Anders als auf den Sternen in den unendlichen Weiten des Kosmos, die mit Sicherheit kein Leben beherbergen können – allenfalls manche der sie umkreisenden Planeten –, findet man auf den Sternen der Meere eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensformen. | von Helmut Göthel

Die ersten Naturforscher kannten nur wenige marine Lebensgemeinschaften, und zwar überwiegend solche, die auch nach dem Fang der Tiere – die damals übliche und einzige Art der Forschung – über deren Tod hinaus andauerten und an den Präparaten wissenschaftlicher Sammlungen erhalten blieben.
Ein Paradebeispiel ist die Symbiose zwischen verschiedenen Arten von Einsiedlerkrebsen und Seeanemonen. Da die Anemonen fest auf dem Gehäuse ihres Einsiedlers angeheftet waren und auch nach dem Fang nicht von ihren Partnern getrennt wurden, lag es nahe, zwischen beiden eine dauerhafte Beziehung zu vermuten. Aufgrund fehlender Lebendbeobachtungen nahm man irrtümlich an, die Seeanemonen seien Schmarotzer des Einsiedlerkrebses, was sich in ihrer wissenschaftlichen Benennung (para­-
sitica) niederschlug.

Schaut man in Neumondnächten in den Himmel, sieht man unzählige Sterne am Firmament. Aber auch in den Ozeanen unseres Blauen Planeten gibt es zahlreiche Sterne: die zu den Stachelhäutern gehörenden Haar-, Schlangen- und Seesterne. Sie besitzen zwar nicht die Leuchtkraft ihrer Vettern im All, doch begeistern viele von ihnen mit plakativen Farben und bizarren Gestalten.. | von Helmut Göthel

Gemeinsam mit den Seeigeln (Echin­oidea) und Seegurken (Holothuroidea) bilden die „Meeres-Sterne“ den Tierstamm der Stachelhäuter (Echinodermata), die mit ­mindestens 6.500 rezenten Arten ­ausschließlich marine Lebensräume bevölkern.
Die Systematik unterscheidet fünf rezente Klassen mit drei verschiedenen Erscheinungsformen: die sternförmigen Seelilien und Haarsterne (Crinoidea), die Seesterne (Asteroidea) und die Schlangensterne (Ophiuroidea) sowie die bereits erwähnten, mehr oder weniger halbkugeligen Seeigel und die walzen- bis wurmförmigen Seegurken oder Seewalzen.

Die Lebensgemeinschaften zwischen Grundeln der Gattung Amblyeleotris und Garnelen des Genus Alpheus ermöglichen ethologisch Interessierten spannende Beobachtungen – im natürlichen Lebensraum wie im Aquarium. | von Horst Moosleitner

Die Grundeln der Gattung Amblyeleotris sind sehr langgestreckt, haben einen rundlichen Kopf und eine lange Schwanzflosse. Sie sind meist auf hellem Grund orangefarben, rötlich oder braun quergestreift. Lage, Breite und Farbe der Streifen sind in der Regel arttypisch und lassen sich daher zur Bestimmung heranziehen.
Der schlanke Körper kommt ihrer Lebensweise sehr entgegen, sie leben nämlich alle in Gemeinschaft mit Knallkrebsen der Gattung Alpheus, ­deren Gangsysteme im Sand sie als ­Zufluchtsort und Nachtquartier nutzen.
Die fast blinden Krebse wühlen ständig auf der Suche nach Nahrung im Boden und bauen an ihrem Höhlensystem weiter, wobei sie alle grö­ßeren Steinchen und Korallenbruchstücke ins Freie tragen oder wie Bulldozer vor sich herschieben.

Eine der spannendsten marinen Lebensgemeinschaften ist die zwischen verschiedenen ­Grundeln und den kleinen Pistolen- oder Knallkrebsen der Gattung Alpheus. Während bei allen anderen Symbiosen der Wirt – zum Teil sogar erheblich – größer ist als die Symbionten, sind bei den Schaufelbaggern und ihren Wächtern die Verhältnisse umgekehrt. | von Helmut Göthel

Angesiedelt sind diese Lebensgemeinschaften auf mit grö­berem Material durchsetzten Sand- und Sedimentböden tropischer und subtropischer, oft riffnaher Re­gionen, vom Flachwasser bis in über 50 Meter Tiefe, die es den Krebsen ermöglichen, ihre Gänge zu graben.
Die je nach Art nur 25 bis 70 Millimeter langen Garnelen sind unermüdlich damit beschäftigt, mehr oder ­weniger umfangreiche, zum Teil verzweigte, meterlange Gangsysteme anzulegen, umzubauen und instand zu halten. Auf dem sonst deckungslosen und keinen Schutz bietenden Lebensraum Sandgrund bieten solche unterirdischen Bauten, die bis zu 50 Zentimeter tief in den Boden reichen können, eine der wenigen Möglichkeiten, sich Fressfeinden so weit wie möglich zu entziehen.

Die meisten Menschen, die an der Küste wohnen oder ihren Urlaub gelegentlich am Meer verbringen, haben sie, bewusst oder unbewusst, schon gesehen: meist kleine, auf den ersten Blick unbeweglich scheinende, von einem mehrteiligen Gehäuse bedeckte Organismen, die auf Felsen in der Brandungszone oder auch auf den Schalen größerer Muscheln sitzen. | von Maren Gaulke

Selbst wenn es auf den ersten Blick so scheint, es handelt sich bei diesen Organismen nicht um Aufwuchs. Wenn es sein muss, können sie sich sogar relativ rasch bewegen: Käferschnecken (Polyplacophora) gehören wie Muscheln, Schnecken und Kopffüßer zu den Weichtieren (Mollusca) und innerhalb der Mollusken gemeinsam mit den Schild- und Furchenfüßern zu den Stachelweichtieren (Aculifera).
Von der geologisch alten Gruppe Polyplacophora – es gibt sie seit über 500 Millionen Jahren, also mindestens seit dem Oberen Kambrium – leben rezent über 900 Arten. Sie gehören zu den Neukäferschnecken (Unterklasse Neoloricata). Ihren Verbreitungsschwerpunkt haben diese rein marinen Weichtiere rund um Australien, aber sie kommen weltweit vor, auch
in der Nord- und Ostsee sind sie mit mehreren Taxa vertreten.