Die mit fast 900 beschriebenen Taxa überwältigend formenreiche Familie der Harnischwelse (Loricariidae) umfasst Arten von über einem Meter Totallänge, aber auch Spezies, die nur drei bis vier Zentimeter lang werden. Natürlich sind heute gerade die Zwerge beliebter denn je, obwohl nicht alle unbedingt einfach zu pflegen sind. | von Ingo Seidel

Hier geht es in erster Linie darum, vor allem solche Arten zu porträtieren und zu empfehlen, die sich gut für eine Pflege im Aquarium eignen. Ich stelle jedoch auch einige hübsche, aber anspruchsvollere kleine Harnischwelse vor, deren Haltung eher dem fortgeschrittenen Aquarianer vorbehalten bleiben sollte.
Doch welche Loricariiden sind denn überhaupt als klein zu bezeichnen? Wenn man bedenkt, dass viele Arten beeindruckend stattliche Totallängen (TL) erreichen, kann man meines Erachtens alle jene Vertreter mit Fug und Recht als „klein“ bezeichnen, die eine TL von etwa neun Zentimetern nicht überschreiten. Solche Welse ­lassen sich guten Gewissens bereits
in einem 54-Liter-Standardaquarium (60 x 30 x 30 Zentimeter) unterbringen. Gegenwärtig unterteilt man die ­Familie der Harnischwelse in sieben Unterfamilien, von denen lediglich die Schilder- (Hypostominae), die Hexen- (Loricariinae) und die Ohrgittersaugwelse (Hypoptopomat­inae und Otothyrinae) aquaristisch relevante kleinere Arten enthalten.

Trotz der Fülle von über 1.000 bekannten Arten ist das Angebot an Salmlern im Handel sehr überschaubar. Zwar gibt es eine Reihe von „Standard-alten-Bekannten“, doch hat man Mühe, neue Gesichter zu entdecken. Die Pflege des hier vorgestellten Salmlers aus Brasilien ist eine spannende Sache. | von Ernst Sosna

D er Literatur ist zu entnehmen, dass die Heimat von Rachoviscus graciliceps Weitzman & Cruz, 1981 im südöstlichsten Brasilien liegt. Dort trifft man die Art in den küstennahen Flüssen im Bundesstaat Bahía an, was ihr den Handelsnamen „Bahía-Salmler“ eingebracht hat. Ihr wissenschaftliches Artattribut bedeutet „mit zierlichem Kopf“.
In ihrer Heimat bewohnen diese Fische kleine Bäche und überschattete Uferzonen größerer Flüsse. Immer handelt es sich dabei um klare, sauerstoffreiche Gewässer mit kräftiger Strömung.

Ansprüche im Aquarium
Will man die natürlichen Bedingungen im Aquarium imitieren, ist mit­hilfe einer leistungsstarken Pumpe für eine kräftige Strömung zu sorgen. Das Wasser muss nitritfrei bleiben, weshalb zu vermeiden ist, dass sich Futterreste auf dem Boden absetzen. Regelmäßige und großzügige Wasserwechsel von bis zu einem Drittel des Beckeninhalts im 14-Tages-Rhythmus begünstigen das ebenfalls.

Ein Klassiker mit langer aquaristischer Vergangenheit ist der Schwarzkehl-Maulbrüter. Aber auch bei alten Bekannten kann es Neues zu entdecken geben. In diesem Fall sind es gelbgrüne Männchen, die in puncto Attraktivität ihren altbekannten blauen Artgenossen nicht nachstehen. | von Thilo Hanold

Der Schwarzkehl-Maulbrüter (Astatotilapia burtoni) ist aquaristisch schon lange bekannt und für viele, die in den 1970er- und 1980er-Jahren mit der Aquaristik begannen, so etwas wie der Inbegriff des Maulbrüters. Die in etlichen Studien untersuchte Art war einmal ein häufig anzutreffender Aquarienfisch und in fast jedem Zooladen erhältlich. Benannt ist sie nach Richard Burton, ­einem der ersten Afrika-Entdeckungsreisenden, und unter den weiteren deutschen Namen „Burtons“, „Blaulippen-“ oder „Augenfleck-Maulbrüter“ bekannt.
Mittlerweile ist es etwas ruhiger um diesen einst so populären Buntbarsch geworden. Dabei haben wir es mit einem hübschen Fisch zu tun, der einfach zu halten und zu vermehren ist. Er wird mit etwa zwölf Zentimetern Gesamtlänge im männlichen Geschlecht auch nicht allzu groß, die Weibchen bleiben noch ein bisschen kleiner.

Früher einmal gehörte er zum Standardsortiment jedes Zooladens mit Aquaristik-Abteilung, heute muss man in der Regel nach ihm suchen, dem Vielfarbigen oder Kleinen Maulbrüter. | von Erwin Schraml

Vielfarbig? Überhaupt: Farbig? Unter ungünstigem Licht von oben, unklug ernährt, ist dieser Buntbarsch eine beigefarbene, viel zu große, aufgedunsene oder – gegenteilig, noch ungünstiger – graue, kränklich mickernde Kreatur. Warum sollte man einen solchen Ladenhüter ins Standardsortiment übernehmen?
Weil er auch anders kann! Dann nämlich, wenn er nicht zu üppig und mit ballaststoffreichem, vielleicht sogar lebendem Futter versorgt wird! Wasserflöhe, Cyclops und schwarze Mückenlarven sind gut, also Tümpelfutter, wie es unsere Altvorderen fast ausschließlich zur Verfügung hatten. Oder ein sehr gutes Flockenfutter, das zugleich an Eiweiß und an Ballaststoffen reich ist. Diese Fische fressen nämlich alles, sie sind absolut nicht wählerisch.

Im Jahr 1962 veröffentlichte der Verhaltensbiologe Wolfgang Wickler einen Artikel, in dem er eine Hypothese zu den auffallenden Flecken auf der Afterflosse mancher Buntbarscharten aufstellte. Er löste damit eine Diskussion aus, die bis heute anhält. | von Hans-Peter Ziemek

Wolfgang Wickler wurde 1931 geboren. Er studierte Bio­logie und wurde bei seiner Doktorarbeit über Grundfische im Max-Planck-Institut für Physiologie in Seewiesen von Konrad Lorenz betreut.
Wickler befasste sich in seinem Forscherleben immer wieder mit dem Verhalten von Fischen. Wie ein roter Faden zog sich die Frage nach den Kommunikationsformen unterschiedlicher Arten durch seine Tierbeobachtungen.
Anfang der 1960er-Jahre beschäftigten ihn verschiedene seinerzeit zur Gattung Haplochromis gezählte Buntbarsch­arten. Insbesondere studierte er jene Spezies, die damals als H. multicolor und H. philander bezeichnet wurden.