margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxDie auch als Seehasen bekannten Breitfußschnecken (Aplysiomorpha) gehören zu den Hinterkiemerschnecken (Opisthobranchia). Die monotypische Familie Akeridae umfasst nur sechs Arten (Akera ssp.). Sie besitzen noch eine relativ große Schale, die zwar nicht den gesamten Körper, aber zumindest den Eingeweidesack umhüllt. Die teils grabend lebenden Schnecken sind nicht sehr auffällig. Demgegenüber gehören etliche Taxa der Familie Aplysiidae mit ihren knapp 70 Arten in elf Gattungen schon aufgrund ihrer teils beachtlichen Größe, aber auch ihrer an geeigneten Standorten saisonal extrem hohen Populationsdichten zu den dominierenden Hinterkiemerschnecken im Flachwasser. | Von Maren Gaulke

Die Aplysiiden sind marine Kosmopoliten, den größten Artenreichtum verzeichnet der Pa­zifik, aber auch in der Nordsee sind sie mit mehreren Arten vertreten. Da sämtliche Mitglieder Pflanzenfresser sind, bewohnen sie bevorzugt lichtdurchflutete, dicht mit Algen oder ­Seegräsern bewachsene Flachwasser­zonen. Einige Arten wie Stylocheilus striatus kommen aber bis in etwa 30 Metern Tiefe vor.

Meerhasen auf großem Fuß
Der Trivialname „Seehase“ erklärt sich aus der äußeren Erscheinung der Aplysiiden. Die langen, auf dem Hinterkopf stehenden Rhinophoren (mit Chemorezeptoren bedeckte Sinnesorgane) erinnern an Hasenohren. Dazu kommt der bei einigen häufigen Arten wie Dolabella auricularia nach hinten ansteigende Körper, mit dem sie an ­einen hoppelnden Hasen erinnern, und die bei einigen Spezies verzweigten Papillen, die ihnen ein pelziges Aussehen verleihen.
Der zweite Trivialname, „Breitfußschnecke“, bezieht sich auf die Parapodien, breite, seitlich am Fuß befindliche Hautfortsätze. Bei vielen Arten dienen sie der Fortbewegung und ­Stabilisierung am Boden, einige benutzen sie auch zum Schwimmen. Bei anderen Spezies, so beim Fransenseehasen (D. auricularia), sind die Parapodien über dem Rücken zusammengewachsen und bilden die Parapodi­alhöhle, die die Mantelhöhle schützend umgibt.

den vollständigen Artikel finden Sie in Ausgabe 8/2017

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxIn vielen Publikationen über Schneckenbuntbarsche ist zu lesen, die leeren Schneckenhäuser seien die „ökologische Nische“ dieser Arten – ein Missverständnis zwischen der Wissenschaft und den Aquarianern. | Von Hans-Peter Ziemek

Der amerikanische Ökologe Charles Elton formulierte 1933 erstmals den Begriff der ökologischen Nische. Er schrieb, „dass die Nische eines Organismus dessen Lebensweise sei im gleichen Sinn, wie wir in der menschlichen Gesellschaft von Gewerbe, Arbeit oder Beruf sprechen“. Der Begriff der Nische eines ­Organismus wurde seitdem benutzt, um zu beschreiben, wie – und nicht nur wo! – er lebt (Townsend et al. 2003).
Um den Ort des Aufenthaltes eines Individuums oder einer Population
zu beschreiben, wurde zusätzlich der Begriff des Habitats eingeführt. Er ­bezieht sich auf die möglichen Auf­enthaltsorte.
Der Begriff der ökologischen Nische geht über diese Definition hin­-aus und bezeichnet ein Gedanken­experiment, bei dem für einen Organismus sämtliche Toleranzbereiche und Ansprüche für sein Leben summiert werden.
Diese Erweiterung des Begriffs beschrieb George E. Hutchinson (1957). Er nannte die komplexen Wechselwirkungen, die auf ein Tier einwirken. Es geht dabei um die Toleranzbereiche für Umweltfaktoren (Wassertempe­ratur, Sauerstoffgehalt, pH-Wert, Strömungen …) und den Bedarf an verschiedenen Ressourcen (Nahrung).
So definiert das Konzept der öko­logischen Nische die Grenzen, innerhalb derer eine Art leben und sich ­reproduzieren kann, über die Benennung der potenziell zur Verfügung stehenden abiotischen und biotischen Ressourcen.
Das leere Schneckenhaus im flachen Wasser eines ostafrikanischen Sees ist also nur ein kleiner Teil der ökologischen Nische eines Schneckenbuntbarsches. Die gesamte „Nische“ muss man sich als ein virtuelles Gebilde mit unterschiedlichen Faktoren vorstellen, die alle miteinander und mit den Tieren im Wechsel wirken.

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margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxNachdem sie im ersten Teil ihres Aufsatzes die Anatomie und Lebensweise der Seescheiden behandelten, gehen die Autoren nun auf die Ansprüche dieser selten gepflegten Tiere im Aquarium ein. | Von Rolf Hebbinghaus* und  James W. Fatherree

Seescheiden sind keine einfach zu haltenden Tiere. Verglichen mit anderen Invertebraten, etwa den Blumentieren, Mollusken, Krebsen oder Stachelhäutern, fanden sie bei den Meeresaquarianern bislang weit weniger Beachtung, und so bietet die aquaristische Literatur auch erst wenig über die besonderen Haltungsansprüche dieser Tiere. Immer wieder einmal werden Ascidien als gut haltbar und nicht anspruchvoll dargestellt, doch beruhen solche optimistischen Aus­sagen unserer Erfahrung nach leider allzu oft auf Kurzzeitbe­obachtungen.

Seescheiden im Aquarium
Zumindest die größeren Solitärseescheiden können viele Jahre alt werden. Im Aquarium überleben sie aber häufig nur einige Monate, unseres Erachtens weil sie in der Regel allmählich verhungern. Reicht die aufgenommene Nahrung nicht aus, kann sich bei Filtrierern der Hungertod über ­viele Monate hinziehen.
Bei planktivoren Seegurken und auch bei den Lederröhrenwürmern ist der fortschreitende Verlust an Körpersubstanz relativ einfach zu bemerken, da sie sichtbar schrumpfen. Kaum zu erkennen ist das dagegen bei Filtrierern mit fester Schale, wie den Muscheln, oder mit sehr zäher Außenhaut, wie den Ascidien.
Dass unsere feste Überzeugung, dass Seescheiden im Aquarium in der Regel durch bloßes Verhungern vorzeitig sterben, nicht von allen Autoren gleichermaßen geteilt wird, soll nicht verschwiegen werden. Neben anderen sind sich auch Fosså & Nilsen (1998) hier nicht so sicher, gerade weil Seescheiden erwiesenermaßen ganz besonders effiziente Filtrierer sind.

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margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxIn den Meeren existieren weltweit rund 2.000 Arten von Seescheiden. Viele davon sind ­prächtig gefärbt und leben im Flachwasser tropischer Korallenriffe. Dennoch werden sie nur selten gepflegt, und vielen Aquarianern ist ihre Lebensweise weitgehend unbekannt.  | Von Rolf Hebbinghaus* und  James W. Fatherree


Die meisten vielzelligen Tiere ­besitzen keine Wirbelsäule. Sie zählen somit zu den Wirbel­losen, die jedoch keine systematische Gruppe darstellen, sondern sich auf rund 20 Tierstämme verteilen. Die Mehrzahl dieser Stämme ist auch im Meer vertreten, einige sind sogar rein marin.
Die sessilen Seescheiden (Ascidiacea) gehören zusammen mit den pe­lagischen (aquaristisch unbedeutenden) Klassen Thaliacea (Salpen, etwa 50 Arten) und Appendicularia (etwa 70 Arten) zu den Manteltieren (Tuni­cata). Die Manteltiere, die Schädellosen (Acrania: Lanzettfischchen) und die Wirbeltiere (Vertebrata) bilden gemeinsam den Stamm der Chordatiere (Chordata), dessen wichtigstes anatomisches Merkmal die Chorda dorsalis (stabförmiger Stützapparat im Rücken) mit dem Neuralrohr (oberhalb der Chorda liegender Nervenstrang) ist.
Wenngleich im Fall der Manteltiere die Chorda dorsalis nur bei den ­Appendicularien zeitlebens vorhanden ist, wogegen die Seescheiden und ­Salpen sie nur während ihres kurzen, pelagischen Larvenstadiums besitzen, haben doch ohne Zweifel alle drei – Manteltiere, Lanzettfischchen, Wirbeltiere – dieselben Vorfahren. Sich aber klarzumachen, dass ausgerechnet so schlicht anmutende Lebensformen wie die Seescheiden – Tiere ohne Augen und Beine, festgewachsen am Gestein – zu den Wirbellosen mit der höchs­-ten Entwicklungsstufe gehören, dürfte ­vielen Zeitgenossen schwerfallen.

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margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxAus der Distanz hat man Mühe, in einem Schwarm juveniler Korallenwelse einzelne Fische zu erkennen. Man sieht eine Masse, die über den Meeresboden zu gleiten scheint. Darauf spielt der Gattungsname dieser marinen Welse an: plotos (gr.) = „fließend“. | Von Helmut Götheli


Meine erste Begegnung mit Korallenwelsen liegt mittlerweile etwas mehr als 25 Jahre zurück, sie fand in Watamu Bay an der kenianischen Küste statt und verlief eher enttäuschend. Durch ausgeprägte Gezeitenunterschiede fiel die Bucht bei Ebbe fast völlig trocken, sodass sich das Schnorcheln im flachen Wasser zwischen den Seegrasbeständen stellenweise sehr mühselig gestaltete. Da auch die Sicht meist bescheiden war, entschied ich mich nach wenigen ereignislosen Schnorchelgängen, meine sperrige Unterwasser-Kamera-Ausrüstung nicht jedes Mal mitzuschleppen.
So kam es, wie es kommen musste. Beim ersten Schnorcheln ohne Kamera begegnete uns in einiger Entfernung vom Strand ein großer Schwarm acht bis zehn Zentimeter langer, juveniler Gestreifter Korallenwelse (Plotosus lineatus). Der Schwarm mit einem Durchmesser von ungefähr einem Meter streifte unermüdlich zwischen den Seegrasbeständen über den Sandflächen der Bucht umher und ließ mein Fotografenherz höherschlagen.
Nach kurzem Abwägen meiner Chancen, die Fische wiederzufinden, entschied ich mich, zum Strand zurückzuschnorcheln und schnell meine Kamera zu holen. Gut zehn Minuten später war ich wieder an dem Ort, wo ich die Welse verlassen hatte, doch trotz intensiven und systematischen Absuchens der Umgebung konnte ich die Korallenwelse weder an diesem noch an den restlichen Tagen unseres Kenia-Urlaubs wiederfinden. Über 20 Jahre bis zu einer erneuten Begegnung mit diesen einzigartigen Fischen sollten vergehen ...
Korallen- oder Aalwelse bilden innerhalb der ungefähr 40 Familien mit über 3.400 Arten umfassenden Ordnung der Welsartigen (Silurifomes)
die Familie Plotosidae. Der gebräuchlichere deutsche Name „Korallenwelse“ ist eigentlich der weniger zutreffende, da nur eine Art, nämlich der Gestreifte Korallenwels (P. lineatus), tatsächlich in Korallenriffen lebt. Die seltenere Bezeichnung „Aalwelse“ dagegen bezieht sich auf die charakte­ristische Körperform aller Plotosiden.

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