Sie ist einer der bekanntesten Vertreter der Unterordnung Nudibranchia und mit einer ­durchschnittlichen Länge von gut 20 und einer maximalen von 40 bis 60 Zentimetern eine der größten und schönsten Nacktkiemerschnecken. | von Maren Gaulke

Die Spanische Tänzerin besticht nicht nur durch ihre Farbenpracht, sondern auch durch ihre graziösen Schwimmbewegungen. Jeder, der einer durch das Wasser gleitenden Spanischen Tänzerin beim Schnorcheln oder Tauchen schon einmal begegnet ist, wird bestätigen, dass sie ihren Trivialnamen verdient hat.
Beim Schwimmen werden die Parapodien, die breiten Mantelränder, die bei kriechender Fortbewegung auf dem Meeresboden eingerollt getragen werden, vollständig ausgebreitet und in undulierende Bewegungen versetzt. Gleichzeitig wird der gesamte Körper schwungvoll auf- und abwärts gebogen. Mit diesen ausladenden Bewegungen seines Mantels erinnert das Tier an eine Flamenco-Tänzerin, die von ihrem Rock umwirbelt wird. Und auch in ihrer überwiegend roten Färbung entspricht die Spanische Tänzerin den Kostümen des Flamencos.
Der wissenschaftliche Gattungs­name bezieht sich auf die Zahl der Federkiemenbüschel; hex (gr.) bedeutet „sechs“; was allerdings irreführend ist, da die Zahl variieren kann. Das Art­-Epitheton spielt auf die Färbung des Tieres an: sanguineus (lat.) bedeutet „blutig“ oder „blutrot“.

Die rezenten Nautilus-Arten sind die letzten Vertreter einer uralten Entwicklungslinie der Kopffüßer. Das Auftreten räuberischer Organismen führte zu ihrem allmählichen Niedergang. Heute bedroht der Handel mit ihren Schalen ihr Fortbestehen. | von René Hoffmann

Schon frühzeitig waren Menschen von den Schalen der ­rezenten Nautiliden oder Perl­boote fasziniert. So tauchte die Ab­bildung einer Nautilus-Schale bei Rumpf (1705) auf, dessen Werk aller­-lei Raritäten – von Mineralien über ­rezente Molluskenschalen bis hin zu Fos­silien – zeigte.
Den Weichkörper eines Nautilus schaute sich zuerst Richard Owen (1832) im Detail an (später wurde Owen durch seine Auseinandersetzung mit Charles Darwin, den er auf das Heftigste beschimpfte, berühmt); er zeichnet sich durch seine über 90 Tentakel, eine Kopfkappe, zwei ein­fache Lochkamera-Augen, zwei Kiemenpaare, einen Eingeweidesack mit U-förmigem Verdauungstrakt sowie ein schalenbildendes Mantel-Epithel aus.

Für viele Räuber sind sie eine schmackhafte Beute, aber keine leichte, obwohl sie weder einen harten Panzer noch spitze Stacheln besitzen. Im Gegenteil, sie gehören vielmehr selbst zu den erfolgreichen Jägern im Meer! | von Helmut Göthel

Anders als viele weitere Mee­resbewohner, die ihre Geschlechtsprodukte einfach ins freie Wasser abgeben, zeigen Kopf­füßer ein zum Teil hochinteressantes Fortpflanzungsverhalten.

Fortpflanzung
Bei der Kopffüßer-Paarung überträgt das Männchen mithilfe seines differenzierten Begattungsarms (Hectocotylus) ein Samenpaket (Spermatophore) auf das Weibchen.
Die meisten Tintenfische zeigen ein komplexes Balzverhalten, bei dem auch ihre Fähigkeit zum Farbwechsel eine wichtige Rolle spielt. Während Sepien und Kalmare sich damit begnügen, ihre Gelege an Steinen, Algen oder anderen Substraten zu befestigen und anschließend sich selbst zu überlassen, treiben Kraken-Weibchen eine aufopfernde Brutpflege, häufig bis zum eigenen Tod.

Die Arten der Gattung Argonauta sind weltweit in den tropischen und subtropischen Meeren verbreitete Vertreter der Oktopusse. Im Gegensatz zur großen Mehrheit der Kraken leben sie jedoch nicht am Meeresboden, sondern nahe der Oberfläche des offenen Wassers (Pelagial). | von Kevin Stevens

Argonauten sind vor allem durch ihre attraktiven, sehr dünnwandigen Schalen bekannt, denen sie auch ihren Populärnamen „Papierboote“ verdanken. Diese Schalen werden allerdings nur von den weiblichen Tieren gebildet, die um ein Vielfaches größer sind als die Männchen.
Heute unterscheidet man vier verschiedene Argonauten-Spezies, wobei die am weitesten verbreitete und größte, Argonauta argo, die Typusart der Gattung ist (Finn 2013). Argonauta ist das einzige rezente Genus der Familie Argonautidae.
Lange folgte man der Vorstellung Aristoteles’, dass die beiden schirm­artig verbreiterten Arme der Argonauten als Segel dienen und die Schale tatsächlich als Boot, in dem die Tiere sitzen und auf der Wasseroberfläche segeln. Diese Lebensweise ist etwa in Jules Vernes Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ dargestellt.

Riesige Kalmare, Wale jagend und im Kampf um Leben und Tod mit ihnen ringend, Kraken, blutrünstig und so groß, dass sie ganze Schiffe in die Tiefe reißen und die Besatzung verschlingen –  solche Schreckensgeschichten über Tintenfische sind ­hartnäckig in der kollektiven Fantasie verankert und beflügeln heute noch die ­gruselerfahrene Unterhaltungsbranche. | von Marco Hasselmann*

Die Furcht vor dem Unbekannten und Andersartigen wird immer wieder aufs Neue strapaziert. Da nützt es auch nichts, dass in jedem Zoofachhandel der weiße Kalkschulp der Sepien als nahrungsergänzender Knabberspaß für Sittich & Co. zu bekommen ist. Nur wenige wissen, dass es sich dabei um die Auftrieb gebende Innenschale von Tintenfischen handelt, ein gasgefülltes Gebilde aus feinen Aragonit-Lamellen, Relikt der harten Außenschale fossiler Tintenfische. Ebenso staunen viele, wenn sie erfahren, dass die Gesamtmasse der Kopffüßer etwa genauso groß ist wie die Biomasse aller Fische in unseren Meeren.
Die Tintenfische (Kalmare, Sepien und Kraken) sind natürlich keine ­näheren Verwandten der Fische, sondern Weichtiere (Mollusca) wie die Muscheln und Schnecken. Daher mag es klüger scheinen, Sie als Kopffüßer anzusprechen, doch decken sich die beiden Bezeichnungen nicht! Das höhere Taxon Kopffüßer (Cephalopoda) schließt nämlich auch die Nautiliden ein, die gar keine Tintendrüse besitzen und aus diesem und weiteren Gründen nicht zu den Tintenfischen gehören.