während der Arbeiten wird eine Atemschutzmaske getragen.  
Eine Alternative zur Verwendung von Edelstahlgaze gibt es auch: Man schneidet sich 3 cm starke, feinporige Schaumstoffmatten zurecht (etwa 2 cm breiter und länger als das Plastikfenster) und dann die gesamte Schmalfläche des Schaumstoffs mittig mit einem scharfen Messer etwa 1­–1,5 cm tief ein – so lässt sich dieses Material fest und dicht in die Fenster einpassen, aber auch wieder herausnehmen und säubern.
Fehlt noch, die Box auch an der Wasseroberfläche zu behalten. Ich benutze dafür Korken, die über zwei kleine Löcher mittels Kabelbinder oder Nylonfaden mit der Box verbunden sind. Auf jeder Seite der Box wird so ein Schwimmer angebracht. Auch halbierte und geviertelte Korken halten die Box noch in schwimmender Lage, dann befindet sich der Boxenrand allerdings recht nahe an der Wasseroberfläche. Der Vorteil liegt auf der Hand: Durch Wasserwechsel laufen die Boxen nicht trocken, sondern sinken und heben sich mit dem Wasserstand. Sicher für Jungfische und einfach für den Pfleger.
Die mitgelieferten Deckel verwende ich nicht. Hat man aber Befürchtungen, die größeren Tiere aus dem Aquarium könnten durch Springen unbeabsichtigt in die Boxen gelangen und dann die Brut fressen, kann der Deckel aufgelegt werden. Er sollte dann aber zum Luftaustausch ebenfalls eine Gazefläche enthalten. Es kommt eben auf die Art an – Japanische Reisfische (Oryzias latipes) habe ich noch nie hineinspringen sehen, ihr südostasiatisches Gegenstück (O. dancena) dagegen hin und wieder schon. Das ließe sich vermutlich aber auch dadurch verhindern, dass man die Schwimmer etwas weiter unterhalb des oberen Randes der Plastikwände anbringt, wodurch die Box weniger tief im Wasser liegt. Als Einrichtung finden lediglich ein paar Pflanzen Verwendung, die im Wasser frei treibend wachsen, vielleicht auch ein Versteck in Form eines Laichmopps. Falls mehr Verstecklätze gewünscht sind, sollten diese kein allzu großes Gewicht haben; ideal sind als Unterschlupf also etwa Blätter.
Die Boxen lassen sich nach Gebrauch mit einem Schwamm reinigen und platzsparend im Regal verstauen. Im Frühjahr wandern sie jedenfalls nach draußen, denn auch dort finden sie ihre Anwendung. Da sie leicht zugänglich sind, sollten sie im Freien aber entweder mit Deckel verschlossen werden, oder – einfacher – man sichert den Behälter ab, in dem die Boxen selber schwimmen.