Der erste Teil dieses Beitrags (DATZ 2/2018) war der artenreichen Kollektion von Quallen und Rippenquallen hinter den Kulissen des Aquarienhauses im Tierpark Schönbrunn gewidmet. Neben der weltweit zweitgrößten Hohltier-Kollektion schwimmen aber auch etliche „fischige“ Kostbarkeiten in den Backstage-Aquarien. | von Uwe Dost

Der Tierpark beherbergt selten gepflegte und wissenschaftlich noch namenlose Buntbarsche aus Eritrea und Garra-Arten von der arabischen Halbinsel. Außerdem hat man sich in Wien der Erhaltungszucht bedrohter Fischarten, etwa des spa­nischen Valencia-Kärpflings und der Mittelmeer-Kärpflinge der Gattung Aphanius, verschrieben. Und nicht ­zuletzt hält man mehrere Arten Eier­legender Zahnkarpfen aus Nord- und Mittelamerika, darunter Vertreter der Genera Fundulus, Cualac und Cyprin­odon, um sie durch Nachzucht für die Nachwelt zu bewahren.

Habitatverlust und Artensterben
Bei einem Blick aus dem All erscheint die Erde bekanntlich als Blauer Planet, denn zwei Drittel seiner Oberfläche sind mit Wasser bedeckt. Nur scheinbar beherbergen die Regen­wälder der Tropen mit ihren riesigen Strömen gewaltige Mengen Süßwasser. Bei genauerem Betrachten erkennt man, dass über 97 Prozent der Wasservorräte unserer Erde mehr oder weniger salzig sind.
Lediglich etwa 2,5 Prozent beträgt der Anteil der Süßwasservorkommen, von denen wiederum etwa zwei Drittel, wenn auch infolge des Klimawandels ein immer weiter schwindender Anteil, in den Eiskappen der Pole und in den Gletschern der Gebirge gebunden sind. Der Großteil des übrigen Drittels liegt als Grundwasser im Boden verborgen.

Die Entdeckung einer wissenschaftlich neuen Fischart im Mittelmeer ist immer eine kleine Sensation – vor allem, wenn es sich um eine häufige Spezies handelt. | Von Robert A. Patzner

Die meisten interessierten Taucher, Schnorchler und Aquarianer wissen, dass es im Mittelmeer eine Grundelart gibt, die in Gemeinschaft mit Seeanemonen lebt, ähnlich wie die tropischen Clownfische.
Diese Anemonengrundel ist gegen das starke Nesselgift der Wachs­rose (Anemonia viridis) geschützt und kann sich deshalb in der Nähe ihrer Ten­takel aufhalten. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine echte Sym­biose (Mutualismus) wie bei den Anemonenfischen, da die Seeanemone durch die Grundel keinen erkennbaren Vorteil hat.

Fische leben bekanntlich im Wasser. Was aber tun, wenn der Lebensraum zeitweise vollkommen austrocknet? Die Vertreter der afrikanischen Gattung Nothobranchius haben dazu eine spannende Strategie entwickelt. | Von Ernst Sosna

Der Killifisch Nothobranchius korthausae hat seine natürliche Verbreitung auf der Insel Mafia, die, im Indischen Ozean ge­legen, zu Tansania gehört und dem Sansibar-Archipel zugerechnnet wird. Edith Korthaus brachte diese Fische erstmals nach Deutschland. 1973 beschrieb Hermann Meinken die Art und benannte sie zu Ehren der dama­ligen Redakteurin der Zeitschrift „Das Aquarium“.
Korthaus hatte in den Sumpf­­ge­bieten Mafias eine bräunliche Farbform dieses Killifisches gefangen. Später fanden andere Aquarianer dort auch noch eine farblich attraktivere, rötliche Variante.
An Korthaus’ Fundorten betrugen die Wassertemperaturen 27 bis 31 °C, und die pH-Werte schwankten zwischen pH 5,8 und 6,4.
Nothobranchius palmqvisti bewohnt den Südosten Kenias und den angrenzenden Nordosten Tansanias. Die Art wurde erstmals durch schwedische Zoologen von einer Forschungsreise in den Jahren 1905 und 1906 unter der Leitung von Yngve ­Sjö­stedt von der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften nach Europa gebracht. Der Ichthyo­loge Lönnberg beschrieb die Art 1907 und benannte sie nach einem schwedischen Aquarianer.
Die Anspruchslosigkeit und einfache Nachzüchtbarkeit machen diese Zahnkarpfen selbst für Einsteiger in die Killifisch-Aquaristik interessant. Mit ihrer hohen Zahl von Eiern, in der Regel zwischen 50 und 100, gestaltet sich ihr Erhalt für den Liebhaber als ziemlich einfach.

Erfreulicherweise nimmt das Interesse an der Gattung Aspidoras allmählich zu, wenn auch nur in bestimmten Kreisen. Die Schmerlenpanzerwelse haben das verdient, zumal die Pflege der meisten Arten ganz einfach ist. | Von Erik Schiller

Aquarienbeobachtungen zur Pflege, zum Verhalten und zur Nachzucht von Aspidoras-Arten, den brasilianischen Schmerlenpanzerwelsen, gibt es etliche. Nur wenige Studien jedoch befassen sich mit den Bedingungen in den Habitaten dieser Fische. Drei interessante Artikel sind mir bekannt (Casatti et al. 2009; de Araujo & Garutti 2003; Teresa & Carvalho 2008). Für mich der wertvollste ist die Arbeit von de Araujo & Garutti, die eine Analyse der Fischfauna in einem Bach im Nordwesten des Bundesstaates São Paulo vornahmen; hier kurz die wichtigsten Daten aus dieser Publikation.
Ausgangspunkt der Studien war ein Nebenfluss des Rio Preto (Paraná-Einzug) in einem Ortsteil von São José do Rio Preto. Die ursprüngliche Vegetation dieser Region ist fast ausschließlich auf teils laubabwerfende Randwälder entlang den Flussufern reduziert.
Das Klima ist tropisch warm und feucht, die mittlere Jahrestemperatur liegt über 25 °C. Die kühlsten Monate mit etwa 20 °C sind Juni und Juli, die wärmsten mit 30 °C Januar und Februar. Die Wassertemperatur reichte von 15 (Winter) bis 27 °C (Sommer), die niedrigsten Werte wurden im Juli und August gemessen, die höchsten von Dezember bis März. Die meisten Niederschläge fallen von Dezember bis März, die regenarme Zeit dauert von April bis Juli. Die Leitfähigkeit war
in der Regenzeit höher als in der Trockenzeit.

Wer kleine Buntbarsche aus Westafrika pflegt und nachzüchtet, sollte auch mit ­südamerikanischen Arten zurechtkommen, dachte sich unser Autor und übernahm von einem Freund ein Pärchen Apistogramma panduro. | Von Uwe Werner

Das hier vorgestellte Paar verdanke ich Ernst Sosna, der die Tiere seinerseits gepflegt und nachgezogen hatte. Ich hatte schon mehrere Apistogramma-Arten gehalten und vermehrt, aber noch keine, die in beiden Geschlechtern so auf­fällig und prächtig gefärbt ist. Obendrein handelt es sich bei A. panduro um einen – mit nur kleinen Einschränkungen – ausgesprochen pflegeleichten Zwergbuntbarsch, sodass man keine Angst haben muss, seine Ansprüche nicht erfüllen zu können.
Panduros Zwergbuntbarsch wurde 1997 von Römer beschrieben und nach den peruanischen Exporteuren
J. V. und N. J. L. Panduro Pinedo (Vater und Sohn) benannt, die die Typenserie beschafft hatten. Die Ersteinfuhr war im Mai oder Juni 1996 durch Aquarium Glaser (Rodgau) erfolgt.
Die 20 Typusexemplare stammen aus kleinen Waldbächen östlich von Jenaro Herrera bei Kilometer 26 und
27 der Straße von Iquitos nach Nauta (Ucayali-Einzug, Bundesstaat Loreto, Peru). Im Internet sind als weitere Fundorte die Zuflüsse zum Río Tahuayo und zum Río Tamshiyacu genannt. Dieser Zwergcichlide lebt also in kleineren Urwaldflüssen, Bächen und stehenden Habitaten mit leicht saurem Wasser, das kaum Härtebildner enthält. Im Juli 2000 fischte ich an der genannten Straße bei Kilometer 22 und konnte bei 25 °C und pH 4,5 mit Tropfreagenzen weder die Karbonat- noch die Gesamthärte des gelbbraunen, sehr klaren Wassers ermitteln.