Die mit fast 900 beschriebenen Taxa überwältigend formenreiche Familie der Harnischwelse (Loricariidae) umfasst Arten von über einem Meter Totallänge, aber auch Spezies, die nur drei bis vier Zentimeter lang werden. Natürlich sind heute gerade die Zwerge beliebter denn je, obwohl nicht alle unbedingt einfach zu pflegen sind. | von Ingo Seidel

Hier geht es in erster Linie darum, vor allem solche Arten zu porträtieren und zu empfehlen, die sich gut für eine Pflege im Aquarium eignen. Ich stelle jedoch auch einige hübsche, aber anspruchsvollere kleine Harnischwelse vor, deren Haltung eher dem fortgeschrittenen Aquarianer vorbehalten bleiben sollte.
Doch welche Loricariiden sind denn überhaupt als klein zu bezeichnen? Wenn man bedenkt, dass viele Arten beeindruckend stattliche Totallängen (TL) erreichen, kann man meines Erachtens alle jene Vertreter mit Fug und Recht als „klein“ bezeichnen, die eine TL von etwa neun Zentimetern nicht überschreiten. Solche Welse ­lassen sich guten Gewissens bereits
in einem 54-Liter-Standardaquarium (60 x 30 x 30 Zentimeter) unterbringen. Gegenwärtig unterteilt man die ­Familie der Harnischwelse in sieben Unterfamilien, von denen lediglich die Schilder- (Hypostominae), die Hexen- (Loricariinae) und die Ohrgittersaugwelse (Hypoptopomat­inae und Otothyrinae) aquaristisch relevante kleinere Arten enthalten.

Früher bezeichnete man das zeitweise gesteigerte Interesse an bestimmten Fischen als ­„Modeerscheinung“. Manche empfanden das Wort „Mode“ im Zusammenhang mit lebenden Tieren jedoch als deplatziert und verwendeten lieber die Bezeichnung „Trend“. Zurzeit ist das Aquascaping ein Trend, davor waren es die Mini-Aquarien und davor wiederum diverse kleine Krebse. Vor 35 Jahren kamen die Buntbarsche der ostafrikanischen Grabenseen „ganz groß in Mode“, und irgendwann gab es auch eine „Harnischwels-Masche“ … | von Ernst Sosna

Jenes „Wels-Fieber“ brachte eine Flut aquaristisch neuer Arten aus Südamerika zu uns. Auch Jahre danach ist man immer noch damit beschäftigt, neu importierte Welse zuzuordnen und zu benennen. Dabei behilft man sich bekanntermaßen mit der Vergabe von „L-Nummern“, um eine eindeutige Handelsbezeichnung zu haben. Über 500 vergab die DATZ-Redaktion im Lauf der Jahre.
Auch wenn das Fieber längst nachgelassen hat ist, sind die Harnisch­welse nach wie vor fester Bestandteil des Zoohandels. Die Kleinen unter ­ihnen musste man aber schon immer gezielt suchen. Sie gelangten und gelangen oft nur als Beifänge zu uns, niemals häufig. Für manche Arten
flog ich selbst in die Herkunftsländer, um sie dort zu fangen.

In Zeiten, in denen die Strom- und Wasserkosten immer weiter steigen, betreiben viele Liebhaber eher sparsame, kleinere Aquarien, sodass die dazu passenden Fische höchst gefragt sind. Auch die sehr artenreiche Gruppe der Panzerwelse bietet einige Zwergformen, die sich großer Popularität erfreuen. Unser Autor liefert eine Übersicht über die kleiner bleibenden Panzerwelse und schildert ihre Lebensweisen und Pflegeansprüche. | von Ingo Seidel

Ein Team aus britischen und brasilianischen Ichthyologen veröffentlichte 2011 eine Publikation über die Verwandtschaftsverhältnisse der Unterfamilie Corydoradinae der Familie der Panzer- und Schwielen­welse (Callichthyidae) (Alexandrou et al. 2011). Die Wissenschaftler untersuchten die Phylogenie dieser Fischgruppe erstmalig auf molekularer ­Ebene und verglichen dabei gleich zwei verschiedene Gene an sage und schreibe 435 Taxa!
Das Ergebnis war eine Aufteilung dieser überaus artenreichen Unterfamilie in neun verschiedene Abstammungslinien, die in Zukunft voraussichtlich Gattungsrang haben werden.
Den uns allen bekannten Namen Corydoras werden bald wohl nur noch die Angehörigen der Abstammungs­linie 1 tragen, zu denen die Typusart der Gattung, C. geoffroy, zählt. Dabei handelt es sich um die großen, lang­gestreckten und sattelschnäuzigen Panzerwelse.