margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxHoyer, Rainer (2019): Schmerlen in Myanmar. 9. BSSW SPEZIAL. – IG BSSW e. V., Kiel, 46 Seiten, 77 Fotos, 15 Verbreitungskarten

Die „Internationale Gemeinschaft Barben Salmler Schmerlen Welse“ (IG BSSW e. V.) gibt neben ihrem vierteljährlichen BSSW-REPORT auch Sonderhefte zu einzelnen Fischgruppen heraus. Schmerlen waren bereits Thema einer dieser Publikationen, genauer die aus Sri Lanka, und jetzt gibt es ein weiteres Heft über die artenreiche und auch im Aquarium beliebte Fischgruppe: Dr. Rainer Hoyer hat sich der Schmerlen Myanmars angenommen.
15 durchgängig bebilderte Artikel sind dabei, 13 davon behandeln einzelne Fundorte. Das Vorwort ist eigentlich gleich mehr, als es sein Name vermuten ließe – der Autor gibt einen kurzen Überblick über seine Reisen und noch ein paar Anekdoten zum Besten. Und etwas Landeskunde ist auch gleich dabei. Ein hervorragender Einstieg ins Thema, der sofort Lust auf mehr macht!
Im anschließenden kurzen Übersichtsbeitrag werden die nachfolgend beschriebenen Fundorte zusammengefasst. Dann folgt das Herzstück der Publikation: Die gefundenen Schmerlenarten (insgesamt 32) werden nach Lokalität getrennt vorgestellt, Anmerkungen zu Fundumständen und begleitender Ichthyofauna inklusive. Die Küvettenaufnahmen zeigen viele hierzulande nicht bekannte Schmerlen, alleine dadurch besitzt das Heft einen äußerst hohen dokumentarischen Wert. Aber auch in der Aquaristik verfügbare Arten werden gezeigt, etwa Botia kubotai und B. histrionica (Prachtschmerlen), Pangio pangia (Dornaugen), Schistura sp. „Sumo“ (Bachschmerlen) und Yunnanilus sp. „Rosy“ (Zwergschmerlen). Am Heftende finden sich eine Liste aller gefunden Schmerlen und ein Literaturverzeichnis.
Es sind zudem die Extras, die diese Publikation besonders positiv abrunden: Neben der sehr guten Bebilderung und den bereits erwähnten Übersichtskarten hat jede Fundortbeschreibung noch zusätzlich eine eigene Tabelle mit den wichtigsten dort gemessenen abiotischen Parametern bekommen. Außerdem ist das Heft durchgängig zweisprachig gehalten, neben jedem Absatz in deutscher Sprache findet man einen passenden in Englisch. Für solche Spezialthemen eine sinnvolle Sache, hoffentlich bekommen auch genügend nicht deutschsprachige Interessierte diese Publikation zu lesen.
Dieses Heft ist nicht käuflich im Handel zu erwerben. Wie steht es also um die Verfügbarkeit? „Unter Umständen haben die Autoren bzw. der Geschäftsführer oder die Koordinatoren der entsprechenden Fischgruppen noch vereinzelte Exemplare zur Abgabe.“ (https://www.ig-bssw.org/ig-bssw-report-jahrgaenge/bssw-spezial/). So besteht also die Chance, an dieses letztes Jahr erschienene, schöne Heft zu gelangen. Es lohnt sich wirklich!
Sebastian Wolf

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxBagusche, Frauke (2019): Das Blaue Wunder. Warum das Meer leuchtet, Fische singen und unsere Beziehung zum Meer so besonders ist. Erstaunliche Einblicke in eine geheimnisvolle Welt. – Ludwig-Verlag, München, 320 S., 2. Auflage, 30 Fotos ISBN 978-3-453-28111-0; 22,00 €

Autorin Frauke Bagusche schreibt in ihrem „Blauen Wunder“ über die Zusammenhänge des Lebensraums Meer. Zwei Drittel der Oberfläche der Erde nehmen Ozeane ein, es ist das größte Ökosystem unseres Planeten.
Diverse Lebensgemeinschaften wer­-den veranschaulicht: Beispielsweise leben Eingeweidefische (Corapidae) und Seewalzen (auch Seegurken genannt) zusammen. Knall- oder Pistolenkrebse (Alpheus) und Grundeln (Gobidae) sind weitere voneinander abhängige Organismen. Auch der Brutpflege widmet sich das Buch: So bauen männliche Kugelfische der Gattung Torquigener pittoreske Sandburgen, die das Weibchen begutachtet und bei Gefallen darin seine Eier ablegt. Das Männchen befruchtet und bewacht sie tagelang, bis die Jungen schlüpfen.
Umgekehrt beim Tiefsee-Oktopus (Graneledone boreopacifica): Hier bewacht das Weibchen das Gelege. In dieser Zeit frisst es nichts mehr und stirbt, wenn die Jungen geschlüpft sind.
Nicht nur über Wasser, sondern auch unter Wasser gibt es Gärtner. Besonders häufig werden bestimmte Fadenalgen angebaut – vom Fisch selber! Das Verdauungssystem der Riffbarsche erlaubt die Verdauung der Zellulosefasern vieler Algenarten nicht, Fadenalgen bereiten ihnen diesbezüglich aber kein Problem. Und so baut die Art Stegastes nigrans ihre Futteralge als Monokultur an und entfernt andere Algenarten aus ihrem „Beet“; selbst Schnecken werden kurzerhand wieder rausgeschmissen.
Insbesondere in der Tiefsee, deren Fauna bisher kaum erforscht ist, gibt es Bodenschätze wie z. B. Manganknollen und seltene Mineralien. Besonders für die Produktion von Smartphones werden diese verwendet. Der Abbau dieser Bodenschätze kann schwerwiegende Schäden im stabilen Lebensraum Tiefsee verursachen. Und erst das Plastik – überall in den Ozeanen findet es sich, nicht nur im Wasser treibend, sondern es bleibt in den Korallen hängen. Meeressäuger nehmen es auf und gehen daran zugrunde, Schildkröten bleiben darin hängen und verenden. Die Problematik ist sehr groß, und die geschilderten Beispiele sollten wir zum Anlass nehmen, unseren Verbrauch zu reduzieren. Kreisläufe in den Ozeanen sind für uns (über-)lebenswichtig, und jeder kann einen Beitrag zur Aufrechterhaltung leisten. Die Autorin beschreibt ausführlich, was alles als Überbleibsel unserer Art in den Ozeanen landet und wie lange es darin bleibt.
Wir essen gerne Fisch und Meeresfrüchte. Die Art und Weise, wie Fische gefangen werden, lässt einem den Appetit vergehen. Durch die Fangmethoden wird sehr viel mehr herausgefischt als eigentlich gefangen werden sollte. Alles, was an Tieren im Netz landet und keine Verwendung findet, wird zurück ins Meer geworfen. Das Buch öffnet einem die Augen für den Schaden, der so angerichtet wird. Aber: Es gibt Methoden, Meerestiere schonend zu fischen. Auf den Malediven etwa werden Thunfische mit Angelruten gefangen. Dabei wird darauf geachtet, dass es sich nicht um geschützte Arten handelt.
Die Ozeane sind einzigartig und geheimnisvoll, viel ist noch zu erforschen. Frauke Bagusche erklärt die teils komplexen Zusammenhänge gut verständlich. Leider fehlt am Ende des Buches ein Stichwortverzeichnis, dies macht das Wiederfinden einzelner Begriffe schwierig. Ich habe beim Lesen gestaunt, wie viel Wissen um die Zusammenhänge zwischen zwei Buchdeckel passt. Es ist ein tolles, aber auch nachdenklich machendes Buch, dem ich viele Leser wünsche.
Elfriede Ehlers

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxBrammah, Martin (2015): The Betta Bible: The Art and Science of keeping Bettas. – CreateSpace Independent Publishing Platform, 318 S.; ISBN 978-1508888468; 42,80 € (Print); 9,99 € (E-Book)

Lohnt es sich, ein aquaristisches Fachbuch sowohl in digitaler als auch in klassischer, gedruckter Form herauszubringen? Im vorliegenden Fall wurde es gewagt. Die Rezension bezieht sich nur auf die digitale Version, weshalb die Anmerkungen zur Gestaltung nicht auf die Druckversion übertragen werden können.
Dr. Martin Brammah, ein ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet der Zucht von Betta splendens, hat sich die Mühe gemacht, seine Erfahrungen in ein Buch zu bringen, das den eingängigen Namen „The Betta Bible“ trägt. Mutig in Zeiten, in denen aufgrund des finanziellen Risikos durch geändertes Konsumverhalten („online ist ja gratis“) deutlich weniger neue Fachliteratur erscheint.
Und geglückt: Ganz so, wie man es sich von einem guten Aquarienbuch wünscht, sind eine Menge Informationen zusammengetragen worden, aus denen wirklich jeder Interessierte etwas für sich mitnehmen kann. Der Schreibstil ist locker, ohne es dabei zu übertreiben, zudem kurzweilig, ohne jemals in die Belanglosigkeit abzudriften – ich empfinde ihn als gelungen.
Die Bilder sind grundsätzlich gut. Pflege und Zucht finden ihren gebührenden Platz, und dem Autor ist ebenfalls anzurechnen, dass er schön vermittelt, welche Vorteile eine nicht zu beengte Haltung hat. Hintergründe zu Färbung und Flossenformen, Ursprünge der Zuchtformen und Vererbung werden ebenfalls behandelt. Damit macht der Autor klar: Kampffische sind ein Teil der aquaristischen Kultur.
Was gibt es auf hohem Niveau zu bemängeln? Die Ausführungen zur Taxonomie (am Beispiel des Menschen) und die rein nominale Auflistung anderer Betta-Arten wären nicht zwingend nötig gewesen. Das Cover des E-Books liegt gestalterisch unter dem, was es inhaltlich zu bieten hat. Manche Textpassagen wären grafisch durch das Einfügen des ein oder anderen zusätzlichen Bildes aufzulockern gewesen. Aber das ist persönliches Empfinden, und wer wesentlich mehr Bild zum Betta will, wird ja reichlich verwöhnt mit vielen Aufnahmen in weiteren Medien. Die Unterzeile des Buchtitels hätte aber sicher anders lauten können, denn Kampf­fischhaltung ist ganz sicher keine Wissenschaft. Allerdings ist das eigentlich wenig relevant. Dieses englischsprachige Buch ist auf jeden Fall empfehlenswert, um einen wirklich fundierten Einstieg in die Thematik zu bekommen. Darum stellen wir es hier auch vor, obwohl es bereits 2015 erschienen ist.
Sebastian Wolf

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxWieland, Falk (2018): Taucherwelt Mitteldeutschland. Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen rund um Leipzig. – Felicitas Hübner Verlag, Apensen, 320 Seiten, 475 Fotos, Grafiken und Tauchplatzkarten. Taschenbuch; ISBN 978-3941911406; 29,90 €

Trotz meiner immerhin gut 35 Taucherjahre haben sich meine diesbezüglichen Interessen fast ausschließlich auf tropische Korallenriffe und auf das Mittelmeer konzentriert. Nicht, dass ich das Tauchen im Süßwasser generell ausgeschlossen hätte, aber tropische Gefilde zogen mich einfach stärker in ihren Bann. Warum? Das Wasser ist warm, es gibt in der Regel eine gute Infrastruktur (Hotels, Tauchbasen), und die Reiseangebote sind vielfältig. Das trifft auch auf das Mittelmeer zu.
Demgegenüber ist das Tauchen in heimischen Gewässern weitaus komplizierter. Obwohl sie mitunter direkt vor der Haustür liegen, bieten sie oft keine Möglichkeit, Flaschen auszuleihen oder ortskundige Guides zu finden. Von der Genehmigung, überhaupt tauchen zu dürfen, gar nicht erst zu sprechen!
Hinzu kommt, dass Süßgewässer zumindest außerhalb des Hochsommers in unseren Breiten in der Regel doch ziemlich kalt sind. Selbst im Sommer sind die tieferen Zonen in Seen, die an der Oberfläche Badetemperaturen aufweisen, selten „wärmer“ als 6 °C. Da bedarf es einer guten Ausrüstung und eines dicken, möglichst halbtrockenen oder besser noch Trocken-Tauchanzugs. Und Erfahrung ist gefragt, denn einfacher wird das Tauchen durch die Kälte nicht! Hinzu kommen häufig die doch eher schlechten Sichtverhältnisse.
Zwar habe ich öfter in Süßwasser getaucht, aber – abgesehen von einigen Ausflügen in heimische Gewässer – es mir dabei einfach gemacht und beispielsweise die glasklaren und warmen Süßwasserquellen Floridas besucht. Dabei habe ich allerdings gelernt, dass das Tauchen in Süßwasser-Habitaten sehr spannend sein kann.
Bereits aus diesen Zeiten kenne ich den Namen Falk Wieland gut, denn er und seine Frau Cornelia (ohne die das Ganze wohl, genauso wie bei mir, gar nicht funktioniert hätte) machten immer wieder durch spektakuläre Fotos und tolle Berichte aus heimischen Tauchgründen auf sich aufmerksam. Es gibt nicht allzu viele fundierte Kenner unserer Unterwasserwelt – Falk Wieland ist mit Sicherheit einer der renommiertesten. Insbesondere die für uns „Westtaucher“ lange verschlossene Seen-Welt im Osten Deutschlands kennt er wie kaum ein anderer. Es ist sein Verdienst, uns diese Welt erschlossen zu haben!
In seinem 2018 erschienenen Buch über die Tauchattraktionen in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen beschreibt Wieland vorbildlich ausführlich die Tauchplätze dieser drei Bundesländer und lässt dabei kaum Fragen offen. Der Leser erfährt Details über die Geschichte der einzelnen Gewässer, ihre Bewohner und natürlich die besten Stellen zum Einstieg.
Die oben erwähnten Infrastrukturprobleme umschifft Wieland durch konkrete Angaben und verrät, wo es Tauchbasen und Füllstationen in der Nähe der Gewässer gibt. Selbst bezüglich der Unterkunft an Ort und Stelle hat er Tipps parat.
Früher hätte man solche Ziele auf unbekanntem Terrain dennoch mithilfe umständlicher Wegbeschreibungen und mehr oder weniger genauen Kartenmaterials aufwendig suchen müssen. Der Autor nutzt die heutige Technologie und führt interessierte Taucher mittels GPS und Navi an die besten Plätze. Alle diese nützlichen Informationen werden gewürzt mit Geschichten und Anekdoten um die betreffenden Örtlichkeiten und ergänzt um Hinweise auf weitere Sehenswürdigkeiten. Wielands Fotos zeigen, dass es sich wirklich lohnt, auch oberhalb des Wasserspiegels neugierig zu sein!
Dieses Buch ist also nicht nur ein klassischer Tauchreiseführer, sondern es lädt seine Leser auch dazu ein, die Gewässer, ihre Bewohner und ihre Umwelt zu verstehen. Ganz nebenbei leistet sein Verfasser außerdem einen Beitrag zum Zusammenwachsen Deutschlands.
Somit ist „Taucherwelt Mitteldeutschland“ selbst für natur- und kulturinteressierte Zeitgenossen, die gar nicht unbedingt in Süßgewässern tauchen wollen, eine lohnende Anschaffung!    
Werner Baumeister

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxChippaux, Jean-Philippe & Kate Jackson: (2019): Snakes of Central and Western Africa. – Johns Hopkins University Press, Baltimore, 448 Seiten, durchgehend Farbfotos, Illustrationen und Verbreitungskarten; Hardcover; ISBN 978-1421427195; ~ 65 €

Es gibt Bücher, bei denen geht einem einfach das Herz auf. Das hier besprochene fantastische Opus über die west- und zentralafrikanische Schlangenfauna zähle ich unbedingt zu dieser Kategorie. Die Autoren, ein Giftschlangen- und Schlang­en­giftexperte sowie eine Fach­frau für afrikanische Arten, haben hier in akribi­scher Arbeit ein Meisterwerk abgeliefert.
Sehr beeindruckt hat mich bereits der einleitende allgemeine Teil, denn hier stellen Chippaux und Jackson in sehr detaillierter Art und Weise diejenigen Merkmale vor, die für die Bestimmung von Schlangen relevant sind, insbesondere die einzelnen Schuppentypen und ihre Beschaffenheit, Bezahnung und Bau der Hemipenes. Unterstützt wird dieser Part durch anschauliche Fotos und hervorragende Illustrationen, auf denen die jeweils besprochenen Schuppen und Schilde, Knochen etc. farblich hervorgehoben sind.
Allein dieses Kapitel ist es schon wert, das Buch zu besitzen, und ich werde darin sicher öfters nachschlagen, denn so übersichtlich habe ich diese Themen noch nirgends sonst behandelt gefunden.
Die allgemeinen Kapitel umfassen außerdem noch einen Gattungsschlüssel sowie Angaben zu Evolution, Biogeografie und Giften der vorgestellten Schlangen, inklusive Hinweisen zur Bissbehandlung.
Prunkstück des Buches sind natürlich die Porträts von über 250 Arten. In den jeweils vorangestellten Abschnitten über die Gattung gehen die Autoren auch auf die Lebensweise ein, beispielsweise mit Hinweisen zu Ernährung, Sozialverhalten und Fortpflanzung, teils dann auch noch einmal in den Artvorstellungen. Dort liegt das Hauptaugenmerk jedoch auf den äußerlichen Erkennungsmerkmalen, insbesondere Charakteristika der Beschuppung. Die beigestellten Karten zeigen keine grob umrissenen Verbreitungsgebiete, sondern Fund­­orte.
Eine sehr umfangreiche Bibliographie sowie ein Index runden das Buch ab.
Der einzige Wermutstropfen liegt in den Fotos: Diese sind teils sehr klein und oft extrem dunkel reproduziert, sodass sich relevante Merkmale kaum erahnen lassen. Zudem verwundert mehrfach die Platzierung der Bilder, denn sie finden sich regelmäßig mitten in den Porträts anderer Arten oder sogar Gattungen.
Ansonsten aber kann ich dieses hervorragende Standardwerk nur wärmstens empfehlen – und zwar Schlang­enfreunden ganz allgemein!
Kriton Kunz