Die Lebensgemeinschaften zwischen Grundeln der Gattung Amblyeleotris und Garnelen des Genus Alpheus ermöglichen ethologisch Interessierten spannende Beobachtungen – im natürlichen Lebensraum wie im Aquarium. | von Horst Moosleitner

Die Grundeln der Gattung Amblyeleotris sind sehr langgestreckt, haben einen rundlichen Kopf und eine lange Schwanzflosse. Sie sind meist auf hellem Grund orangefarben, rötlich oder braun quergestreift. Lage, Breite und Farbe der Streifen sind in der Regel arttypisch und lassen sich daher zur Bestimmung heranziehen.
Der schlanke Körper kommt ihrer Lebensweise sehr entgegen, sie leben nämlich alle in Gemeinschaft mit Knallkrebsen der Gattung Alpheus, ­deren Gangsysteme im Sand sie als ­Zufluchtsort und Nachtquartier nutzen.
Die fast blinden Krebse wühlen ständig auf der Suche nach Nahrung im Boden und bauen an ihrem Höhlensystem weiter, wobei sie alle grö­ßeren Steinchen und Korallenbruchstücke ins Freie tragen oder wie Bulldozer vor sich herschieben.

Eine der spannendsten marinen Lebensgemeinschaften ist die zwischen verschiedenen ­Grundeln und den kleinen Pistolen- oder Knallkrebsen der Gattung Alpheus. Während bei allen anderen Symbiosen der Wirt – zum Teil sogar erheblich – größer ist als die Symbionten, sind bei den Schaufelbaggern und ihren Wächtern die Verhältnisse umgekehrt. | von Helmut Göthel

Angesiedelt sind diese Lebensgemeinschaften auf mit grö­berem Material durchsetzten Sand- und Sedimentböden tropischer und subtropischer, oft riffnaher Re­gionen, vom Flachwasser bis in über 50 Meter Tiefe, die es den Krebsen ermöglichen, ihre Gänge zu graben.
Die je nach Art nur 25 bis 70 Millimeter langen Garnelen sind unermüdlich damit beschäftigt, mehr oder ­weniger umfangreiche, zum Teil verzweigte, meterlange Gangsysteme anzulegen, umzubauen und instand zu halten. Auf dem sonst deckungslosen und keinen Schutz bietenden Lebensraum Sandgrund bieten solche unterirdischen Bauten, die bis zu 50 Zentimeter tief in den Boden reichen können, eine der wenigen Möglichkeiten, sich Fressfeinden so weit wie möglich zu entziehen.

Die meisten Menschen, die an der Küste wohnen oder ihren Urlaub gelegentlich am Meer verbringen, haben sie, bewusst oder unbewusst, schon gesehen: meist kleine, auf den ersten Blick unbeweglich scheinende, von einem mehrteiligen Gehäuse bedeckte Organismen, die auf Felsen in der Brandungszone oder auch auf den Schalen größerer Muscheln sitzen. | von Maren Gaulke

Selbst wenn es auf den ersten Blick so scheint, es handelt sich bei diesen Organismen nicht um Aufwuchs. Wenn es sein muss, können sie sich sogar relativ rasch bewegen: Käferschnecken (Polyplacophora) gehören wie Muscheln, Schnecken und Kopffüßer zu den Weichtieren (Mollusca) und innerhalb der Mollusken gemeinsam mit den Schild- und Furchenfüßern zu den Stachelweichtieren (Aculifera).
Von der geologisch alten Gruppe Polyplacophora – es gibt sie seit über 500 Millionen Jahren, also mindestens seit dem Oberen Kambrium – leben rezent über 900 Arten. Sie gehören zu den Neukäferschnecken (Unterklasse Neoloricata). Ihren Verbreitungsschwerpunkt haben diese rein marinen Weichtiere rund um Australien, aber sie kommen weltweit vor, auch
in der Nord- und Ostsee sind sie mit mehreren Taxa vertreten.

Meerestiere gelten nicht nur als Symbole in religiösen Zusammenhängen, ihr kulinarischer Genuss kann sogar einen ganz konkreten Trip in die Welt jenseits des Vorhangs bescheren. | von Martinus Fesq-Martin

Goldstriemen wirken eigentlich harmlos und vertauenserweckend. Beim Schnorcheln an den Felsküsten des Mittelmeers be­gegnet man ihnen unausweichlich. In dichten Schwärmen ziehen sie nahe am Ufer umher und weiden geduldig wie Seekühe den pflanzlichen Aufwuchs ab. In einigen Fällen wurde das Rendezvous mit Sarpa salpa (Familie der Meerbrassen, Sparidae) jedoch zum Horrortrip – allerdings nicht unter Wasser, sondern in der mediter­ranen Küche!

Aufgrund ihrer meist sehr geringen Größe und ihres zarten Außenskeletts, das kaum die ­Bezeichnung „Panzer“ verdient, ist die Zahl ihrer Fressfeinde riesig. Dennoch sind Garnelen in den Meeren und vor allem in tropischen Korallenriffen allgegenwärtig und gehören zu den artenreichsten Tiergruppen. Ein Grund dafür sind die zahlreichen Lebensgemeinschaften, auf die sich diese Zehnfußkrebse mit den unterschiedlichsten Meeresbewohnern einlassen. | von Helmut Göthel

Die absolute Mehrheit der Garnelen, die eine Lebensgemeinschaft mit anderen Organismen eingehen, gehört zur Infraordnung Caridea, der zweitgrößten Gruppe der Zehnfußkrebse. Lediglich bei den Scherengarnelen (Stenopodidea) findet man einige Vertreter, die ebenfalls auf das Erfolgsrezept Partnerschaft setzen, während bei den Geißelgarnelen (Penaeidea) keine zwischenartlichen Partnerschaften bekannt sind.
In zahlreichen Fällen ist über das genaue Verhältnis der Beziehung zwischen den Garnelen und ihren Partnern, im Folgenden als Wirte bezeichnet, nicht viel mehr bekannt, als dass es sie gibt. Bei anderen Garnelen-Partnerschaften weiß man dagegen, wie sie zustande kommen, wer von ihnen profitiert und wer nicht.