Es ist noch gar nicht so lang her, da gestattete Brasilien die Suche nach und die Ausfuhr von Aquarienfischen ohne besondere Auflagen. 1988 war es Arthur Werner, dem Geschäftsführer der in Planegg bei München ansässigen Exportfirma Transfish, noch möglich, von einer Reise neue Aquarienfische nach Deutschland mitzubringen, unter anderem den hier vorgestellten Salmler. | von Ernst Sosna

Werner unterhielt damals in Belém eine Exportstation und flog mehrmals dorthin, um Exkursionen auf der Suche nach neuen Aquarienfischen zu begleiten. Im Juni 1988 zog es ihn in den Einzug des Rio Tocantins und des Rio Ara­guaia. In der Nähe der Stadt Filadel­fia fand er unter anderem den hier ­vor­gestellten Fisch. Zur Bestimmung überließ Werner die von seiner Reise mitgebrachten Salmler Lothar Seegers und Jacques Géry, die in DATZ 6/1989 über elf damals neue oder aquaristisch seltene Salmlerarten berichteten.
Dann verschwand die Art wieder aus unseren Aquarien, ohne dass sie in größeren Stückzahlen nachgezogen und in Liebhaberkreisen verbreitet worden wäre. Im Jahr 2010 importierte Aquarium Glaser (Rodgau) den schönen Fisch erneut unter dem Namen Hyphessobrycon stegemanni. Dieses Mal kamen Tiere in die Hände des ­ambitionierten Aquarianers Dieter Bork, der sie nachzüchtete und die Mitarbeiter von Aquarium Glaser auf die große Ähnlichkeit zu jenem Fisch hinwies, der unter der Bezeichnung
„S 7“ 21 Jahre zuvor in der genannten DATZ-Ausgabe vorgestellt worden war. Fortan wurde er als H. cf. stegemanni und populär als „Phönixsalmler“ („der Auferstandene“, „der Wiederentdeckte“) angeboten.

Im Lauf mehrerer Jahrzehnte gelang es unseren Autoren, in ihrem Hobbykeller zahlreiche Salmler zu halten und zum überwiegenden Teil auch zu vermehren. Nicht alle Arten sind und waren Kassenschlager oder Hingucker. Im Folgenden berichten sie über weniger spektakuläre Formen. | von Peter und Martin Hoffmann

Für uns gab es in der hier vorgestellten Fischgruppe allerdings mehrere spannende Entdeckungen sowie Unklarheiten. Außerdem gelang uns gerade durch diese Arten eine Intensivierung wissenschaftlicher Kontakte, insbesondere nach Brasilien, und somit ein schöner Blick über den Aquarienrand hinaus …
Die genauen verwandtschaftlichen Verhältnisse der zahlreichen südamerikanischen Salmler mit vielen Gattungen und mehreren hundert Arten sind noch nicht endgültig geklärt. So erschienen in den letzten Jahren mehrere Arbeiten zu diesem Thema mit teils etwas abweichenden Hypothesen.
Die hier vorgestellten Gattungen sind sicher eng miteinander verwandt, wobei es bei der Abgrenzung zu einigen anderen Genera Unklarheiten gibt. Nach einer recht aktuellen Arbeit (Mattox & Toledo-Piza 2012) handelt es sich bei der Gruppe um die Unter­familie Heterocharacinae mit der Tribus (Rang zwischen Unterfamilie und Gattung) Heterocharacini, zu der folgende Gattungen gehören: Gnatho­charax, Heterocharax, Hoplocharax, Lonchogenys und Priocharax. Wissenschaftlich handelt es sich um höchst interessante Fische.

Für unsere Autoren war es schon immer etwas Besonderes, in Zoogeschäften und bei ­Großhändlern Salmler-Beifänge zu entdecken. So spürten sie im Lauf der Jahrzehnte ­zahlreiche Arten auf, beschriebene und namenlose, aufregende und weniger spannende … | von Peter und Martin Hoffmann

Beifänge, egal welcher Gattung oder Art, sind für Salmler-Liebhaber das „Salz in der Fischsuppe“. Bei den meisten handelt es sich um silbrige, graue oder grünliche Fische mit geringen Kontrasten (allenfalls roten Augen, rötlichem bis orangefarbenem Längsband, gelegentlich dezenter Flossenzeichnung oder -tönung). Wären die Tiere auffälliger, bunter, dann wären sie kaum zu übersehen und überhaupt zu Beifängen geworden. Wir stehen daher in dem nicht ganz unberechtigten Ruf, uns überwiegend für „Weißwein-farbene“ Fische zu interessieren …
Wie kommt es zu Beifängen? Logischerweise sind sie nur beim Import von Wildfängen anzutreffen. Die Importeure in Deutschland ordern bei den Exporteuren die auf deren Listen angebotenen Salmler. Die Exporteure, in der Regel größere Sammelstationen in Städten mit Flugverbindung, lassen aus den in großen Stückzahlen gehälterten Arten die Sendungen zusammenstellen.
Dazu zählen die Angestellten per Handkescher die Fische zum Verpacken in die Transportbeutel. Da die Fänger die einzelnen Arten nicht von jedem „Fremdfisch“ trennen, sind immer wieder „falsche“ Tiere darunter, die beim Abzählen mit in den Beutel gelangen. Dass die Fische von oben (und nicht von der Seite, wie im Aquarium) betrachtet und sortiert werden, erhöht die Fehlerwahrscheinlichkeit.

Unsere Autoren gaben bereits mehrfach in der DATZ Tipps und Tricks aus ihrer Salmler-­Nachzuchtpraxis preis. Für das aktuelle Titelthema bieten sie erneut einen Einblick in ihre langjährigen Erfahrungen. | von Peter und Martin Hoffmann

Obwohl Teile dieses Artikels bereits vor über zehn Jahren in ähnlicher Form erschienen (Hoffmann & Hoffmann 2000, 2007, 2008), hoffen wir, den einen oder anderen interessierten Leser anzusprechen. Salmler gehören nicht gerade zu den populärsten Aquarienfischen, was wir natürlich nie verstanden.
Grundsätzlich führen bei der Vermehrung südamerikanischer Salmler viele Wege zum ­Erfolg. Wir geben hier eine Kurzanleitung, mit der wir in den vergangenen etwa 50 Jahren immer wieder gut fuhren, ohne Anspruch auf die einzig wahre oder beste Methode zu erheben.
Wer sich noch nie ernsthaft mit Salmlern beschäftigte, denkt vielleicht, dass es sich um besonders ­anspruchsvolle oder empfindliche Fische handelt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, trifft das aber nicht zu. Die Haltung von Salmlern ist in beinahe jedem Aquarium möglich. Wichtig sind neben der Beckengröße vor allem die anderen Insassen und die Wasserverhältnisse, die den Gegebenheiten in den natürlichen Lebensräumen so weit wie möglich entsprechen sollten.

Es gibt Salmler, die passen so gar nicht in das typische Erscheinungsbild schwarmfreudiger Fische, das wir gewöhnlich mit ihnen verbinden. | von Ernst Sosna

Der Raub-, Segelflossen- oder Prachtsalmler (Crenuchus spil­urus Günther, 1863) erinnert auf den ersten Blick an einen Eier­legenden Zahnkarpfen. Ihm fehlt die den meisten Salmlern typische Fettflosse.
Außerdem ist er ein Leisetreter im Aquarium, ein versteckt am Boden lebender Einzelgänger, der seine Scheu nur langsam verliert und sich in einer zu quirligen Gesellschaft unter Umständen niemals richtig entfalten wird. Seine bescheidenen Platzansprüche machen ihn aber zu einem idealen Pflegling im kleinen Artbecken, in dem sich alles auf seine Pflegeansprüche abstimmen lässt.
Im nördlichen Südamerika – von Kolumbien, Ecuador und dem nörd­lichen Peru im Westen bis zu den Guyana-Ländern im Osten – liegt seine natürliche Verbreitung. Schmale, verkrautete Bachläufe bewohnt er ebenso wie die Uferzonen von Restwasserseen oder -tümpeln.