Ohne Wasserbewegung um ihre Polypen müssten Korallen sterben. Aber benötigen die von uns im Riffaquarium gehaltenen Arten wirklich so starke Strömung, wie viele Aquarianer annehmen? Unser Co-Redakteur ging dieser Frage mit Langzeitstudien auf den Grund. | von Rolf Hebbinghaus

In Zusammenarbeit mit dem Zoologischen Institut der Universität zu Köln fanden im Zeitraum von Mitte 2000 bis Ende 2003 im Aquazoo Löbbecke Museum Düsseldorf mehrere Langzeitversuche mit Fragmenten von Montipora cf. turtlensis in einem Strömungskanal statt, deren Resultate auch aus aquaristischer Sicht aufschlussreich sind. Gesundheitlichen Rückschlägen sowie einer fast vierjährigen Sanierung des Aquazoos geschuldet, hielten die Aufzeichnungen und Fotodokumente einen wahrlich langen Dornröschenschlaf, aus dem sie jetzt – unversehrt! – durch den unlängst in den Unruhestand getretenen Autor erweckt wurden.
Brauchen Steinkorallen Strömung? Welch ketzerische Frage, weiß doch wohl jeder Meeresbiologe wie auch jeder Aquarianer, der diese sesshaften, kiemenlosen Lebewesen pflegt, dass sie auf eine mehr oder weniger starke Bewegung des Umgebungswassers existenziell angewiesen sind: für den Gasaustausch, den Nahrungsfang, die Säuberung der Körperoberfläche und noch vieles mehr. Doch wo genau liegen eigentlich die Präferenzen unserer Pfleglinge in puncto Strömungsgeschwindigkeit?

Zugegeben, kleine Aquarien lassen sich gut vermarkten – zumindest bezüglich des Platzbedarfs. Was ist aber dran an der Behauptung, die Wasserqualität in einem kleinen Becken sei schwieriger aufrechtzuerhalten als in einem großen? Eine Einschätzung ist mit ein paar fundierten Überlegungen möglich. | von  Andreas Spreinat

Es ist so ziemlich das Erste, was man Anfängern in der Aquaristik mit auf den Weg gibt: „Ein großes Aquarium ist leichter zu pflegen als ein kleines, denn es „verzeiht” viel eher Fehler des Aquarianers, wie eine übermäßige Fütterung oder einen übersehenen toten Fisch.“ Die oft zitierte Begründung: „Ein größeres Wasservolumen gleicht eine plötzlich eintretende Belastung besser aus.“ Auch ich bekam dieses Bild seit meiner Aquarianerjugend von verschiedensten Seiten vermittelt und gab es auch oft so weiter. Doch stimmt das wirklich? Und wenn ja, woran könnte das liegen?