margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Marc Martin. 32 Seiten, durchgehend ganzseitig bebildert, gebunden (Kinderbuch, ab drei Jahre). Verlag Prestel, München. ISBN 978-3-79137-343-0. 15 €

Ein „Picturebook Maker“ sei er, schreibt der junge Künstler aus Melbourne, die Natur sei sein Ding, Wald, Dschungel, Tiere, das alles zeichne er gern. Aber viele Ideen und seine Motivation für Projekte erhalte er auch aus seiner Umgebung oder aus der Stadt, in der er lebt. Na, wer weiß, vielleicht war es ja der große Fluss, der Melbourne durchzieht, der Martin zu dem Kinderbuch „Am Fluss“ inspirierte?
„Draußen vor meinem Fenster fließt ein Fluss. Von meinem Platz aus sehe ich, wie er sich weit in beide Richtungen davonschlängelt.“ Die Bilder zeigen eine Großstadt, langweilige, fast farblose Häuser, viele Häuser, ein Häusermeer, in dem einzelne Gebäude sich fast verlieren. Wohin würde der Fluss einen wohl treiben?
Wie ein Fluss auch die endlosen, verstopften Straßen der Stadt. Voller Autos, Lärm, Qualm, Geschäftigkeit. Aber dann fließt das Gewässer durch eine liebliche Landschaft, voller Äcker, und Felder, die wie „riesige Patchworkdecken aussehen“.
Der Lärm der Stadt weicht dem Rauschen des Wassers, den Stimmen der Tiere. Hügel und Bäume, kleine Wälder und Wasserfälle prägen das Bild. Martins Farben werden bunt und bunter, vielseitiger, so viel Abwechslung!
Und mit den Farben kommen die Tiere, erst die an Land, dann die im Wasser. „Während ich durch die Man­grovenwälder segle, öffnet sich der Fluss und bringt mich zum Meer“, und „ich sehe hunderte blitzende Fische in ihrer Unter­wasser­welt … und die Luft schmeckt nach Salz und ­Seegras.“
Was Martin an Worten spart in diesem hübschen Kinderbuch (ab drei Jahre), das kompensiert er mit viel, viel Fantasie und farblicher Dynamik, mit starkem Ausdruck und Freude an Visionen, mit einem intensiven Farbenspiel. 32 Seiten hat das durchgehend farbig gestaltete Buch, auf jeder Seite verweilt man gern und länger, gibt es doch so viel zu entdecken, zu erkennen und vielleicht ja auch zu fragen. Eine abenteuerliche Fahrt auf einem Fluss, der schließlich ein ganz besonderes Ziel haben wird.
Wie wenige Worte braucht es doch, um Fantasie wach­zurufen, selbst bei erwachsenen Vorlesern!
Barbara Wegmann

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxEin Pop-up-Bilderbuch von Philippe Ug. Zwölf Seiten, gebunden. Für Kinder ab vier Jahren. Verlag Prestel, ­München, 2018. ISBN 9783791373362. 14 €

Fünf Doppelseiten mit Pop-ups, die tief ins Meer eintauchen, geheimnisvoll, in eine dunkle, verborgene, dreidimensionale Welt.
„Der Tross des Zooplanktons versteckt sich unter dem Rock der Qualle.“ Auf tiefschwarzem Hintergrund hebt sich eine kleine Qualle empor, unter deren Fängen kleinste tierische Organismen Schutz suchen. Und ­warum brauchen sie Schutz? Nun, der große, glubschäugige Fisch mit seinen nicht gerade kleinen Zähnen auf der nächsten Seite erklärt das schnell.
Wenige Farben sind es, sehr starke, knallige Töne, die hier zum Einsatz kommen und im Siebdruck geradezu ein kleines Kunstwerk geschaffen haben. Ob die Kunst der Pop-ups eher die Großen oder die Kleinen interessiert? Wer weiß?
Der wirklich sehr kurze Text aber, keine Geschichte, keine Erzählung, nur zwei, drei Sätze, wie kurze Sicherheitsanweisungen für kleinste Lebewesen im tiefen Meer, wird eher die Großen ansprechen, dürfte sein Inhalt doch am jungen Leser vorbeigehen.
Die Pop-ups von Ug sind plakativ, stiften – auch kleine Leser – dazu an, die tierischen Meeresbewohner des Buchs als Vorbild zu nehmen, sie selbst aufzumalen und  auszuschneiden, sie mit ebenso klaren, dunklen Farben anzumalen und der Fantasie dann freien Raum zu lassen.
Der Papierkünstler Ug wurde 1958 geboren und „experimentiert heute mit un­terschiedlichen Kunstformen als Illustrator, Drucker, Designer und Papieringenieur“. Sein kleiner „Komischer Vogel“, ebenfalls aus dem Prestel-Verlag, ist ein weiteres Kinderbuch dieser Art.
Kinderbuch? Vielleicht. Ein kleines Kunstwerk bestimmt und ein aus dem ­Rahmen fallendes Büchlein allemal!
Barbara Wegmann

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Murat Draman. 132 Seiten, 130 Fotos, Softcover. Verlag A4 Ofset Matbaacilik Sa. Ve Tic. Ltd. Sti., Istanbul. ISBN 978-975-8416-45-5 (in türkischer und englischer Sprache). 20 €, zuzüglich etwa 9 € Versandkosten. Weitere Infos: www.redseainthemed.com. Bestellungen und Kontakt zum Autor: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

In DATZ 9/2017 wurden die lykische Küste und die Unterwasserwelt der türkischen Ägäis in einer Reise-Reportage vorgestellt. In diesem Artikel wurden auch die Wanderbewegungen der Meerestiere infolge der Lesseps­schen Migration erwähnt. Seit der Öffnung des Suez­kanals 1869 wandern Arten aus dem Roten Meer ins Mittelmeer ein und verändern das Artenspektrum. Umgekehrt zieht es kaum me­di­ter­rane Spezies ins Rote Meer.
Die Einwanderer queren selten das offene Meer und verbreiten sich überwiegend den Küstenlinien folgend. Weil die meisten Arten die Süßwassermassen der Nilmündung meiden, wandern sie nach Osten und Norden. Man schätzt, dass vor der südtürkischen Küste bereits mindes­tens 100 aus dem Roten Meer stammende Arten leben und sich fortpflanzen. Damit wirkt sich die Lessepssche Mi­gration vor der türkischen Ägäis-Küste am stärksten aus, wenn der ganze ­Mittelmeerraum in den Vergleich einbezogen wird.
Der Unterwasserfotograf, Tauchlehrer und Meeresbiologie-Enthusiast Murat Draman betreibt im maritimen Schutzgebiet von Kas und Kekova seit über 15 ­Jahren eine Tauchbasis mit eigenem Schiff und diversen Booten. Er nennt es ein Privileg, das ganze Jahr in ­diesem wunderschönen Meeresschutz­gebiet tauchen zu dürfen.
In diesem Areal wird über bestimmten Flächen nicht gefischt, es gibt über sensiblen Zonen Ankerverbote, außerdem bestehen ­archäologische Reservate.
Draman beobachtete und fotografierte seine Tauchplätze, die Unterwasserlebensräume und die dort lebenden Arten von Anfang an intensiv. Er veröffentlichte zuerst das knapp 200-seitige und viersprachige (Türkisch, Deutsch, Englisch, Französisch) Buch „The Kas Diving Guide“, das inzwischen in überarbeiteter Auflage vorliegt und in Taucherkreisen gut bekannt ist.
Dieser Tauchführer vermittelt dem na­turkundlich interessierten Tauchgast viel meeresbiologisches Wissen und eine gute Artenkenntnis für die mediterrane Region um Kas und Kekova.
Die Beobachtungen im glasklaren Meer vor Kas in­spirierten Draman, sich als nächste Publikation eine ­Dokumentation jener Arten vorzunehmen, die infolge der Lessepsschen Migration dauerhaft in das südtür­ki­sche Schutzgebiet einwandern und dort siedeln. Eine solche Arbeit darf als naturkundlicher Beweis dafür angesehen werden, dass bestimmte ­Arten in der betrachteten Region dauerhaft vorkommen. Wie der Rezensent aus eigener Erfahrung weiß, ist es ungleich schwieriger, zu allen Tieren, die man vielleicht schon oft kurz beobachtet hat oder über ­deren Existenz man von anderen Menschen weiß, echte in-­situ-Fotos zu erstellen.
In dem Buch kann der Leser verfolgen, welche Fischarten – vom Trompetenfisch bis zum Rotfeuerfisch – inzwischen die Ägäis erreicht haben. Doch mittlerweile haben sich auch viel langsamere Organismen, etwa Tintenfische, Seepferdchen, Nacktschnecken, Garnelen, Krabben oder Seeigel, im Archipel kleiner Inseln vor Kas und Kekova etabliert.
Das Werk ist im Wesent­lichen eine Fotodokumentation mit einigen naturkundlichen Absätzen pro Art, ein edles Bild-Bestimmungsbuch mit speziellem zoogeografischen Hintergrund.
Draman präsentiert darin 128 höchst ästhetische Unterwasserfotos, die das Vorkommen von mindestens 58 der invasiven Arten aus dem Roten Meer vor der türkischen Küste belegen.
Dieses spezielle Buch-Projekt, das sicher fortgeführt werden wird, erschien bereits im Sommer 2016.
Die vorgelegten Aufnahmen stammen von Tauchgängen und Unterwasserbeobachtungen aus den Jahren 2000 bis 2015.
Falk Wieland

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Giovanna Zoboli und Mariachiara di Giorgio. 32 Seiten, durchgehend bebildert, gebunden. Für Kinder von drei bis sechs Jahren. Bohem Verlag, Münster, 2017. ISBN 978-3-95939-056-9. 16,95 €

Zwei italienische Illustratorinnen mit Witz, mit Sinn für Details und Hintergründiges, zwei erfahrene Künstlerinnen, die in ihren liebevollen und charmanten Bildern zum Verweilen einladen, zum Suchen und Nachspüren und aus einem Bilderbuch ohne Worte eine bunte Geschichte erschaffen, zu der einem unweigerlich viele Worte einfallen.
Gerade noch träumt das Krokodil vom Dschungel, treibt, an einen Baumstamm gelehnt, auf einem Fluss, nichtstuend, faul in den Tag hinein lebend. Dann klingelt erbarmungslos der Wecker, und es heißt: Raus aus dem Traum und dem gestreiften Schlafanzug, auf zur Arbeit!
Eigentlich wäre das alles, was einen morgens beschäftigen kann, gar nicht so spannend. Waschen, anziehen, frühstücken, die passende Kleidung heraussuchen, zur U-Bahn eilen, sich über den einen oder anderen Zeitgenossen ärgern.
Wäre es eben nicht ein Krokodil, das sich – offenbar ohne, dass die Menschen sich wundern – in den Strom derer einreiht, die Morgen für Morgen zu ihrer Arbeit hetzen, noch verschlafen am Bahnsteig warten, sich teilnahmslos nebeneinanderstehend dem Rhythmus der Bahn hingeben, ohne den anderen überhaupt wahrzunehmen. Blumen für die ­Kollegin bringt Krokodrillo mit, sein Frühstück vom Imbiss.
32 Seiten hat das querformatige Buch, große und kleine Abbildungen, zahlreiche Details, Bilder, an denen es so Vieles zu entdecken gibt. Es ist ein quirliges Großstadtleben, in dem Krokodrillo zur Arbeit geht, es könnte irgendwo in einer großen Metropole sein, aber sicher nicht im afrikanischen Urwald, nicht in den „Sümpfen Südamerikas“. Dadurch, dass es aber ja ein großes, als gefährlich geltendes Tier ist, das da einfach „unseren Alltag“ lebt, wird die Geschichte ohne Worte plötzlich lustig, lebhaft, tanzt so aus der Reihe und reizt zum Selber-Erzählen.
Und natürlich bleibt die Frage: Wo arbeitet denn, bitte schön, Herr Krokodrillo? Das aber darf hier nicht ­verraten werden, nur so viel vielleicht: Er hat einen überaus angenehmen Arbeitsplatz, an dem er sich offensichtlich wohlfühlt, wenngleich es auch nicht das Leben aus seinem Traum ist. Aber so ist nun einmal der Alltag oft …
Barbara Wegmann

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Thomas Sterba. Mit naturhistorischen Illustrationen aus vier Jahrhunderten. 660 Seiten, 609 Abbildungen, ­Hardcover. Basilisken-Presse, Natur + Text GmbH, Rangsdorf, 2018. ISBN 978-3-941365-57-5. 149 €
Das Buch ist als 18. Band in der Reihe „Acta Biohistorica, Schriften aus dem Museum und Forschungsarchiv für die Geschichte der Biologie“ erschienen.

Der österreichische Gelehrte Karl von Meidinger (1750–1820) hat neben seinen of­fiziellen Professionen als Regierungssekretär für Niederösterreich später als Rats­protokollist bei den k. k. Landrechten unter der Ens zu Wien auf verschie­denen naturwissenschaftlichen Gebieten geforscht und dar­über publiziert.
Unter mehr als 60 Bei­trägen vorwiegend praxisbezogenen physikalisch-chemisch-merkantilen und botanischen Inhalts befinden sich auch seine von 1785 bis 1794 auf eigene Kosten herausgegebenen „Icones Piscium Austriae“, in ­denen er auf 50 handkolorierten und in fünf Heften zusammengefassten Kupfertafeln in folio 42 Fischarten und einige ­Varietäten aus dem Einzug der Donau wiedergibt. Leider haben die geringe Auflagenhöhe, der hohe Verkaufspreis sowie der spärliche Text in Latein eine weite ­Verbreitung des inzwischen nahezu vergessenen Werks verhindert.
Thomas Sterba gebührt das Verdienst, die Icones ­Piscium Austriae des Karl von Meidinger wiederentdeckt zu haben, sie hinsichtlich ihrer Qualität zu rehabilitieren und in Form des hier vorgestellten Buchs einem breiten Publikum zu präsentieren. Dazu hätte es nicht einer so voluminösen Pub­likation bedurft, die im Geleitwort von R. Kinzelbach als Jahrhundertwerk gelobt wird. Aber der Autor hat ­Meidingers Fischdarstellungen in einen größeren Rahmen gestellt, was den Wert seiner tiefschürfenden Arbeit erheblich steigert.
Ausgehend von der Präsentation und Bewertung der Meidingerschen Fischdarstellungen zieht Sterba einen Vergleich mit der ­ähnlich aufwendig illus­trierten „Oeconomischen Naturgeschichte der Fische Deutschlands“ von Meidingers Zeitgenossen, dem Berliner Arzt und Ichthyologen Marcus Elieser Bloch (1723–1799). Sie ist in den Jahren 1782 bis 1784 als erster Teil seiner später um die Naturgeschichte der ausländischen Fische erweiterten ­Allgemeinen Naturgeschichte der Fische erschienen, mit der Bloch trotz mancher Fehler zu einem der wichtigsten Ichthyo­logen der frühen nach-Linnéschen Periode werden sollte.
Als drittes Anliegen veranschaulicht der Autor die historische Entwicklung von Illustrationen und Kenntnissen zu jenen Fischarten, die in Karl von Meidingers Tafelwerk abgebildet sind. Dazu dehnt er den Zeithorizont vom frühen 16. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts aus und bezieht Fischdarstellungen von über 80 weiteren Urhebern in seine kri­tische Bewertung ein, wobei er neben den zoologischen und den künstle­rischen Gesichtspunkten auch allgemeine Aspekte im Verhält­-nis zwischen Mensch und Fisch berücksichtigt.
Dem Hauptteil des Werks, Meidingers Fischtafeln im historischen Vergleich, werden eine Einführung, die Kapitel „Die ichthyologische Illustration“, „Das Phänomen Fisch und seine Systematik“, „Karl von Meidingers Lebensdaten“ sowie eine Anleitung zur Nutzung des Buchs vorangestellt. Das Abbildungs- und Literaturverzeichnis, zwei Artenregister in Deutsch und Latein sowie ein Personen­index sind im umfangreichen Anhang zu finden.
Dem Verlag Natur + Text GmbH (Rangsdorf) gebührt Anerkennung dafür, dass er die Verwirklichung eines derart umfangreichen Themas ermöglicht hat, opulent ausgestattet mit vielen Illus­trationen, die eine Augenweide für den Betrachter darstellen. Damit hat sich der Verlag für weitere, ähn­liche Projekte empfohlen.
Nach Sterbas Analyse hat von Meidinger in 32 von 50 Fällen weitaus bessere Abbildungen als Bloch von den jeweiligen Arten oder Varianten geliefert, neun weitere sind den Blochschen Abbildungen mehr oder weniger unterlegen, und in ebenfalls neun Fällen hat von Meidinger Blochsche Abbildungen kopiert, ohne in jedem Fall auf deren Herkunft zu verweisen. In der Tat wirken viele Darstellungen in den Icones Piscium Austriae durchaus lebensnäher, teilweise auch präziser als die seinerzeit hochgelobten von Bloch, wobei es dem Rezensenten aber nicht immer gelungen ist, den Argumenten des Autors zu folgen.
Für den hohen „Gebrauchswert“ des Buchs ist diese spezielle Fragestellung aber nicht entscheidend. Wichtiger ist die mit viel ­Detailkenntnis und Akribie zusammengetragene Fülle an Informationen, die sich dem Leser bei der Lektüre der Kapitel über die Entwicklung der Fischabbildungen, der ichthyologischen Systematik und vor allem bei den anschließenden ausgesprochen ausführlichen Besprechungen der abgehandelten Arten erschließt.
Wem nützt ein solches Buch? Die Antwort lautet: jedem, der ein etwas tiefer gehendes Interesse an den vielfältigen Beziehungen der Menschen zu den Fischen und an deren Identi­fikation aufbringt. Unabhängig davon, ob er als Ichthyologe, Fischereifachmann, Angler, Ökologe, Faunist, Naturschützer oder Wasserwirtschaftler speziell die mit­teleuropäische Süßwasserfischfauna im Blick hat, ob er als engagierter Aquaria­-ner über sein spezielles In­teressengebiet hinausschauen möchte oder ob er als ­Wissenschaftshistoriker die Entwicklung der naturwissenschaftlichen Illustration oder der zoologischen Forschung am Beispiel der Fische verfolgen will.
Die Zahl potenzieller Zielgruppen lässt sich noch um Bildungseinrichtungen wie einschlägige Hochschulinstitute, Bibliotheken und naturwissenschaftliche Museen erweitern, denen der Erwerb des Buchs empfohlen sei, nicht zuletzt auch für jene Interessenten, die es sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht anschaffen können oder wollen.
Ein paar Fehlinterpreta­tionen sind aufgefallen, die sich in einem dermaßen umfangreichen Werk wohl nicht ganz vermeiden ließen: Auf Seite 49 erwähnt der Autor die spätere Überführung des Kaulbarsches aus der Gattung Perca in das Genus Gymnocephalus, dessen „Nominalform“ er repräsentiere.
Mit dem unpräzisen Begriff „Nominalform“ könnten entweder die offiziellen Begriffe „Nominatform“, „nominelle Art“ oder aber die Typusart gemeint sein. Die ist allerdings für die Gattung Gymnocephalus nach Festlegung durch Bleeker (1876) der Schrätzer (für den unter anderem die Gattung einst von Bloch geschaffen wurde) und nicht der Kaulbarsch.
Die auf Seite 95 im Kapitel über die Güster erwähnten Taxa Cyprinus Buggenhagii Bloch, Abramis Leuckartii Heckel und Abramis Heckelii Selys-Longchamps haben nichts mit der Güster zu tun, weil es sich jeweils um Bastarde von Plötze und Blei handelt, was, wie der Autor auch erwähnt, von Siebold (1863) als Erstem aufgefallen war und von Zarske in jüngerer Zeit erneut untersucht und be­gründet wurde.
Das auf den Seiten 315 und 316 nur als Synonym zur Plötze angeführte Taxon Leuciscus Heckelii Nordmann ist laut Kottelat & Freyhof (2007) sowie nach Fishbase als Rutilus heckelii eine gut abgrenzbare valide Spezies.
So weit ein paar kritische Anmerkungen, um neben der Würdigung einer wirklich großen schriftstellerischen Leistung auch dieser Rezensenten-Pflicht nachgekommen zu sein!
Hans-Joachim Paepke