Blaubarsche haben ihre eigene, eingeschworene Fangemeinde – zu Recht, denn wer sie einmal kennengelernt hat, weiß um ihre Attraktivität. Das Farbwechselvermögen, die an sich einfache Haltung und die gute Vermehrbarkeit machen sie zu interessanten Aquarienfischen.
Badis kyar stammt aus einer höheren Lage in Myanmar und wurde bereits vor einigen Jahren erstmalig eingeführt, etabliert werden konnte die ungewöhnliche Art mit dem auffällig lang gestreckten Habitus allerdings nicht.
Anfang des Jahres kam nun ein kommerzieller Import, der aus schon recht großen Tieren bestand, kurz danach trafen weitere Lieferungen mit kleineren Exemplaren ein. Die großen Tiere stellten sich aufgrund diverser äußerer Infekte als nicht ganz unproblematisch heraus. Vier Fische konnte ich stabilisieren, darunter glücklicherweise auch ein Weibchen. Nach zwei erfolglosen Anläufen mit einem großen Männchen (6,8 cm Gesamtlänge) und dem deutlich kleineren Weibchen funktionierte die Vermehrung in einem separaten Aquarium dann mit einem kleineren (und umgänglicheren) Männchen, und so schwimmen hier nun die ersten Jungtiere.
Ich konnte in der Literatur und im Internet keine Angaben über eine gelungene Nachzucht finden, einzig Hinweise darauf, dass diese bisher noch nicht erfolgt war. Möglich also, dass es sich um die erstmalige Vermehrung handelt.
Der Nachwuchs unterscheidet sich in der Aufzucht nicht von den anderen Gattungsvertretern, die Kleinen erscheinen mir allerdings ziemlich versteckt lebend. Zu einem späteren Zeitpunkt lässt sich noch ausführlicher über die Art berichten, die ein bemerkenswertes Farbmuster besitzt. Schön jedenfalls, dass es auch solche ungewöhnlichen Spezies nach wie vor in den Handel schaffen. Myanmar steckt in äußerst unruhigen und blutigen Zeiten – denkbar, dass dies über kurz oder lang auch Auswirkungen auf die Exporte aus diesem (auch in aquaristischer Hinsicht) faszinierenden Land hat.
von Sebastian Wolf

Alle Jahre wieder kommt die Zeit der Hochlandkärpflinge. In der aquaristischen Praxis hat sich gezeigt, dass diese vorwiegend aus dem Hochland Mexikos stammenden Tiere zur dauerhaften Gesunderhaltung in der warmen Jahreszeit im Freiland gepflegt werden sollten, wo sie schwankenden Temperaturen ausgesetzt sind. Ganzjährig im Zimmer unter gleichförmigen Bedingungen gepflegte Tiere werden hinfällig und leben nicht lange. Da diese Fische aber nicht winterhart sind, wird im Herbst abgefischt, die Züchter bringen dann die Früchte des Zucht-Sommers in den Handel und behalten nur einen kleinen Zuchtstamm, den sie im Zimmer überwintern.
Zu den Sommerfrüchten von 2020 zählt auch eine eierlegende Art dieser sonst lebendgebärenden Fischgruppe, nämlich Crenichthys baileyi. Wie leider viele Hochlandkärpflinge ist auch diese Art in der Natur hochgradig bedroht, sie kommt nur in wenigen, sehr lokalen Beständen vor. Umweltverschmutzung, übermäßige Wasserentnahme sowie ausgesetzte Fischarten bedrohen die kleinen Vorkommen. Der gelegentliche Fang von Exemplaren zur Aquarienhaltung hat auf die Bestände keinen negativen Einfluss, im Gegenteil: Der Enthusiasmus der Aquarianer hat schon so manche Population vor dem Verschwinden bewahrt. Da die Exemplare verschiedener lokaler Populationen unterschiedlich aussehen, wird in Züchterkreisen peinlich darauf geachtet, sie reinblütig zu halten. Nur so kann an ein eventuelles Auswildern nach der Eliminierung der Umstände, die zum Aussterben der Tiere in der Natur führten, gedacht werden.
Crenichthys baileyi ist ein besonderer Hochlandkärpfling, auch, weil er nicht in Mexiko, sondern im US-Bundesstaat Nevada vorkommt. Es gibt dort fünf Populationen, die nicht in Kontakt zueinander stehen und als Unterarten beschrieben wurden. Die hier gezeigten Tiere, die Aquarium Glaser anbieten konnte (selbstverständlich Nachzuchten), gehören zur Nominatunterart C. b. baileyi. Die Urahnen der Tiere stammten aus Ash Springs.
Die Art wird mit etwas über 3 cm Länge geschlechtsreif, die Maximallänge liegt bei etwas über 6 cm (Standardlänge ohne Schwanzflosse). Jungtiere von C. baileyi „Ash Springs“ sind unregelmäßig getupft, später entwickeln sich zwei Längsbänder, die bei den Weibchen unterbrochen bleiben, während ausgefärbte Männchen zwei kräftige, parallele Streifen längs des Körpers zeigen. Balzaktive oder aggressiv gestimmte Männchen werden fast schwarz, die Binden verschwinden. Der wichtigste erkennbare Geschlechtsunterschied ist, dass die Männchen eine Zeichnung in den Flossen haben, die Weibchen nicht.
Es sind Allesfresser, die leicht mit Lebend-, Frost- und Trockenfutter zu ernähren sind. Man bietet ihnen möglichst große, reichlich bepflanzte Aquarien. In der Natur sinkt die Wassertemperatur nur selten unter 20 °C, da C. baileyi Thermalquellen bewohnt. Im Aquarium haben sich zeitweise deutlich niedrigere Temperaturen als unschädlich erwiesen.
von Frank Schäfer

Die Gattung mit dem sympathisch kurzen und eingängigen Namen Pao wurde 2013 von Kottelat geschaffen und beherbergt bisher 13, ehemals in den Gattung Monotrete und Tetraodon geführte, Süßwasser bewohnende Kugelfische Südostasiens. Der Name hat seinen Ursprung in den lokalen Bezeichnungen der Fische in Laos und Thailand. Einige Vertreter sind unter Kugelfisch-Aquarianern gut bekannt, darunter etwa der durch seine Hautausstülpungen skurril wirkende P. baileyi oder der ventral sehr auffällig gefärbte P. palembangensis.
Pao abei gehört zu den „jüngeren“ Arten der Gattung. In der Erstbeschreibung wird als Standardlänge 10,3 cm angegeben. Die Art stammt aus den Fluss-Systemen des Chao Phraya, Meklong und Mekong in Kambodscha, Laos und Thailand; im Internet finden sich auch Bilder von Exemplaren aus der chinesischen Provinz Yunnan. Die Typuslokalität liegt im Mekongbecken bei Xe Bang Fai, Provinz Khammouan (Laos). Es handelt sich um einen vornehmlich Fließgewässer bewohnenden Mollusken- und gelegentlichen Fischfresser, und er gehört zweifelsohne zu den schönsten Kugelfischarten: Die adulten Tiere bekommen eine dunkelbraune Grundfärbung mit zahllosen, besonders an den Flanken großen und auffälligen runden, weißen bis orangefarbenen Flecken – eine Pracht!
Die Art ist sporadisch als Wildfang aus dem Handel erhältlich, wie gegen Ende des letzten Jahres. Ab und an werden zudem Nachzuchten angeboten, so ist auch das abgebildete Tier (ca. 7 cm SL) hierzulande geschlüpft. Nach anfänglicher Einzelhaltung durfte es in ein großes, mit wendigen Karpfenfischen besetztes Aquarium umziehen – Pao abei gilt als relativ verträglich. Nur: Irgendwann waren an anderen Fischen leichte Flossenschäden bemerkbar, für die nur ein Übeltäter infrage kam …
Die Unverträglichkeit vieler Kugelfische ist zwar bedauerlich, die Haltung an sich aber einfach. Mein halbstarkes Exemplar liebt Regenwürmer und gefrorene Stinte, die Eigenproduktion der aus anderen Becken abgesammelten Schnecken reicht bei solch starken Fressern relativ schnell nicht mehr aus. Ein aufwendig gestaltetes Pflanzenbecken ist nicht ratsam, oft werden Blätter gezielt abgebissen. Das Ganze stellt sich also wie folgt dar: Eine Vergesellschaftung mit Schnecken und den üblichen Krebstieren ist unmöglich, mit Pflanzen und Fischen immerhin riskant. Steine, Sand und Holz werden aber akzeptiert … Dennoch ist es schön, dass auch solche Raritäten hin und wieder vermehrt werden, denn es sind tolle Beobachtungsobjekte.
von Sebastian Wolf

Vaillantella maassi
Vertreter der eigenartigen Gattung Vaillantella (man unterscheidet derzeit drei Arten) haben eine über den gesamten Rücken verlaufende, bandförmige Dorsale, während alle anderen Schmerlen relativ kurze, dreieckige Rückenflossen besitzen.
Vaillantella sind Schwarzwasserbewohner und werden 12–15 cm lang, bleiben gewöhnlich aber kleiner. Vaillantella maassi ist in den Torfsumpfgebieten Malaysias und Borneos verbreitet, einem durch Trockenlegung extrem gefährdeten Lebensraum. Die Fische müssen als hochgradig bedroht eingestuft werden – ihr Fang kann helfen, wenigstens Teile dieser Biotope als Wirtschafträume zu erhalten und ist aktiver Umwelt- und Artenschutz.
Vaillantella maassi wurde bislang nur sehr selten im Aquarium gepflegt. Man sollte sie analog zu den gut bekannten Dornaugen halten. Die sehr große, gegabelte Schwanzflosse ermöglicht einen explosiven Vortrieb. Das Aquarium muss lückenlos abgedeckt sein, damit die Tiere nicht auf dem Trockenen landen, wenn sie von dem bekannten Wandertrieb gepackt werden, den viele Schmerlen zeitweilig zeigen.

Odontobutis obscurus
Erstmals importierte Aquarium Glaser diese interessante Raubgrundel, die etwa 20 cm lang werden kann. Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst Teile Chinas, Koreas und Japans; es handelt sich um eine Art der gemäßigten Zone, die eine kühle Überwinterung braucht und auch im übrigen Jahr nicht zu warm gepflegt werden sollte (18–24 °C).
Die Import-Tiere stammen vermutlich aus der chinesischen Provinz Zhejiang. Interessant ist diese Art vor allem deshalb, weil sie im Gegensatz zu anderen, ähnlichen Schläfergrundeln – etwa Oxyeleotris marmorata – ihr gesamtes Leben im Süßwasser verbringt, also auch die Larvenaufzucht im Aquarium möglich sein sollte.
Über das Verhalten kann noch nicht viel gesagt werden, bei Aquarium Glaser erwiesen sich die Tiere untereinander als verträglich. Lebendfutter (Tubifex, Rote Mückenlarven) wurde bereitwillig akzeptiert. Die Fische graben sich gerne ein, es sollte darum kein allzu grober Bodengrund ausgewählt werden.

Parotocinclus eppleyi
Eine der allerkleinsten Harnischwels-Arten ist Parotocinclus eppleyi, der „Peppermint-Oto“. Die Art ist mit 3 cm Länge (ohne Schwanzflosse) voll ausgewachsen, aber solche Tiere sind bereits als XXL-Format zu sehen und äußerst selten. Gewöhnlich ist die Art, die im oberen und mittleren Orinoko verbreitet ist, 0,5–1 cm kleiner.
Diese niedlichen Zwerge gelten als heikel, vor allem in der Eingewöhnungsphase. Man sollte ihnen immer totes Laub und Wurzeln geben, die schon lange im Wasser gelegen haben und einen entsprechenden Bewuchs aufweisen. Zusätzlich sind Futtertabletten ein gutes Nahrungsmittel für Parotocinclus-Arten. Wie so oft scheint auch bei diesen Tieren entscheidend zu sein, mit wie viel Sachverstand sie in ihrer Heimat nach dem Fang behandelt wurden. Die Exemplare aus dem aktuellen Import aus Venezuela sind sehr stabil und machen keinerlei Probleme!
Text und Fotos von Frank Schäfer

Balroglanis schultzi
Die Trugdornwelse erfreuen sich einer zunehmenden Beliebtheit, seit es regelmäßig gelingt, sie auch zu vermehren. Alle Arten haben – soweit bekannt – eine innere Befruchtung, die Weibchen laichen später ohne Anwesenheit eines Männchens in einer Höhle ab. Als Laichhöhle haben sich selbst getöpferte, nur auf einer Seite offene, mit Angelschnur oder dergleichen in mittleren Wasserschichten waagerecht fixierte Tonröhren bewährt. Die Öffnung der Röhre sollte nur knapp breiter sein als die Spannweite der bei den Trugdornwelsen starr abgespreizt getragenen Brustflossen.
Die meisten Trugdornwelse sind nacht- oder dämmerungsaktiv. Von vielen Arten ist bekannt, dass sie, knapp unter der Wasseroberfläche schwimmend, Jagd auf ins Wasser gefallene Landinsekten machen.
Balroglanis (früher: Centromochlus) schultzi stammt aus den Einzügen der Oberläufe des Rio Xingu und des Rio Tocantins in Brasilien. Die Art wird etwas über 10 cm lang; jedes Exemplar hat ein individuelles Punktmuster. Die nach unten gerichteten Augen sind mit einer Schutzhaut überzogen, wodurch das Auge wie getrübt wirkt. Wozu diese anatomische Besonderheit dient, ist unbekannt.
Mit der Abgrenzung der (ursprünglich Unter-)Gattungen Balroglanis und Duringlanis gab Grant 2015 seiner Begeisterung für Tolkiens Mittelerde-Universum (Silmarillion, Der Hobbit, Der Herr der Ringe) Ausdruck; mit einem Balrog (die zweite Worthälfte, -glanis, bezieht sich auf das Artepitheton unseres heimischen Welses, Silurus glanis) hat B. schultzi freilich nichts gemeinsam, denn die Balrogs waren kampfwütige Dämonen, gefallene Engel, die einem bösen Dunklen Herrscher dienten. Balroglanis schultzi hingegen ist ein völlig friedlicher Geselle, der mit Tolkiens Balrogs lediglich die Eigenschaft teilt, dass sie Dunkelheit sehr schätzen.
von Frank Schäfer

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxSinobdella sinensis
Das Sortiment an Stachelaalen wurde jüngst um eine eher ungewöhnliche Art erweitert, die (vermutlich) erstmalig kommerziell verfügbar ist. Vorgestellt wurde sie anhand eines Einzeltieres bereits 1994 in der DATZ. Die Herkunft steckt doppelt im wissenschaftlichen Namen, doch trifft man die Art außer auf dem chinesischen Festland auch noch auf Taiwan und im nördlichen Vietnam an.
In der Literatur wird sie teilweise noch Macrognathus aculeatus genannt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass zwei verschiedene Arten unter diesem Namen beschrieben wurden, die ältere Beschreibung für die auch heute noch so bezeichneten Tiere aus Indonesien gültig ist und für die Tiere aus der jüngeren Beschreibung ein neuer Name gefunden werden musste. Der nächste verfügbare war Rhynchobdella sinensis (Bleeker, 1870), und 1994 wurde dann der auch aktuell gültige Gattungsname aufgestellt. Die Gattung wird gemeinhin als monotypisch betrachtet.
Allzu viel weiß man nicht über S. sinensis. Als Lebensraum werden vor allem Flüsse genannt, die Nahrung besteht aus Insekten und deren Larven, Würmern und Krebstieren. Eine Untersuchung des Magen-Darm-Traktes lässt vermuten, dass die Art auch Garnelen (Macrobranchium nipponense und Exopalaemon modestus) frisst. Das Genom ist vollständig entschlüsselt, und man weiß, dass Seepopulationen eine niedrige genetische Vielfalt aufweisen. In ihrer Heimat nutzt man die Tiere als (wirtschaftlich eher unbedeutende) Speisefische, und sie gelten als nicht gefährdet. Unterscheiden lässt sich dieser Stachelaal von seinen Verwandten durch die Form der Schnauze, charakteristisch sind zudem der helle Rücken und die dunkleren Seiten, die hellen Flecken im weichstrahligen Teil der Rückenflosse und ein weißer Saum am Rand der Afterflosse. Die unpaaren Flossen sind verwachsen.
Als Bewohner der Subtropen braucht der China-Stachelaal kein beheiztes Aquarium und lässt sich dauerhaft sicher optimal bei nicht zu hohen Zimmertemperaturen halten. Meine drei Exemplare mit einer Größe zwischen 9,5 und knapp 12 cm waren vom ersten Tag an wenig scheu, fast schon zutraulich, und fraßen diverses Lebend- (Schmetterlingsmückenlarven, Enchyträen) und Frostfutter (Artemia, schwarze und rote Mückenlarven).
Auch untereinander sind sie umgänglich. Hin und wieder sieht man sie gemeinsam in einer Höhle ruhen, des Abends warten sie an der Frontscheibe auf Futtergaben. Wasserwechsel mit etwas kühlerem Frischwasser bringen die Tiere ebenfalls dazu, aus ihrem Versteck zu lugen. Eingegraben habe ich sie noch nicht gesehen, aber eine auf dem Bodensubstrat dicht aufliegende, bepflanzte Schaumstoffmatte wird gerne unterwandert. Das Aquarium weist keine nennenswerte Strömung auf, den Tieren scheint das nichts auszumachen.
Zwei Exemplare sind wesentlich dunkler gefärbt als das dritte Tier, das eher gelblich braune und ganz leicht grünliche Flanken aufweist. Eine nette Bereicherung des China-Sortiments jedenfalls – vielleicht startet ja jemand einen Vermehrungsversuch. Und wer mehr über Stachelaale generell wissen möchte, dem sei die September-/Oktober-Ausgabe unserer Schwesterzeitschrift AMAZONAS empfohlen, in der diese Fischgruppe in einem hervorragenden Titelthema behandelt wird (wenngleich Sinobdella sinensis nicht dabei ist).
von Sebastian Wolf