Einiges über die Arten der Gattung Badis, die „Blaubarsche“, die oft rotbraun aussehen … | von Uwe Manzke

Die ersten Blaubarsche (Badis badis) wurden bereits 1904 von Hans Stüve (Hamburg) nach Deutschland eingeführt (Bade 1905; Stüve 1905; Stansch 1914). Ihre Heimat wurde mit „Indien und Vorder­indien“ angegeben.
Schon in den ersten Berichten wurde auf die stimmungsabhängige und außerordentlich vielseitige Färbung und die damit verbundenen Farbwechsel dieses „neuen Nander-Barsches“  hingewiesen. Daher erhielt er auch den Namen „Chamäleonfisch“. Seine andere Bezeichnung – „Topfgucker“ – bekam er, weil die Männchen gern einen in das Aquarium gestellten Blumentopf besetzen und aus dem ­herausgeschlagenen Boden gucken.
Badis badis wurde bereits 1822 von Hamilton als Labrus badis beschrieben. Jüngere Synonyme sind Labrus fasciatus (Cichla fasciata) Swainson, 1839 und Badis buchanani Bleeker, 1854.
Gleichfalls von Hamilton und auch aus dem Jahr 1822 stammt die ­Beschreibung eines zweiten „Badis“: Labrus dario (heute Dario dario).
Ungefähr 100 Jahre nach der Beschreibung von B. badis wurde das dritte Badis-Taxon durch Schreitmüller als Unterart beschrieben: Badis badis ruber („Roter Badis“). Dieser Blaubarsch wurde 1936 von Ahl mit Bezug auf sein Vorkommensgebiet – Birma (= Myanmar, Burma) – als B. badis burmanicus bezeichnet.
Kurz darauf (1937) beschrieb gleichfalls Ahl den „Assam-Blaubarsch“ (B. badis assamensis).
Ende der 1950er-Jahre folgte der thailändische oder „Siam-Blaubarsch“ (B. badis siamensis Klausewitz, 1957).
Bis in die 1960er-Jahre waren damit fünf verschiedene Badis-Arten re­spektive Unterarten bekannt, wobei nur eine Spezies regelmäßig in den Aquariengeschäften angeboten wurde, der Blaubarsch (B. badis). Der „Rote Badis“ (B. ruber mit dem Syn­onym B. burmanicus) gelangte ab den 1960er-Jahren immer wieder einmal nach Deutschland. Badis siamensis hingegen wurde nur äußerst selten oder gar nicht in den Zoogeschäften angeboten.

Der hier vorgestellte Harnischwels ist aquaristisch bislang weitgehend unbekannt. Vermutlich wurde er von meinen Reisebegleitern und mir sogar erstmals eingeführt. Mol (2012) bildet die Art ab und bezeichnet sie als Ancistrus sp. „Reticulate“ – ein passender Name, der auf die Wurmlinienzeichnung des Kopfes und das Netzmuster des Körpers hinweist. Da es weitere Ancistrus-Arten mit ähnlichem Aussehen gibt, erhält die Art hier die L-Nummer 503. | von Karsten Schönherrann

Der Antennenwels Ancistrus sp. (L 503) kommt laut Mol (2012) im Mindrineti-Fluss im Saramacca-Einzug und im oberen Commewijne (Surinam) vor. Wir fanden die Art auch im Cottica, einem Zufluss des unteren Commewijne. In einem kleinen Cottica-Nebenfluss fünf Kilometer südlich des Städtchens Moengo kescherten wir 2014 zunächst nur ein einzelnes juveniles Männchen. Die hier abgebildeten adulten Exemplare stammen aus dem Oberlauf des Cottica; wir fingen sie im Oktober 2016 etwa 20 Kilometer südlich von Moengo und östlich der kleinen Siedlung Java.
Der Fluss führt zur Trockenzeit relativ wenig Wasser, es wechseln sich Abschnitte mit kaum feststellbarer und wenige Zentimeter tiefe Abschnitte mit mäßiger Strömung über grobem Kiesboden ab. An unserem Fundort gab es einiges an Totholz im Flussbett; insbesondere unter den Holzstämmen und Ästen fanden wir die Antennenwelse in allen Größen. Offenbar ist ihre Fortpflanzung nicht an eine bestimmte Jahreszeit gebunden.
Ancistrus sp. (L 503) kommt zusammen mit den Welsen Corydoras aeneus „Surinam“, C. punctatus, Trachelyopterus galeatus, Chasmocranus longior, Pimelodella cristata und He­logenes marmoratus vor. An weiteren Fischen fingen wir in tieferem Wasser unter anderem Blattfische (Polycentrus schomburgkii), Ziersalmler (Nannostomus beckfordi) und viele andere kleine Salmler.

In DATZ 11/2017 wurde der wunderschöne „Sechsstreifen-Salmler“ zusammen mit weiteren Neuimporten vorgestellt, damals noch ohne Nachzuchtmeldung. Nun haben unsere Autoren ihre Chance genutzt. | von Peter und Martin Hoffmann

Ursprünglich dachten wir, es handele sich um Moenkhausia agnesae, zumal die Tiere unter diesem Namen verkauft wurden. Sie wurde in der Vergangenheit auch von anderen Autoren und Salmler-Experten irrtümlich für diese Art beziehungsweise eine ihrer Standortvarianten gehalten.
Bei den hier vorgestellten Salmlern handelt es sich jedoch definitiv um Vertreter der Spezies Hyphessobrycon hexastichos Bertaco & Carvalho, 2005 (das Artattribut legt die deutsche Bezeichnung „Sechsstreifen-Salmler“ nahe). Die Wildfangtiere erwiesen sich in der Haltung als nicht ganz ­unproblematisch (siehe unten), meist eine Folge nicht optimaler Wasserverhältnisse.

Letzter Versuch
Von den fünf im November 2016 erworbenen Exemplaren, die nach jetziger Kenntnis mit einer Gesamtlänge von 53 bis 55 Millimetern in beiden Geschlechtern ausgewachsen sind, blieben bis Oktober 2017 nur zwei übrig.
Als in einem unserer Gesellschaftszuchtbecken (GZB, siehe Hoffmann & Hoffmann 2008) die abgesetzten Wildfänge von Hemigrammus coeruleus wieder einmal nicht laichen wollten, sollten sie Gesellschaft bekommen.

In den hintersten Winkeln der Verkaufsbecken fristen sie meist ein abgeschiedenes Dasein als graue und unscheinbare Ladenhüter. In Schulen und Kindertagesstätten sind sie dagegen die Stars. Was macht Zebrabuntbarsche so attraktiv für Jugendliche, Lehrerinnen und Lehrer? | von Hans-Peter Ziemek

Die ersten Zebrabuntbarsche wurden 1934 von einem Hamburger Händler nach Europa importiert. In den relativ kleinen Aquarien der damaligen Zeit fiel das streitbare Verhalten der Fische be­sonders auf. Die hohe innerartlicher Aggressivität der Tiere verhalf ihnen leider schnell zu einem schlechten Ruf. Zwar ließen sie sich einfach nachzüchten und zeigten auch ein hochkomplexes Verhalten bei der Fortpflanzung, doch für kleine Gesellschaftsbecken waren sie denkbar ungeeignet.
In „Knaurs Aquarien- und Terrarienbuch“ (1961) zählt Dieter Vogt diese Buntbarsche zumindest zu den harmloseren Arten. Aber ein harmonierendes Paar ist gnadenlos effektiv bei der Bewachung seiner Jungtiere, und so bekommt man bei einer Suchanfrage zu dieser Fischart bei Google schon in den ersten Treffern Beschimpfungen wie „Saubande“ oder „Miststück“ zu lesen.
Bis heute hat sich dieses üble Ansehen gehalten. Es gilt laut Literatur insbesondere für die weiße Farbform, die unter Handelsnamen wie „King Kong“ oder „Conga“ (offenbar nach ­einer Einheimischenbenennung, siehe Seite 16) vermarktet wurde. Heute findet man diese Tiere kaum noch im Handel. Wir halten die Form seit fast 15 Jahren im Buntbarschlabor der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen und können im Verhalten keine Un­terschiede zu normal gefärbten Exemplaren feststellen.
Da sich kaum ein Aquarianer systematisch mit der Haltung der unterschiedlichen Arten und Formen der Gattung Amatitlania beschäftigt, gibt es im Zoohandel meist den Typus „Mischmasch-Zebra“ zu kaufen. Große, bullige Männchen und Weibchen mit sehr intensiver Streifenzeichnung prägen das Bild.
Fundortbezogene Aquarienstämme sind dagegen selten. Aber zum Glück konnten sich schleierflossige oder marmorierte Varianten in Europa nicht durchsetzen …

In mittelamerikanischen Gewässern gibt es leider keine richtig kleinen Buntbarsche, die man – wie die Vertreter der Gattungen Apistogramma, Dicrossus oder Mikrogeophagus in Südamerika – als „Zwergcichliden“ bezeichnen könnte. Zu den kleinsten Arten auf der Landbrücke gehören die Angehörigen der Genera Amatitlania und Cryptoheros, um die es hier geht. | von Uwe Werner

Seit Rican et al. (2016) ist die ­Gattung Cryptoheros Allgayer, 2001 klein geworden, besteht sie doch nur noch aus der Typusart – das ist C. spilurus (Günther, 1862) – sowie den beiden Spezies C. cutteri (Fowler, 1932) und C. chetumalensis Schmitter-Soto, 2007. Weitere Taxa, die man früher dazurechnete, wurden von den oben genannten Bearbeitern in die Gattung Amatitlania gestellt (Seite 16).
Bei den Cryptoheros-Arten sensu Rican et al. (2016) handelt es sich um Buntbarsche, deren Standardlänge (ohne Schwanzflosse) weniger als 100 Millimeter beträgt. Das Maul dieser Detritus-Fresser ist klein, kurz und breit, der Unterkiefer kann geringfügig kürzer sein als der Oberkiefer. Die Kieferzähne sind klein, spitz und konisch, in der zweiten und dritten Reihe aber etwas vergrößert und abgeflacht. Eine solche Maulstruktur weisen nur noch die Amatitlania- und die Hypsophrys-Arten auf.
Die Flossen haben hohe Zählwerte (Afterflosse mit sieben bis neun, Rückenflosse gar mit 17 bis 19 Hartstrahlen). Der Körper ist seitlich zusammengedrückt, hochrückig und endet in einer kurzen Schwanzwurzel. Er weist einen Seitenfleck und Vertikalstreifen auf, und zwar hinter dem Fleck eine Vertikalbinde mehr als bei (allen?) Amatitlania-Spezies. Die Autoren sehen dieses Zeichnungsmuster als ein vom Amatitlania-Muster abgeleitetes an.