Einige wenige Arten der auf Sulawesi endemischen Gattung Tylomelania haben in verhältnismäßig kurzer Zeit große Bekanntheit erlangt und sind zumindest unter Wirbellosenhaltern fest etabliert und weit verbreitet. Gibt es da überhaupt noch etwas zu sagen? Der Autor findet, ja – wenn man sich denn ausführlicher mit ihnen beschäftigt. | von Sebastian Wolf

Im Handel präsent sind die zur Familie der Pachychilidae (Dicklippenschnecken) gehörenden „Tylos“ (Gattung Tylomelania) seit zwölf Jahren. Bereits lange vor ihrer kommerziellen Entdeckung finden sich Hinweise auf diese Schnecken und ihre Einfuhr (Kottelat 1989), etabliert scheinen sie sich damals aber nicht zu haben.
In den ersten Jahren ihrer aquaristischen Laufbahn wurde in der Literatur öfter über sie berichtet (Behrendt 2008 & 2011; Behrendt & Lukhaup 2009; Bitter 2008; Evers 2008 & 2013), jüngst eher weniger (Behrendt 2016, Lukhaup & Pekny 2014). Die Wertschätzung der Aquarianer zeigt sich aber auch in der Unmenge an Informationen, die sich im Internet finden, das damit zwangsläufig zur Wissenserweiterung beiträgt – vorausgesetzt, Wertvolles lässt sich von Sinnlosem abgrenzen.

EU-Regelungen haben manchmal auch Auswirkungen auf die Aquaristik. Die Apfelschnecken der Gattung Pomacea betraf das bereits vor einigen Jahren – zum Glück gibt es ähnliche Arten, die zwar noch weniger bekannt, aber ebenfalls aquarientauglich sind. | von Ingo Seidl

Es ist nicht lange her, dass Apfelschnecken (Ampullariidae) zu den beliebtesten Schnecken in der Vivaristik zählten. Einzelne Vertreter werden bereits seit über 100 Jahren in Aquarien gepflegt. Insbesondere die Spitze Apfelschnecke (Pomacea diffusa) war ein ideales Aquarientier, denn sie erwies sich als guter Algenvertilger, der obendrein die Aquarienpflanzen nicht beschädigte.
In einem Durchführungsbeschluss der EU-Kommission vom 8. November 2012 wurden jedoch sowohl der Import als auch der Handel und die Weitergabe von Exemplaren der gesamten Gattung ­Pomacea verboten (EU-Kommission 2012). Gründe hierfür waren das in­vasive Vorkommen eines Gattungsvertreters in Spanien und das Potenzial dieser Schnecken, Wasserpflanzen durch Fraß zu schädigen.

Geschätzte 75.000 Arten mariner Schnecken existieren – eine enorme Anzahl. Sie kommen überall im Meer vor, von den Ufern über das Flachwasser bis in kaum zugängliche Tiefen. Doch welche Arten eignen sich für das Aquarium? | von Werner Baumeister

Natürlich lassen sich Meeresschnecken nicht allein nach ihrem Vorkommen und bevorzugten Lebensraum, sondern auch nach ihrer Gestalt und stammesgeschichtlichen Verwandtschaft klassifizieren. Die früher häufig angewandte Unterscheidung zwischen Vorder- und Hinterkiemerschnecken gilt als überholt – einfacher ist die Systematik der Schnecken aber nicht geworden.
Für die Praxis können wir uns an Merkmale halten, die für die Pflege im Aquarium bedeutsam sind. Grob unterscheiden lässt sich beispielsweise zwischen Nackt- und Gehäuseschnecken. Unter den „echten“ Nacktschnecken (Nudibranchia, Nacktkiemerschnecken) gibt es nur sehr wenige Arten, die im Aquarium überleben können; die meisten sind zwar wunderschön, aber leider Nahrungsspezialisten. Dennoch werden sie nach wie vor eingeführt, wenn auch zum Glück immer seltener.