margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxGutjahr, Axel (2021): Die Süßwasserfische Europas – Merkmale, Verbreitung und Lebensweise der häufigsten Arten. – Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co., Wiebelsheim, 195 S.; ISBN 978-3-494-0185; 19,95 €

Ein Bestimmungsbuch im klassischen Sinn ist das durchgängig mit guten Fotos ausgestattete Werk nicht, sondern es richtet sich an interessierte Laien. Vorgestellt werden 65 Fischarten sowie drei Neunaugen, alphabetisch geordnet anhand der deutschen Namen (ein Register der wissenschaftlichen Namen sucht man vergebens, auch wenn diese in den Porträts genannt werden). Dass der Autor allerlei invasive Spezies, z. B. Blaubandbärbling, Dickkopfelritze und Guppy, nahtlos in die Auflistung eingefügt hat, mag eine Frage des Geschmacks sein. Keine Frage des Geschmacks dagegen ist der Exkurs zu Beginn (S. 7) in die Systematik der Rundmäuler: „Diese unterteilen sich wiederum in die Ordnung der Neunaugen, Petromyzontiformes, und die Familie der Stachelaale, Mastacembelidae, wobei letztere zur Ordnung der Kiemenschlitzaalartigen, Synbranchiformes, gehören.“ Offenbar kam hier bei der Recherche mit den diversen „Aalen“ etwas durcheinander, denn zu den Rundmäulern zählen ausschließlich die Neunaugen und die Schleimaale, während die Stachelaale natürlich Knochenfische sind. Unglücklich, wenn der gröbste Schnitzer gleich in der Einführung passiert. Davon abgesehen gibt das Buch jedem Naturliebhaber die Gelegenheit, etwas mehr über die heimische Ichthyofauna zu erfahren, auch wenn es schön gewesen wäre, die invasiven und teils von einem Haltungsverbot betroffenen Arten gesondert zu behandeln.
Sebastian Wolf

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxGrant, Steven (2021): Pims; Pimelodidae, Heptapteridae and Pseudopimelodidae Catfishes. – ATS-Aquashop, Neustadt am Rübenberge, 224 S., Hardcover; ISBN: 978-3-98575-001-6; 39,95 €

Im Englischen liebevoll als „Pims“ bezeichnet, werden die oft großen Arten der Echten Antennenwelse (Pimelodidae) in der Aquaristik stetig populärer. Das hat den englischen Aquarianer Steven Grant veranlasst, sich intensiv mit dieser und den nahe verwandten Familien Pseudopimelodidae und Heptapteridae zu beschäftigen. Der Autor bezeichnet sich selbst als „Hobbyichthyologen“ und ist in der britischen Welsszene sehr aktiv, u. A. ist er im Führungskomitee der Catfish Study Group und Redakteur des Vereinsmagazins, veröffentlicht aber auch regelmäßig im BSSW-Report. Zum ersten Mal wird diesen Raubwelsen ein eigenes Buch gewidmet, das sowohl den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zusammenfasst als auch dem Aquarianer eine Lektüre sein soll.  
120 Arten aus 41 Gattungen der Überfamilie Pimelodoidea werden mit Bildern vorgestellt und mindestens auf Gattungsebene besprochen. Dabei widmet sich der Autor zu Beginn jedes Gattungskapitels sowohl dem taxonomischen Status wie auch der Identifikation und Ökologie. Im Artenteil werden die Ansprüche der Tiere in Aquarienhaltung vorgestellt und Ratschläge zu Fütterung, Größe und Gestaltung des Beckens gegeben. Da sich viele Arten diesbezüglich sehr ähneln, wiederholt sich hier des Öfteren der Inhalt – „Pims“ ist als Nachschlagewerk zu verstehen und so haben Wiederholungen durchaus ihre Berechtigung, möchte der Leser doch alle Informationen zur gesuchten Art schnell erhalten.
Die Texte sind so geschrieben, dass man sie auch mit basalen Englischkenntnissen versteht, man sollte sich also nicht abschrecken lassen. Das Buch zeichnet sich durch die zahlreichen, auf durchgehend schwarzem Hintergrund gut präsentierten Bilder aus. Die Aufnahmen stammen von unterschiedlichen Fotografen und zeigen die „Pims“ vor allem in Fotobecken, aber auch im Biotop und auf dem Fischmarkt, und die Mehrheit ist von guter bis sehr guter Qualität. Besonders hervorzuheben sind die für ihre stimmungsvollen Kompositionen bereits bekannten Aufnahmen von Enrico Richter. Unterstützt wird die Präsentation der Bilder durch das „etwas andere“ Buchformat von 22 × 21 cm.
Die Stärke des Buchs liegt klar in der Kombination wissenschaftlicher Erkenntnisse mit aquaristischen Erfahrungen. Mit dieser Zusammenführung geht der Autor einen sich seit Längerem anbahnenden Weg in der Aquaristik-Literatur. Ausnahmslos alle derzeit gehandelten Arten sind vertreten, zu vielen werden (bisher nicht in populärwissenschaftlicher Literatur thematisierte) Naturbeobachtungen geliefert. Auch – aber bei Weitem nicht nur – deswegen sollte „Pims“ bei keinem Freund der Raubwelse fehlen.
Daniel Konn-Vetterlein

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxPickett, Joshua (2020): The Bichir Handbook. – Independent Publishing Network, UK; 138 S.; ISBN 1789727707; 29,00 €

Nicht selten findet man in gut sortierten Aquaristik-Fachgeschäften Flösselhechte der Gattung Polypterus. Die im Englischen auch „Bichir“ genannten, Fossilien ähnelnden Fische sind in vielerlei Hinsicht sehr beeindruckend. Neben ihrer etwas über 70 Millionen Jahre alten Geschichte fallen sie besonders als Jungtiere auf, da sie aufgrund ihrer Außenkiemen in diesem Stadium stark an aquatische Salamanderlarven erinnern. Auch die Endgröße lässt aufhorchen, denn einige Arten, wie z. B. Polypterus congicus, können einen Meter lang werden und sind dann besonders beeindruckend.
Außerdem atmen Flösselhechte nicht ausschließlich über ihre Kiemen, sie nehmen zusätzlich atmosphärischen Sauerstoff durch die Lunge auf und können daher problemlos sauerstoffarme Gewässer bewohnen – eine der Eigenschaften, die sie zu so erfolgreichen Fischen gemacht haben, und mit ein Grund dafür, dass sich Flösselhechte im Lauf der Evolution relativ wenig veränderten.
Während das Internet verschiedenste Quellen darreicht, gibt es in der Literatur wenig bis kaum Informationen zu Flösselhechten. Meist sind diese zudem veraltet, ungenau und in den seltensten Fällen komplett. Joshua Pickett, ein junger Grafikdesigner und leidenschaftlicher Aquarianer aus England, wollte dies ändern. Ende 2020 veröffentlichte er mit „The Bichir Handbook“ ein englischsprachiges Buch im Eigenverlag, das mit veralteten Informationen aufräumt und über die Polypteridae aufklärt. Mit Beiträgen von Biologen, Paläontologen, Ökologen, Tierärzten und Fischern stellt sein 138 Seiten umfassendes Werk alle existierenden Arten dieser teils uralten Fischfamilie vor.
Um ein umfangreiches Hintergrundwissen zu bieten, geht der Autor nach dem Vorwort auf Geschichte und Herkunft der Flösselhechte ein und stürzt sich danach, angenehm kurzweilig geschrieben, auf die Themen Verwandtschaft, Anatomie und Physiologie sowie Vermehrung. Mit diesem Wissen im Hinterkopf gelangt man zum größten Buchabschnitt, in dem Art für Art vorgestellt wird. Neben zahlreichen Grafiken (wie schnell die Tiere wachsen, wie groß sie werden und wie aktiv sie sind) bekommt der Leser Informationen zu ihrer Vermehrung und Herkunft. Abgerundet werden die Darstellungen mit Lebendbildern sowie pro Art einer handgemalten Illustration des Ichthyologen Dorian Noël, die Merkmale zur Identifikation jeweils besonders hervorhebt.
Für lediglich 29 € erhält man über die Webseite des Autors (www.thebichirhandbook.com) mehr als ein „gewöhnliches“ Buch, das die aktuellen Informationen über Flösselhechte (einschließlich des Flösselaals Erpetoichthys calabaricus) umfasst. Durch die sagenhaften Illustrationen ist dieses Werk auch ein Stück Kunst. Beim Öffnen fällt einem – neben einem Polypterus-Lesezeichen – ein Poster mit allen Arten entgegen. Ob man sich als Aquarianer, Wissenschaftler oder einfach nur als Laie mit diesen Tieren beschäftigt: Das Buch lädt zum Durchblättern ein und ist ein Muss für jeden, der sich für diese speziellen Fische interessiert.
Markus Kaluza

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxJohnson, Steven David (2021): Vernal Pools – documenting life in temporary ponds – North American Nature Photography Association, 70 S., kostenlos verfügbar; PDF zum Herunterladen unter https://nanpa.informz.net/NANPA/pages/VernalPools_Ebook

Die Nordamerikanische Gesellschaft für Naturfotografie hat für Naturbegeisterte ein aktuelles Buch kostenlos zur Verfügung gestellt, ein absoluter Kracher noch dazu. Zwar sind die behandelten Arten alle in Nordamerika heimisch, das tut dem Genuss allerdings keinen Abbruch und kann zudem die Vorfreude auf das heimische Herping weiter anheizen.
„Vernal Pools“ sind saisonal auftretende Stillgewässer, die bei Anbruch des Frühlings durch Niederschläge oder Schneeschmelze entstehen, fischfrei sind – und dadurch wertvolle Fortpflanzungslebensräume für diverse Frösche und Schwanzlurche bereitstellen.
Johnson erzählt in einem äußerst unterhaltsamen Stil aus seinen Erfahrungen bei der fotografischen Dokumentation dieser temporären Lebensräume. Er teilt die Amphibien in obligate und fakultative Arten ein, also solche, die zwingend auf diese Frühlingsgewässer angewiesen sind, und solche, die diesen Lebensraum zusätzlich nutzen (können). Für tümpelnde Aquarianer wirklich nett sind auch die weiter hinten im Buch abgebildeten Wirbellosen dieser Gewässer, wie Daphnien, Feenkrebse und Copepoden.
Abgeschlossen wird der Ausflug in den vergänglichen, aber immer wiederkehrenden Mesokosmos mit praktischen Hinweisen zum Fotografieren am Tümpel, Schutzstrategien und einem kurzen Literaturverzeichnis. Die Abbildungen sind von atemberaubend guter Qualität und ein ästhetische Genuss erster Güte. Die Infos sind kurz und gut aufbereitet, und ganz bestimmt lässt die mehr als gelungene Aufmachung auch über eingeschworene herpetophile Kreise hinweg Begeisterung entstehen – das dürfte sicher ein Hauptanliegen des Werkes sein. Absolut empfehlenswert!
Sebastian Wolf

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxMüller, Thorolf & Gerd Hoffmann-Wiek (2020): Tiefsee – Vielfalt in der Dunkelheit. – Senckenberg-Buch 83, E. Schweizerbart‘sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 204 S., 177 Abbildungen; ISBN 978-3-510-61415-8; 17,90 €

Das hier besprochene Buch nimmt den Leser mit auf eine Reise in die Tiefsee, jene immer noch (zumindest im Verhältnis zu anderen Lebensräumen) unbekannte Welt. Eine Menge zu entdecken gibt es jedenfalls – die teils fabelhaft anmutenden Wesen werden im mit vielen Bildern aufgelockerten Werk von Müller und Hoffmann-Wiek vorgestellt, und ganz zeitgemäß werden auch Probleme aufgezeigt, die deutlich publiker gemacht werden müssten.
Die Erforschung dieser für uns so unzugänglichen Welt begann vor gut 150 Jahren – zu einer Zeit, als die Menschen glaubten, die Tiefsee sei unbewohnt. Eine Anekdote zeigt, wie überrascht man gewesen sein musste, dass dem gar nicht so ist: 1860 wurde im Mittelmeer ein defektes Kabel aus der Tiefe gehoben, das repariert werden sollte. Daran hatten sich Lebewesen angesiedelt – der Forschungsdrang war geweckt. 1898 stieg Deutschland mit der Valdivia-Expedition in dieses Forschungsfeld ein. Auch heute kennen wir den Lebensraum erst bruchstückhaft, trotzdem sollten wir ihn schützen.
Leben gibt es bis in eine Tiefe von 11.000 m, ab 1.000 m liegt alles in ewiger Dunkelheit. Und je tiefer es geht, desto kälter wird es: von +4 °C bis -1 °C. Vor allem aber der hohe Wasserdruck ist eine große Herausforderung an die Anpassungsfähigkeit der Organismen. Bei den extremen Bedingungen leben dort z. B. Tiefsee-Anglerfische (Ceratioidei), Pelikan-Aale (Eurypharynx pelecanoides) und Fangzahn (Anoplogaster cornuta), um nur wenige der im Buch Erwähnten zu nennen.
Hartes Substrat (Felsen, Schalen und Manganknollen) macht prozentual den weitaus geringeren Anteil an der Gesamtmenge des Untergrundes aus, und mit 85 % dominiert weiches Substrat (feinkörniger Grund aus Verwitterungen und Überresten von Organismen). Schwämme, Korallen und Muscheln siedeln sich auf den harten Untergründen an. Schnecken, Muscheln und Stachelhäuter bewohnen die weichen Böden.
Vulkanisch aktive Bereiche mit schwarzen und anderen Rauchern bilden Hotspots für Lebewesen. Genannt werden etwa die im Golf von Mexiko 2003 entdeckten Asphaltablagerungen. Auch auf diesen Asphaltmatten haben sich Mikroben angesiedelt.
Selbst an den Manganknollen gibt es Leben, dort siedeln sich verschiedene Krebstiere wie die dreigliedrigen Eichelwürmer, Borstenwürmer und Wasserbären an. Erläutert werden auch die Gefahren des Tiefseebergbaus: Beim Abbau der Manganknollen wird deren Umgebung zerstört, beim Transport an die Oberfläche entstehen Schäden durch „Abfälle“, die wieder nach unten sinken (und dann da landen, wo andere Lebewesen sitzen und siedeln).
In den großen Tiefen sind die Sichtverhältnisse schlecht, manche Tiere erzeugen selber Licht, andere verständigen sich mit Geräuschen. Wo Leben ist, wird auch gestorben, anschaulich beschrieben an einem Wal, dessen Überreste in der Tiefe als Nahrung für die verschiedensten anderen Lebewesen herhalten; je nach Art der Zersetzung sind etwa spezielle Aasfresser, Schwefelliebhaber sowie Knochenfresser beteiligt.
Das Team von Senckenberg und Geomar hat ein spannendes Buch geschrieben, trotz der Fülle an Informationen ist es gut und verständlich zu lesen. Meine Neugierde am Thema „Tiefsee“ ist gewachsen.
Elfriede Ehlers