Süsswasser
Wie geschminkt
Manche Farben sind kaum zu übersehen. Das kommt einem jedenfalls in den Sinn, wenn man die Vietnamesischen Kardinalfische näher betrachtet. | von Sebastian Wolf
Das kleine Kardinälchen Tanichthys micagemmae weist intensiv rote Lippen auf, was im deutlichen Kontrast zur grauen Körpergrundfarbe sowie den bläulich und silbern reflektierenden Zonen entlang der Mittellinie steht. Weitere rote Farbanteile finden sich ansonsten noch in den unpaaren Flossen, aber hier wirken sie weniger leuchtend. Auffallend und erwähnenswert ist außerdem, dass es sich nicht um ein geschlechtsspezifisches Merkmal handelt, denn beide Geschlechter sind derart prächtig geschmückt. Die Männchen haben jedoch auf Ober- und Unterkiefer eine Reihe spitzer und heller Tuberkel ausgebildet, die sich besonders vom roten Maul abheben. Dieses sekundäre Geschlechtsmerkmal wiederum fehlt den Weibchen.
Die Gelbflossen – Beobachtungen an einer aquaristisch neuen Tanichthys-Population
Auch vermeintlich alte Bekannte können aufregend sein – beispielsweise, wenn sie überwiegend bis ausschließlich als Aquarienstämme bekannt und verfügbar sind, dann aber auf einmal überraschend als Wildfang angeboten werden. | von Sebastian Wolf
Auf der Händlerliste tauchte das hier abgebildete Kardinälchen Ende 2023 unter dem Namen Tanichthys sp. „Yellow Fin“ auf, Genaueres zur Herkunft war nicht erfahren, vermutlich stammt es (wenig überraschend) aus dem südlichen Teil der Volksrepublik China. Erstmalig in der Aquaristikliteratur vorgestellt wurde Tanichthys „Yellow Fin“ von Bitter (2024). Anhand äußerer Merkmale ließe sich diese Population vorläufig der altbekannten Art Tanichthys albonubes zuordnen. Alle sechs untersuchten Exemplare aus meiner kleinen Ursprungsgruppe (von insgesamt 10) weisen 6 verzweigte Flossenstrahlen in der Rückenflosse und 8–9 in der Afterflosse auf. Die Rückenflosse ist im äußeren Teil gelb, innen rötlich gefärbt.
Das Weißbauch-Kardinälchen
Die erst unlängst beschriebene Art ist bereits als Aquarienfisch verfügbar. Wie sind die bisherigen Erfahrungen? | von Sebastian Wolf
Kardinälchen sind ein tolles Beispiel für eine Fischgruppe, die, nachdem es aquaristisch sehr lange ruhig um sie war, dank wissenschaftlicher Erkenntnisse wieder in den Fokus des Interesses gerückt ist. Damit die Wiederbelebung überhaupt vonstattengehen kann, müssen neue Arten aber erst einmal in den Handel gelangen. Im Falle des Weißbauch-Kardinälchens ist es geglückt, und noch dazu postwendend: Die Beschreibung von Tanichthys albiventris erschien Mitte Januar 2022 (Li et al.), und dank der darin enthaltenen, exzellenten Farbfotos war ersichtlich, dass es sich um einen bemerkenswert gefärbten Fisch handelt. Die Art wurde in Südchina entdeckt, nahe der Grenze zu Vietnam. Meines Wissens gelangten die ersten Tiere im Jahr darauf in den Handel und so auch nach Deutschland und in andere europäische Länder. 2024 erfolgten weitere Importe, sodass begeisterte Aquarianer mittlerweile mehrfach Gelegenheit hatten, sich einzudecken.
Ein Kardinälchen mit ungewohnten Farben
Kuehne’s Kardinalfisch ist eine reizvolle Alternative zu den bekannteren Arten – aber leider aquaristisch ganz wenig verbreitet. | von Sebastian Wolf
Die Benennung der Art ist jüngeren Datums und stammt aus dem Jahr 2019 (Bohlen et al.), gleichwohl sie schon länger bekannt war, aber immer etwas mysteriös blieb. So wurde sie oftmals als Tanichthys thacbaensis bezeichnet, ein Phantom aus dem nördlichen Vietnam, das seit der Erstbeschreibung nicht mehr gefunden wurde. Teilweise hält sich dieser Name bis heute. Die Vorstellung in der Aquaristikliteratur mit Angaben zur Pflege und Vermehrung erfolgte bereits einige Jahre vor der formalen Beschreibung (Bohlen 2010; Seidel 2012). Den Sprung in die kommerzielle Aquaristik schaffte T. kuehnei bisher allerdings nicht.
Ein neuer Stern am Salmlerhimmel?
Ein weiterer spektakulärer neuer Königssalmler wurde unlängst importiert – und konnte auch schon vermehrt werden. | von Rainer Rausch
Der neue Stern ist in diesem Fall eine Art, die als Inpaichthys sp. „Black Arrow“ („Schwarzer Pfeil“) bezeichnet wird. Der schmucke Kleinfisch weist auf seinem stromlinienförmigen Körper einen orangen Farbton mit ebenso gefärbten Flossen und eine dicke schwarze, an einen Pfeil erinnernde Linie von den Brustflossen bis zur Schwanzflosse auf. Wolfram „Paul“ Enders aus Dichtelbach glückte die Erstnachzucht hierzulande.



