Wien, einst Hauptstadt der k. u. k. Monarchie und des österreichischen Kaiserreichs, hat seinen Besuchern etliche Kostbarkeiten zu bieten: architektonische Prachtbauten, naturwissenschaftliche und kunsthistorische Sammlungen, eine Kollektion geistlicher und weltlicher Schätze in der Hofburg und für Naturliebhaber aquaristische Raritäten im Haus des Meeres sowie im Aquarienhaus des Tierparks Schönbrunn. | Von Uwe Dost

Eine mir lieb gewordene Traditi­-on ist der Jahresausflug mit den Aquarianern meines Vereins „Nymphaea Esslingen e. V.“. Als Ziel 2017 hatten wir Wien auserkoren. ­Neben etlichen geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten hat die österreichische Donau-Metropole zwei auch für Aquarianer höchst interessante und lohnende Ziele zu bieten: das Haus des Meeres und den Tierpark Schönbrunn. Beide Institutionen pflegen hinter den Kulissen eine Menge aquaristischer Schätze, von denen aber immer nur einige wenige dem Zoobesucher präsentiert werden.

Tierpark Schönbrunn
Hinter den Kulissen des Aquarienhauses Schönbrunn verbergen sich zahlreiche aquaristische Leckerbissen, ­darunter eine beachtliche Kollektion
von Quallen, weltweit die zweitgröß­-te. Dazu kommen seltene Fischarten, etwa Buntbarsche aus Afrika oder ­Eierlegende Zahnkarpfen, von denen einige Arten in der Natur stark bedroht oder sogar ausgestorben sind. Ende 2017 wurden in Schönbrunn 65 Quallenarten und eine Rippenqualle gepflegt und (fast alle) auch erfolgreich nachgezogen.

Wie schwerelos treiben sie durch die Weiten der Meere: zerbrechlich wirkende Geschöpfe
von teils atemberaubender, exotischer Schönheit. Doch der Schein trügt. Ausgestattet mit Millionen todbringender Explosionsgeschosse stellen sie eine Bedrohung für viele Organismen um sie herum dar. Ständig auf der Suche nach Nahrung, töten sie jedes Beutetier, das in ihre Nähe gerät. | Von Helmut Götheliber

Jedes Mal, wenn man als Taucher oder Schnorchler einer dieser ­bizarren Schönheiten begegnet, fragt man sich unwillkürlich, welche Laune der Natur diese Organismen ­geschaffen hat. Doch aus eigener Erfahrung wissen viele, dass ihre scheinbare Hilflosigkeit trügt. Quallen ge­hören zu den gefährlichsten Räubern oder – besser – Jägern der Meere!
Für ihren zweiten deutschen Namen, Meduse, stand eine furchterregende Gestalt aus der griechischen Sagenwelt Pate: die schreckliche Medusa, eine der drei Gorgonen, weib­liche Horrorgestalten mit Schlangen statt Haaren auf dem Kopf. Der Sage nach verwandelte allein ihr bloßer ­Anblick jeden Menschen in Stein. Selbst ihr abgeschlagenes Haupt hatte noch die Kraft, ihre Feinde zu ver­steinern.

Namen sind Schall und Rauch? Mitnichten! Wissenschaftliche Bezeichnungen dienen nicht nur der eindeutigen Benennung von Gattungen und Arten, sondern sie weisen auch auf Verwandtschaftsverhältnisse hin. | von Horst Moosleitner

In den letzten Jahren arbeiteten zahlreiche Wissenschaftler aus aller Welt fieberhaft daran, einen Katalog sämtlicher bisher bekannter Rochen und Haie unter dem Titel „Chondrichthyan Tree of Life Project“ zusammenzustellen. Alle Museen wurden nach Typus-Exemplaren durchforstet, Fischmärkte abgeklappert und DNA-Analysen von etwa drei Vierteln der Arten durchgeführt. Das Ergebnis ist eine Liste mit 633 gültigen Spezies.

Sie wurden nach der Veröffentlichung in diversen wissenschaftlichen Zeitschriften in Buchform zusammengefasst, mit farbigen Zeichnungen, Verbreitungskarten und genauen Beschreibungen versehen und 2016 unter dem Titel „Rays of the World“ herausgebracht.
Blättert man in dem fast 800 Seiten starken Werk, in dem jeder Art mindestens eine Seite gewidmet ist, bemerkt man sehr rasch, dass in der Systematik fast kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Oft haben die DNA-Analysen neue Verwandtschaftsverhältnisse aufgedeckt und damit eine Umordnung in bestehende oder auch in neu aufgestellte Gattungen oder ­sogar Familien notwendig gemacht. Weiter wurden Arten, die bislang als weit verbreitet galten, in mehrere ­geografisch voneinander getrennte Spe­zies aufgeteilt, was eine neue Einstufung zuvor vertrauter Taxa nötig machte.
Nur wenige Namen blieben unverändert, so etwa der des bekannten Blaupunkt-Rochens (Taeniura lymma [Forsskål, 1775]). Allerdings wurde für die Form des West-Pazifiks (Neu-Guinea bis Fidschi-Inseln) ein neuer Name eingeführt: Taeniura lessoni (Last, White & Naylor, 2016). Dieser Art fehlen die blauen Längsstreifen am Schwanz.
Der dem Taxon T. lymma ein wenig ähnelnde, ebenfalls blau gepunktete Masken-Rochen (Dasyatis kuhlii) wurde in wenigstens vier Arten unterteilt, die man alle in die Gattung Neotrygon aufnahm. Zu N. kuhlii gehören nur noch jene Rochen, die bei den Salomonen-Inseln im Pazifik vorkommen. Die Population, die zwischen Indonesien und den Philippinen lebt, bekam den Namen „Orientalischer Masken­rochen“ (N. orientalis Last, White & Séret, 2016), und die Form im Indischen Ozean heißt nun „Blaupunkt-Maskenrochen“ (N. caeruleopunctatus Last, White & Séret, 2016).

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 12/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxBei seinem „Blickfang“-Besuch für die August-Ausgabe bewunderte der DATZ-Redakteur ein weiteres Aquarium im Hause Poding. Der spontanen Bitte, seine Beobachtungen über die darin lebenden Tintenfische aufzuschreiben, kam ihr Besitzer gern nach. | von Lars Poding

Mitte März 2017 erhielt ich von einer privaten Züchterin drei Stumpfdorn-Sepien, die bei ihr Ende November 2016 aus einer Ei­traube geschlüpft waren. Die indonesische Stumpfdorn-­­Se­pie (Sepia bandensis) kommt in ­Ko­rallenriffen und auf Sandböden in ein bis 30 Metern Wassertiefe vor und ist wie fast alle Arten hauptsächlich  dämmerungs- und nachtaktiv. Sepien vermögen sich sowohl schwimmend (mittels Flossensaum und Atemtrichter) als auch kriechend (mithilfe der acht kurzen Kopfarme) fortzubewegen; von dieser geruhsameren Fort­bewegungsart macht die Stumpfdorn-Sepie häufiger Gebrauch.
Mit einer Mantellänge von bis zu sieben Zentimetern und einem maximalen Körpergewicht von 45 Gramm zählt S. bandensis zu den kleinen Vertretern dieser sowohl in tropischen
als auch in subtropischen und in ­gemäßigten Gewässern vorkommenden Tinten­fisch­gattung.
Die drei Sepien kamen in ein 150-Liter-Becken, das ich eine Woche vorher für sie eingerichtet hatte. Sie hatten bereits eine Mantellänge von etwa fünf Zentimetern, was einer Gesamtlänge von rund acht Zentimetern entspricht. Die Züchterin sagte mir, dass diese Sepia-Art relativ einfach zu halten sei und keine allzu großen Ansprüche an die Wasserparameter stelle. Lediglich bei der Futterauswahl ­seien die Tiere sehr wählerisch. Selbst hatte ich noch keine Er­fahrung mit der Haltung von Tinten­fischen und verließ mich somit auf die Tipps der Züchterin und ein paar Internet-Foreneinträge. Die Sepien waren lebende Futtergarnelen gewohnt und hatten erst kurz, bevor ich sie erhielt, erstmals auch gefrorene Sandgarnelen ­angenommen.

Pflegebedingungen
Das Becken hatte ich mit einer guten Portion Lebendgestein und einer drei Zentimeter hohen Schicht feinen Korallensandes eingerichtet und mit gereiftem Aquarienwasser gefüllt, womit von Beginn an eine ausreichende Kleinlebewelt und stabile Wasserwerte gegeben waren. Die Beleuchtung besteht aus je einem 54- und 36-Watt-LED-Streifen von Aqua Medic. Diese nicht allzu hohe Lichtstärke kommt den Sepien entgegen und reicht zugleich noch aus für ein gutes Gedeihen weniger lichthungriger Blumentiere. Die Lichtphase dauert von zehn bis
22 Uhr. Es gibt kein Mondlicht; die ­Raumbeleuchtung von Küche und Wohnzimmer reicht voll­kommen aus. Mondlicht (jeglicher Art) ist meines Erachtens für diese ­Tiere immer noch zu hell. Eine Pumpe (Nanostream 6025, fünf Watt, Tunze) und ein Abschäumer (Bubble Magus Nac 3) be­wegen und reinigen das Wasser.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 11/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxEinsiedlerkrebse können es sich nicht leisten, allzu wählerisch zu sein, wenn es darum geht, ihren ungepanzerten Hinterleib zu schützen. Für die meisten von ihnen gibt es kein Eigenheim fürs Leben, vielmehr sind sie immer auf der Suche nach einer größeren Bleibe. Dass es sich nie um einen Erstbezug handelt, stört sie nicht, im Gegenteil: Zur Not beziehen sie auch wahre Bruchbuden mit massiven Gebäudeschäden oder akzeptieren regelrechte Notunter­künfte, wenn der Immobilienmarkt nichts Besseres hergibt. | von Helmut Göthel

Immer wenn man im Meer oder am Strand eine Schnecke beobachtet, die anstatt im Schneckentempo langsam über den Untergrund zu kriechen mit eingeschaltetem Turbo umherflitzt, kann man ziemlich ­sicher sein, einen Einsiedlerkrebs vor sich zu haben.
Zehnfußkrebse (Decapoda) sind mit mindestens 15.000 Arten die ­umfangreichste Gruppe des ungefähr 32.000 Spezies umfassenden Unterstamms der Krebse (Crustacea). Anders als alle weiteren Vertreter dieser Ordnung zeichnen sich die allermeisten der ungefähr 1.100 Arten von Einsiedlerkrebsen (Überfamilie Paguroidea) durch ihren asymmetrischen und nicht segmentierten Hinterleib (Pleon) aus, der – bis auf einzelne Ausnah­-men – nicht gepanzert, sondern vielmehr weich ist.
Je nach systematischer Zugehörigkeit kann das Pleon entweder nach links oder nach rechts spiralig ge­wunden sein, was entscheidenden Einfluss auf die zur Nutzung geeig­neten Schneckenhäuser hat. Links gewundene Schneckenschalen kommen nur für Einsiedler mit ebenfalls links gewundenem Hinterleib infrage und rechts gewundene ausschließlich für solche mit rechts gewundenem Pleon. Dabei wird die Stärke der Windung des Hinterleibs maßgeblich von der Windungsstärke der bevorzugt bewohnten Schneckenschalen beeinflusst, doch dazu später mehr.
Aber nicht nur der Einsiedlerkrebs-Hinterleib, sondern auch der hintere Teil des Vorderkörpers (Cephalo­thorax), an dem sich die Beinpaare befinden, ist häufig weich und somit ungeschützt. Zusätzlich befindet sich bei Einsiedlern im Hinterleib, der bei Krabben (Brachyura) weitestgehend zurückgebildet ist und bei Garnelen und Großkrebsen (Astacidea) fast ausschließlich Muskulatur enthält, ein Teil der inneren Organe.
Doch die morphologischen An­passungen der Einsiedlerkrebse an ihr Leben in Schneckengehäusen beschränken sich nicht auf ihren Cephalothorax und ihr Pleon. Die Pleopoden, die Schwimmbeine, sind je nach Windung des Hinterleibs einseitig reduziert; bei rechts gewundenen Arten fehlen die rechtsseitigen, bei links ­gewundenen die linksseitigen. Durch die Bewegungen der verbliebenen Schwimmbeine wird die für die Atmung notwendige Wasserströmung erzeugt. Bei Weibchen dienen sie zusätzlich, wie bei allen Zehnfußkrebsen, dem Anheften der Eier, die so ­optimal belüftet werden.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 11/2017