margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Murat Draman. 132 Seiten, 130 Fotos, Softcover. Verlag A4 Ofset Matbaacilik Sa. Ve Tic. Ltd. Sti., Istanbul. ISBN 978-975-8416-45-5 (in türkischer und englischer Sprache). 20 €, zuzüglich etwa 9 € Versandkosten. Weitere Infos: www.redseainthemed.com. Bestellungen und Kontakt zum Autor: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

In DATZ 9/2017 wurden die lykische Küste und die Unterwasserwelt der türkischen Ägäis in einer Reise-Reportage vorgestellt. In diesem Artikel wurden auch die Wanderbewegungen der Meerestiere infolge der Lesseps­schen Migration erwähnt. Seit der Öffnung des Suez­kanals 1869 wandern Arten aus dem Roten Meer ins Mittelmeer ein und verändern das Artenspektrum. Umgekehrt zieht es kaum me­di­ter­rane Spezies ins Rote Meer.
Die Einwanderer queren selten das offene Meer und verbreiten sich überwiegend den Küstenlinien folgend. Weil die meisten Arten die Süßwassermassen der Nilmündung meiden, wandern sie nach Osten und Norden. Man schätzt, dass vor der südtürkischen Küste bereits mindes­tens 100 aus dem Roten Meer stammende Arten leben und sich fortpflanzen. Damit wirkt sich die Lessepssche Mi­gration vor der türkischen Ägäis-Küste am stärksten aus, wenn der ganze ­Mittelmeerraum in den Vergleich einbezogen wird.
Der Unterwasserfotograf, Tauchlehrer und Meeresbiologie-Enthusiast Murat Draman betreibt im maritimen Schutzgebiet von Kas und Kekova seit über 15 ­Jahren eine Tauchbasis mit eigenem Schiff und diversen Booten. Er nennt es ein Privileg, das ganze Jahr in ­diesem wunderschönen Meeresschutz­gebiet tauchen zu dürfen.
In diesem Areal wird über bestimmten Flächen nicht gefischt, es gibt über sensiblen Zonen Ankerverbote, außerdem bestehen ­archäologische Reservate.
Draman beobachtete und fotografierte seine Tauchplätze, die Unterwasserlebensräume und die dort lebenden Arten von Anfang an intensiv. Er veröffentlichte zuerst das knapp 200-seitige und viersprachige (Türkisch, Deutsch, Englisch, Französisch) Buch „The Kas Diving Guide“, das inzwischen in überarbeiteter Auflage vorliegt und in Taucherkreisen gut bekannt ist.
Dieser Tauchführer vermittelt dem na­turkundlich interessierten Tauchgast viel meeresbiologisches Wissen und eine gute Artenkenntnis für die mediterrane Region um Kas und Kekova.
Die Beobachtungen im glasklaren Meer vor Kas in­spirierten Draman, sich als nächste Publikation eine ­Dokumentation jener Arten vorzunehmen, die infolge der Lessepsschen Migration dauerhaft in das südtür­ki­sche Schutzgebiet einwandern und dort siedeln. Eine solche Arbeit darf als naturkundlicher Beweis dafür angesehen werden, dass bestimmte ­Arten in der betrachteten Region dauerhaft vorkommen. Wie der Rezensent aus eigener Erfahrung weiß, ist es ungleich schwieriger, zu allen Tieren, die man vielleicht schon oft kurz beobachtet hat oder über ­deren Existenz man von anderen Menschen weiß, echte in-­situ-Fotos zu erstellen.
In dem Buch kann der Leser verfolgen, welche Fischarten – vom Trompetenfisch bis zum Rotfeuerfisch – inzwischen die Ägäis erreicht haben. Doch mittlerweile haben sich auch viel langsamere Organismen, etwa Tintenfische, Seepferdchen, Nacktschnecken, Garnelen, Krabben oder Seeigel, im Archipel kleiner Inseln vor Kas und Kekova etabliert.
Das Werk ist im Wesent­lichen eine Fotodokumentation mit einigen naturkundlichen Absätzen pro Art, ein edles Bild-Bestimmungsbuch mit speziellem zoogeografischen Hintergrund.
Draman präsentiert darin 128 höchst ästhetische Unterwasserfotos, die das Vorkommen von mindestens 58 der invasiven Arten aus dem Roten Meer vor der türkischen Küste belegen.
Dieses spezielle Buch-Projekt, das sicher fortgeführt werden wird, erschien bereits im Sommer 2016.
Die vorgelegten Aufnahmen stammen von Tauchgängen und Unterwasserbeobachtungen aus den Jahren 2000 bis 2015.
Falk Wieland

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Giovanna Zoboli und Mariachiara di Giorgio. 32 Seiten, durchgehend bebildert, gebunden. Für Kinder von drei bis sechs Jahren. Bohem Verlag, Münster, 2017. ISBN 978-3-95939-056-9. 16,95 €

Zwei italienische Illustratorinnen mit Witz, mit Sinn für Details und Hintergründiges, zwei erfahrene Künstlerinnen, die in ihren liebevollen und charmanten Bildern zum Verweilen einladen, zum Suchen und Nachspüren und aus einem Bilderbuch ohne Worte eine bunte Geschichte erschaffen, zu der einem unweigerlich viele Worte einfallen.
Gerade noch träumt das Krokodil vom Dschungel, treibt, an einen Baumstamm gelehnt, auf einem Fluss, nichtstuend, faul in den Tag hinein lebend. Dann klingelt erbarmungslos der Wecker, und es heißt: Raus aus dem Traum und dem gestreiften Schlafanzug, auf zur Arbeit!
Eigentlich wäre das alles, was einen morgens beschäftigen kann, gar nicht so spannend. Waschen, anziehen, frühstücken, die passende Kleidung heraussuchen, zur U-Bahn eilen, sich über den einen oder anderen Zeitgenossen ärgern.
Wäre es eben nicht ein Krokodil, das sich – offenbar ohne, dass die Menschen sich wundern – in den Strom derer einreiht, die Morgen für Morgen zu ihrer Arbeit hetzen, noch verschlafen am Bahnsteig warten, sich teilnahmslos nebeneinanderstehend dem Rhythmus der Bahn hingeben, ohne den anderen überhaupt wahrzunehmen. Blumen für die ­Kollegin bringt Krokodrillo mit, sein Frühstück vom Imbiss.
32 Seiten hat das querformatige Buch, große und kleine Abbildungen, zahlreiche Details, Bilder, an denen es so Vieles zu entdecken gibt. Es ist ein quirliges Großstadtleben, in dem Krokodrillo zur Arbeit geht, es könnte irgendwo in einer großen Metropole sein, aber sicher nicht im afrikanischen Urwald, nicht in den „Sümpfen Südamerikas“. Dadurch, dass es aber ja ein großes, als gefährlich geltendes Tier ist, das da einfach „unseren Alltag“ lebt, wird die Geschichte ohne Worte plötzlich lustig, lebhaft, tanzt so aus der Reihe und reizt zum Selber-Erzählen.
Und natürlich bleibt die Frage: Wo arbeitet denn, bitte schön, Herr Krokodrillo? Das aber darf hier nicht ­verraten werden, nur so viel vielleicht: Er hat einen überaus angenehmen Arbeitsplatz, an dem er sich offensichtlich wohlfühlt, wenngleich es auch nicht das Leben aus seinem Traum ist. Aber so ist nun einmal der Alltag oft …
Barbara Wegmann

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Thomas Sterba. Mit naturhistorischen Illustrationen aus vier Jahrhunderten. 660 Seiten, 609 Abbildungen, ­Hardcover. Basilisken-Presse, Natur + Text GmbH, Rangsdorf, 2018. ISBN 978-3-941365-57-5. 149 €
Das Buch ist als 18. Band in der Reihe „Acta Biohistorica, Schriften aus dem Museum und Forschungsarchiv für die Geschichte der Biologie“ erschienen.

Der österreichische Gelehrte Karl von Meidinger (1750–1820) hat neben seinen of­fiziellen Professionen als Regierungssekretär für Niederösterreich später als Rats­protokollist bei den k. k. Landrechten unter der Ens zu Wien auf verschie­denen naturwissenschaftlichen Gebieten geforscht und dar­über publiziert.
Unter mehr als 60 Bei­trägen vorwiegend praxisbezogenen physikalisch-chemisch-merkantilen und botanischen Inhalts befinden sich auch seine von 1785 bis 1794 auf eigene Kosten herausgegebenen „Icones Piscium Austriae“, in ­denen er auf 50 handkolorierten und in fünf Heften zusammengefassten Kupfertafeln in folio 42 Fischarten und einige ­Varietäten aus dem Einzug der Donau wiedergibt. Leider haben die geringe Auflagenhöhe, der hohe Verkaufspreis sowie der spärliche Text in Latein eine weite ­Verbreitung des inzwischen nahezu vergessenen Werks verhindert.
Thomas Sterba gebührt das Verdienst, die Icones ­Piscium Austriae des Karl von Meidinger wiederentdeckt zu haben, sie hinsichtlich ihrer Qualität zu rehabilitieren und in Form des hier vorgestellten Buchs einem breiten Publikum zu präsentieren. Dazu hätte es nicht einer so voluminösen Pub­likation bedurft, die im Geleitwort von R. Kinzelbach als Jahrhundertwerk gelobt wird. Aber der Autor hat ­Meidingers Fischdarstellungen in einen größeren Rahmen gestellt, was den Wert seiner tiefschürfenden Arbeit erheblich steigert.
Ausgehend von der Präsentation und Bewertung der Meidingerschen Fischdarstellungen zieht Sterba einen Vergleich mit der ­ähnlich aufwendig illus­trierten „Oeconomischen Naturgeschichte der Fische Deutschlands“ von Meidingers Zeitgenossen, dem Berliner Arzt und Ichthyologen Marcus Elieser Bloch (1723–1799). Sie ist in den Jahren 1782 bis 1784 als erster Teil seiner später um die Naturgeschichte der ausländischen Fische erweiterten ­Allgemeinen Naturgeschichte der Fische erschienen, mit der Bloch trotz mancher Fehler zu einem der wichtigsten Ichthyo­logen der frühen nach-Linnéschen Periode werden sollte.
Als drittes Anliegen veranschaulicht der Autor die historische Entwicklung von Illustrationen und Kenntnissen zu jenen Fischarten, die in Karl von Meidingers Tafelwerk abgebildet sind. Dazu dehnt er den Zeithorizont vom frühen 16. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts aus und bezieht Fischdarstellungen von über 80 weiteren Urhebern in seine kri­tische Bewertung ein, wobei er neben den zoologischen und den künstle­rischen Gesichtspunkten auch allgemeine Aspekte im Verhält­-nis zwischen Mensch und Fisch berücksichtigt.
Dem Hauptteil des Werks, Meidingers Fischtafeln im historischen Vergleich, werden eine Einführung, die Kapitel „Die ichthyologische Illustration“, „Das Phänomen Fisch und seine Systematik“, „Karl von Meidingers Lebensdaten“ sowie eine Anleitung zur Nutzung des Buchs vorangestellt. Das Abbildungs- und Literaturverzeichnis, zwei Artenregister in Deutsch und Latein sowie ein Personen­index sind im umfangreichen Anhang zu finden.
Dem Verlag Natur + Text GmbH (Rangsdorf) gebührt Anerkennung dafür, dass er die Verwirklichung eines derart umfangreichen Themas ermöglicht hat, opulent ausgestattet mit vielen Illus­trationen, die eine Augenweide für den Betrachter darstellen. Damit hat sich der Verlag für weitere, ähn­liche Projekte empfohlen.
Nach Sterbas Analyse hat von Meidinger in 32 von 50 Fällen weitaus bessere Abbildungen als Bloch von den jeweiligen Arten oder Varianten geliefert, neun weitere sind den Blochschen Abbildungen mehr oder weniger unterlegen, und in ebenfalls neun Fällen hat von Meidinger Blochsche Abbildungen kopiert, ohne in jedem Fall auf deren Herkunft zu verweisen. In der Tat wirken viele Darstellungen in den Icones Piscium Austriae durchaus lebensnäher, teilweise auch präziser als die seinerzeit hochgelobten von Bloch, wobei es dem Rezensenten aber nicht immer gelungen ist, den Argumenten des Autors zu folgen.
Für den hohen „Gebrauchswert“ des Buchs ist diese spezielle Fragestellung aber nicht entscheidend. Wichtiger ist die mit viel ­Detailkenntnis und Akribie zusammengetragene Fülle an Informationen, die sich dem Leser bei der Lektüre der Kapitel über die Entwicklung der Fischabbildungen, der ichthyologischen Systematik und vor allem bei den anschließenden ausgesprochen ausführlichen Besprechungen der abgehandelten Arten erschließt.
Wem nützt ein solches Buch? Die Antwort lautet: jedem, der ein etwas tiefer gehendes Interesse an den vielfältigen Beziehungen der Menschen zu den Fischen und an deren Identi­fikation aufbringt. Unabhängig davon, ob er als Ichthyologe, Fischereifachmann, Angler, Ökologe, Faunist, Naturschützer oder Wasserwirtschaftler speziell die mit­teleuropäische Süßwasserfischfauna im Blick hat, ob er als engagierter Aquaria­-ner über sein spezielles In­teressengebiet hinausschauen möchte oder ob er als ­Wissenschaftshistoriker die Entwicklung der naturwissenschaftlichen Illustration oder der zoologischen Forschung am Beispiel der Fische verfolgen will.
Die Zahl potenzieller Zielgruppen lässt sich noch um Bildungseinrichtungen wie einschlägige Hochschulinstitute, Bibliotheken und naturwissenschaftliche Museen erweitern, denen der Erwerb des Buchs empfohlen sei, nicht zuletzt auch für jene Interessenten, die es sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht anschaffen können oder wollen.
Ein paar Fehlinterpreta­tionen sind aufgefallen, die sich in einem dermaßen umfangreichen Werk wohl nicht ganz vermeiden ließen: Auf Seite 49 erwähnt der Autor die spätere Überführung des Kaulbarsches aus der Gattung Perca in das Genus Gymnocephalus, dessen „Nominalform“ er repräsentiere.
Mit dem unpräzisen Begriff „Nominalform“ könnten entweder die offiziellen Begriffe „Nominatform“, „nominelle Art“ oder aber die Typusart gemeint sein. Die ist allerdings für die Gattung Gymnocephalus nach Festlegung durch Bleeker (1876) der Schrätzer (für den unter anderem die Gattung einst von Bloch geschaffen wurde) und nicht der Kaulbarsch.
Die auf Seite 95 im Kapitel über die Güster erwähnten Taxa Cyprinus Buggenhagii Bloch, Abramis Leuckartii Heckel und Abramis Heckelii Selys-Longchamps haben nichts mit der Güster zu tun, weil es sich jeweils um Bastarde von Plötze und Blei handelt, was, wie der Autor auch erwähnt, von Siebold (1863) als Erstem aufgefallen war und von Zarske in jüngerer Zeit erneut untersucht und be­gründet wurde.
Das auf den Seiten 315 und 316 nur als Synonym zur Plötze angeführte Taxon Leuciscus Heckelii Nordmann ist laut Kottelat & Freyhof (2007) sowie nach Fishbase als Rutilus heckelii eine gut abgrenzbare valide Spezies.
So weit ein paar kritische Anmerkungen, um neben der Würdigung einer wirklich großen schriftstellerischen Leistung auch dieser Rezensenten-Pflicht nachgekommen zu sein!
Hans-Joachim Paepke

 

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Peter Richard. 256 Seiten, 350 Fotos, 94 Zeichnungen, gebunden. Haupt Verlag, Bern, 2018. ISBN 978-3-258-08024-6. 49 €

Ein dickes Buch zur Planung eines „Naturgartens“ liegt vor mir. Erschienen ist es im Haupt Verlag (Bern), der uns fast im Monatstakt wunderschöne Bücher zu allen möglichen Naturthemen präsentiert.
Verarbeitung und Gestaltung des Werks sind auf den ersten Blick beeindruckend. Viele Bilder, eine durchgehend durchdachte Farbgebung, ein aufgelockertes Schriftbild und eingestreute „Tipps“ erfreuen schon beim ersten Durchblättern und ziehen den ­Leser in die einzelnen Kapitel hinein.
In der Übersicht findet man alle wichtigen Themenblöcke versammelt. Nach einleitenden Ausführungen zur Planung und Vorbereitung einer Gartengestaltung geht es mit Ka­piteln über „Mauern, Treppen, Wege“, „Gartenhaus, Laube & Co.“, „Wasserelemente – faszinierend und erfrischend“ und „Feuer- und Lichtelemente – den Garten in Szene setzen“ weiter. Ein umfangreicher Anhang mit weiterführenden Literaturtipps und Adressen rundet das Buch ab.
Für die Leser der DATZ ist sicher das Kapitel über Wasser im Garten von be­sonderem Interesse. Wagen wir also den Praxistest.
Auf Seite 196 beginnt der Abschnitt mit einem Gedicht über das Wasser auf einer sparsam gestalteten Seite. Es folgt eine kurze Einführung, die aber noch wenig mit dem eigentlichen Thema zu tun hat. Daran schließt sich eine weitere allgemeine Betrachtung zum feuchten Element und dessen besondere Eigenschaften an.
Diesen einleitenden Ausführungen folgt ein Abschnitt zu „kleinen Was­serelementen für den Garten“. Wasserschalen und Vogeltränken werden hier eher oberflächlich beschrieben. Und das ist leider auch ein Merkmal etlicher weiterer Texte in dem Werk.
Eigenartig unkonkret werden die Möglichkeiten für die Gestaltung dargestellt. Die Bilder sind nett, zeigen aber leider keine ­unmittelbar nachvollziehbaren Beispiele. Die Vogeltränke auf Seite 199 sieht zwar gut aus, ist aber kaum als sinnvolle Wasserstelle erkennbar. Die zugehörige Bildunterschrift weist auf den sinnvollen regelmäßigen Wasserwechsel hin, der in dem vorgestellten Modell jedoch denkbar schwierig zu bewerkstelligen sein dürfte.
Überhaupt bleiben viele Fragen offen. Wenn auf ­Seite 201 gefordert wird, dass man das Wasser in ­einem kleineren Gefäß nicht austauschen soll, „weil sich mit der Zeit eine Wasserbiologie einstellt“, ist das für den Erstplaner solcher Elemente wenig hilfreich – und fachlich zumindest missverständlich formuliert.
So geht es bedauerlicherweise weiter. Die beschrie­benen Brunnen und die „Rieselwand“ bleiben wohl eher Sonderstandorten vorbehalten und dürf­ten ziemlich hohe Investitionen er­fordern. Abgesehen davon, dass sich der Bezug der ­vorgestellten Metallbecken zu einem naturnahen Garten mir nicht erschließt.
Auf Seite 209 beginnt der Abschnitt „Gartenteich – Wasserparadies hinter dem Haus“. Als ärgerlich empfinde ich es, dass hier alle möglichen Begriffe kunterbunt miteinander vermischt werden. Auf einer Seite geht es beispielsweise um „Teiche“, „Weiher“ oder „Tümpel“, gemeint ist aber immer ein künstlich angelegtes, per­manent Wasser führendes Stillgewässer.
Die folgenden Tipps zur Anlage eines Teichs hat man so oder ähnlich schon oft ­gelesen. Sie sind ebenfalls oberflächlich und helfen eigentlich nicht bei der Planung und Anlage eines Teichs. Und die Naturnähe sucht man vergebens.
Dem Hinweis, den Teich mit Lehm aus einer Tongrube abdichten zu können, sollte der Leser besser nicht folgen. Der Rezensent hat selbst zwei Teiche auf diese Weise anlegen wollen und ist damit gescheitert.
Das Thema „Schwimmteiche“ wird dann sehr ausführlich behandelt. Das ist verwunderlich im Hinblick auf die postulierte „Natur­nähe“. Das beschriebene Beispiel weist zwar einen ­bepflanzten „Sumpfbereich“ auf, stellt aber ein Schwimmbecken dar und eben kein naturnahes Gestaltungselement für den Garten.
Die sich anschließende Anleitung zum Bau von Bachläufen ist dann wieder ziemlich unkonkret, so heißt es auf Seite 227: „Es lohnt sich in jeder Hinsicht, sorgfältig zu arbeiten.“ Dem wird bestimmt jeder DATZ-Leser sofort zustimmen, doch für den praktischen Bau eines Bachlaufs sind solche Formulierungen nun einmal nicht sonderlich hilfreich.
Nun könnte es ja ein ­Zufall sein, dass das vorgestellte Kapitel so wenig praxis- und naturnah daherkommt. Der Blick in die ­anderen Buchkapitel ergibt aber leider ein vergleichbares Bild.
Insgesamt bleibt deswegen ein eher enttäuschendes Fazit. Wer einen Gartenteich oder einen Bachlauf planen und bauen möchte, braucht andere Literatur. Und als ­reines Lesebuch scheint mir das vorliegende Werk zu ­teuer.
Was also bleibt? Ein schön gemachtes Buch mit Inhalten, die nicht mit der Qualität der Aufmachung mithalten können. Schade!

Hans-Peter Ziemek

 

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Marion Hahnfeldt, Elke Weiler, Stefanie Sohr, Jutta M. Ingala und Anke Schöps. 272 Seiten, durchgehend illustriert, gebunden. DuMont Reiseverlag, Ostfildern, 2017. ISBN 978-3-77018-221-3. 26,90 €

Ob an Ostsee, Nordsee, Atlantik oder Mittelmeer: „Wer einen Tag am Strand verbracht hat, weiß, das kann kein Zufall sein, der kennt das wohlige Gefühl am Abend. Diese angenehme Schwere, die den Körper erfasst, das Salz auf der Haut, an den Füßen klebt noch der Sand, und am Morgen erwacht man aus einem tiefen, erholsamen Schlaf.“
Diesem Gefühl geht das sehr empfehlenswerte, höchst unterhaltsame Buch auf den Grund. Was macht dieses Meer so attraktiv, ­woher kommt jenes Wohl­befinden, das „Runter­kommen“, kaum dass man das ewig auf den Strand schwappende Wasser erblickt?
Besinnliche Essays von Bloggern und Reiseschriftstellern, muntere Aufzählungen über Charakteristika der einzelnen Stationen, Tipps und Anregungen im Telegrammstil, Rezepte, die mit Wasser, Küste und beispielsweise Algen zu tun haben – all das macht die Seiten lebhaft und kurzweilig.
Übrigens muss man von getrockneten Algen gar nicht so ­viele essen, denn sie gehen im Magen auf. „Man fühlt sich schnell satt, so als ob man einen Snack gegessen hat.“
Wie das Thema des Buchs selbst, so wird jede Seite zu einer Entdeckung, und das überrascht selbst alte Küsten- und Inselhasen wie mich: Was zeichnet ­einen echten Strandräuber aus? Woher kommt das ­Geräusch der Wellen? Diese Sehnsucht nach Küste und Meer? Wie funktioniert die Flaschenpost? Wenn ich etwa meine Post in die Ostsee werfe?
„In Richtung ­Osten, einmal quer rüber. Russland, Lettland, Finnland, Litauen. Und die ­Chance, dass sie es bis dahin schafft, ist groß. Weil die Ostsee ein sehr kleines Meer ist, und alles, was man reinschmeißt, kommt irgendwann auch wieder raus.“
Da werden Leute por­trätiert, Buchten und Re­gionen beschrieben, stets mit Blick aufs Meer, in denen Menschen leben, für immer oder nur vorüber­gehend. Es gibt viele An­regungen, was man sportlich, kulturell oder einfach faulenzend am Meer tun und nicht tun kann.
Und es gibt natürlich kulinarische Tipps und ab und zu ganz konkret eine Restaurant-Empfehlung. Highlights der Küsten bleiben nicht unerwähnt, Orte sind genannt, die man einfach gesehen und erlebt ­haben muss. Und neben Bernstein, Fisch und Muscheln lässt sich unter Wasser wirklich Ausgefallenes finden. „125 Jahre altes
Bier ist noch genießbar, schmeckt aber etwas bitter und minzig. Entdeckt hatte es ein kanadischer Taucher auf dem Grund des Atlantiks.“
Besonders spannend: Stichworte zu Wissenswertem. Wer weiß schon, dass es ein Korbmacher aus Rostock im Frühjahr 1882 war, der den „aufrecht stehen­-den Wäschekorb“ erfand? „Dummerweise meldete er kein Patent für das gute Stück an.“
Ein sehr ansprechend aufgemachtes Buch, eine reichhaltige Fundgrube, die Leser nicht nur mit abwechslungsreichem Layout und ­einer Fülle verschiedenster Aspekte, sondern rundum mit einem Thema betört, das wohl zeitlos attraktiv ist.

Barbara Wegmann