Die Biologin Vanessa Schulz ist Mitarbeiterin des bundesweiten Feuer­salamander-Projekts an der Technischen Universität Braunschweig und dort unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. | Das Interview führte Rainer Stawikowski

DATZ: In der jüngeren Vergangenheit warst Du maßgeblich an Veröffentlichungen über die Entwicklung und den aktuellen Stand der Ausbreitung des Salamanderfresser-Pilzes (Batrachochytrium salamandrivorans, kurz Bsal) beteiligt (Literaturverzeichnis) und hieltest Vorträge zu diesem Thema (etwa auf dem Flora-Fauna-Tag der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet im Januar dieses Jahres in Essen). Erläuterst Du bitte kurz Deine Arbeit und Deine Funk­tion im Zusammenhang mit der Bsal-Forschung an der Technischen Universität Braunschweig?

Der Feuersalamander gilt als weit verbreitet, doch aktuelle Daten gibt es kaum. Wo kommt er tatsächlich vor, wie groß sind die Populationen? Im Rahmen eines Projekts der JLU werden in Hessen Bäche kartiert, um aktuelle Bestandsdaten zu erfassen. | von Laura Jung

Nicht nur sein charakteristisches Aussehen macht den Feuersalamander unverwechselbar, sondern auch sein Reproduk­tionsverhalten ist einzigartig. Die Paarungszeit von Salaman­dra salamandra erstreckt sich auf den Zeitraum von Spätsommer bis Herbst. Anders als die übrigen heimischen Schwanzlurche paaren sich Feuersalamander an Land statt im Wasser. Die Embryonen ent­wickeln sich anschließend vollständig im Mutterleib.

Der „Salamanderfresser-Pilz“ breitet sich in Deutschland weiter aus. Studierende der Justus-Liebig-Universität Gießen untersuchen deshalb Feuersalamander in Privat­haltung, um einen eventu­ellen Befall frühzeitig zu erkennen. | von Lena Habich

Wie die DATZ bereits im März dieses Jahres berichtete, ist der als „Salamanderfresser“ bekannte Chytridpilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) endgültig in Deutschland angekommen. Das wurde bereits 2013 befürchtet, nachdem es erste Funde in den Nieder­landen nahe der deutschen Grenze gegeben hatte.
Nun kommen regelmäßig neue Fundorte infizierter Feuersalamander und anderer Schwanzlurche hinzu. Auffällig ist die offenbar sprunghafte Ausbreitung des Pilzes zunächst in Nordrhein-Westfalen und jetzt auch in Rheinland-Pfalz. Nach wie vor liegen die Fundorte teilweise über 70 Kilo­meter weit auseinander. Der genaue Übertragungsweg ist noch nicht geklärt.

Übernehme ich die Verantwortung für einen Menschen, muss ich mich kümmern. Wie ist es, wenn ich die Verantwortung für den Erhalt einer Tierart habe? Am Feuersalamander können wir beweisen, wie ernst es uns mit dem Erhalt der Biodiversität ist. | von Hans-Peter-Ziemek

Das Bundesamt für Naturschutz hat im Jahr 2004 das Konzept der „Arten nationaler Verantwortlichkeit Deutschlands“ in die deutsche Naturschutzstrategie neu aufgenommen. Es sollte nicht mehr ­allein das Kriterium der Seltenheit ausschlaggebend für die Entwick­-
lung von Artenschutzkonzepten sein. ­Stattdessen sollten Spezies gezielt ­geschützt werden, deren weltweiter oder europäischer Hauptverbrei­tungsschwerpunkt in Deutschland liegt.

Vom Feuerlöscher und Comic-Helden zur bedrohten Art: Das Verhältnis des Menschen zum Salamander hat sich die letzten Jahr­hunderte hindurch grundlegend gewandelt. | von Anna-Katharina Wöbse

Der Feuersalamander hat sich in einem aus mensch­licher Sicht romantischen Lebensraum eingerich­-tet: Man findet ihn auf dem schattigen Grund der Mittelgebirge, in deren Laubmischwäldern kühle Quellen sprudeln und klare Bäche murmeln. Wo er diese Gewässer findet, ist er zu Hause – ob in West-, Mittel-, Süd- oder ­Südosteuropa.