Günter Lindenberg ist seit über 60 Jahren Aquarianer, seit gut 40 Jahren Mitglied in seinem Verein und seit 13 Jahren dessen erster Vorsitzender. | von Rainer Stawikowski

Es gibt Aquarien, deren Geschichte fast noch interessanter ist als ihr tierischer Besatz, das trifft auch auf unseren aktuellen Blickfang zu. Als sein Besitzer 1993 in das Haus seiner Ehefrau Gisela zog, erblickte er draußen, auf der Wiese im Garten, ein leeres Aquarium. Giselas Sohn Andreas hatte das 120 x 60 x 50 Zentimeter große Becken kurz zuvor stillgelegt. Diesen Anblick konnte Günter Lindenberg – seit seiner Kindheit leidenschaftlicher Aquarianer – nicht ertragen; das völlig intakte Bassin musste auf jeden Fall wieder in Betrieb genommen werden!

Nicht weniger als 150 Aquarien stehen in seinem Keller. Neben bekannten Fischen schwimmen hier auch einige Arten, die man nicht alle Tage zu sehen bekommt. | von Rainer Stawikowski

M it seinem Jahrgang – 1960 – gehört Klaus Pröpper zu jener Generation, deren Kinder (insbesondere die männlichen) im Grundschulalter sich in ihrer Freizeit oft und lange draußen herumtrieben und mit offenen Augen ihre Umgebung erkundeten. Und wenn sie in einem eher ländlichen Umfeld heranwuchsen, spielte die Natur dabei eine besonders wichtige Rolle. Vor allem die Gewässer übten auf neugierige und aufmerksame Knaben eine geradezu magische Anziehungskraft aus, gab es darin doch so viel zu entdecken! Hier spreche ich aus eigener Erfahrung ...
Klaus Pröpper erblickte in Balve, einer Kleinstadt im Tal des Flüsschens Hönne, das Licht der Welt. Er hatte nicht nur das Glück, seine Kindheit im schönen Sauerland zu verbringen, sondern auch einen höchst naturverbundenen Mentor: Sein Onkel Herbert war nämlich Waldarbeiter und Angler.
In dessen Pachtgewässer, einem klaren Bach, lebten unter anderem ­Forellen, Groppen und Elritzen. Hier stellte Klaus seine ersten Freilandbeobachtungen an, indem er Bachwasser in kleine Gumpen am Ufer umleitete, um darin selbst gefangene Fische aus nächster Nähe zu betrachten.

Von Kindesbeinen an Aquarianer – bis heute lässt den Biologen Alexander Kästner seine Leidenschaft nicht los. | Von Hans-Peter Ziemek und Rainer Stawikowski

Am Rand des kleinen Ortes Climbach im vorderen Vogelsberg, etwa 20 Kilometer von Gießen und Marburg entfernt, sind wir mit Alexander Kästner verabredet.
Ein großes Haus mit einer riesigen Gartenanlage erwartet uns. Allein der prächtige Gartenteich mit integriertem Wasserfall wäre eine eigene Betrachtung wert. Doch uns geht es um den Besuch im Fischkeller des seit seiner Jugend begeisterten Aquarianers.
Schon als Fünfjähriger hielt Alexander Kästner Weinbergschnecken in Einmachgläsern und beobachtete ihr Verhalten. Der heute 37-jährige Biologe kam nie wieder von der Vivaristik los, verkörpert also eine der früher ganz ­typischen „Karrieren“, die heute so selten geworden sind.
Das erste „richtige“ Haustier hatte dann aber noch keine Schuppen. Es handelte sich um einen Wellensittich.
Alexanders Einstieg in die Aqua­ristik begann mit einem 50-Zentimeter-Aquarium, einem Geschenk seines ­Onkels Norbert Kästner zum siebten Geburtstag. In dieses Becken zogen diverse südamerikanische Fische ein. Der Erstbesatz bestand aus einem Pärchen Schmetterlingsbuntbarsche (Mikrogeophagus ramirezi), einigen Roten Neonsalmlern (Paracheirodon axelrodi), einem Trupp Beilbauchsalmler (Gasteropelecus sternicla) sowie einem Antennenwels (Ancistrus sp.).
Während der folgenden Jahre wechselten die Bewohner des Aqua­riums relativ schnell, die ersten Nachzuchterfolge stellten sich mit Guppys (Poecilia reticulata) und Platys (Xiphophorus maculatus) ein.

Im Wartezimmer einer Tierarztpraxis im brandenburgischen Cottbus zieht ein Aquarium die Blicke der Patientenbesitzer immer wieder auf sich und sorgt dafür, dass den Wartenden die Zeit nicht zu lang wird. | von Patrick Lehmann

Dass ein Aquarium im Wartezimmer einer Arztpraxis die Zeit für die wartenden Patienten geradezu verfliegen lassen kann, ist lange bekannt. Aber was dürfte noch passender sein als ein Blickfang ausgerechnet im Warteraum einer Tierarztpraxis?
Betritt man die Praxis von Tierarzt Klaus Buder in Cottbus, fällt einem das Becken mit gut 450 Litern Inhalt sofort ins Auge. Üppig grün bepflanzt ist es, und in dem Aquarium tummeln sich zahlreiche farbenfrohe und vitale Fische, an jeder Stelle ist ­etwas an­deres zu entdecken. Selbst Nicht-Aquarianer sind sofort interessiert, das bunte, muntere Leben in dem Glaskasten fasziniert Groß und Klein.
Vor gut fünf Jahren entschied sich Klaus Buder für ein Süßwasseraqua­rium im Warteraum seiner Praxis,
weil er selbst schon immer großes ­Interesse an diesem Hobby hatte und weil es eben das Warten für die ihn ­besuchenden Tierbe­sitzer etwas kurzweiliger gestalten kann.
Schon zu Zeiten der DDR besaß Klaus Buder ein 80-Liter-Aquarium. Zum Besatz gehörten damals eben ­solche Fische, wie sie in jener Zeit ­verfügbar waren. So bildeten vorwiegend Lebendgebärende Zahnkarpfen wie Guppys und Platys sowie Saugwelse der Gattung Ancistrus eine „klassische“ Fischgesellschaft. Das Angebot an Aquarienfischen in den Zooläden der DDR war nun einmal mehr oder weniger überschaubar.
Ein Umzug trennte den Tierarzt dann später von seinem Bassin, bis er sich im Jahr 2013 dazu entschloss, unseren aktuellen Blickfang aufzustellen und einzurichten. Bei einer Größe von 150 x 50 x 60 Zentimetern bietet er dem Betrachter einiges zu entdecken, zumal ein recht großzügiger Fisch­besatz gewählt wurde. Aber dazu gleich mehr.

Querenburg ist ein südlicher Stadtteil von Bochum, Standort der Ruhr-Universität und der Hochschule – sowie unseres aktuellen Blickfangs. | Von Rainer Stawikowski

Bereits als Kind, noch vor der Einschulung, war Kevin Stevens (Jahrgang 1988) ganz wild darauf, öffentliche Aquarien zu besuchen. Und davon gibt es in der näheren und weiteren Umgebung seiner Geburtsstadt Essen gleich mehrere, im Bochumer Tierpark etwa oder im Duisburger Zoo oder im Düsseldorfer Löbbecke Museum.
Auch die Nordsee-Ferien mit den Eltern trugen sicher dazu bei, dass ­Kevin schon so früh sein Interesse für Biologie – in erster Linie Zoologie, Botanik weniger – entdeckte. Vor allem aquatische Organismen faszinierten ihn. Die selbst gekescherten Sandaale, Schollen und weitere tierische Urlaubsbekanntschaften mussten ausgiebig studiert werden, ehe sie ihre Freiheit wiederbekamen.
Kurzzeitig gab es in Kevins Elternhaus auch ein Aquarium, doch dessen Einfluss auf seine aquaristische Entwicklung war weniger nachhaltig; er betont, dass es ganz und gar sein eigener Wunsch war, ein mit Süßwasser­fischen besetztes Becken zu besitzen.
So war das 100 x 40 x 40 Zentimeter große Aquarium, das der 13-Jährige aufstellte, nicht etwa ein Geburtstags- oder Weihnachts-Geschenk. Vielmehr hatte er sich das 160-Liter-Gesellschaftsbecken selbst zusammengespart. Er besetzte es mit westafrikanischen Buntbarschen (Pelvicachromis taeniatus, Anomalochromis thomasi), Trauermantelsalmlern (Gymnocorymbus ternetzi) und Gefleckten Panzerwelsen (Corydoras paleatus). Den Fischbesatz hatte er mithilfe des „Aquarien-Atlas“ zusammengestellt. Bei „Zoo Millat“ in Essen, einem Fachhändler mit artenreichem Cichliden-Angebot (Stawikowski 2005), fand er die gewünschten Kandidaten.