Von Ulrike Korte. 64 Seiten, 65 Farbfotos. Natur und Tier - Verlag, Münster, 2016. ISBN 978-3-86659-257-5. 7,80 €

Was lange währt, wird endlich gut! Schon Anfang des Jahres entdeckte ich in der DATZ die Ankündigung des Halbschnäbler-Buchs von Ulrike Korte in der Reihe „Bücher für Ihr Hobby – Art für Art“, aber zunächst nur mit dem Vermerk „Erscheint in Kürze“. Ende August war es dann zu haben. Als Verfasser von Artikeln zu Fischen der Gattung Nomorhamphus ließ ich es mir nicht nehmen, diese Neuerscheinung über das Internet zu erwerben, wo zu lesen war: „Steht noch in keinem Regal.“ Es handelt sich um ein Ratgeberbuch für Amateure, das Mut machen soll, sich für diese selten gepflegten lebendgebärenden Fische Südostasiens zu interessieren. Die Familie der Halbschnabelhechte (Zenarchopteridae) wird in die drei Genera Hemirhamphodon, Dermogenys und Nomorhamphus unterteilt. Nomorhamphus- Arten leben bevorzugt in Fließgewässern Sulawesis. Entsprechend der bizarren Form dieser Insel verteilen sich die Arten geografisch auf eng begrenzte Habitate der vier lang ausgreifenden „Arme“, also der weit in das Meer reichenden Halbinseln, sowie auf die Zuflüsse der zentral gelegenen Seen Poso und Towoeti. Die Arten der Gattung Nomorhamphus besitzen einen verhältnismäßig kompakten, dennoch hechtartigen und spindelförmigen Körper mit einem – im Vergleich zu den anderen Vertretern der Familie – weni- ger lang ausgezogenen Unterkiefer, was sie für eine Aquarienhaltung eher empfiehlt, weil Verletzungen, etwa ein Abbrechen des Kiefers, nicht so schnell zu erwarten sind. Vor allem aufgrund der Färbung lassen sich die Halbschnäbler voneinander unterscheiden, was die Autorin mit zahlreichen Bildbeispielen anschaulich verdeutlicht.

Von Eric Chaline. Übersetzung aus dem Englischen von Coralie Wink und Monika Niehaus. 224 Seiten. Zahlreiche Schwarzweiß- und Farbfotos sowie Grafiken. Haupt Verlag AG, Bern, 2014. ISBN 978-3-258-07855-7. 29,90 €

Das Buch macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck, und der Titel verspricht einiges. Die Ausstattung mit Fotos und Grafiken sorgt für eine optische Bereicherung, zumal die Illustrationen allesamt von sehr guter Qualität sind und vielfach für einen zusätzlichen Wissensgewinn sorgen. Die Texte sind in wenigen Minuten gelesen. Bei ihrer Lektüre wird deutlich, dass kein Biologe es war, der sie geschrieben hat. Das leite ich nicht etwa daraus ab, dass sie fehlerhaft wären; vielmehr betrachtet Chaline die beschriebenen Tierarten aus der Perspektive eines Soziologen mit dem unverkennbaren Schwerpunkt Geschichte. Angesichts der wissenschaftlichen Ausrichtung des Autors finde ich es um- so überraschender, dass ich bereits in der Einleitung auf Sätze stoße, die mich stutzen lassen. Mehr oder weniger führt Chaline die Sesshaft- Werdung des Menschen auf die Haustier-Werdung etwa des Wolfs zurück. Staunend lese ich dort: „Der Jäger wurde zum Hirten.“ Soweit ich das verschiedenen Quellen entnehmen kann, ist wohl vor allem das Getreide für die Sesshaftigkeit der einstigen Nomaden verantwortlich. Josef H. Reichholf (2008) stellt sogar das Bier an den Anfang der Sesshaft- Werdung des Menschen – eine schöne Vorstellung! Doch zurück zu Chalines Buch. Die Auswahl der Spezies ist durchweg nachvollziehbar. Die 49 genannten Tierarten – als 50. nennt der Verfasser Homo sapiens – wird in jedem Fall auf vier, manchmal auch auf sechs Seiten gut begründet.

Von Chris Lukhaup & Stefan Hummel. 200 Seiten, 200 Farbfotos, Softcover. Dennerle GmbH, Vinningen, 2016. ISBN 978-3-943968-21-7. 29,95 €

Was ist wohl ein „Plantahunter“? Ein Pflanzenjäger? So etwas gab es früher wirklich, aber eher zum Nachteil vor allem geschützter Gewächse, denn sie wurden von solchen „Jägern“ rücksichtslos ausgegraben und gewinnbringend verkauft (teils geschieht das noch heute). Aber nicht allein durch solche Diebe ist unsere Natur bedroht, insbesondere Wasserlebensräume sind vielfältig gefährdet. Chris Lukhaup und Stefan Hummel sind freilich anders gestrickt. Sie sind leidenschaftliche Naturliebhaber, Lukhaup ist mir vor allem als Garnelenexperte bekannt. Die beiden Autoren von „Wasserwelten“ gingen jahrelang auf „Plantahunter- Touren“, um Pflanzen und deren Habitate aufzusuchen und zu dokumentieren. Dabei herausgekommen ist ein Bildband, der einmalig ist. Über das Layout kann man sich streiten, als Berufsbüchermacher bin ich hier voreingenommen. Mir gefallen die vielen unregelmäßigen Einklinker in die Abbildungen nicht.

Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen
Von Morten A. Strøksnes. 368 Seiten, gebunden. Deutsche Verlags-Anstalt, München, 2016. ISBN 978-3-421-04739-7. 19,99 €

Ob Morten A. Strøksnes, als er dieses Buch schrieb, ahnte, dass der Grönlandoder Eishai (Somniosus microcephalus) erst kürzlich Schlagzeilen machte? Ein „schwimmender Methusalem“ sei er, so hieß es, das älteste Wirbeltier werde bis zu 400 Jahre alt. Unglaublich! Diese Meldungen und Berichte geben dem Buch des im Norden Norwegens geborenen, preisgekrönten Autors zusätzlich Reiz und Attraktivität. Dieses „Urzeitwesen“ zu jagen, das nehmen sich die beiden Freunde Hugo und Morten vor. Was es so genau ist, das weiß man nicht. Ein Roman, ein Sachbuch, eine Abenteuergeschichte? Aber das ist eigentlich vollkommen egal, auf jeden Fall sind die über 360 Seiten dieser autobiografischen Geschichte höchst spannend, sehr, sehr informativ, sie lesen sich für Jung und Alt gleichermaßen unterhaltsam, wenngleich stellenweise auch etwas abschweifend, ganz selten ein wenig langatmig oder weit ausholend.

Illuminating Biodiversity in the Shadowy Haunts of Planet Earth
Von Danté Fenolio. 312 Seiten, 222 Farbfotos, Hardcover. Johns Hopkins University Press, 2016. ISBN 978-142-141-863-6. 27,95 €

Life in the Dark – Einblick in den Reichtum des Lebens dort, wo die Sonne niemals scheint – genau dies gewährt dieser hervorragende Fotoband von Danté Fenolio. Er entführt uns in die lichtlose Welt der Höhlen- und Tiefseebewohner, in die Erde unter unseren Füßen und auf den Grund der Gewässer. Damit überschreitet er eine Grenze in einen Bereich unserer Umwelt, der von uns nicht bewusst wahrgenommen wird. In unseren Mythen und Ängsten werden diese Orte bewohnt von den Kreaturen der Nacht, eben jenes ewigen Dunkels, das Fenolio mit seinen fantastischen Farbfotografien für uns erhellt. Es werden Lebewesen dargestellt, die oft geradezu extraterrestrisch scheinen, wie die Handwühle, der Kaskadenfisch oder der Dumbo- Oktopus. Sie und viele weitere, die der bekannte Naturfotograf und Biologe in ungebremstem Forscherdrang ans Licht brachte, hätte man eher der Fantasie eines Science- Fiction-Autors zugeschrieben als den Wegen der Evolution.