Meerwasser
Behauste Schleimer
Sie sind in jedem Riffaquarium vorhanden – zwar nicht bei jedem beliebt, jedoch in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich! | von Rolf Hebbinghaus
Okay, es sei sogleich gestanden: „Behauste Schleimer“, ein solches Taxon existiert weder im Tier- noch im Pflanzenreich – stattdessen handelt es sich um eine bloße Komposition des Autors! Die allerdings schon Grundlegendes andeutet, nämlich auf welche Art und Weise sich die vorgestellten Wesen ernähren und wie sie sich vor Feinden schützen.
Leben die meisten Muscheln (Bivalvia) stationär und filtrieren mit den Kiemen sehr kleine Organismen sowie organische Schwebestoffe aus dem eingesaugten Wasser, so gibt es unten den Schnecken (Gastropoda) nur ganz wenige festsitzende Geschwebefresser. Manche Schnecken erscheinen bloß festgewachsen, so die vom Nordseestrand bekannten Napfschnecken (Patellidae), die, bei Ebbe hermetisch an Steinen festgesaugt, nachts sehr wohl umherwandern, um Algen abzuweiden. Und auch die im selben Lebensraum anzutreffenden Pantoffelschnecken (Crepidula), die reine Filtrierer sind, leben nach ihrer vagilen Jugendphase zwar ständig sesshaft, sind aber ebenfalls nicht angewachsen. Einzig bei den – rein marinen – Wurmschnecken (Vermetidae), von deren eigentümlichem Leben dieser Aufsatz handelt, verschmilzt tatsächlich das Kalkgehäuse mit dem Substrat.
Drückerfische – schön – und ganz schön ruppig!
Sie besitzen alle Eigenschaften, die einen Fisch interessant machen – und einige andere, ziemlich problematische… | von Rolf Hebbinghaus
Ihre Gestalt ist so typisch, dass man Drückerfische (Balistidae) mit anderen Fischen kaum verwechseln kann: Ein rhombisch geformter, seitlich komprimierter Köper, ein übergroßer Kopf mit kleinem Maul und hochliegenden Augen, eine lange Rückenflosse, der eine gleichgroße Afterflosse gegenübersteht. Durch ihre sehr derbe Haut fühlen sich Balistiden fast wie gepanzert an. Nur unter ihren nächsten Verwandten, den Feilenfischen (Monacanthidae), gibt es ein paar Arten, die man aus der Entfernung für einen Drückerfisch halten könnte. Die meisten Feilenfische sind hingegen viel schmaler und kleinköpfiger. Doch faszinieren uns Drückerfische nicht nur durch ihre eindrucksvolle Gestalt, sondern auch aufgrund ihres umfangreichen Verhaltensrepertoires und Lernvermögens, das schon viele Ethologen zu Studien und Experimenten angeregt hat. Kommt dann noch eine attraktive Färbung hinzu, verleiten die meist in Babygröße angebotenen Fische leicht zu einem vorschnellen Kauf.
Fortpflanzungszeit bei Meeresschnecken
Dort, wo der Tisch reich gedeckt ist, bietet sich auch gute Gelegenheit zur Fortpflanzung, wie sich in südostasiatischen Gewässern beobachten lässt | von Maren Gaulke
Von Mitte Januar bis Ende März ist an der Westküste von Panay (einer Insel des philippinischen Archipels) an sich keine gute Zeit zum Schnorcheln. Während dieser Zeit vermehren sich verschiedene großwüchsige Grün- und Braunalgen in teils immenser Schnelligkeit. Der Strand ist zeitweise vollständig von zuerst grünen und braunen, später, nach dem Vertrocknen, weißlichen Matten bedeckt, und wenn man ins Wasser geht, quält man sich durch ein dichtes Algengeflecht, das die Unterwasser-Sicht extrem behindert. Zurück am Strand, ist man erst mal damit beschäftigt, lange Algenfäden von sich und der Ausrüstung zu entfernen.
In der Natur beobachtet: der Picasso-Drückerfisch (Rhinecanthus aculeatus)
Drückerfische werden in der Fischfamilie Balistidae zusammengefasst, die knapp fünfzig Arten enthält und zur Ordnung der Kugelfischartigen (Tetraodontiformes) gehört. | von Wolfgang Staeck
Alle Drückerfische sind an ihrer ganz typischen Art der Fortbewegung zu erkennen, denn sie schwimmen mit wellenförmigen Bewegungen ihrer zweiten Rücken- und der Afterflosse, die beide jeweils oben und unten am Körper einander gegenüberstehen. Die Schwanzflosse hat die Funktion eines Seitenruders und wird nur bei großer Geschwindigkeit für den Vortrieb zusätzlich eingesetzt.
Schwammiger Lebensraum
Noch bis in das 19. Jahrhundert hinein wurden Schwämme zu den Pflanzen gerechnet. Grund dafür waren ihre sessile Lebensweise, fehlende Reaktionen auf äußere Reize und ihre äußerliche Unbeweglichkeit. Erst durch mikroskopische Untersuchungen wurden sie von Wissenschaftlern als Tiere identifiziert. | von Helmut Göthel
Es gab sie schon lange vor den Dinosauriern, und im Paläozoikum (Erdaltertum) sowie im Mesozoikum (Erdmittelalter) waren sie bedeutende Riffbildner in den urtümlichen Meeren unseres Planeten. Schwämme, sie bilden den Stamm Porifera, gelten als die basalsten mehrzelligen Tiere. Die ältesten zweifelsfreien Schwammfossilien stammen aus dem Beginn des Kambriums oder kurz davor und sind ca. 540–560 Millionen Jahre alt. Bis heute hat sich an ihrem vergleichsweise einfachen Körperbau kaum etwas verändert.


