Manche wirken filigran und zerbrechlich, etliche fallen durch ihre kompakte Gestalt und ­massive Panzerung auf. Die einen sind grell bunt, die anderen tragen ein unscheinbares Kleid, weitere sind so gut getarnt, dass man sie kaum erkennen kann. Viele führen ein Leben als Einzelgänger, ebenfalls nicht wenige setzen alles auf die Partnerschaft mit anderen Tierarten. So vielfältig das Erscheinungsbild von Krabben ist, so überraschend sind auch ihre Über­lebensstrategien. | von Helmut Göthel

Schon wenn man sich die Extreme bezüglich der Körpergröße unter den fast 7.000 weltweit vorkommenden Krabben-Spezies anschaut, wird deutlich, wie vielgestaltig diese artenreichste Gruppe in der Ordnung der Zehnfußkrebse (Deca­poda) ist.

Riesen …
Mit einem Körperradius von fast 40 und einer Spannweite der gestreckten Beine von 370 Zentimetern sowie einem Körpergewicht bis zu 14 – unbestätigten Berichten zufolge bis zu 20
– Kilogramm wird die Japanische ­Riesenkrabbe (Macro­cheira kaempferi) ihrem Namen völlig gerecht; sie ist der absolute Riese unter den Krabben. Sie lebt nur im Pazifik, vor allem in den Gewässern um Japan, in Tiefen zwischen 300 und 400 Metern und ernährt sich von Aas und von Wirbel­losen, etwa Mollusken, deren Schalen sie mithilfe ihrer Scheren öffnen kann.

Haben Sie schon einmal Krabben gegessen? Wirklich? Eher wohl nicht, denn diese Zehnfußkrebse werden in unseren Breiten normalerweise nicht zum Verzehr angeboten. Und wenn Sie ein „Krabbenbrötchen“ oder einen „Krabbencocktail“ bestellen, serviert man Ihnen Garnelen, die in Norddeutschland auch als „Granat“ oder eben – irreführend – als „Krabben“ bezeichnet werden. | von Uwe Werner

Was also sind Krabben? – Höhere Krebse, die in unterschiedlichen Formen auftreten und ganz verschiedene Lebens­räume besiedeln. Das gilt aber auch für alle anderen Zehnfußkrebse (Ordnung Decapoda), also für die Garnelen und Flusskrebse.
Grundsätzlich teilt man die Ordnung in zwei Unterordnungen: die schwimmenden (Natantia) und die laufenden oder kriechenden Krebse (Reptantia). Zu den Natantia gehören alle garnelenartigen Vertreter, umgangssprachlich „Garnelen“ genannt, während zu den Reptantia (neben ­weiteren Formen) die Echten Flusskrebse, oft einfach und falsch „Krebse“ genannt, und die Brachyura zählen, die man im Deutschen als Kurzschwanzkrebse oder Echte Krabben bezeichnet. Hierher gehören die Echten Süßwasserkrabben (Potam­oidea), die Springkrabben (Graps­idae), die Renn- und Winkerkrabben (Ocypod­idae), die Schwimmkrabben (Portun­idae) und die Landkrabben im engeren Sinn (Gecarcinidae).

Krabben genießen in der Meeresaquaristik einen schlechten Ruf – zu Recht oder zu Unrecht? Wie fast immer bei Verallgemeinerungen, passt auch hier kein Schwarz-Weiß-Denken … | Von Joachim Großkopf †

"Da ist eine Krabbe!“ Schon zuckt der Aquarianer vor seinem Riffbecken erschrocken zusammen. Schließlich gelten diese Krebse als gemeingefährlich. Viele sind tatsächlich üble Räuber, andere jedoch harmlose oder sogar nützliche Tiere. Laut Ng et al. (2008) gibt es 6.793 ­Arten, die an Land, im Süßwasser und – zum weitaus größten Teil – im Meer leben.
Die Echten Krabben (Brachyura) gehören zu den Zehnfußkrebsen (Ordnung Decapoda), ihre weitere Unterteilung erfolgt in Sektionen, Über­familien und Familien. Die Klassifi­kation der Dekapoden ist noch recht verworren und wird sich durch wei­-tere Untersuchungen der Erbinformationen (mtDNS) sicher irgendwann erheblich ändern.
In der Entwicklungsgeschichte sind die Echten Krabben relativ moderne Tiere. Die ältesten Fossilien von Brachyuren stammen aus geologischen Schichten von vor etwa 120 Millionen Jahren. Die meisten Funde datieren jedoch aus sehr viel späteren Zeiten, nämlich rund 40 bis 20 Millionen Jahren vor heute.
Der Körperbau der Krabben unterscheidet sich erheblich von dem
der langschwänzigen Zehnfußkrebse (Garnelen, Flusskrebse, Hummer, Langusten). Der Hinterleib (Abdomen oder Pleon) der Langschwanzkrebse (Macrura) endet (fast immer) in einem gefächerten Schwanz und besitzt zudem meist Schwimmfüße (Pleopoden) an der Unterseite. Viele Langschwanzkrebse können mittels ihrer Pleopoden oder des Schwanzfächers zumindest über kürzere Strecken schwimmen.

Scheinschnapper werden neun bis 35 Zentimeter lang. Zumindest von den kleineren Arten dürften sich etliche für die Haltung in Meeresaquarien eignen, doch wurden bisher kaum Pflegeerfahrungen publiziert. | von André Luty

Scheinschnapper (Familie Nemipteridae) leben in tropischen und subtropischen indopazifischen Schelfgebieten, meist in küstennahen Flachgewässern, aber auch bis in 400 Metern Tiefe. Sie kommen sowohl über sandigem Bodengrund als auch in oder in der Nähe von Korallenriffen vor. In einigen Ländern, etwa auf den Philippinen, in China oder in Japan, sind größere Arten wichtige Speisefische.
Die zurzeit 68 bekannten Taxa ­werden den Gattungen Nemipterus (27), Parascolopsis (zwölf), Pentapodus (zwölf), Scaevius (eine) und Scol­opsis (16) zugeordnet.
Die Nomenklatur der einzelnen ­Arten ist noch etwas verworren, da mehrere Spezies ähnliche Farbkleider oder ähnlich gefärbte Jungfische be­sitzen. Juvenile sehen fast immer anders aus als Adulti; obendrein gibt
es Arten mit bis zu drei Jugend-Farb­varianten. Die Alttiere sind dann oft blasser getönt.
Scheinschnapper sind in der Regel  schlanke Barschverwandte mit relativ großen Augen. Aber nur die Adulti sind dämmerungs- und nachtaktiv, die Juvenilen hingegen tagaktive, bodennahe Kleintierjäger. Viele erwachsene Nemipteriden, so auch der Schärpen-Scheinschnapper (Scolopsis bilineata), suchen zum nächtlichen Fressen Sandflächen auf. Tagsüber stehen sie im Riff meist ruhig in Gruppen in geschützten Winkeln, unter Überhängen oder in Höhlen.

Die Begegnung mit einer zuvor in der Umgebung von Safaga (Rotes Meer, ägyptische ­Festlandküste) nicht nachgewiesenen Schlangenmuränen-Art ist ein guter Anlass für
eine nähere Betrachtung der Aalartigen. | von Horst Moosleitner

Während eines Tauchabstiegs vor dem Coral Garden Resort bei Safaga, knapp 100 Kilometer südlich von Hurghada im Ro­-ten Meer, erblickte ich auf dem Sand­boden in ungefähr zehn Metern Tiefe ein eigenartiges, schlangenförmiges Tier. Neugierig näherte ich mich und erkannte, dass es sich um so etwas wie einen Schlangenaal handeln musste.
Der gefleckte, lang gestreckte Körper deutete jedenfalls darauf hin – auch der Sandboden, den diese Fische zu bewohnen pflegen. Doch das Tier verschwand nicht mit dem Kopf oder dem Schwanz voran im Sand, sondern blieb an der Oberfläche und schlängelte sich gemächlich weiter, bis es sich schließlich zu einem Knäuel zusammenlegte – obenauf der Kopf. In dieser Stellung verharrte es und sah mich mit großen Augen an.
Der Körperdurchmesser des Fisches betrug rund zwei, die Kopflänge fünf und seine Gesamtlänge ungefähr 55 Zentimeter. Der Anus lag etwa in der Körpermitte. Vorn an der Schnauze befanden sich zwei nach oben gerichtete, weiße, röhrenförmige Nasenöffnungen sowie jeweils eine rück­wärtige genau über der Augenmitte. Also hatte ich keinen Schlangenaal vor mir, denn die besitzen nur zwei – und zwar nach unten gerichtete – Nasenöffnungen an der Schnauzenspitze. Das hier musste eine Muräne sein!