So verschieden sie auch gefärbt sind, nach morphologischen Merkmalen und anhand ihrer Lebensweise sind sie überhaupt nicht voneinander zu unterscheiden. Selbst genetische Untersuchungen zeigen nur geringe Abgrenzungen der einzelnen „Farbformen“ voneinander, weshalb es sich nach klassischem Verständnis bei den Hamletbarschen um nur eine einzige Art handeln müsste. Doch neuere Untersuchungen belegen, dass es tatsächlich eigenständige Spezies sind. | von Helmut Göthel

Bei den Hamletbarschen der Gattung Hypoplectrus handelt es sich um maximal 15–20 cm lange, meist vergleichsweise auffällig gefärbte Fische, die der Familie der Sägebarsche (Serranidae) angehören. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den gesamten tropischen Westatlantik einschließlich der Karibik. Die Erstbeschreibung erfolgte bereits 1792 durch den deutschen Arzt, Naturforscher, Zoologen und Taxonomen Johann Julius Walbaum als Perca unicolor. Cuvier stellte diese Art 1828 in die Gattung Plectropoma und beschrieb mit P. puella und P. chlorurus zwei weitere Arten. Gut 30 Jahre später erstellte der US-amerikanische Ichthyologe Theodore Nicholas Gill 1861 die bis heute gültige Gattung Hypoplectrus, und der kubanische Naturforscher und Schriftsteller Felipe Poey beschrieb 1868 noch einmal sechs Arten.

Woran denkt man bei Brasiliens Unterwasserwelt? An den Amazonas, vielleicht das Pantanal oder die größte Artenvielfalt an Süßwasserfischen weltweit – an Seepferdchen nicht unbedingt. Diese gibt es in Brasiliens Flüssen aber auch, allerdings nicht im Süßwasser, sondern in den Brackwassern der Mündungsgebiete und Mangroven. | von Walter Lechner

Brasiliens Atlantikküste ist fast 7.500 km lang, und der Großteil besteht aus Traumstränden, wie wir sie uns vorstellen. Seepferdchen wird man dort aber kaum finden, denn deren Lebensräume sind Seegraswiesen und die Mündungszonen der Flüsse in den Mangroven, die „Manguezals“.
Zahllose kleine und mittlere Flüsse Brasiliens entwässern direkt in den Atlantik, und in deren Brackwasserzonen stehen auch heute noch Mangrovenwälder. Diese finden sich aber meist nicht direkt am Meer, sondern „im Hinterland der Strände“, von der Meerseite aus sind sie oft kaum auszumachen.

Ohne Wasserbewegung um ihre Polypen müssten Korallen sterben. Aber benötigen die von uns im Riffaquarium gehaltenen Arten wirklich so starke Strömung, wie viele Aquarianer annehmen? Unser Co-Redakteur ging dieser Frage mit Langzeitstudien auf den Grund. | von Rolf Hebbinghaus

In Zusammenarbeit mit dem Zoologischen Institut der Universität zu Köln fanden im Zeitraum von Mitte 2000 bis Ende 2003 im Aquazoo Löbbecke Museum Düsseldorf mehrere Langzeitversuche mit Fragmenten von Montipora cf. turtlensis in einem Strömungskanal statt, deren Resultate auch aus aquaristischer Sicht aufschlussreich sind. Gesundheitlichen Rückschlägen sowie einer fast vierjährigen Sanierung des Aquazoos geschuldet, hielten die Aufzeichnungen und Fotodokumente einen wahrlich langen Dornröschenschlaf, aus dem sie jetzt – unversehrt! – durch den unlängst in den Unruhestand getretenen Autor erweckt wurden.
Brauchen Steinkorallen Strömung? Welch ketzerische Frage, weiß doch wohl jeder Meeresbiologe wie auch jeder Aquarianer, der diese sesshaften, kiemenlosen Lebewesen pflegt, dass sie auf eine mehr oder weniger starke Bewegung des Umgebungswassers existenziell angewiesen sind: für den Gasaustausch, den Nahrungsfang, die Säuberung der Körperoberfläche und noch vieles mehr. Doch wo genau liegen eigentlich die Präferenzen unserer Pfleglinge in puncto Strömungsgeschwindigkeit?

Kann man hoch spezialisierte Meeresfische vermehren? Man kann, wie die Erfolge des Kölner Zoos bei Seenadeln verdeutlichen. Ein Paradebeispiel für gelungene Arterhaltungszucht! | von Thomas Ziegler & Marion Pfeiffer

Die Familie Syngnathidae umfasst nicht nur die Süßwasser- und Seenadeln, sondern schließt auch die Fetzenfische und Seepferdchen mit ein. Die meisten Arten finden sich in den Tropen (insbesondere Indischer und Pazifischer Ozean, mit der größten Vielfalt in den Gewässern Australiens). Derzeit sind 57 Gattungen und rund 300 Arten bekannt. Man trifft Seenadeln küstennah an, in ruhigen Buchten, an strömungsarmen Riffen, in Algenfeldern und Seegraswiesen.

Ihr lang gestreckter Körper ist von einem Panzer aus ringförmigen Knochenplatten umgeben, ihr zahnloses Maul als hoch spezialisiertes „Fangsaugrohr“ ausgebildet, mit dem sie ihre Beute aus geringer Distanz mit hoher Geschwindigkeit einsaugen. Man muss genau hinschauen, um sie zu entdecken, aber spektakulär sind die „Röhrenmäuler“ dennoch. | von Helmut Göthel

Gemeinsam mit Seepferdchen und Fetzenfischen bilden Seenadeln die Familie Syngnathidae, die laut „www.fishbase.org“ aktuell 304 Arten in 57 Gattungen umfasst. Die Bedeutung des wissenschaftlichen Familiennamens leitet sich aus dem Griechischen ab (syn = zusammen, gnathos = Kiefer) und bezieht sich auf die röhrenförmig miteinander verwachsenen Kiefer aller Vertreter dieser Familie. Diese anatomische Besonderheit spiegelt sich auch in der deutschen Bezeichnung „Röhrenmäuler“ für alle Seenadelverwandten der Ordnung Syngnathiformes wider.