Der Westafrikaner gehört zu den beliebtesten Aquarienfischen und wird mit den ­unterschiedlichsten Populärnamen belegt. Früher bezeichnete man den kleinen Buntbarsch als „Aquarien-Kribensis“ oder „Weinroten Prachtbuntbarsch“, heute spricht man in Anspielung auf seine hübsche Färbung vom Purpur-Prachtbuntbarsch oder Königscichliden. | von Uwe Werner

Bei Pelvicachromis pulcher (Boulenger, 1901) handelt sich um eine geradezu ideale Art, um erste Erfahrungen mit Buntbarschen zu sammeln. In so gut wie jedem Zoofachgeschäft ist sie zu erträglichen Preisen erhältlich, wird im männlichen Geschlecht nur etwa zehn Zentimeter lang (Weibchen bleiben rund drei Zentimeter kleiner) und lässt sich deshalb schon in einem 80-Liter-Aquarium pflegen und nachzüchten.
Die Fische sind – innerartlich wie gegenüber anderen Mitbewohnern – nicht sonderlich aggressiv, und da sie keine Pflanzen fressen oder ausbuddeln, kann man ihr Aquarium ansprechend grün dekorieren. Zu guter Letzt haben sich Aquarienstämme entwickelt, die derart „domestiziert“ sind, dass sie keine besonderen Ansprüche an das Wasser stellen und sich willig fortpflanzen. Und da die Brutpflege ein sehenswertes Schauspiel ist, kann man auch als alter Hase noch viel Freude an diesem monogamen Höhlenbrüter haben.

Farbwunder sind sie sicher nicht, die Awaous-Arten, aber interessante Bodenbewohner mit eindrucksvollem Gesicht und außergewöhnlichem Fressverhalten. | von Uwe Werner

Insgesamt gelten zurzeit 19 Arten der Gattung Awaous Valencien­nes, 1837 als valide, der Name geht auf eine Bezeichnung aus Tahiti zurück. Das Verbreitungsgebiet dieser archaischen Formen, die meist in meeresnahen Flüssen in Brack- und Süßwasser leben, ist erstaunlich groß. Obwohl sie in Nord-, Mittel- und im nördlichen Südamerika, aber auch in Westafrika und im Indopazifik vorkommen, ähneln sich alle Arten sehr. Ich stelle hier zwei von ihnen vor, eine aus Mittel- und Südamerika, die an­dere aus Westafrika.

Bananengrundel
Das wissenschaftliche Art-Attribut von Awaous banana (Valenciennes, 1837) geht laut Texas State University San Marcos (http://txstate.fishesoftexas.org/index.htm) auf eine Bezeichnung aus der Dominikanischen Republik zurück. Es spielt wohl auf die Form und Farbe einer Banane an, wir könnten also von der „Bananengrundel“ sprechen. Im englischen Sprachgebrauch wird diese „Flussgrundel“ als „River Goby“ bezeichnet. Die Liste der Synonyme ist lang, weshalb ich sie gar nicht erst nenne.

Es ist noch gar nicht so lang her, da gestattete Brasilien die Suche nach und die Ausfuhr von Aquarienfischen ohne besondere Auflagen. 1988 war es Arthur Werner, dem Geschäftsführer der in Planegg bei München ansässigen Exportfirma Transfish, noch möglich, von einer Reise neue Aquarienfische nach Deutschland mitzubringen, unter anderem den hier vorgestellten Salmler. | von Ernst Sosna

Werner unterhielt damals in Belém eine Exportstation und flog mehrmals dorthin, um Exkursionen auf der Suche nach neuen Aquarienfischen zu begleiten. Im Juni 1988 zog es ihn in den Einzug des Rio Tocantins und des Rio Ara­guaia. In der Nähe der Stadt Filadel­fia fand er unter anderem den hier ­vor­gestellten Fisch. Zur Bestimmung überließ Werner die von seiner Reise mitgebrachten Salmler Lothar Seegers und Jacques Géry, die in DATZ 6/1989 über elf damals neue oder aquaristisch seltene Salmlerarten berichteten.
Dann verschwand die Art wieder aus unseren Aquarien, ohne dass sie in größeren Stückzahlen nachgezogen und in Liebhaberkreisen verbreitet worden wäre. Im Jahr 2010 importierte Aquarium Glaser (Rodgau) den schönen Fisch erneut unter dem Namen Hyphessobrycon stegemanni. Dieses Mal kamen Tiere in die Hände des ­ambitionierten Aquarianers Dieter Bork, der sie nachzüchtete und die Mitarbeiter von Aquarium Glaser auf die große Ähnlichkeit zu jenem Fisch hinwies, der unter der Bezeichnung
„S 7“ 21 Jahre zuvor in der genannten DATZ-Ausgabe vorgestellt worden war. Fortan wurde er als H. cf. stegemanni und populär als „Phönixsalmler“ („der Auferstandene“, „der Wiederentdeckte“) angeboten.

Im Lauf mehrerer Jahrzehnte gelang es unseren Autoren, in ihrem Hobbykeller zahlreiche Salmler zu halten und zum überwiegenden Teil auch zu vermehren. Nicht alle Arten sind und waren Kassenschlager oder Hingucker. Im Folgenden berichten sie über weniger spektakuläre Formen. | von Peter und Martin Hoffmann

Für uns gab es in der hier vorgestellten Fischgruppe allerdings mehrere spannende Entdeckungen sowie Unklarheiten. Außerdem gelang uns gerade durch diese Arten eine Intensivierung wissenschaftlicher Kontakte, insbesondere nach Brasilien, und somit ein schöner Blick über den Aquarienrand hinaus …
Die genauen verwandtschaftlichen Verhältnisse der zahlreichen südamerikanischen Salmler mit vielen Gattungen und mehreren hundert Arten sind noch nicht endgültig geklärt. So erschienen in den letzten Jahren mehrere Arbeiten zu diesem Thema mit teils etwas abweichenden Hypothesen.
Die hier vorgestellten Gattungen sind sicher eng miteinander verwandt, wobei es bei der Abgrenzung zu einigen anderen Genera Unklarheiten gibt. Nach einer recht aktuellen Arbeit (Mattox & Toledo-Piza 2012) handelt es sich bei der Gruppe um die Unter­familie Heterocharacinae mit der Tribus (Rang zwischen Unterfamilie und Gattung) Heterocharacini, zu der folgende Gattungen gehören: Gnatho­charax, Heterocharax, Hoplocharax, Lonchogenys und Priocharax. Wissenschaftlich handelt es sich um höchst interessante Fische.

Für unsere Autoren war es schon immer etwas Besonderes, in Zoogeschäften und bei ­Großhändlern Salmler-Beifänge zu entdecken. So spürten sie im Lauf der Jahrzehnte ­zahlreiche Arten auf, beschriebene und namenlose, aufregende und weniger spannende … | von Peter und Martin Hoffmann

Beifänge, egal welcher Gattung oder Art, sind für Salmler-Liebhaber das „Salz in der Fischsuppe“. Bei den meisten handelt es sich um silbrige, graue oder grünliche Fische mit geringen Kontrasten (allenfalls roten Augen, rötlichem bis orangefarbenem Längsband, gelegentlich dezenter Flossenzeichnung oder -tönung). Wären die Tiere auffälliger, bunter, dann wären sie kaum zu übersehen und überhaupt zu Beifängen geworden. Wir stehen daher in dem nicht ganz unberechtigten Ruf, uns überwiegend für „Weißwein-farbene“ Fische zu interessieren …
Wie kommt es zu Beifängen? Logischerweise sind sie nur beim Import von Wildfängen anzutreffen. Die Importeure in Deutschland ordern bei den Exporteuren die auf deren Listen angebotenen Salmler. Die Exporteure, in der Regel größere Sammelstationen in Städten mit Flugverbindung, lassen aus den in großen Stückzahlen gehälterten Arten die Sendungen zusammenstellen.
Dazu zählen die Angestellten per Handkescher die Fische zum Verpacken in die Transportbeutel. Da die Fänger die einzelnen Arten nicht von jedem „Fremdfisch“ trennen, sind immer wieder „falsche“ Tiere darunter, die beim Abzählen mit in den Beutel gelangen. Dass die Fische von oben (und nicht von der Seite, wie im Aquarium) betrachtet und sortiert werden, erhöht die Fehlerwahrscheinlichkeit.