Von Kindesbeinen an Aquarianer – bis heute lässt den Biologen Alexander Kästner seine Leidenschaft nicht los. | Von Hans-Peter Ziemek und Rainer Stawikowski

Am Rand des kleinen Ortes Climbach im vorderen Vogelsberg, etwa 20 Kilometer von Gießen und Marburg entfernt, sind wir mit Alexander Kästner verabredet.
Ein großes Haus mit einer riesigen Gartenanlage erwartet uns. Allein der prächtige Gartenteich mit integriertem Wasserfall wäre eine eigene Betrachtung wert. Doch uns geht es um den Besuch im Fischkeller des seit seiner Jugend begeisterten Aquarianers.
Schon als Fünfjähriger hielt Alexander Kästner Weinbergschnecken in Einmachgläsern und beobachtete ihr Verhalten. Der heute 37-jährige Biologe kam nie wieder von der Vivaristik los, verkörpert also eine der früher ganz ­typischen „Karrieren“, die heute so selten geworden sind.
Das erste „richtige“ Haustier hatte dann aber noch keine Schuppen. Es handelte sich um einen Wellensittich.
Alexanders Einstieg in die Aqua­ristik begann mit einem 50-Zentimeter-Aquarium, einem Geschenk seines ­Onkels Norbert Kästner zum siebten Geburtstag. In dieses Becken zogen diverse südamerikanische Fische ein. Der Erstbesatz bestand aus einem Pärchen Schmetterlingsbuntbarsche (Mikrogeophagus ramirezi), einigen Roten Neonsalmlern (Paracheirodon axelrodi), einem Trupp Beilbauchsalmler (Gasteropelecus sternicla) sowie einem Antennenwels (Ancistrus sp.).
Während der folgenden Jahre wechselten die Bewohner des Aqua­riums relativ schnell, die ersten Nachzuchterfolge stellten sich mit Guppys (Poecilia reticulata) und Platys (Xiphophorus maculatus) ein.

Im Wartezimmer einer Tierarztpraxis im brandenburgischen Cottbus zieht ein Aquarium die Blicke der Patientenbesitzer immer wieder auf sich und sorgt dafür, dass den Wartenden die Zeit nicht zu lang wird. | von Patrick Lehmann

Dass ein Aquarium im Wartezimmer einer Arztpraxis die Zeit für die wartenden Patienten geradezu verfliegen lassen kann, ist lange bekannt. Aber was dürfte noch passender sein als ein Blickfang ausgerechnet im Warteraum einer Tierarztpraxis?
Betritt man die Praxis von Tierarzt Klaus Buder in Cottbus, fällt einem das Becken mit gut 450 Litern Inhalt sofort ins Auge. Üppig grün bepflanzt ist es, und in dem Aquarium tummeln sich zahlreiche farbenfrohe und vitale Fische, an jeder Stelle ist ­etwas an­deres zu entdecken. Selbst Nicht-Aquarianer sind sofort interessiert, das bunte, muntere Leben in dem Glaskasten fasziniert Groß und Klein.
Vor gut fünf Jahren entschied sich Klaus Buder für ein Süßwasseraqua­rium im Warteraum seiner Praxis,
weil er selbst schon immer großes ­Interesse an diesem Hobby hatte und weil es eben das Warten für die ihn ­besuchenden Tierbe­sitzer etwas kurzweiliger gestalten kann.
Schon zu Zeiten der DDR besaß Klaus Buder ein 80-Liter-Aquarium. Zum Besatz gehörten damals eben ­solche Fische, wie sie in jener Zeit ­verfügbar waren. So bildeten vorwiegend Lebendgebärende Zahnkarpfen wie Guppys und Platys sowie Saugwelse der Gattung Ancistrus eine „klassische“ Fischgesellschaft. Das Angebot an Aquarienfischen in den Zooläden der DDR war nun einmal mehr oder weniger überschaubar.
Ein Umzug trennte den Tierarzt dann später von seinem Bassin, bis er sich im Jahr 2013 dazu entschloss, unseren aktuellen Blickfang aufzustellen und einzurichten. Bei einer Größe von 150 x 50 x 60 Zentimetern bietet er dem Betrachter einiges zu entdecken, zumal ein recht großzügiger Fisch­besatz gewählt wurde. Aber dazu gleich mehr.

Querenburg ist ein südlicher Stadtteil von Bochum, Standort der Ruhr-Universität und der Hochschule – sowie unseres aktuellen Blickfangs. | Von Rainer Stawikowski

Bereits als Kind, noch vor der Einschulung, war Kevin Stevens (Jahrgang 1988) ganz wild darauf, öffentliche Aquarien zu besuchen. Und davon gibt es in der näheren und weiteren Umgebung seiner Geburtsstadt Essen gleich mehrere, im Bochumer Tierpark etwa oder im Duisburger Zoo oder im Düsseldorfer Löbbecke Museum.
Auch die Nordsee-Ferien mit den Eltern trugen sicher dazu bei, dass ­Kevin schon so früh sein Interesse für Biologie – in erster Linie Zoologie, Botanik weniger – entdeckte. Vor allem aquatische Organismen faszinierten ihn. Die selbst gekescherten Sandaale, Schollen und weitere tierische Urlaubsbekanntschaften mussten ausgiebig studiert werden, ehe sie ihre Freiheit wiederbekamen.
Kurzzeitig gab es in Kevins Elternhaus auch ein Aquarium, doch dessen Einfluss auf seine aquaristische Entwicklung war weniger nachhaltig; er betont, dass es ganz und gar sein eigener Wunsch war, ein mit Süßwasser­fischen besetztes Becken zu besitzen.
So war das 100 x 40 x 40 Zentimeter große Aquarium, das der 13-Jährige aufstellte, nicht etwa ein Geburtstags- oder Weihnachts-Geschenk. Vielmehr hatte er sich das 160-Liter-Gesellschaftsbecken selbst zusammengespart. Er besetzte es mit westafrikanischen Buntbarschen (Pelvicachromis taeniatus, Anomalochromis thomasi), Trauermantelsalmlern (Gymnocorymbus ternetzi) und Gefleckten Panzerwelsen (Corydoras paleatus). Den Fischbesatz hatte er mithilfe des „Aquarien-Atlas“ zusammengestellt. Bei „Zoo Millat“ in Essen, einem Fachhändler mit artenreichem Cichliden-Angebot (Stawikowski 2005), fand er die gewünschten Kandidaten.

Sein erstes Aquarium besaß er bereits als Kind. Seine Liebe zu den bunten Buntbarschen aus dem berühmten ostafrikanischen Grabensee entdeckte Jürgen Brocks jedoch erst vor wenigen Jahren. | von Rainer Stawikowski

Sieben oder acht Jahre alt – erinnert sich Jürgen Brocks (Jahrgang 1959) – waren er und sein Zwillingsbruder Peter, als sie – endlich! – ihr eigenes Aquarium bekamen. Schon im ersten Schuljahr zog es die beiden, so oft es irgendwie ging, in die Zoogeschäfte der näheren Umgebung, das heißt in Gelsenkirchen-Buer. Burda’s Tierwelt, wie sie sich heute darstellt, gab es damals noch nicht, aber den Vorgänger des über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Fachhändlers (bei dem Jürgen natürlich Stammkunde ist) und den einen oder anderen weiteren Laden. Regelmäßige Besuche wert war aber auch ein Nachbar, der im Keller seines Wohnhauses mit großer Hingabe alle möglichen Süßwasserfische vermehrte.

An dem großen Riffaquarium, das Sascha Bücker im Wohnzimmer betreibt, haben auch ­Ehefrau Kerstin, Tochter Celina und Sohn Robin ihre helle Freude. | von Rainer Stawikowski

Aquarianer war Sascha Bücker, geboren 1972 in Hagen am Teutoburger Wald, schon im Kindergartenalter. Offenbar hatte er das Hobby von seinem Vater geerbt, der war nämlich leidenschaftlicher Diskus-Züchter. Sascha ließ es sich nicht nehmen, Vater beim Wasserwechsel zu helfen und auf seinen Streifzügen durch die Natur zu begleiten. So verwundert es nicht, dass er schon früh sein eigenes Guppy-Becken besaß.
Später pflegte er weitere Süßwasserfische, Harnischwelse (Ancistrus sp.) etwa, die sich in seiner Obhut auch prächtig vermehrten.