In DATZ 11/2017 wurde der wunderschöne „Sechsstreifen-Salmler“ zusammen mit weiteren Neuimporten vorgestellt, damals noch ohne Nachzuchtmeldung. Nun haben unsere Autoren ihre Chance genutzt. | von Peter und Martin Hoffmann

Ursprünglich dachten wir, es handele sich um Moenkhausia agnesae, zumal die Tiere unter diesem Namen verkauft wurden. Sie wurde in der Vergangenheit auch von anderen Autoren und Salmler-Experten irrtümlich für diese Art beziehungsweise eine ihrer Standortvarianten gehalten.
Bei den hier vorgestellten Salmlern handelt es sich jedoch definitiv um Vertreter der Spezies Hyphessobrycon hexastichos Bertaco & Carvalho, 2005 (das Artattribut legt die deutsche Bezeichnung „Sechsstreifen-Salmler“ nahe). Die Wildfangtiere erwiesen sich in der Haltung als nicht ganz ­unproblematisch (siehe unten), meist eine Folge nicht optimaler Wasserverhältnisse.

Letzter Versuch
Von den fünf im November 2016 erworbenen Exemplaren, die nach jetziger Kenntnis mit einer Gesamtlänge von 53 bis 55 Millimetern in beiden Geschlechtern ausgewachsen sind, blieben bis Oktober 2017 nur zwei übrig.
Als in einem unserer Gesellschaftszuchtbecken (GZB, siehe Hoffmann & Hoffmann 2008) die abgesetzten Wildfänge von Hemigrammus coeruleus wieder einmal nicht laichen wollten, sollten sie Gesellschaft bekommen.

In den hintersten Winkeln der Verkaufsbecken fristen sie meist ein abgeschiedenes Dasein als graue und unscheinbare Ladenhüter. In Schulen und Kindertagesstätten sind sie dagegen die Stars. Was macht Zebrabuntbarsche so attraktiv für Jugendliche, Lehrerinnen und Lehrer? | von Hans-Peter Ziemek

Die ersten Zebrabuntbarsche wurden 1934 von einem Hamburger Händler nach Europa importiert. In den relativ kleinen Aquarien der damaligen Zeit fiel das streitbare Verhalten der Fische be­sonders auf. Die hohe innerartlicher Aggressivität der Tiere verhalf ihnen leider schnell zu einem schlechten Ruf. Zwar ließen sie sich einfach nachzüchten und zeigten auch ein hochkomplexes Verhalten bei der Fortpflanzung, doch für kleine Gesellschaftsbecken waren sie denkbar ungeeignet.
In „Knaurs Aquarien- und Terrarienbuch“ (1961) zählt Dieter Vogt diese Buntbarsche zumindest zu den harmloseren Arten. Aber ein harmonierendes Paar ist gnadenlos effektiv bei der Bewachung seiner Jungtiere, und so bekommt man bei einer Suchanfrage zu dieser Fischart bei Google schon in den ersten Treffern Beschimpfungen wie „Saubande“ oder „Miststück“ zu lesen.
Bis heute hat sich dieses üble Ansehen gehalten. Es gilt laut Literatur insbesondere für die weiße Farbform, die unter Handelsnamen wie „King Kong“ oder „Conga“ (offenbar nach ­einer Einheimischenbenennung, siehe Seite 16) vermarktet wurde. Heute findet man diese Tiere kaum noch im Handel. Wir halten die Form seit fast 15 Jahren im Buntbarschlabor der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen und können im Verhalten keine Un­terschiede zu normal gefärbten Exemplaren feststellen.
Da sich kaum ein Aquarianer systematisch mit der Haltung der unterschiedlichen Arten und Formen der Gattung Amatitlania beschäftigt, gibt es im Zoohandel meist den Typus „Mischmasch-Zebra“ zu kaufen. Große, bullige Männchen und Weibchen mit sehr intensiver Streifenzeichnung prägen das Bild.
Fundortbezogene Aquarienstämme sind dagegen selten. Aber zum Glück konnten sich schleierflossige oder marmorierte Varianten in Europa nicht durchsetzen …

In mittelamerikanischen Gewässern gibt es leider keine richtig kleinen Buntbarsche, die man – wie die Vertreter der Gattungen Apistogramma, Dicrossus oder Mikrogeophagus in Südamerika – als „Zwergcichliden“ bezeichnen könnte. Zu den kleinsten Arten auf der Landbrücke gehören die Angehörigen der Genera Amatitlania und Cryptoheros, um die es hier geht. | von Uwe Werner

Seit Rican et al. (2016) ist die ­Gattung Cryptoheros Allgayer, 2001 klein geworden, besteht sie doch nur noch aus der Typusart – das ist C. spilurus (Günther, 1862) – sowie den beiden Spezies C. cutteri (Fowler, 1932) und C. chetumalensis Schmitter-Soto, 2007. Weitere Taxa, die man früher dazurechnete, wurden von den oben genannten Bearbeitern in die Gattung Amatitlania gestellt (Seite 16).
Bei den Cryptoheros-Arten sensu Rican et al. (2016) handelt es sich um Buntbarsche, deren Standardlänge (ohne Schwanzflosse) weniger als 100 Millimeter beträgt. Das Maul dieser Detritus-Fresser ist klein, kurz und breit, der Unterkiefer kann geringfügig kürzer sein als der Oberkiefer. Die Kieferzähne sind klein, spitz und konisch, in der zweiten und dritten Reihe aber etwas vergrößert und abgeflacht. Eine solche Maulstruktur weisen nur noch die Amatitlania- und die Hypsophrys-Arten auf.
Die Flossen haben hohe Zählwerte (Afterflosse mit sieben bis neun, Rückenflosse gar mit 17 bis 19 Hartstrahlen). Der Körper ist seitlich zusammengedrückt, hochrückig und endet in einer kurzen Schwanzwurzel. Er weist einen Seitenfleck und Vertikalstreifen auf, und zwar hinter dem Fleck eine Vertikalbinde mehr als bei (allen?) Amatitlania-Spezies. Die Autoren sehen dieses Zeichnungsmuster als ein vom Amatitlania-Muster abgeleitetes an.

Die Gattung Amatitlania sensu Rican et al. (2016) umfasst die „Zebra“-, „Sträflings“- oder „Grünflossen-Buntbarsche“ und fünf weitere Cichliden, die Schmitter-Soto (2007) in seine Untergattung Bussingius (Genus Cryptoheros) gestellt hatte. | von Uwe Werner

Der leider schon verstorbene Ichthyologe William A. Bussing verbrachte einen wesentlichen Teil seines Lebens in Costa Rica und widmete sich insbesondere der Erforschung der Fischfauna, wofür Schmitter-Soto ihn mit dem Untergattungsnamen Bussingius ehrte. Die darunter zusammengefassten Arten sind nämlich alle in Costa Rica und im angrenzenden Panama beheimatet; eine wurde von Bussing selbst ­beschrieben, eine zweite trägt den ­Namen seiner Frau.
Bei Amatitlania septemfasciata, A. myrnae, A. nanolutea, A. altoflava und A. sajica handelt es sich um farben­frohe Cichliden, die mit zu den kleinsten Buntbarschen Mittelamerikas zählen. Sie stellen keine große Platzansprüche, gelten als sehr anpassungsfähig und lassen sich ohne besonderen Aufwand pflegen. Da sie sich obendrein willig fortpflanzen, kann man sie auch Aquarianern ohne viel Erfahrung empfehlen.
Seit Rican et al. (2016) sind diese Arten in der Gattung Amatitlania untergebracht. Typusart dieses Genus ist A. ni­grofasciata (Günther, 1867), woraus sich ergibt, dass dieser Gattung nun zwei Formenkreise zuzu­ordnen sind: zum einen die Amatit­lania-Spezies sensu Schmitter-Soto (2007), die wegen ihrer Streifenzeichnung auch als „Zebra“- oder (im englischsprachigen Raum) als „Sträflingscichliden“ („convict cichlids“) bezeichnet werden – ein älterer deutscher Populärname lautet „Grünflossenbuntbarsch“ – (siehe Seite 16), und zum anderen Schmitter-Sotos Vertreter der Gattung Cryptoheros (Untergattung Bussingius).

Als Schmitter-Soto (2007) die Gattung Archocentrus revidierte, stellte er auch das Genus ­Amatitlania auf und wählte als Typusart Heros nigrofasciatus Günther, 1867 aus dem Amatitlán-See (Guatemala). Als weitere Spezies beschrieb er A. coatepeque, A. kanna und A. siquia. Wir kennen diese Fische als Grünflossen- oder – wegen ihres markanten Streifenkleides – als Zebra- oder Sträflingsbuntbarsche. | von Uwe Werner

Die Revision von Schmitter-Soto betrifft aber nicht nur die oben genannten Buntbarsche, sondern sie behandelt auf immerhin 76 Druckseiten alle Taxa, die jemals der Gattung Archocentrus zugeordnet wurden. Die Publikation enthält zwei Gattungs- und sechs Artbeschreibungen, auf die ich in den DCG-Informa­tionen bereits ausführlich einging (Werner 2008).
Doch die Zeit bleibt nicht stehen. Rican et al. (2016) greifen in ihrer Arbeit Schmitter-Sotos Gattung Amatitlania nicht nur auf, sondern fassen sie deutlich weiter, indem sie auch ehemalige Cryptoheros-Arten hierher stellen; sie heißen nun A. altoflava,
A. myrnae, A. nanolutea, A. sajica und A. septemfasciata (siehe Seite 21).
Zurück zu den Zebrabuntbarschen. Seit Beginn der 1980er-Jahre wurden sie als unterschiedliche Lokalformen von „Cichlasoma“ nigrofasciatum angesehen, während sie heute als eigenständige Arten beschrieben sind. Und die sollten wir erkennen und benennen können, schon um Bastardierungen zu vermeiden. Doch ihre Unterscheidung fällt nicht leicht, vor allem wenn man nicht weiß, auf welche ­Details man achten muss.
In ihrer Heimat tragen diese Buntbarsche übrigens unterschiedliche ­Bezeichnungen. Je nach Art und Herkunft nennt man sie „Serica“, „Achiba“, „Chamarra“, „Chincoyo“, „Conga“ und „Mojarra“ („Buntbarsch“). Ein weiterer volkstümlicher Name soll „Burró“ („Esel“) lauten.