Im ersten Teil dieses Beitrags (DATZ 11/2018) ging es um Merkmale, Verbreitung, Habitate und Lebensweise von Günthers Prachtbuntbarsch. Hier folgen Informationen über Balz, Fortpflanzung und Brutpflege dieses außergewöhnlichen westafrikanischen Cichliden. | von Uwe Werner

Dieser ovophile Maulbrüter, der kaum mehr als 15 Zentimeter Gesamtlänge erreicht, zeigt ein besonderes Fortpflanzungsverhalten: Nicht die Mutter, sondern der Vater kümmert sich um den Nachwuchs.

Ganzjährig paarungsbereit
Auch zur Fortpflanzung von C. gun­theri, zu Geschlechtsreife, Laichzeit und Produktivität liegen interessante Untersuchungen aus den Küstenflüssen Ehania, Eholié, Noé und Soumié der südöstlichen Elfenbeinküste vor (Boussou et al. 2010). In den genannten Flüssen wurden die Brutpflege­­­aktivitäten von Juli 2003 bis März 2005 dokumentiert und ausgewertet.
Es stellte sich heraus, dass die Art auf keinen Fortpflanzungszeitraum festgelegt ist, sondern das ganze Jahr hindurch immer wieder, nahezu ohne zeitliche Präferenzen, laicht. In den Monaten August und September ließ sich allerdings ein leichter Anstieg der Reproduktionshäufigkeit beobachten.
Interessant ist, dass Männchen die Geschlechtsreife schon mit einer Standardlänge (SL, ohne Schwanzflosse) von 85,5 Millimetern erreichen, Weibchen hingegen erst mit etwas mehr als 100 Millimetern. Das war in allen ­untersuchten Flüssen zu beobachten und mag erklären, dass auch Paare laichen, deren Weibchen größer sind als die Männchen. Im Übrigen war die Zahl der festgestellten Männchen – außer im Soumié, wo das Geschlechterverhältnis genau 1:1 betrug – immer höher als die der Weibchen.
Erstaunlich sind auch die festgestellten Eizahlen, die von einem Minimum von 70 bis zu einem Maximum von 470 (!) reichten.

In Zeiten, in denen die Strom- und Wasserkosten immer weiter steigen, betreiben viele Liebhaber eher sparsame, kleinere Aquarien, sodass die dazu passenden Fische höchst gefragt sind. Auch die sehr artenreiche Gruppe der Panzerwelse bietet einige Zwergformen, die sich großer Popularität erfreuen. Unser Autor liefert eine Übersicht über die kleiner bleibenden Panzerwelse und schildert ihre Lebensweisen und Pflegeansprüche. | von Ingo Seidel

Ein Team aus britischen und brasilianischen Ichthyologen veröffentlichte 2011 eine Publikation über die Verwandtschaftsverhältnisse der Unterfamilie Corydoradinae der Familie der Panzer- und Schwielen­welse (Callichthyidae) (Alexandrou et al. 2011). Die Wissenschaftler untersuchten die Phylogenie dieser Fischgruppe erstmalig auf molekularer ­Ebene und verglichen dabei gleich zwei verschiedene Gene an sage und schreibe 435 Taxa!
Das Ergebnis war eine Aufteilung dieser überaus artenreichen Unterfamilie in neun verschiedene Abstammungslinien, die in Zukunft voraussichtlich Gattungsrang haben werden.
Den uns allen bekannten Namen Corydoras werden bald wohl nur noch die Angehörigen der Abstammungs­linie 1 tragen, zu denen die Typusart der Gattung, C. geoffroy, zählt. Dabei handelt es sich um die großen, lang­gestreckten und sattelschnäuzigen Panzerwelse.

Früher bezeichnete man das zeitweise gesteigerte Interesse an bestimmten Fischen als ­„Modeerscheinung“. Manche empfanden das Wort „Mode“ im Zusammenhang mit lebenden Tieren jedoch als deplatziert und verwendeten lieber die Bezeichnung „Trend“. Zurzeit ist das Aquascaping ein Trend, davor waren es die Mini-Aquarien und davor wiederum diverse kleine Krebse. Vor 35 Jahren kamen die Buntbarsche der ostafrikanischen Grabenseen „ganz groß in Mode“, und irgendwann gab es auch eine „Harnischwels-Masche“ … | von Ernst Sosna

Jenes „Wels-Fieber“ brachte eine Flut aquaristisch neuer Arten aus Südamerika zu uns. Auch Jahre danach ist man immer noch damit beschäftigt, neu importierte Welse zuzuordnen und zu benennen. Dabei behilft man sich bekanntermaßen mit der Vergabe von „L-Nummern“, um eine eindeutige Handelsbezeichnung zu haben. Über 500 vergab die DATZ-Redaktion im Lauf der Jahre.
Auch wenn das Fieber längst nachgelassen hat ist, sind die Harnisch­welse nach wie vor fester Bestandteil des Zoohandels. Die Kleinen unter ­ihnen musste man aber schon immer gezielt suchen. Sie gelangten und gelangen oft nur als Beifänge zu uns, niemals häufig. Für manche Arten
flog ich selbst in die Herkunftsländer, um sie dort zu fangen.

Die mit fast 900 beschriebenen Taxa überwältigend formenreiche Familie der Harnischwelse (Loricariidae) umfasst Arten von über einem Meter Totallänge, aber auch Spezies, die nur drei bis vier Zentimeter lang werden. Natürlich sind heute gerade die Zwerge beliebter denn je, obwohl nicht alle unbedingt einfach zu pflegen sind. | von Ingo Seidel

Hier geht es in erster Linie darum, vor allem solche Arten zu porträtieren und zu empfehlen, die sich gut für eine Pflege im Aquarium eignen. Ich stelle jedoch auch einige hübsche, aber anspruchsvollere kleine Harnischwelse vor, deren Haltung eher dem fortgeschrittenen Aquarianer vorbehalten bleiben sollte.
Doch welche Loricariiden sind denn überhaupt als klein zu bezeichnen? Wenn man bedenkt, dass viele Arten beeindruckend stattliche Totallängen (TL) erreichen, kann man meines Erachtens alle jene Vertreter mit Fug und Recht als „klein“ bezeichnen, die eine TL von etwa neun Zentimetern nicht überschreiten. Solche Welse ­lassen sich guten Gewissens bereits
in einem 54-Liter-Standardaquarium (60 x 30 x 30 Zentimeter) unterbringen. Gegenwärtig unterteilt man die ­Familie der Harnischwelse in sieben Unterfamilien, von denen lediglich die Schilder- (Hypostominae), die Hexen- (Loricariinae) und die Ohrgittersaugwelse (Hypoptopomat­inae und Otothyrinae) aquaristisch relevante kleinere Arten enthalten.

Trotz der Fülle von über 1.000 bekannten Arten ist das Angebot an Salmlern im Handel sehr überschaubar. Zwar gibt es eine Reihe von „Standard-alten-Bekannten“, doch hat man Mühe, neue Gesichter zu entdecken. Die Pflege des hier vorgestellten Salmlers aus Brasilien ist eine spannende Sache. | von Ernst Sosna

D er Literatur ist zu entnehmen, dass die Heimat von Rachoviscus graciliceps Weitzman & Cruz, 1981 im südöstlichsten Brasilien liegt. Dort trifft man die Art in den küstennahen Flüssen im Bundesstaat Bahía an, was ihr den Handelsnamen „Bahía-Salmler“ eingebracht hat. Ihr wissenschaftliches Artattribut bedeutet „mit zierlichem Kopf“.
In ihrer Heimat bewohnen diese Fische kleine Bäche und überschattete Uferzonen größerer Flüsse. Immer handelt es sich dabei um klare, sauerstoffreiche Gewässer mit kräftiger Strömung.

Ansprüche im Aquarium
Will man die natürlichen Bedingungen im Aquarium imitieren, ist mit­hilfe einer leistungsstarken Pumpe für eine kräftige Strömung zu sorgen. Das Wasser muss nitritfrei bleiben, weshalb zu vermeiden ist, dass sich Futterreste auf dem Boden absetzen. Regelmäßige und großzügige Wasserwechsel von bis zu einem Drittel des Beckeninhalts im 14-Tages-Rhythmus begünstigen das ebenfalls.