In mittelamerikanischen Gewässern gibt es leider keine richtig kleinen Buntbarsche, die man – wie die Vertreter der Gattungen Apistogramma, Dicrossus oder Mikrogeophagus in Südamerika – als „Zwergcichliden“ bezeichnen könnte. Zu den kleinsten Arten auf der Landbrücke gehören die Angehörigen der Genera Amatitlania und Cryptoheros, um die es hier geht. | von Uwe Werner

Seit Rican et al. (2016) ist die ­Gattung Cryptoheros Allgayer, 2001 klein geworden, besteht sie doch nur noch aus der Typusart – das ist C. spilurus (Günther, 1862) – sowie den beiden Spezies C. cutteri (Fowler, 1932) und C. chetumalensis Schmitter-Soto, 2007. Weitere Taxa, die man früher dazurechnete, wurden von den oben genannten Bearbeitern in die Gattung Amatitlania gestellt (Seite 16).
Bei den Cryptoheros-Arten sensu Rican et al. (2016) handelt es sich um Buntbarsche, deren Standardlänge (ohne Schwanzflosse) weniger als 100 Millimeter beträgt. Das Maul dieser Detritus-Fresser ist klein, kurz und breit, der Unterkiefer kann geringfügig kürzer sein als der Oberkiefer. Die Kieferzähne sind klein, spitz und konisch, in der zweiten und dritten Reihe aber etwas vergrößert und abgeflacht. Eine solche Maulstruktur weisen nur noch die Amatitlania- und die Hypsophrys-Arten auf.
Die Flossen haben hohe Zählwerte (Afterflosse mit sieben bis neun, Rückenflosse gar mit 17 bis 19 Hartstrahlen). Der Körper ist seitlich zusammengedrückt, hochrückig und endet in einer kurzen Schwanzwurzel. Er weist einen Seitenfleck und Vertikalstreifen auf, und zwar hinter dem Fleck eine Vertikalbinde mehr als bei (allen?) Amatitlania-Spezies. Die Autoren sehen dieses Zeichnungsmuster als ein vom Amatitlania-Muster abgeleitetes an.

Die Gattung Amatitlania sensu Rican et al. (2016) umfasst die „Zebra“-, „Sträflings“- oder „Grünflossen-Buntbarsche“ und fünf weitere Cichliden, die Schmitter-Soto (2007) in seine Untergattung Bussingius (Genus Cryptoheros) gestellt hatte. | von Uwe Werner

Der leider schon verstorbene Ichthyologe William A. Bussing verbrachte einen wesentlichen Teil seines Lebens in Costa Rica und widmete sich insbesondere der Erforschung der Fischfauna, wofür Schmitter-Soto ihn mit dem Untergattungsnamen Bussingius ehrte. Die darunter zusammengefassten Arten sind nämlich alle in Costa Rica und im angrenzenden Panama beheimatet; eine wurde von Bussing selbst ­beschrieben, eine zweite trägt den ­Namen seiner Frau.
Bei Amatitlania septemfasciata, A. myrnae, A. nanolutea, A. altoflava und A. sajica handelt es sich um farben­frohe Cichliden, die mit zu den kleinsten Buntbarschen Mittelamerikas zählen. Sie stellen keine große Platzansprüche, gelten als sehr anpassungsfähig und lassen sich ohne besonderen Aufwand pflegen. Da sie sich obendrein willig fortpflanzen, kann man sie auch Aquarianern ohne viel Erfahrung empfehlen.
Seit Rican et al. (2016) sind diese Arten in der Gattung Amatitlania untergebracht. Typusart dieses Genus ist A. ni­grofasciata (Günther, 1867), woraus sich ergibt, dass dieser Gattung nun zwei Formenkreise zuzu­ordnen sind: zum einen die Amatit­lania-Spezies sensu Schmitter-Soto (2007), die wegen ihrer Streifenzeichnung auch als „Zebra“- oder (im englischsprachigen Raum) als „Sträflingscichliden“ („convict cichlids“) bezeichnet werden – ein älterer deutscher Populärname lautet „Grünflossenbuntbarsch“ – (siehe Seite 16), und zum anderen Schmitter-Sotos Vertreter der Gattung Cryptoheros (Untergattung Bussingius).

Als Schmitter-Soto (2007) die Gattung Archocentrus revidierte, stellte er auch das Genus ­Amatitlania auf und wählte als Typusart Heros nigrofasciatus Günther, 1867 aus dem Amatitlán-See (Guatemala). Als weitere Spezies beschrieb er A. coatepeque, A. kanna und A. siquia. Wir kennen diese Fische als Grünflossen- oder – wegen ihres markanten Streifenkleides – als Zebra- oder Sträflingsbuntbarsche. | von Uwe Werner

Die Revision von Schmitter-Soto betrifft aber nicht nur die oben genannten Buntbarsche, sondern sie behandelt auf immerhin 76 Druckseiten alle Taxa, die jemals der Gattung Archocentrus zugeordnet wurden. Die Publikation enthält zwei Gattungs- und sechs Artbeschreibungen, auf die ich in den DCG-Informa­tionen bereits ausführlich einging (Werner 2008).
Doch die Zeit bleibt nicht stehen. Rican et al. (2016) greifen in ihrer Arbeit Schmitter-Sotos Gattung Amatitlania nicht nur auf, sondern fassen sie deutlich weiter, indem sie auch ehemalige Cryptoheros-Arten hierher stellen; sie heißen nun A. altoflava,
A. myrnae, A. nanolutea, A. sajica und A. septemfasciata (siehe Seite 21).
Zurück zu den Zebrabuntbarschen. Seit Beginn der 1980er-Jahre wurden sie als unterschiedliche Lokalformen von „Cichlasoma“ nigrofasciatum angesehen, während sie heute als eigenständige Arten beschrieben sind. Und die sollten wir erkennen und benennen können, schon um Bastardierungen zu vermeiden. Doch ihre Unterscheidung fällt nicht leicht, vor allem wenn man nicht weiß, auf welche ­Details man achten muss.
In ihrer Heimat tragen diese Buntbarsche übrigens unterschiedliche ­Bezeichnungen. Je nach Art und Herkunft nennt man sie „Serica“, „Achiba“, „Chamarra“, „Chincoyo“, „Conga“ und „Mojarra“ („Buntbarsch“). Ein weiterer volkstümlicher Name soll „Burró“ („Esel“) lauten.

Die nach wie vor monotypische Gattung Pristella ist offenbar nah mit Megalamphodus ­verwandt und soll eine Art Bindeglied zwischen Hyphessobrycon und Hemigrammus darstellen. In jedem Fall handelt es sich um ein quirliges Fischchen – und ein hübsches dazu. | von Ernst Sosna

In der älteren Literatur ist der Sternflecksalmler oder Wasserstieglitz häufiger als Pristella riddlei zu finden. Die Bezeichnung geht auf Meek zurück, der den Salmler 1907 unter diesem Namen beschrieb. Später fand man heraus, dass es sich dabei um denselben Fisch handelt, den Ulrey bereits 1894 P. maxillaris ­getauft hatte. Nach den Regeln der ­Internationalen Nomenklatur behält der zuerst vergebene Name seine Gültigkeit, jüngere Bezeichnungen werden zu Synonymen.
Die Heimat von P. maxillaris ist
das gesamte nördliche Südamerika. Sowohl in den Guyana-Ländern als auch in Venezuela bis hinunter ins Amazonasgebiet wurde dieser Salmler nachgewiesen. Die heute im Handel erhältlichen Tiere dürften allesamt Nachzuchten sein.
Der Sternflecksalmler besitzt einen hochrückigen, seitlich zusammengedrückten Körper mit (fast) transparenten Flanken. Je nach Lichteinfall wirkt der Fisch gelblich mit silbrigem Glanz. Damit bietet er leider nicht die farb­liche Extravaganz mancher anderen Salmler.

Seit einigen Jahren ist es gängige Praxis, L 102 und ähnliche Harnischwelse, die helle Punkte und schwarze Flossensäume zeigen, als Hypancistrus inspector zu klassifizieren. In jüngster Vergangenheit zeigte es sich, dass dieses Vorgehen nicht immer korrekt ist. | von Steven Grant, Jacqueline Heijmen Bennett-Leaver und Haakon Haagensen*

Im Jahr 2013 importierte die mittlerweile nicht mehr existierende Firma „Rare Aquatics“ (UK) einige ausgewachsene Harnischwelse als Hypancistrus inspector. Im folgenden Jahr erhielt „Pier Aquatics“ (Wigan, England) mehrere Tiere als L 102 (wie üblich, ebenfalls als H. inspector klassifiziert).
Einige der 2013 eingeführten Exemplare erwarb und vermehrte der eng­lische Aquarianer Nick Ridout, weitere aus einem 2014er-Import die Zweit­autorin (JHBL) dieses Beitrags. Als sie ihre Tiere nach gelungener Nachzucht genauer betrachteten, wurde deutlich, dass sich die Fische aus den beiden Importen sowohl hinsichtlich des Zeichnungsmusters als auch bezüglich der Größe so stark unterschieden, dass es sich nicht um Angehörige ein und derselben Art handeln konnte. Nick und Jacqueline waren vielmehr davon überzeugt, zwei verschiedene Spezies vor sich zu haben, die nicht mit L 102 identisch zu sein schienen.