Süsswasser
Der Rote Tiger, eine neue Guppy-Zuchtform
Die hier vorgestellte Variante trägt Eigenschaften, die bei anderen Guppy-Stämmen selten sind. Inwiefern sie weiterentwickelt und irgendwann zu einer Hochzuchtform wird, hängt davon ab, ob sich mehr Aquarianer mit ihr beschäftigen wollen. | von Sebastian Wolf
Die hektische, ja fast manische Tätigkeit asiatischer Züchter bescherte der Aquaristik in den vergangenen Jahren viele neue Guppy-Zuchtformen. Oft sind sie in optischer Hinsicht spektakulär und außerordentlich bunt. Sehr fantasievoll sind die mitgelieferten Namen. Hilfreicher als Kreationen wie „Jumbo Green Dragon“ wären natürlich Hinweise auf Flossenformen und Grundfarbe in den jeweiligen Bezeichnungen, wie sie etwa bei altetablierten Hochzuchtformen zu finden sind. Das Durcheinander vergrößert sich, je mehr neue Varianten und beliebig vergebene Bezeichnungen kursieren.
Hervorragende Aquarienschnecken: Melanopsis
Mit den überall vorhandenen Turmdeckelschnecken haben die hier vorgestellten Mollusken nichts zu tun. Das Potenzial, zu einer neuen „Standardschnecke“ zu werden, ist vorhanden – einen kleinen Haken gibt es aber doch. | von Sebastian Wolf
Die europäische Wirbellosenfauna bietet attraktive Arten, die einfach zu pflegen, aber bisher nur ganz vereinzelt im Aquarium vorhanden sind, während das Groß der Süßwasserschnecken im Handel nach wie vor als Wildfang – aus Asien – im Flugzeug hierher transportiert wird. Ich hatte jedenfalls bis vor wenigen Jahren noch nie von der Gattung Melanopsis im Aquarium gehört, geschweige denn etwas gelesen. Erst seit Kurzem wird eine Handvoll Arten als Nachzuchten angeboten. Es ist davon auszugehen, dass diese Schnecken durch private Sammeltätigkeiten den Weg ins Hobby schafften, denn aus dem natürlichen Verbreitungsgebiet (Mittelmeer-Anrainerstaaten in Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten) erfolgen keine Exporte für die Süßwasser-Aquaristik.
Um einer Verwechslungsgefahr vorzubeugen: Der Name mag wegen der Ähnlichkeit zu Irritationen führen – aber um die in fast jedem Aquarium vorhandenen Schnecken der Gattung Melanoides, die Turmdeckelschnecken, geht es hier nicht! Melanopsis sind ganz andere Schnecken. Sie stehen in der gleichnamigen Familie Melanopsidae, auch als Schwarzdeckelschnecken bezeichnet.
Ein langes Fischleben
Wie lange Aquarienfische leben, darüber gibt es nur wenige sicher verbürgte Angaben. Der hier vorgestellte Wels kann sowohl ein erstaunliches Alter als auch eine abwechslungsreiche Biografie vorweisen. | von Oliver Schirk
Wir schreiben das Jahr 1983: Meine 15-monatige Bundeswehrzeit nähert sich dem Ende, und das 120-l-Aquarium, das im Elternhaus auf kleiner Flamme weiterlief, kann wieder etwas stärker besetzt werden. So kaufe ich mir zwei Weißbindendornwelse, auch Liniendornwelse genannt, die in das reichlich bepflanzte Becken ziehen und sich nur zum Füttern sehen lassen. Damals erwarb ich sie unter dem Namen Platydoras costatus. Unter diesem Namen kennt man sie meist heute auch noch, vermutlich ist Platydoras armatulus jedoch die richtige Bezeichnung (Konn-Vetterlein 2012).
Wie geschminkt
Manche Farben sind kaum zu übersehen. Das kommt einem jedenfalls in den Sinn, wenn man die Vietnamesischen Kardinalfische näher betrachtet. | von Sebastian Wolf
Das kleine Kardinälchen Tanichthys micagemmae weist intensiv rote Lippen auf, was im deutlichen Kontrast zur grauen Körpergrundfarbe sowie den bläulich und silbern reflektierenden Zonen entlang der Mittellinie steht. Weitere rote Farbanteile finden sich ansonsten noch in den unpaaren Flossen, aber hier wirken sie weniger leuchtend. Auffallend und erwähnenswert ist außerdem, dass es sich nicht um ein geschlechtsspezifisches Merkmal handelt, denn beide Geschlechter sind derart prächtig geschmückt. Die Männchen haben jedoch auf Ober- und Unterkiefer eine Reihe spitzer und heller Tuberkel ausgebildet, die sich besonders vom roten Maul abheben. Dieses sekundäre Geschlechtsmerkmal wiederum fehlt den Weibchen.
Die Gelbflossen – Beobachtungen an einer aquaristisch neuen Tanichthys-Population
Auch vermeintlich alte Bekannte können aufregend sein – beispielsweise, wenn sie überwiegend bis ausschließlich als Aquarienstämme bekannt und verfügbar sind, dann aber auf einmal überraschend als Wildfang angeboten werden. | von Sebastian Wolf
Auf der Händlerliste tauchte das hier abgebildete Kardinälchen Ende 2023 unter dem Namen Tanichthys sp. „Yellow Fin“ auf, Genaueres zur Herkunft war nicht erfahren, vermutlich stammt es (wenig überraschend) aus dem südlichen Teil der Volksrepublik China. Erstmalig in der Aquaristikliteratur vorgestellt wurde Tanichthys „Yellow Fin“ von Bitter (2024). Anhand äußerer Merkmale ließe sich diese Population vorläufig der altbekannten Art Tanichthys albonubes zuordnen. Alle sechs untersuchten Exemplare aus meiner kleinen Ursprungsgruppe (von insgesamt 10) weisen 6 verzweigte Flossenstrahlen in der Rückenflosse und 8–9 in der Afterflosse auf. Die Rückenflosse ist im äußeren Teil gelb, innen rötlich gefärbt.


