Aus dem Rio Negro (portugiesisch und spanisch = „Schwarzer Fluss“) stammt eine Vielzahl bekannter und beliebter Aquarienfische. Organisierte Bootsreisen ermöglichen den Besuch ihrer Lebensräume. | von Wolfgang Staeck

Mit einer Länge von beinahe 2.500 Kilometern ist der Rio Negro nach dem Rio Madeira der zweitgrößte Nebenfluss des Amazonas. Sein Wasser sieht wegen des hohen Gehalts an Humin- und Fulvosäuren, die aus den sandigen, nährstoffarmen, humosen Regenwaldböden seiner Umgebung ausgewaschen werden, dunkel rotbraun, teefarben aus. Es ist zwar stark gefärbt, aber überraschend klar, da es kaum Schweb­stoffe enthält. Nach seiner Mündung in den Amazonas (berühmt als Encontro das Aguas = „Zusam­mentreffen der Wässer“) ist sein Schwarzwasser vom trüben Weißwasser des Amazonas noch bis zu 30 Kilometer flussabwärts deutlich optisch
zu unterscheiden.

Als sich Afrika und Südamerika von Gondwanaland trennten, entstanden dies- und jenseits des Atlantiks eigene Arten, die auf gemeinsame Vorfahren zurückgehen. Manche von ihnen ähneln sich bis heute, so auch die räuberischen „Vielstachler“. | von Uwe Werner

Das Beobachten räuberisch lebender Fische, ob klein oder groß, fand ich schon immer spannend. Der Beutefang von Verfolgungsjägern geht blitzschnell vor sich. Das Zuschnappen von Lauerräubern hingegen, die irgendwo in einem Versteck warten, sich unbemerkt anpirschen oder auch Tarnstrategien nutzen, um schließlich überfallartig zuzustoßen, übt auf mich eine noch größere Faszination aus.

Südamerikanischer Vielstachler
Schon als Schüler pflegte ich Poly­centrus schomburgkii Müller & Troschel, 1849, den einzigen Vertreter seiner Gattung (das Artattribut ist ein Widmungsname und ehrt den preußischen Südamerikareisenden und Naturforscher Robert Schomburgk). Der Gattungsname bedeutet „mit vielen Stacheln“; P. schomburgkii besitzt 16 oder mehr Hartstrahlen in der Rücken- und 13 in der Afterflosse.

Ausführliche Informationen über die Eigenschaften und die Entstehung von Schwarzwasser sowie Möglichkeiten, es selbst herzustellen, sind ausreichend in der Literatur beschrieben, die DATZ brachte dazu sogar ein Titelthema (Heft 2/2014). Doch wie wirken sich die für Schwarzwasser typischen Eigenschaften (Ionen- und Keimarmut, niedriger pH-Wert, hohe Huminstoff­konzentration) ganz konkret auf ­Apistogramma elizabethae aus? | von Roland Schreiber

Abgesehen von der Farbe des Wassers, die Forscher bereits Mitte des 16. Jahrhunderts als „so schwarz wie Tinte“ beschrieben, sind die wasserchemischen Bedingungen im Rio Negro – und vor allem in seinen Nebengewässern – im Vergleich zu denen in unseren Aquarien als extrem zu bezeichnen.
Der Organismus eines Fisches ist in vielfältiger Hinsicht auf seine direkte Umgebung angewiesen. Fische nehmen über die Kiemen und teilweise über die Körperoberfläche Wasser auf, entziehen ihm Sauerstoff und scheiden die Endprodukte ihres Stickstoff-Stoffwechsels (etwa Harn) wieder aus. Bei diesen Vorgängen kommt es zu ­einem deutlichen Verlust an lebenswichtigen Natrium- (Na+) und Chlorid- (Cl-) Ionen. Der daraus entstehende Mangel kann bei kleineren Tieren, die ein ungünstiges Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpervolumen aufweisen, nur teilweise, etwa über die Kiemen oder durch die Nahrungsaufnahme, kompensiert werden.

Über das „Kuckucks-Verhalten“ eines kleinen Fiederbartwelses aus dem Tanganjikasee wurde schon häufiger berichtet. Allerdings ist diese Fortpflanzungsweise sicher nicht obligatorisch und auch nicht an eine bestimmte Wirtsart gebunden. | von Andreas Spreinat

I n den Ausgaben Juni und Juli 2018 der Zeitschrift der Deutschen Cichliden-Gesellschaft (DCG) berichtete ich ausführlich über die Haltung meiner aus 13 Männchen und zwölf Weibchen bestehenden Astato­tilapia-burtoni-Schar (Spreinat 2018). Diese Gruppe teilte sich von Ende Dezember 2016 bis zum Frühjahr 2018 ein 270-Liter-Aquarium mit sechs Kuckuckswelsen aus dem Tanganjikasee. Dann waren die Bur­toni-Männchen zu groß für das Becken, und ich verteilte die Fische auf mehrere geräumigere Aquarien.
Bei den Welsen handelt es sich nach aktuellem Stand der Kenntnisse um Synodontis grandiops (Wright & Page 2006; Schraml 2014). Anfangs wurde der als Kuckuckswels bekannt gewordene Fiederbartwels unter der Bezeichnung S. multipunctatus geführt, was sich aber als offensichtlich falsch herausstellte. Allein die unterschiedlichen Größen weisen darauf hin: Das einzige Typusexemplar von S. multipunctatus ist mit Schwanzflosse über 25 Zentimeter lang, was im ­Gegensatz zu der Beobachtung steht, dass Vertreter der als Kuckuckswels gepflegten Art auch nach jahrzehntelanger Pflege in Becken jenseits der 1.000-Liter-Marke bei gleichzeitig reichlicher Fütterung nach meiner Erfahrung maximal 13 bis 14 Zentimeter Gesamtlänge erreichen.

Spricht jemand von „Krebsen“, kann er alle „Höheren Krebse“ (Malacostraca) meinen oder aber auch nur – umgangssprachlich – die Überfamilie der Flusskrebse (Astacoidea), aus der seit einigen Jahren aus verschiedenen Teilen der Welt für die Aquarienhaltung interessante Vertreter importiert werden. Allein um diese Krebse soll es hier gehen. | von Uwe Werner

Die Flusskrebse gehören zur Ordnung der Zehnfußkrebse (Decapoda), die man in zwei Unterordnungen aufteilt. Zu den schwimmenden Krebsen (Natantia) gehören garnelenartige Formen mit vergleichsweise dünnem Panzer. Zu den laufenden oder kriechenden ­Krebsen (Reptantia), die sich sich in erster Linie auf dem Boden fortbewegen und durch vergleichsweise dicke Panzer charakterisiert sind, werden meist vier Gruppen gezählt:
• Die Langustenartigen (Palinura) ­leben ausschließlich in den Meeren. Sie besitzen keine großen Scheren, aber vergrößerte Greifantennen. Die meisten Arten sind ausgesprochen wohlschmeckend. Für die Pflege im Süßwasseraquarium sind sie natürlich nicht geeignet.