Seit Jahren werfen militante Tierschützer den Aquarianern vor, sie rotteten Fischarten aus. Lange entbehrte diese Anschuldigung jeder vernünftigen nachprüfbaren Grundlage. Neuerdings gibt es jedoch Anzeichen dafür, dass in wenigen Einzelfällen die Gefahr besteht, dass sich der Vorwurf bestätigen könnte. Allerdings wird bereits sehr erfolgreich gegengesteuert.
| von Wolfgang Staeck

Der hier vorgestellte, für die Pflege im Aquarium uneingeschränkt empfehlenswerte Ma­lawisee-Buntbarsch wurde 1988 von Konings entdeckt und von ihm zwei Jahre später als Pseudotropheus saulosi wissenschaftlich beschrieben. Die späte Entdeckung der Fische erklärt sich dadurch, dass sie ein abgelegenes, isoliertes und extrem kleines Verbreitungsgebiet haben. Der chinesische Ichthyologe Li und Mitarbeiter (2016) überführten die Art später in die von ihnen neu aufgestellte Gattung Chindongo, die gegenwärtig elf beschriebene und etwa zwanzig noch unbeschriebene Arten enthält.

Der Import von Schnecken beschränkt sich heutzutage weitgehend auf kommerziell bewährte Arten. Aus Afrika wurden kürzlich jedoch zwei auffällige, wenig bekannte Vertreter der Gattung Potadoma eingeführt. Ihre Pflege hat sich als unkompliziert herausgestellt, und die Vergesellschaftung mit Fischen gelingt ebenfalls – die Nachzucht bleibt aber rätselhaft. | von Sebastian Wolf

Dicklippenschnecken der Familie Pachychilidae kennen die meisten Aquarianer in Form der sehr beliebten Tylomelania- und der nicht ganz so bekannten Brotia-Arten. Ansonsten herrscht in dieser Beziehung seit jeher aquaristische Flaute, dabei hat diese Schneckenfamilie noch so viel mehr zu bieten.
Die beiden letztes Jahr eingeführten Arten aus der Gattung Potadoma Swainson, 1840 stammen aus Afrika, laut Händler aus Westafrika – das ist schon recht ungewöhnlich. Potadoma freethi (Gray, 1831) ist laut anderen Quellen auch noch in Zentralafrika verbreitet und ein Fließgewässerbewohner; von dieser Art sind mehrere Unterarten formal beschrieben. Potadoma moerchi (Reeve, 1859) stammt ebenfalls aus Westafrika und bewohnt beschattete, schnell strömende Fließgewässer.

Schon zweimal durfte unser Autor für jeweils drei Wochen Französisch-Guayana bereisen und nach Aquarienfischen suchen. Da er über die meisten Buntbarsche von dort schon an anderer Stelle ausführlich berichtet hat, stellt er diesmal ein paar „Nicht-Cichliden“ vor, die ihm unter und über Wasser begegnet sind. | von Uwe Werner

Das kleine, im äußersten Norden Südamerikas gelegene Französisch-Guayana ist ein französisches Département, gehört also zur Europäischen Union. Um dorthin zu fliegen, benötigt man zwar einen Pass, kann vor Ort aber mit Euro zahlen und – zumindest in der Hauptstadt Cayenne – mit der Bankkarte Geld am Automaten im Supermarkt ziehen. Außerdem dürfen Aquarianer (wie lange noch?) ein paar selbst gefangene Fische mitnehmen, wenn sie diese zuvor beim zuständigen Landwirtschaftsamt in Cayenne dem Veterinär gezeigt haben.

Der Name lässt aufhorchen: Goldene Fische sollen es sein (lat. aurum = Gold), die Arten der Gattung Oreichthys. Trifft man die Hochflossenbarbe im Verkaufsbecken an, mag das zuerst völlig danebengegriffen erscheinen. Einmal eingewöhnt, blüht sie aber tatsächlich regelrecht auf und weiß auch sonst zu begeistern. | von Sebastian Wolf

Ich gebe es zu, manchmal bin ich schon etwas neidisch auf die lichttechnisch hervorragend in Szene gesetzten Aquarien im Zoofachhandel. Von allen Seiten leuchtet es einem farbenfroh entgegen. Das spricht die Sinne (und den Kaufwillen) an. Es gibt aber Arten, die lassen sich partout nicht dazu bringen, sich von ihrer schönsten Seite zu zeigen. Kommt dann noch eine gewisse Scheu dazu, ist man der perfekten Formel für graue Mäuse unter Wasser schon ganz nahe. Auf die Hochflossenbarbe Oreichthys cosuatis trifft das sicher zu, doch tut man ihr Unrecht, denn mit ihr holt man sich alles, aber keinen Braungrau-Fisch ins Haus. Wobei aber gilt: Gut Ding will Weile haben …

Üppig beflosst und mit einem Hauch Buntbarsch- oder Labyrinthfisch-Attitüde zeigen sich die Männchen dieser Kleinbarbe aus Westbengalen. Und die Vermehrung ist gut machbar, wenn man die Haltungsbedingungen etwas variiert. | von Sebastian Wolf

Vielleicht kennen Sie das ja auch, liebe Leser – man holt sich Fische ins Haus, die man eigentlich gar nicht „vorhatte“, und am Ende möchte man sie nicht mehr missen, weil man mit spannenden Beobachtungen, einem sympathischen Verhalten und guten Vermehrungserfolgen bereichert wird. Mit der Hochflossenbarbe ist es mir genau so ergangen, und heute gehört sie zu meinen Lieblingsarten. Sie ist im Aussehen einzigartig unter den kleinen Karpfenfischen, und sie wurde auch noch von Stammautor Frank Schäfer wissenschaftlich beschrieben (seinen Expeditionsbericht finden sie ebenfalls in dieser Ausgabe). Gründe genug, der Art einmal ein Titelthema zu widmen, denn auch wer mit Kleinbarben ansonsten weniger anfangen kann, findet vielleicht Gefallen an den „Segelflossen“ mit dem etwas mürrischen Gesichtsausdruck.