Schon einmal – vor neun Jahren – befasste sich unser Autor mit Fragen zur Systematik dieser Fischfamilie. In der Zwischenzeit hat sich diesbezüglich einiges getan. | von Peter Ludwig

Heute werden dieser Knorpelfischfamilie fünf Gattungen ­zugeordnet. Paratrygon ist zurzeit noch monotypisch; die einzige Art – P. aiereba – ist im gesamten Amazonas-Solimões- sowie im Orinoco-Einzug zu finden. Bei diesem riesigen Verbreitungsgebiet ist es sicher legitim, die Mono­typie dieses Genus zu hinterfragen.
In der Tat arbeitet ein brasilianischer Ichthyologe gegenwärtig an einer Revision, die Beschreibung einer wei­teren Art ist in Arbeit.
Paratrygon spielt in der Aquaristik nur eine untergeordnete Rolle; mit ­einer belegten Scheibenlänge von 170 Zentimetern zählen diese Rochen zu den ganz großen.
Plesiotrygon ist eine Gattung der Extreme. Plesiotrygon iwamae ist mit einer Scheibenbreite von über 100 Zentimetern ebenfalls eine der größten Süßwasserrochen-Spezies. Im Jahr 2011 wurde das andere ­Extrem beschrieben: Plesiotrygon nana ist mit einer maximalen Breite von ungefähr 25 Zenti­metern einer der kleinsten Süßwasserrochen.

Neben Haien und Piranhas sind Rochen in allen größeren Schauaquarien beliebte ­Attraktionen, weil sie wegen ihres Rufs, besonders gefährlich zu sein, auf das Publikum eine große Faszination ausüben. | von Wolfgang Staeck

Im Unterschied zu den anderen beiden genannten Fischgruppen sind Rochen natürlich nicht wegen ihrer eindrucksvollen Zähne, sondern wegen der Giftstacheln gefürchtet, die viele Arten auf dem hinteren Teil ihres Schwanzes tragen. Rochen ziehen aber nicht nur wegen dieser ­gefährlichen Waffe, sondern auch aufgrunde ihrer ungewöhnlichen Körperform und Schwimmweise das Interesse jedes Betrachters auf sich.
Die meisten Rochen sind marine Organismen, die weltweit in allen Meeren leben (siehe Seite 18). Einige wenige asiatische Arten aus der Familie der Stechrochen (Dasyatidae) suchen auch Brack- und Süßwasser auf. Nur ungefähr 30 Taxa sind echte Süßwasserbewohner, die sich ausschließlich in Binnengewässern aufhalten und sich dort auch fortpflanzen.

Etliche leben am Meeresgrund und graben sich bis zu den Augen ein, andere gleiten elegant durch das Wasser und scheinen fast zu fliegen. Viele Arten verfügen auf der Schwanzoberseite über einen oder mehrere Giftstacheln, die sogar dem Menschen gefährlich werden können. Wiederum andere produzieren zur Orientierung, zur Verteidigung oder zum Beuteerwerb unterschiedlich starke Stromstöße. Eines aber haben alle Rochen gemeinsam: einen abgeflachten Körper mit großen Brustflossen, die mit dem Kopf verwachsen und als solche nicht mehr zu erkennen sind. | von Helmut Göthel

Zusammen mit den Haien (Selachii) und den Seekatzen oder Chimären (Chimaeriformes) bilden die Rochen (Batoidea) die Klasse der Knorpelfische (Chondrichthyes). Dabei werden Haie und Rochen zur Unter- oder Teilklasse der Platten­kiemer (Elasmobranchii) zusammengefasst, während die Seekatzen als ein­zige rezente Gruppe der Unterklasse Holocephali zugeordnet werden, die die Schwestergruppe der Haie und ­Rochen darstellt.
Knorpelfische sind weltweit mit rund 1.200 Arten verbreitet: Laut Last et al. (2016) entfallen 633 Spezies auf Rochen, über 500 auf Haie und nur etwa 55 auf die wenig bekannten Seekatzen.
Gemeinsames Merkmal aller drei Gruppen, die sich äußerlich gut von­einander unterscheiden lassen, ist der namensgebende Besitz eines knorpeligen Skeletts. Dabei stammen die Knorpelfische aber von knochentragenden Vorfahren ab und haben ihr Knorpelskelett sekundär entwickelt. Ein weiteres gemeinsames Merkmal ist das Fehlen einer Schwimmblase.
Existierten die ersten Knorpelfische bereits vor über 400 Millionen Jahren, sind Rochen, erdgeschichtlich betrachtet, wesentlich jünger. Sie haben sich etwa zur Zeit der Dinosaurier – wahrscheinlich aus dorsoventral ­abgeflachten Haien – entwickelt und sind erst aus dem Oberjura vor 145 bis 160 Millionen Jahren durch Exemplare der als ursprünglich geltenden Geigenrochen fossil belegt.