von Sebastian Wolf



Das Tolle an Oryzias-Arten ist: Die Vermehrung ist im Freien wie im Haus wenig aufwendig: Einerseits, weil die Weibchen ihren befruchteten Laich mit sich herumtragen, bevor sie ihn an einem Substrat abstreifen, andererseits aber auch, weil die Eier recht unempfindlich in der Handhabung und in der Zeitigung sind. Nicht zuletzt: Die Jungen sind nach dem Schlupf schon recht groß, die Aufzucht ist anspruchslos.
Bei der Vermehrung respektive gezielten Zucht drehen sich Fragen häufig um die Entnahme der Eier. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass zumindest die Arten O. dancena, O. javanicus, O. latipes, O. pectoralis, O. sakaizumii und O. songkhramensis ihre frisch geschlüpften Jungtiere fressen – in dicht bepflanzten Becken entkommen vielleicht einzelne, aber das ist dann wenig effektiv. Es bietet sich deshalb an, sich einen an die eigenen Verhältnisse (zur Verfügung stehender Platz, Zeit und Geduld) angepassten Ablauf zurechtzulegen. Dabei kann ein wenig simples, kostengünstiges Zubehör nützlich sein.

Eiablage: der Minimopp
So ganz genau weiß man bei Reisfischen nie, wo man die Eier suchen muss. Beliebt sind in jedem Fall faserige oder porige Materialien. So hat sich auch bei diesen Kleinfischen die Verwendung von Laichmopps durchgesetzt – entweder im Haltungsbecken selber oder in einem separaten Zuchtbecken.
Nun gibt es ja Gründe, warum man den Laich kontrollieren möchte – etwa um die Zahl der Eier abzuschätzen. Die herkömmlichen Wollmopps sind da nicht sehr hilfreich. Auch wenn man sie kleiner bastelt und deshalb schneller durchsuchen kann – anhaftende Wassertropfen sehen den Eiern je nach Lichteinfall recht ähnlich. Eleganter geht es mit einem anderen Material: Bastelfilz (vermutlich aus Polyester), den es in Form 20 x 30 cm großer, dünner Zuschnitte für wenig Geld in Bastelläden gibt, ist in vielen Farben erhältlich und lässt sich mit einer scharfen Schere leicht bearbeiten.
Aus einem einzelnen Stück Filz der genannten Maße, zwei Weinkorken und vier Kabelbindern lassen sich vier Minimopps herstellen: Ein etwa 10 x 15 cm langes Stück schneidet man an einer langen Seite mehrfach parallel im Abstand von 0,5–1 cm ein, und zwar bis 1–2 cm vor dem gegenüberliegenden Ende. Die nicht eingeschnittene lange Seite wird dann um einen Weinkorken gelegt, mittels Kabelbinder befestigt, und man erhält einen kleinen Mopp mit 15–20 teilweise übereinander liegenden Streifen. Er bietet eine gern genommene Eiablagestelle, lässt sich hervorragend kontrollieren und tropft nicht, auch wenn er vollgesaugt ist. Auf grünem Vlies sind die Eier sehr gut sichtbar.
Eine Problematik soll allerdings nicht verschwiegen werden: Auch durch solche Kunstfasern kann Mikroplastik in die Umwelt gelangen. Im Gegensatz zu Kleidung besteht bei diesen Minimopps aber kein Grund, sie zu waschen. Und sollten sie einmal nicht mehr gebraucht werden, lassen sie sich vielleicht noch als Füllmaterial irgendwo im Haushalt verwenden, oder man gibt sie einem anderen Aquarianer weiter.

Eientnahme: der Eierdraht
Abgelegten Laich zu sammeln funktioniert höchstens in absolut spartanischen (sprich: weitgehend leeren) Behältern. In einem bepflanzten Biotop Eier zu suchen, ist sinnlose Zeitverschwendung – das empfand ich schon als Kind an Ostern so. Viele Halter setzen deshalb die gewünschten Zuchttiere separat oder fangen nach der Eiablage die Elterntiere heraus. Zumindest letztere Option braucht Platz.
Es kann unter bestimmten Umständen allerdings nötig werden, dem Reisfisch-Weibchen die Eier wegzunehmen, bevor es diese irgendwo ablegt, etwa wenn man kein separates Behältnis zur Eiablage zur Verfügung hat, die Eier aber unbedingt vollzählig „gerettet“ werden sollen (etwa um eine Population zu erhalten).
Das einzige dafür nötige Material ist ein etwa 8–10 cm langes Stück weichen, biegsamen Bindedrahts aus dem Baumarkt. Dieses wird an einem Ende zu einer Öse (Durchmesser > 1 cm) verdrillt, das andere Ende formt man derart zurecht, dass man es bequem mit Daumen und Zeigefinger halten kann. Damit kann man die über Filamente am Weibchen haftenden Eier absammeln.
Das „eiernde“ Weibchen wird dafür mit einem feinmaschigen Kescher herausgefangen und im Kescher auf eine flache Unterlage gelegt. Nachdem es seitlich liegend ganz sanft mit den Fingern fixiert ist, setzt man die Öse zwischen Bauch und Eiern an und streift Letztere durch eine nach unten (vom Körper des Weibchens weg) gerichtete Bewegung ab. Durch die abgerundete Bauweise dieses „Instruments“ kann es auch dann nicht zu Verletzungen kommen, wenn sich das Weibchen währenddessen bewegt – das wichtigste Kriterium bei dieser Art des Eiersammelns!
Bei allen eingangs erwähnten Arten hat das funktioniert, ohne dass jemals eines der Weibchen davon Schaden genommen hätte. Mindestvoraussetzung ist aber immer, dass die Tiere eingewöhnt sind und generell nicht gestresst wirken! Neueinsteigern möchte ich ganz dringend ans Herz legen, die beschriebene Prozedur erst bei einem erfahrenen Züchter anzuschauen bzw. erst etwas Übung im Handling mit Reisfischen zu sammeln.

Larvenfang und -messung: der Edelstahl-Schöpfer
Der Einfachheit halber abgekürzt mit ESS und auch geeignet für andere, oberflächennah lebende Jungfische. Ob man aus einem mit adulten Tieren besetzten Becken Schlüpflinge retten möchte, aus dem Zeitigungsbehälter die nach und nach schlüpfenden Exemplare abfischen will oder in einem Aufzuchtbehälter unterschiedliche große Jungtiere separieren muss – man kommt unter Umständen nicht um ein Abfischen kleiner Reisfische herum. Dafür braucht es oft etwas, womit sich auch auf engem Raum noch hantieren lässt – Kescher scheiden da meistens aus.
Selber gebastelte Schöpfkellen haben den Nachteil, dass die entstehende Wasserverdrängung die Zielobjekte wahlweise vorzeitig verschreckt oder im Schöpfer verwirbelt. Nicht so mit dem ESS. Alles, was es braucht, ist ein etwa 7 x 4 cm großes Stück Edelstahlgaze mit feiner Maschenweite von 0,5 mm – diese ist etwa im Zoofachhandel unter dem Namen Drosophilagaze erhältlich, online finden sich manchmal kleinere Stücke für wenig Geld.
An einer kurzen Seite schneidet man dieses Stück halbkreisförmig zurecht, das andere Ende biegt man zu einem Griff zusammen, der für Daumen und Zeigefinger groß genug ist. Selbst einzelne Jungfische aus einer kleinen, offenen Wasserfläche – umgeben von Schwimmpflanzen – he­rauszufischen, ist damit kein Problem mehr, sondern erfordert allenfalls etwas Übung: Mit rascher Bewegung wird der Schöpfer unter den Jungfisch geschoben und dann hochgehoben. Da wenig Wasserbewegung entsteht, flüchten die anvisierten Jungtiere kaum, und auch weitere, wenig entfernt an der Wasseroberfläche schwimmende Exemplare bleiben in aller Regel an Ort und Stelle. So lassen sich in wenigen Minuten Dutzende Fische einzeln und gefahrlos herausfischen und umsetzen. Im Gitter bleibt auch immer etwas Wasser hängen, sodass diese Prozedur absolut kein Risiko für die Larve darstellt. Ein weiterer nutzbarer Effekt ist: Mithilfe eines Fotos der auf dem Drahtgitter liegenden Larve lässt sich deren Länge näherungsweise bestimmen (das ist toll, um etwa Artikel mit ein paar Daten aufzupeppen) – einfach, indem die Anzahl der Gitteröffnungen addiert wird, über die sich die Larve erstreckt. Genauer wird es dann, wenn noch die Dicke der Drahtgaze bekannt ist (diese wird dann dazu addiert), und die Maschenweite überprüft wird. So kann man sich schnell, unkompliziert und ohne die Larve zu schädigen einen Überblick verschaffen.

von von Ivan Simeonov

Ein Sommeraufenthalt im Freien tut so einigen Fischarten gut. Sie entwickeln intensive Farben, ernähren sich von Insektenlarven und Anflugnahrung und werden durch Temperaturschwankungen abgehärtet. Es spricht viel dafür, dass man einige Arten in den Monaten ohne „r“, also von Anfang Mai bis Ende August, draußen pflegt und vermehrt. Bleibt nur die Frage, in welchen Behältnissen eine solche Hälterung Erfolg verspricht.
Einige Aquarianer benutzen Mörtelwannen, die aber sehr dünnwandig sind, was starke Temperaturschwankungen begünstigt. Im Rahmen meines „Aquatorium“-Projekts konnte ich beobachten, dass Medaka (im Sinne von Zuchtformen von Oryzias latipes) die Eiproduktion einstellen, wenn sie Unterschieden zwischen 30 °C tagsüber und 20 °C nachts ausgesetzt sind.
Die Alternative wären Behälter aus einem Material mit guten Dämmeigenschaften. Ein geeignetes Produkt fand ich im industriellen Bereich. Große technische Anlagen bekommen Trockeneis in großen Styroporboxen geliefert, die danach aufgrund der sperrigen Maße entsorgt werden müssen. Mit einer Wandstärke von ca. 3 cm eignen sie sich sehr gut, um Temperaturschwankungen abzumildern oder zu verhindern. Mit einer Länge und Tiefe von je ca. 80 cm und einer Breite von 60 cm bieten die Boxen auch ein ausreichendes Volumen für viele unserer Pfleglinge. Wenn man freundlich bei betreffenden Unternehmen anfragt, bekommt man solche Boxen oft geschenkt oder zumindest sehr preiswert.
Da jede Box aus zwei Teilen besteht und Styropor nicht wasserdicht ist, muss zusätzlich eine Folie in der Box verlegt werden. Die übliche Teichfolie ist für die Geometrie der Box nicht gut geeignet, und es entstehen große Falten in den Ecken. Auch hierfür fand ich eine Lösung durch Zufall. Ich stand mit meinem Leergut vor dem Pfandautomaten und stellte fest, dass dieser einer Störung hatte und man den Knopf „Mitarbeiter kommt“ drücken musste. Die freundliche Mitarbeiterin sagte zu mir, dass nur der Behälter voll sei und die Störung sofort behoben werde. Sie verschwand hinter der Wand und kam kurz darauf mit einem riesigen Plastiksack voller gepresster Plastikflaschen zurück. Das war die geeignete Abdichtung der Styroporbox! Ich lief hinterher und bat sie um einen neuen Plastiksack. Dieser kostete 1 €, er hatte die Aufschrift „K 360L“, und wie ich später bemerkte, handelte es sich tatsächlich um die Angabe des Volumens. Die Box fasst knapp 400 l fasst und der Sack passt damit gut hinein.
Für das „Low-Budget-Sommerprojekt“ wollte ich noch eine Lösung für die Wasserbewegung und den Gasaustausch finden, ohne dass Stromkosten entstehen. Die Entscheidung fiel für eine solarbetriebene Pumpe, die samt Modul für 30 € zu bekommen war. So konnten um die 100 Medaka für insgesamt 31 € den ganzen Sommer draußen verbringen und für reichlich Nachwuchs sorgen. Die Box wird diesen Sommer zweifelsfrei wieder aufgestellt!

von Sebastian Wolf

Die Haltung von Süßwassermuscheln im Aquarium ist eine eher ambivalente Sache: Gekauft werden sie sicher gerne, sie kosten nicht so viel, und es ist verlockend, mal etwas anderes in sein Wirbellosen-Sammelsurium zu setzen. Dass das nicht die besten Voraussetzungen sind, um an diesen Mollusken länger als nur ein paar Wochen Freude zu haben, stellt sich relativ bald heraus, und so wird der eine oder andere Käufer sicher schnell vom Muschelhalter zum Schalensammler.
Meistens wird dann eine unzureichende Nahrungsversorgung vermutet, und so findet man schwammige bis wilde Anleitungen zum Füttern, denn eine oft gehörte Einschätzung ist sicher nicht falsch: Es ist schwierig, in einem normal gefilterten Aquarium einem filtrierenden Organismus genug feinste, schwebende Partikel zuzuführen. Mit „normal gefilterten“ Aquarien meine ich hier solche, in denen ein luft- oder motorbetriebener Filter alle sichtbaren Schwebeteilchen herausfischt – wer möchte schon trübes Wasser ansehen? Gleichzeitig soll aber das zugeführte Feinstfutter die Muscheln auch über längere Zeit erreichen, und dafür braucht es eben laut gängiger Meinung eine Wasserumwälzung.
Meine ersten Haltungsversuche mit diesen Mollusken (Körbchenmuscheln, Corbicula spp.) waren denn auch ein riskanter Kompromiss: Wasserumwälzung mithilfe von Strömungspumpen und keine Filterung. Ein guter Teil des zugeführten Feinstfutters landete so sicherlich im Bodengrund. Das erschien mir bald nicht mehr zielführend. Zudem stellte sich heraus, dass die gekauften Muscheln eindeutig höhere Wassertemperaturen bevorzugten – diese habe ich nur in Becken, die nicht extra durchströmt werden. Aber auch hier bestand die Frage nach einer zielgerichteten Zuführung von Staubfutter – ohne Strömung würde das Futter zwar weniger im Becken verteilt, dafür aber absinken und nicht mehr in der Schwebe sein. Zudem waren die in denselben Becken aufgezogenen Fische ganz erpicht auf das feine Zusatzfutter – neu gekaufte Muscheln schließen aber ihre Schalen, wenn Fische um sie herum den Boden durchpicken.
Die passende Lösung kam mir in den Sinn, nachdem ich weitere neu erworbene Körbchenmuscheln nicht frei auf das Substrat, sondern in eine Pe­trischale von 9 cm Durchmesser mit einer flachen Sand-Kiesschicht gesetzt hatte. In einem Aquarium mit einer Substratschicht von 3 cm Höhe oder mehr sieht man von gesunden Körbchenmuscheln nämlich nicht viel – sie tauchen ab, maximal ist noch ein Stück Schale erkennbar. Da sie in der Petrischale nun maximal halb vergraben waren, ließen sie sich wesentlich besser beobachten.
Bei der Zugabe eines Huminstoffpräparates fiel mir zufällig auf, dass die Tiere auch in strömungsarmen Becken durch ihren Sipho (Ein- und Ausströmöffnung) in einem kleinen Bereich um sich herum eine ganz feine Wasserströmung erzeugten. Ließe sich diese nicht entsprechend nutzen, wenn man das Futter um die Muscheln konzentrierte, noch dazu abgeschirmt von den gierigen Fischmäulern? Alles möglich mit der „Muschelglocke“! Ein runder Plastikbecher, 10 cm im Durchmesser, passt mit der offenen Seite gut über die Petrischale und kann leicht in den Boden gedrückt werden. Ein in den (jetzt nach oben gerichteten) Becherboden gesteckter Alustab ermöglicht die bequeme Handhabung, ein paar kleine Löcher lassen die Luft entweichen – fertig.
Ein Wasseraustausch mit dem Wasser außerhalb des Bechers kommt damit fast ganz zum Erliegen. Über ein weiteres Loch oben im Becher wird das zu einer Suspension aufgeschwemmte Staubfutter mittels Pipette zugegeben. Dabei handelt es sich um eine Eigenmischung aus Sojamehl, Staubfutter für Jungfische, Chlorella-Pulver und getrockneten Stadien des Heubazillus (Bacillus subtilis).
Nur wenige gröbere Teilchen dieses Futters sinken sofort ab, der größte Teil bleibt länger in der Wassersäule. Einige Zeit nach Zugabe öffnen auch die bisher verschlossenen Muscheln ihre Schalen, und man kann sie beim Filtrieren beobachten. Durch diese Aktivität schaffen sich die Muscheln offensichtlich genug Staubfutter heran – ein paar Stunden nach der Fütterung wird der Becher entfernt, Futterreste sind kaum noch zu erkennen. War das Futterangebot dagegen viel zu reichlich, ist das leicht auszumachen: Dann erhebt sich nämlich tatsächlich eine Wolke an Staubfutter beim Hochheben des Bechers.
Mit der passenden Menge muss man experimentieren – für die beiden abgebildeten, 1,5–2 cm großen Muscheln habe ich für die Fotodokumentation eine halbe Pipette der wässrigen Futtersuspension zugeführt und den Becher nach fünf Stunden wieder entfernt. Hat man die passende Menge gefunden, hilft die Verwendung der Muschelglocke, auch besonders in stärker durchströmten Becken, dass nicht zu viel Futter verloren geht. Somit muss man auch nicht auf eine konventionelle Filterung verzichten, vorausgesetzt, die Muscheln hält man in einem definierten Bereich, den man vom restlichen Becken eben zeitweise abkapseln kann.
Wie sich im Lauf der Zeit dann noch herausstellte, benötigen Körbchenmuscheln nicht kontinuierlich Staubfutterzufuhr, zumindest nicht, wenn sie in einem wirklich gut eingefahrenen Becken mit feinkörnigem Substrat gehalten werden, in dem man andere, nicht filtrierende Bewohner regelmäßig füttert. Denn was so ziemlich alle aquaristischen Steckbriefe und Beschreibungen verschweigen: Körbchenmuscheln besitzen einen alternativen Mechanismus zur Nahrungszufuhr, der unabhängig vom Filtrieren ist. Dazu benutzen sie ihren Fuß („pedal feeding“). Das ist aber wieder eine andere Geschichte …
von Sebastian Wolf

von Petra Fitz

Wer Fische vermehrt, weiß, wie schwierig es ist, in kleinen Aufzuchtgefäßen stabile Wasserwerte zu garantieren. Am besten ist es daher, die Aufzuchtgefäße an den Wasserkreislauf größerer Aquarien anzuschließen. Die einfachste Möglichkeit dazu sind Einhängekästen. Da gibt es Netzeinhängekästen, die aber das Problem bergen, dass sehr feines (Lebend-)Futter schnell entweicht. Auch können sehr kleine Jungfische durch die relativ großen Maschen schlüpfen.
Andere Einhängekästen aus Glas oder Kunststoff sind dagegen weitgehend geschlossen. Hier besteht dann nur eine Seitenwand aus feiner Gaze. Wasser wird meist aktiv in den Kasten befördert. In DATZ 3/2020 wurde ein Einhängekasten vorgestellt, der nach diesem Prinzip funktioniert. Zufällig bin ich nun auf einen sehr ähnlichen „Einhängekasten“ gestoßen, der eigentlich für die Insektenzucht gedacht ist. Dieser ist so günstig zu erwerben (4–6 €), dass er eine Alternative zum Selbstbau sein kann. Bezugsquellen für die unten beschriebenen Behälter finden Sie leicht, indem Sie nach „Aufzuchtbox BraPlast“ oder „BraPlast Gaze“ googeln.
Die stabilen Behälter aus PE haben eine Grundfläche von 19,5 x 19,5 cm und eine Höhe von 11,5 cm (3,6 l Fassungsvermögen) bzw. 19 cm (gut 6,8 l Fassungsvermögen). Sie verfügen über einen Deckel mit einer Gazeöffnung. Weiter gibt es eine solche Gazeöffnung auch in einer Seitenwand.
Oben haben die Boxen einen umgebogenen Rand. Im Aquarium schwimmt der Behälter durch das eingeschlossene Luftvolumen von selbst. Der Deckel kann als Springschutz aufgelegt werden. Allerdings ist der Wasseraustausch über die Gaze recht gering. Deshalb empfiehlt sich die ständige Frischwasserzufuhr aus dem Aquarium. Am einfachsten funktioniert das, wenn der vorhandene Filterauslauf „angezapft“ wird, beispielsweise mit dem Sera „Splitter“. Hiermit kann eine einstellbare, kleine Wassermenge in den Einhängekasten umgeleitet werden.
Das geht natürlich auch im Selbstbau, indem man in den Frischwasserschlauch schräg eine kleine Bohrung setzt und hier ein dünnes PVC-Rohr (5 mm Außendurchmesser) hineinsteckt. Schrägt man das Ende des Rohres an, so kann der Volumenstrom des Bypasses durch Drehen und Variation der Einstecktiefe recht gut eingestellt werden. An das Ende des kleinen Röhrchens wird ein Luftschlauch gesteckt, der dann das Wasser zum Einhängekasten leitet. Damit nichts herausrutscht, wird er mit einer kleinen Klemme am Kasten gesichert.
Der große Behälter eignet sich sehr gut zur kurzzeitigen Unterbringung kleiner Fische, beispielsweise um Verletzungen auszukurieren oder zur Eingewöhnung. Auch als Wurfkasten für Guppys ist er praktisch – eine dicke Lage Javamoos am Boden bietet den frisch geworfenen Jungtieren Schutz und Erstnahrung. Nach dem Entfernen des Weibchens können die Jungtiere hier noch weitere 1–2 Wochen großgezogen werden.
Den kleinen Behälter verwende ich zur Aufzucht meiner Medaka. Selbst die kleinen Schlüpflinge der Farbvarianten von Oryzias latipes entweichen nicht durch die Gaze. Mithilfe eines Luftschlauches wird hier lediglich für eine leichte Wasserbewegung im Behälter gesorgt. Ab und an gieße ich etwas Wasser aus dem großen Becken in die Box, um für einen Wasseraustausch zu sorgen. Die Fischlein halten sich überwiegend unmittelbar unter der Wasseroberfläche auf. Das zugegebene Staubfutter schwimmt auf der Wasseroberfläche, und da der Wasseraustritt der Aufzuchtbox einige Zentimeter unter der Wasseroberfläche liegt, wird nichts davon ausgespült.
Schließlich werden die Insektenboxen auch noch für ihren eigentlichen Einsatzzweck verwendet: Zur Aufzucht von Heimchen (Acheta domesticus). Bei den bisher verwendeten Behältern aus Glas gelang es immer mal wieder einigen der frisch geschlüpften Grillen, an den Wänden und Silikonnähten emporzuklettern und durch winzige Spalten zu entweichen. Selbst meine Tante, die ein Stockwerk unter uns wohnt, konnte sich so an dem Gezirpe der he­rangewachsenen Hausgrillen erfreuen … Bei den PE-Boxen dagegen sind die Wände offenbar so glatt, dass sich die Grillen nicht daran festhalten können, jedenfalls konnte ich bisher nichts dergleichen beobachten. Ein echter Allrounder also, diese Insektenbox!

von Sebastian Wolf

Nicht nur Leitungswasser kann über Aktivkohle aufbereitet werden, so mancher Aquarianer weiß auch die Eigenschaften sauberen Regenwassers für die Zucht seiner Salmler, Killis, Labyrinthfische und anderer durchaus zu schätzen: Kostenloses, weiches Wasser fast ohne zusätzlichen Ressourcenverbrauch – alles, was gebraucht wird, ist ein Sammelbehälter.
Nicht unbegründet allerdings ist die Frage nach im Regenwasser gelösten, möglicherweise für Organismen schädlichen feinen Partikeln aus der Luft oder vom Dach, besonders in industrialisierten Regionen.
Über einen längeren Zeitraum im letzten Jahr maß ich nach kräftigeren Niederschlägen immer wieder einmal die Leitfähigkeit des in einer Regentonne gesammelten Wassers, das über ein Kunststoffrohr vom Hausdach eingeleitet wurde. Gemessen wurde immer erst in einer weiteren Tonne im Aquarienraum, bei recht konstanten Temperaturen zwischen 20 und 22 °C. Es lag die Annahme zugrunde, dass die elektrische Leitfähigkeit als ein Summenparameter Rückschlüsse auf den Gesamtsalzgehalt und damit auf die „Belastung“ des Regenwassers durch gelöste Ionen zulässt.
Dabei handelt es sich um eine relative Einschätzung - ein einzelner Wert sagt wenig aus, in Kombination mit anderen ermittelten Werten kann sich aber ein Bild ergeben. Ein Beispiel: Wenn für ein Aquarium Leitungswasser mit bekannter (und wenig schwankender) Leitfähigkeit verwendet wird, die Leitfähigkeit im Becken aber über einen bestimmten Zeitraum wesentlich ansteigt, dann lässt sich daraus erkennen, dass durch die Stoffwechseltätigkeit der Bewohner eine höhere Wasserbelastung entstanden ist. Sprich: Es wird Zeit für einen Wasserwechsel. Damit hat man eine physikalische Größe zur Hand, die leicht und kostengünstig ermittelt werden kann und die einem in der Praxis von Nutzen ist.
Derart sollte sich auch einschätzen lassen, wie geeignet das aufgefangene Regenwasser wäre. Die Ergebnisse waren grundsätzlich unabhängig von der Jahreszeit, eine Fluktuation der Leitfähigkeit über einen Zeitraum von Frühjahr bis Spätsommer war dennoch gegeben: Ich maß zwischen minimal 24 µS/cm und maximal 69 µS/cm (bei insgesamt zwölf Messungen und einem gemittelten Wert von 43 µS/cm).
Ein echter Beweis fehlte mir, ich denke aber, es spielte eine nicht unwesentliche Rolle, ob das Regenwasser unmittelbar nach Beginn des Regens in die Tonne eingeleitet wurde oder erst einige Zeit später bzw. wie sauber das Hausdach war.
Und nun? Eher aus einer subjektiven Empfindung denn aus handfesten Beweisen heraus suchte ich nach einer Möglichkeit, das Regenwasser vor der Verwendung im Aquarium über Kohle zu filtern. Salopp gesagt – wenn man nicht weiß, was genau im Wasser ist, möchte man davon vielleicht doch weniger im Aquarium haben.
Aktivkohle bindet viele verschiedene organische Stoffe, die Adsorption benötigt allerdings Zeit, und so wird eine Verweildauer des Wassers von 5–10 min im Filter empfohlen (Hans-J. Krause, Aquarientechnik 2004), wenn das Wasser die Aktivkohle nur ein Mal durchläuft. Die Wassermenge je Zeit hängt dabei vom Filtervolumen ab – das heißt, ein doppelt so großes Filtervolumen sollte im selben Zeitraum auch doppelt so viel gefiltertes Wasser liefern. Aber: Bei mehrmaligem Filterdurchlauf sollte das laut obiger Quelle nicht von Belang sein!
Zunächst installierte ich also in einer Tonne mit 60 l Volumen einen kleinen Innenfilter (Volumen 100 ml) mit einer Leistung von 120 l/h, den ich mit Aktivkohle-Pellets füllte. Pro Stunde sollte die komplett gefüllte Tonne also zweimal gefiltert werden. Um es kurz zu machen: Ein nennenswerter Rückgang der Leitfähigkeit war bei drei Versuchen nicht zu erkennen, auch nicht nach zweitägigem Filtern (gemessen wurde nach 2, 24 und 48 h). Die Leitfähigkeit sank maximal um 8 µS/cm. Eine neue Idee musste her: Ein selbst gebauter, kleinvolumiger und luftbetriebener Filter sollte per Ventil so heruntergeregelt werden, dass die Verweildauer von 5 min eingehalten werden konnte, um endlich einen Effekt (= sinkende Leitfähigkeit) zu erzielen.
Als sehr praktisch erwies sich eine leere, 300 ml fassende Futterdose aus einem elastischen, gut schneidbaren Kunststoff mit Schnappdeckel. Der Boden wurde großzügig herausgeschnitten, mit einem passenden Stück Schaumstoff verschlossen (besser wäre ein Gitter aus Edelstahl) und diente als Einströmöffnung. In den Deckel kam ein Loch, das gerade groß genug war, um einen handelsüblichen Luftheber zu halten. Das perforierte Rohr des Lufthebers, über das bei normaler Verwendung (mit einer Schaumstoffpatrone) das Wasser angesaugt wird, wurde auf die Innenseite des Deckels gesteckt, das verbindende Winkelstück (auf dem wiederum das Steigrohr sitzt) auf dessen Außenseite.
Der Filter war damit prinzipiell einsatzbereit. Ein praktisches Problem ergab sich jedoch dadurch, dass man mit den genannten Vorgaben auf eine sehr geringe Wassermenge kommt, die den Filter je Zeiteinheit durchläuft. In meinem Fall hieß das: Innerhalb von 5 min sollten maximal 300 ml Wasser gefiltert werden, also in 1 min 60 ml – oder andersherum: in einer Stunde 3,6 l. Das Luftventil derart einzustellen und mit einem Messbecher die geförderte Wassermenge zu berechnen, erwies sich als nicht ganz einfach: Aufgrund der geringen Fördermenge ließ sich die Ausströmöffnung des Lufthebers nur minimal über die Wasseroberfläche heben, um das Wasser im Messbecher aufzufangen.
Irgendwie funktionierte es, und der Filter blubberte äußerst sanft vor sich hin – allerdings nur so lange, wie die Ausströmöffnung weder über noch weit unterhalb der Wasseroberfläche lag. Das Gewicht der Aktivkohle (130 g) hätte den Filter bei ausreichend langem Luftschlauch bis auf den Boden des Tonne gezogen, und schon in wenigen Zentimetern Tauchtiefe war der Wasserdruck für den geringen Wasserumsatz zu groß. Deshalb kam ein ca. 5 x 5 cm großes Stück Styropor als Schwimmer zum Einsatz, der auf das Steigrohr gesteckt wurde. So wurde die richtige Lage an der Wasseroberfläche immer gewahrt. Und auch im laufenden Betrieb war eine Wasserentnahme bereits möglich, ohne dass die Filterfunktion beeinträchtigt wurde – was bei einem am Tonnenrand befestigten Filter ebenfalls zu einer Unterbrechung des Wasserdurchflusses geführt hätte.
Derart eingestellt, konnten also rechnerisch 86 l Wasser über einen Zeitraum von 24 h über Kohle gefiltert werden – mehr, als die Tonne insgesamt fasste. Und über 48 h wurde der Inhalt damit fast dreimal über Aktivkohle gefiltert. Rein theoretisch, denn eine Ungenauigkeit in der Durchflussmenge war sicherlich vorhanden. Wichtiger war mir der gewünschte Effekt: In sechs Versuchen, mit Ausgangswerten des ungefilterten Regenwassers von minimal 31 µS/cm und maximal 63 µS/cm, sank die Leitfähigkeit nach 48 h Kohlefilterung durchschnittlich um 26 µS/cm. In dreien der Versuche betrug die Senkung mehr als 50 % des ursprünglichen Wertes. Diese Versuche wären natürlich ausbaufähig gewesen, aber aktuell benötige ich kein Regenwasser mehr.
Das derart gefilterte Wasser stellte sich jedenfalls als gut geeignet fürs Aquarium heraus, offensichtliche Probleme bemerkte ich nie. Der Filter lässt sich mit sehr wenig Aufwand herstellen und über Luft betreiben. Natürlich kann man ihn noch mit anderen Materialien bestücken – eben auch gerade dort, wo ein schwimmender Filter vorteilhaft ist.