margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Sandra Preis und Mark Flato. 96 Seiten, etwa 150 Abbildungen, Hardcover. Dähne Verlag, Ettlingen, 2018. ISBN 978-3-944821-35-1. 15,80 €

Sandra Preis ist die Tochter von Cornelia Preis und inzwischen Teilhaberin der bekannten Firma, die fast ausschließlich Meerwasserprodukte, aber auch Tiere anbietet. Besonders gut gefallen mir die prächtigen Ricordea-Ableger, die Preis-Aquaristik seit einigen Jahren vermehrt und verkauft.
Schon seit vielen Jahren ist der Familienbetrieb Preis für seine guten Produkte bekannt, und vor gut 30 Jahren durfte ich die wunderschöne Aquarienanlage bewundern und mit ­eigenen Augen sehen, dass dort schon damals Meerestiere nachgezüchtet wurden, von denen andere nur träumten. Die Preis-Familie weiß also, was sie tut. Da liegt es nahe, dieses Wissen auch in Buchform zu präsentieren.
Die Riffaquarien-Fibel ist bereits das zweite Buch von Sandra Preis, sie hat es gemeinsam mit Mark Flato geschrieben. In dem Werk gibt sie preis, wie man schnell und ohne Probleme zu einem ansehnlichen und gut funktionierenden Mini-Riff­aquarium kommt.
Man merkt, dass der Aufbau solcher Becken für die Autoren Routine ist. Sie gehen nach klaren Gesichtspunkten vor, ohne übertriebene Technik oder unnötige Hilfsmittel einzusetzen.
Über Details kann man sicher streiten, beispielsweise verwechseln die Verfasser manchmal Mengen- und Spurenelemente, und nicht jedes Leitungswasser ist ungeeignet für die Meeresaquaristik. Aber im Großen und Ganzen sollten nach ihren Vorgaben ein­gerichtete und ausgerüstete Aquarien ordentlich funk­tionieren. Neben meinem größeren Meerwasserbecken betreibe ich ebenfalls ein kleines Nano-Aquarium und bin immer wieder erstaunt, wie gut das klappt, wenn man es richtig macht.
Die Autoren beschreiben nicht nur die Einrichtung und Ausrüstung eines solchen Beckens, sondern vor allem auch die Tiere, die man einsetzen kann. Fische bleiben außen vor, was meistens vernünftig ist, weil dann keine Probleme infolge der intensiveren Fütterung auf­treten. Für Einsteiger in die Meeresaquaristik halte ich zwar ein Nano-Aquarium nicht unbedingt für die beste aller Lösungen, aber konsequent richtig besetzt, können auch Anfänger damit Erfolg haben.
Im Kern beschreibt das Buch drei Beispiele: ein sehr kleines Aquarium für Weichkorallen (20 Liter Inhalt), eines für kleinpolypige Steinkorallen (36 Liter) und ein 80-Liter-Becken für großpolypige Steinkorallen.
Warum man die einzelnen Tiergruppen hier so klar trennt und in unterschied­lichen Aquarien unterbringt, scheint mir etwas willkürlich, hat aber natürlich mit dem Platzangebot in den jeweiligen Behältern zu tun und erklärt sich sicher auch aus der Erfahrung der Autoren, die solche Becken vermutlich selbst erprobt haben. Die Tierauswahl ist jedenfalls vernünftig und der jeweiligen Umgebung angepasst, aber teilweise durchaus anspruchsvoll. Immerhin leben am Ende in den Aquarien Tiere im Wert von – geschätzt – mindestens 500 bis gut 1.000 Euro.
Als erste Anregung sind solche Büchlein auf jeden Fall sinnvoll und hilfreich. Sie entbinden aber auch den Anfänger in der Meeresaquaristik nicht von der Notwendigkeit, sich tief gehender zu informieren. Denn auch perfekt eingerichtete Aquarien benötigen Pflege, und daraus ergibt sich recht bald, dass oberflächliches Wissen selten auf Dauer ausreicht, um ein derart anspruchsvolles Steckenpferd zu reiten. Ich kenne Zeitgenossen, die sich ein solches Becken zwar leisten können und es auch eine Weile betreiben; nach einigen Monaten kommen jedoch die Probleme. Die Aquarien verlieren nach und nach ihre Schönheit, werden dann kurzerhand neu ein­gerichtet, oder ihr Besitzer ist enttäuscht und widmet sich lieber einer anderen „Herausforderung“ …
Die beiden Autoren sitzen an der Quelle, können jederzeit und sachkundig in ihre Aquarien eingreifen und haben vor allem die Kenntnisse, um Fehler oder Mängel zu beseitigen. Und das sollte eben jeder Einsteiger wissen: Ohne tieferes Fachwissen geht es längerfristig in der Regel nicht.
Das Büchlein kann also durchaus eine Anregung für Einsteiger in die Meeres­aquaristik sein, Lust darauf macht es allemal. Aber um ein solches Aquarium dau­erhaft mit Erfolg zu betreiben, bedarf es weiterer Be­ratung. Ich bin sicher, dass die beiden Verfasser und die Firma Preis das perfekt leisten können. Wenn Sie dieses Büchlein also gelesen und Lust bekommen haben, gehen sie in ein Fachgeschäft und lassen sich ausführlich informieren.
Und wenn Sie zufällig in der Nähe von Bayerfeld sind – dort hat das Unternehmen seinen Sitz –, sind sie ganz sicher am richtigen Ort!
Werner Baumeister

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Marc Martin. 32 Seiten, durchgehend ganzseitig bebildert, gebunden (Kinderbuch, ab drei Jahre). Verlag Prestel, München. ISBN 978-3-79137-343-0. 15 €

Ein „Picturebook Maker“ sei er, schreibt der junge Künstler aus Melbourne, die Natur sei sein Ding, Wald, Dschungel, Tiere, das alles zeichne er gern. Aber viele Ideen und seine Motivation für Projekte erhalte er auch aus seiner Umgebung oder aus der Stadt, in der er lebt. Na, wer weiß, vielleicht war es ja der große Fluss, der Melbourne durchzieht, der Martin zu dem Kinderbuch „Am Fluss“ inspirierte?
„Draußen vor meinem Fenster fließt ein Fluss. Von meinem Platz aus sehe ich, wie er sich weit in beide Richtungen davonschlängelt.“ Die Bilder zeigen eine Großstadt, langweilige, fast farblose Häuser, viele Häuser, ein Häusermeer, in dem einzelne Gebäude sich fast verlieren. Wohin würde der Fluss einen wohl treiben?
Wie ein Fluss auch die endlosen, verstopften Straßen der Stadt. Voller Autos, Lärm, Qualm, Geschäftigkeit. Aber dann fließt das Gewässer durch eine liebliche Landschaft, voller Äcker, und Felder, die wie „riesige Patchworkdecken aussehen“.
Der Lärm der Stadt weicht dem Rauschen des Wassers, den Stimmen der Tiere. Hügel und Bäume, kleine Wälder und Wasserfälle prägen das Bild. Martins Farben werden bunt und bunter, vielseitiger, so viel Abwechslung!
Und mit den Farben kommen die Tiere, erst die an Land, dann die im Wasser. „Während ich durch die Man­grovenwälder segle, öffnet sich der Fluss und bringt mich zum Meer“, und „ich sehe hunderte blitzende Fische in ihrer Unter­wasser­welt … und die Luft schmeckt nach Salz und ­Seegras.“
Was Martin an Worten spart in diesem hübschen Kinderbuch (ab drei Jahre), das kompensiert er mit viel, viel Fantasie und farblicher Dynamik, mit starkem Ausdruck und Freude an Visionen, mit einem intensiven Farbenspiel. 32 Seiten hat das durchgehend farbig gestaltete Buch, auf jeder Seite verweilt man gern und länger, gibt es doch so viel zu entdecken, zu erkennen und vielleicht ja auch zu fragen. Eine abenteuerliche Fahrt auf einem Fluss, der schließlich ein ganz besonderes Ziel haben wird.
Wie wenige Worte braucht es doch, um Fantasie wach­zurufen, selbst bei erwachsenen Vorlesern!
Barbara Wegmann

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxEin Pop-up-Bilderbuch von Philippe Ug. Zwölf Seiten, gebunden. Für Kinder ab vier Jahren. Verlag Prestel, ­München, 2018. ISBN 9783791373362. 14 €

Fünf Doppelseiten mit Pop-ups, die tief ins Meer eintauchen, geheimnisvoll, in eine dunkle, verborgene, dreidimensionale Welt.
„Der Tross des Zooplanktons versteckt sich unter dem Rock der Qualle.“ Auf tiefschwarzem Hintergrund hebt sich eine kleine Qualle empor, unter deren Fängen kleinste tierische Organismen Schutz suchen. Und ­warum brauchen sie Schutz? Nun, der große, glubschäugige Fisch mit seinen nicht gerade kleinen Zähnen auf der nächsten Seite erklärt das schnell.
Wenige Farben sind es, sehr starke, knallige Töne, die hier zum Einsatz kommen und im Siebdruck geradezu ein kleines Kunstwerk geschaffen haben. Ob die Kunst der Pop-ups eher die Großen oder die Kleinen interessiert? Wer weiß?
Der wirklich sehr kurze Text aber, keine Geschichte, keine Erzählung, nur zwei, drei Sätze, wie kurze Sicherheitsanweisungen für kleinste Lebewesen im tiefen Meer, wird eher die Großen ansprechen, dürfte sein Inhalt doch am jungen Leser vorbeigehen.
Die Pop-ups von Ug sind plakativ, stiften – auch kleine Leser – dazu an, die tierischen Meeresbewohner des Buchs als Vorbild zu nehmen, sie selbst aufzumalen und  auszuschneiden, sie mit ebenso klaren, dunklen Farben anzumalen und der Fantasie dann freien Raum zu lassen.
Der Papierkünstler Ug wurde 1958 geboren und „experimentiert heute mit un­terschiedlichen Kunstformen als Illustrator, Drucker, Designer und Papieringenieur“. Sein kleiner „Komischer Vogel“, ebenfalls aus dem Prestel-Verlag, ist ein weiteres Kinderbuch dieser Art.
Kinderbuch? Vielleicht. Ein kleines Kunstwerk bestimmt und ein aus dem ­Rahmen fallendes Büchlein allemal!
Barbara Wegmann

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Murat Draman. 132 Seiten, 130 Fotos, Softcover. Verlag A4 Ofset Matbaacilik Sa. Ve Tic. Ltd. Sti., Istanbul. ISBN 978-975-8416-45-5 (in türkischer und englischer Sprache). 20 €, zuzüglich etwa 9 € Versandkosten. Weitere Infos: www.redseainthemed.com. Bestellungen und Kontakt zum Autor: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

In DATZ 9/2017 wurden die lykische Küste und die Unterwasserwelt der türkischen Ägäis in einer Reise-Reportage vorgestellt. In diesem Artikel wurden auch die Wanderbewegungen der Meerestiere infolge der Lesseps­schen Migration erwähnt. Seit der Öffnung des Suez­kanals 1869 wandern Arten aus dem Roten Meer ins Mittelmeer ein und verändern das Artenspektrum. Umgekehrt zieht es kaum me­di­ter­rane Spezies ins Rote Meer.
Die Einwanderer queren selten das offene Meer und verbreiten sich überwiegend den Küstenlinien folgend. Weil die meisten Arten die Süßwassermassen der Nilmündung meiden, wandern sie nach Osten und Norden. Man schätzt, dass vor der südtürkischen Küste bereits mindes­tens 100 aus dem Roten Meer stammende Arten leben und sich fortpflanzen. Damit wirkt sich die Lessepssche Mi­gration vor der türkischen Ägäis-Küste am stärksten aus, wenn der ganze ­Mittelmeerraum in den Vergleich einbezogen wird.
Der Unterwasserfotograf, Tauchlehrer und Meeresbiologie-Enthusiast Murat Draman betreibt im maritimen Schutzgebiet von Kas und Kekova seit über 15 ­Jahren eine Tauchbasis mit eigenem Schiff und diversen Booten. Er nennt es ein Privileg, das ganze Jahr in ­diesem wunderschönen Meeresschutz­gebiet tauchen zu dürfen.
In diesem Areal wird über bestimmten Flächen nicht gefischt, es gibt über sensiblen Zonen Ankerverbote, außerdem bestehen ­archäologische Reservate.
Draman beobachtete und fotografierte seine Tauchplätze, die Unterwasserlebensräume und die dort lebenden Arten von Anfang an intensiv. Er veröffentlichte zuerst das knapp 200-seitige und viersprachige (Türkisch, Deutsch, Englisch, Französisch) Buch „The Kas Diving Guide“, das inzwischen in überarbeiteter Auflage vorliegt und in Taucherkreisen gut bekannt ist.
Dieser Tauchführer vermittelt dem na­turkundlich interessierten Tauchgast viel meeresbiologisches Wissen und eine gute Artenkenntnis für die mediterrane Region um Kas und Kekova.
Die Beobachtungen im glasklaren Meer vor Kas in­spirierten Draman, sich als nächste Publikation eine ­Dokumentation jener Arten vorzunehmen, die infolge der Lessepsschen Migration dauerhaft in das südtür­ki­sche Schutzgebiet einwandern und dort siedeln. Eine solche Arbeit darf als naturkundlicher Beweis dafür angesehen werden, dass bestimmte ­Arten in der betrachteten Region dauerhaft vorkommen. Wie der Rezensent aus eigener Erfahrung weiß, ist es ungleich schwieriger, zu allen Tieren, die man vielleicht schon oft kurz beobachtet hat oder über ­deren Existenz man von anderen Menschen weiß, echte in-­situ-Fotos zu erstellen.
In dem Buch kann der Leser verfolgen, welche Fischarten – vom Trompetenfisch bis zum Rotfeuerfisch – inzwischen die Ägäis erreicht haben. Doch mittlerweile haben sich auch viel langsamere Organismen, etwa Tintenfische, Seepferdchen, Nacktschnecken, Garnelen, Krabben oder Seeigel, im Archipel kleiner Inseln vor Kas und Kekova etabliert.
Das Werk ist im Wesent­lichen eine Fotodokumentation mit einigen naturkundlichen Absätzen pro Art, ein edles Bild-Bestimmungsbuch mit speziellem zoogeografischen Hintergrund.
Draman präsentiert darin 128 höchst ästhetische Unterwasserfotos, die das Vorkommen von mindestens 58 der invasiven Arten aus dem Roten Meer vor der türkischen Küste belegen.
Dieses spezielle Buch-Projekt, das sicher fortgeführt werden wird, erschien bereits im Sommer 2016.
Die vorgelegten Aufnahmen stammen von Tauchgängen und Unterwasserbeobachtungen aus den Jahren 2000 bis 2015.
Falk Wieland

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Giovanna Zoboli und Mariachiara di Giorgio. 32 Seiten, durchgehend bebildert, gebunden. Für Kinder von drei bis sechs Jahren. Bohem Verlag, Münster, 2017. ISBN 978-3-95939-056-9. 16,95 €

Zwei italienische Illustratorinnen mit Witz, mit Sinn für Details und Hintergründiges, zwei erfahrene Künstlerinnen, die in ihren liebevollen und charmanten Bildern zum Verweilen einladen, zum Suchen und Nachspüren und aus einem Bilderbuch ohne Worte eine bunte Geschichte erschaffen, zu der einem unweigerlich viele Worte einfallen.
Gerade noch träumt das Krokodil vom Dschungel, treibt, an einen Baumstamm gelehnt, auf einem Fluss, nichtstuend, faul in den Tag hinein lebend. Dann klingelt erbarmungslos der Wecker, und es heißt: Raus aus dem Traum und dem gestreiften Schlafanzug, auf zur Arbeit!
Eigentlich wäre das alles, was einen morgens beschäftigen kann, gar nicht so spannend. Waschen, anziehen, frühstücken, die passende Kleidung heraussuchen, zur U-Bahn eilen, sich über den einen oder anderen Zeitgenossen ärgern.
Wäre es eben nicht ein Krokodil, das sich – offenbar ohne, dass die Menschen sich wundern – in den Strom derer einreiht, die Morgen für Morgen zu ihrer Arbeit hetzen, noch verschlafen am Bahnsteig warten, sich teilnahmslos nebeneinanderstehend dem Rhythmus der Bahn hingeben, ohne den anderen überhaupt wahrzunehmen. Blumen für die ­Kollegin bringt Krokodrillo mit, sein Frühstück vom Imbiss.
32 Seiten hat das querformatige Buch, große und kleine Abbildungen, zahlreiche Details, Bilder, an denen es so Vieles zu entdecken gibt. Es ist ein quirliges Großstadtleben, in dem Krokodrillo zur Arbeit geht, es könnte irgendwo in einer großen Metropole sein, aber sicher nicht im afrikanischen Urwald, nicht in den „Sümpfen Südamerikas“. Dadurch, dass es aber ja ein großes, als gefährlich geltendes Tier ist, das da einfach „unseren Alltag“ lebt, wird die Geschichte ohne Worte plötzlich lustig, lebhaft, tanzt so aus der Reihe und reizt zum Selber-Erzählen.
Und natürlich bleibt die Frage: Wo arbeitet denn, bitte schön, Herr Krokodrillo? Das aber darf hier nicht ­verraten werden, nur so viel vielleicht: Er hat einen überaus angenehmen Arbeitsplatz, an dem er sich offensichtlich wohlfühlt, wenngleich es auch nicht das Leben aus seinem Traum ist. Aber so ist nun einmal der Alltag oft …
Barbara Wegmann