Woran denkt man bei Brasiliens Unterwasserwelt? An den Amazonas, vielleicht das Pantanal oder die größte Artenvielfalt an Süßwasserfischen weltweit – an Seepferdchen nicht unbedingt. Diese gibt es in Brasiliens Flüssen aber auch, allerdings nicht im Süßwasser, sondern in den Brackwassern der Mündungsgebiete und Mangroven. | von Walter Lechner

Brasiliens Atlantikküste ist fast 7.500 km lang, und der Großteil besteht aus Traumstränden, wie wir sie uns vorstellen. Seepferdchen wird man dort aber kaum finden, denn deren Lebensräume sind Seegraswiesen und die Mündungszonen der Flüsse in den Mangroven, die „Manguezals“.
Zahllose kleine und mittlere Flüsse Brasiliens entwässern direkt in den Atlantik, und in deren Brackwasserzonen stehen auch heute noch Mangrovenwälder. Diese finden sich aber meist nicht direkt am Meer, sondern „im Hinterland der Strände“, von der Meerseite aus sind sie oft kaum auszumachen.

Ohne Wasserbewegung um ihre Polypen müssten Korallen sterben. Aber benötigen die von uns im Riffaquarium gehaltenen Arten wirklich so starke Strömung, wie viele Aquarianer annehmen? Unser Co-Redakteur ging dieser Frage mit Langzeitstudien auf den Grund. | von Rolf Hebbinghaus

In Zusammenarbeit mit dem Zoologischen Institut der Universität zu Köln fanden im Zeitraum von Mitte 2000 bis Ende 2003 im Aquazoo Löbbecke Museum Düsseldorf mehrere Langzeitversuche mit Fragmenten von Montipora cf. turtlensis in einem Strömungskanal statt, deren Resultate auch aus aquaristischer Sicht aufschlussreich sind. Gesundheitlichen Rückschlägen sowie einer fast vierjährigen Sanierung des Aquazoos geschuldet, hielten die Aufzeichnungen und Fotodokumente einen wahrlich langen Dornröschenschlaf, aus dem sie jetzt – unversehrt! – durch den unlängst in den Unruhestand getretenen Autor erweckt wurden.
Brauchen Steinkorallen Strömung? Welch ketzerische Frage, weiß doch wohl jeder Meeresbiologe wie auch jeder Aquarianer, der diese sesshaften, kiemenlosen Lebewesen pflegt, dass sie auf eine mehr oder weniger starke Bewegung des Umgebungswassers existenziell angewiesen sind: für den Gasaustausch, den Nahrungsfang, die Säuberung der Körperoberfläche und noch vieles mehr. Doch wo genau liegen eigentlich die Präferenzen unserer Pfleglinge in puncto Strömungsgeschwindigkeit?

Kann man hoch spezialisierte Meeresfische vermehren? Man kann, wie die Erfolge des Kölner Zoos bei Seenadeln verdeutlichen. Ein Paradebeispiel für gelungene Arterhaltungszucht! | von Thomas Ziegler & Marion Pfeiffer

Die Familie Syngnathidae umfasst nicht nur die Süßwasser- und Seenadeln, sondern schließt auch die Fetzenfische und Seepferdchen mit ein. Die meisten Arten finden sich in den Tropen (insbesondere Indischer und Pazifischer Ozean, mit der größten Vielfalt in den Gewässern Australiens). Derzeit sind 57 Gattungen und rund 300 Arten bekannt. Man trifft Seenadeln küstennah an, in ruhigen Buchten, an strömungsarmen Riffen, in Algenfeldern und Seegraswiesen.

Ihr lang gestreckter Körper ist von einem Panzer aus ringförmigen Knochenplatten umgeben, ihr zahnloses Maul als hoch spezialisiertes „Fangsaugrohr“ ausgebildet, mit dem sie ihre Beute aus geringer Distanz mit hoher Geschwindigkeit einsaugen. Man muss genau hinschauen, um sie zu entdecken, aber spektakulär sind die „Röhrenmäuler“ dennoch. | von Helmut Göthel

Gemeinsam mit Seepferdchen und Fetzenfischen bilden Seenadeln die Familie Syngnathidae, die laut „www.fishbase.org“ aktuell 304 Arten in 57 Gattungen umfasst. Die Bedeutung des wissenschaftlichen Familiennamens leitet sich aus dem Griechischen ab (syn = zusammen, gnathos = Kiefer) und bezieht sich auf die röhrenförmig miteinander verwachsenen Kiefer aller Vertreter dieser Familie. Diese anatomische Besonderheit spiegelt sich auch in der deutschen Bezeichnung „Röhrenmäuler“ für alle Seenadelverwandten der Ordnung Syngnathiformes wider.

Es wundert sicherlich nicht, dass es unter marinen Arten Organismen gibt, die aufgrund ihrer Lebensweise wenig geeignet für eine Privathaltung erscheinen. Umso schöner, dass in Schauaquarien keine Mühen gescheut werden, auch solche Tiere auszustellen und sogar zu vermehren, wie die Quallenanlage des Wiener Tiergartens zeigt. | von Katrin Glaw

Quallen oder Medusen gibt es seit über 500 Millionen Jahren, womit sie zu den ältesten Tieren auf der Erde gehören. Viele Schauaquarien zeigen und züchten Quallen in aufwendigen Kreiselaquarien. Menschen finden sie schön oder ekeln sich vor ihnen. Wissenschaftler nehmen immer wieder neue und faszinierende Forschungsthemen rund um diese zu 98 % aus Wasser bestehenden Organismen in Angriff. Aber was sind Quallen eigentlich?