Der Name lässt aufhorchen: Goldene Fische sollen es sein (lat. aurum = Gold), die Arten der Gattung Oreichthys. Trifft man die Hochflossenbarbe im Verkaufsbecken an, mag das zuerst völlig danebengegriffen erscheinen. Einmal eingewöhnt, blüht sie aber tatsächlich regelrecht auf und weiß auch sonst zu begeistern. | von Sebastian Wolf

Ich gebe es zu, manchmal bin ich schon etwas neidisch auf die lichttechnisch hervorragend in Szene gesetzten Aquarien im Zoofachhandel. Von allen Seiten leuchtet es einem farbenfroh entgegen. Das spricht die Sinne (und den Kaufwillen) an. Es gibt aber Arten, die lassen sich partout nicht dazu bringen, sich von ihrer schönsten Seite zu zeigen. Kommt dann noch eine gewisse Scheu dazu, ist man der perfekten Formel für graue Mäuse unter Wasser schon ganz nahe. Auf die Hochflossenbarbe Oreichthys cosuatis trifft das sicher zu, doch tut man ihr Unrecht, denn mit ihr holt man sich alles, aber keinen Braungrau-Fisch ins Haus. Wobei aber gilt: Gut Ding will Weile haben …

Die Segelfossenbarbe wurde einst von unserem Stammautor Frank Schäfer wissenschaftlich beschrieben. Das Sammeln der zugrunde liegenden Exemplare war ein Abenteuer für sich. Eine Erinnerung an Nordindien vor einundzwanzig Jahren, mit Autofahrten unter Decken und einer Beinahe-Entführung. | von Frank Schäfer

Wie entdeckt man eigentlich eine neue Fischart? Kennt irgendein Mensch alle aktuell (August 2020) als valide anerkannten 35.588 Fischarten oder gar alle 60.668 mit verfügbaren Namen beschriebenen Spezies? Natürlich nicht. Nur in seltenen Ausnahmefällen wird man einen Fisch fangen oder im Handel oder in einem Museum entdecken und gleich sagen können: Der ist neu!

Üppig beflosst und mit einem Hauch Buntbarsch- oder Labyrinthfisch-Attitüde zeigen sich die Männchen dieser Kleinbarbe aus Westbengalen. Und die Vermehrung ist gut machbar, wenn man die Haltungsbedingungen etwas variiert. | von Sebastian Wolf

Vielleicht kennen Sie das ja auch, liebe Leser – man holt sich Fische ins Haus, die man eigentlich gar nicht „vorhatte“, und am Ende möchte man sie nicht mehr missen, weil man mit spannenden Beobachtungen, einem sympathischen Verhalten und guten Vermehrungserfolgen bereichert wird. Mit der Hochflossenbarbe ist es mir genau so ergangen, und heute gehört sie zu meinen Lieblingsarten. Sie ist im Aussehen einzigartig unter den kleinen Karpfenfischen, und sie wurde auch noch von Stammautor Frank Schäfer wissenschaftlich beschrieben (seinen Expeditionsbericht finden sie ebenfalls in dieser Ausgabe). Gründe genug, der Art einmal ein Titelthema zu widmen, denn auch wer mit Kleinbarben ansonsten weniger anfangen kann, findet vielleicht Gefallen an den „Segelflossen“ mit dem etwas mürrischen Gesichtsausdruck.