Nestbau bei Fischen? Das klingt wie die Überschrift für einen Aprilscherz, ist es aber nicht! Nester sind auch für Wasserbewohner eine erfolgreiche Strategie, um dem Nachwuchs eine sichere Umgebung für die erste Lebensphase zu bieten. | Von Hans-Peter Ziemek

Wikipedia bietet zum Einstieg in das Thema die Definition des Begriffs „Nest“. Ableiten kann man ihn sowohl vom vorgermanischen nizdo („Niederlassung“) als auch vom lateinischen nidus („Nest“).
Für eierlegende Tierarten ist ein Nest die „Niederlassung“, um die Eier oder die geschlüpften Jungtiere für die erste Lebensphase in einem geschützten Raum unterzubringen. Das geschieht durch aktive Veränderungen der Umwelt.

Bei den maulbrütenden Buntbarschen des Malawisees ist es üblicherweise Sache des Männchens, sich um Auswahl und Gestaltung des Laichplatzes zu kümmern. Sicher, man beobachtet in diesem See auch mehr oder weniger dominant gefärbte Männchen, die anscheinend ziellos umherstreunen und beim Anblick eines Weibchens ohne ­Umschweife losbalzen, um den Laichakt auf dem nächstbesten Untergrund einzuleiten. Doch sie sind eher Ausnahmen. | Von Andreas Spreinat

In der Regel findet man beim Blick durch die Tauchermaske standorttreue, Territorien verteidigende Cichliden-Männchen. Das Revierzentrum wird bei den Felsenbuntbarschen (Mbunas) häufig durch ein Versteck zwischen Steinen gebildet, das, sofern die betreffende Art in gemischten Sand-Fels-Zonen vorkommt, oftmals durch rege Grabtätigkeit erweitert oder in Form einer noch besser geschützten Höhle unter dem Stein angelegt wird.

Insbesondere über eintönigen Sandgründen sind kegelförmige Erhebungen mit Höhen von 30 bis 50 Zentimetern sehr auffällig, denn man kann sie in dem klaren Wasser des Malawisees schon von Weitem gut erkennen. Umso erstaunlicher ist es festzustellen, dass die Konstrukteure jener manchmal 100 Liter Schüttgut und mehr fassenden ­Bauten nicht selten nur fingerlange Fischen sind. | Von Andreas Spreinat

Bereits in den DATZ-Ausgaben 8/1996 und 1/2002 berichtete ich über diese imposanten Bauwerke im Malawisee und wies darauf hin, dass derartige Sandburgen eher das Gegenteil eines geschützten Plätzchens zum Laichen darstellen. Die biologische Bedeutung dürfte darin bestehen, dem Weibchen zu zeigen, dass hier ein besonders potentes Männchen sein Revier abgesteckt hat.
Der Aufwand, ein solches voluminöses Haufwerk zu errichten und – ebenfalls bedeutsam – auch gegen die permanente Erosion durch Wellenschlag, Strömung, nivellierend wirkende Schneckenbewegungen im Untergrund und vor allem durch sand­siebende Buntbarsche instand zu halten, dürfte enorm sein und dem In­haber viel Energie ab­verlangen. Ge­rade sandsiebende Buntbarsche, die manchmal in Horden über eine solche Sandburg hinwegziehen, ohne dass der Revierbesitzer es verhindern könnte, hinterlassen ihre Fraßspuren nicht nur im Untergrund, sondern auch auf den Sandkratern. Ständige ­Reparaturarbeiten sind unabdingbar.

Während der Fortpflanzungszeit beginnen ihre Männchen damit, eifrig Pflanzenteile ­zusammenzutragen, Korallenbruch zu riesigen Hügeln anzuhäufen oder kunstvolle Muster im Sandboden anzulegen. Nestbauer, die ihrem Nachwuchs bis zum Schlupf einen effektiven Schutz vor Fressfeinden und somit Vorteile beim Start ins Leben verschaffen, sind unter den marinen Fischen eine Minderheit. | Von Helmut Göthel

Fische sind die einzigen Wirbeltiere, die ausnahmslos auf aquatische Lebensräume beschränkt sind. Die ersten Vertreter der ältesten Vertebratengruppe besiedelten bereits vor 450 Millionen Jahren die Meere. Sie umfasst mit über 34.000 Arten mehr als die Hälfte aller rezenten Wirbeltiere und stellt zugleich die artenreichste dar.
Kaum eine weitere Gruppe von Wirbeltieren hat derart vielfältige und so unterschiedliche Fortpflanzungsstrategien entwickelt wie die Fische. Während es bei fast ­allen anderen ­Vertebraten zu einer ­inneren Befruchtung der Eier kommt (eine Ausnahme sind beispielsweise die Froschlurche) stellt sie bei den Fischen eher die Ausnahme dar.

Der ganze Malawisee ist von agamen Maulbrütern besetzt. Der ganze Malawisee? Nein, ein unbeugsamer paarbildender Substratbrüter hört nicht auf, Widerstand gegen den Siegeszug der Maulbrüter zu leisten! | Von Andreas Spreinat

Das Leben ist nicht leicht für den Buntbarsch Coptodon rendalli (früher Tilapia rendalli). Natürlich, in den flachen sandigen oder verkrauteten Uferzonen, die zu seinen bevorzugten Lebensräumen zählen, sind die typischen Malawisee-Buntbarsche, die Mbunas und Nicht-Mbunas, nicht so häufig vertreten wie beispielsweise in den dicht besiedelten Felsbezirken.
Und doch lässt es sich für die Rotbrust-Tilapie, wie sie wegen ihrer charakteristischen Färbung genannt wird, in der Sand-Fels-Übergangszone trotz der zahlreichen dort ansässigen Maulbrüter recht gut paarweise leben. Anders sieht die Sache aber dann aus, wenn Nachwuchs ins Spiel kommt und das Gelege und die etliche hundert Köpfe zählende Jungfischschar gegen die Übermacht der Beutegreifer verteidigt werden müssen.