Bei den Kopffüßern (Cephalopoda) des Mittelmeeres unterscheidet man zwei Großgruppen: die achtarmigen Octopoden, zu denen die meist bodenbewohnenden Kraken gehören, und die zehnarmigen Decapoden mit den in Bodennähe lebenden Sepien und den frei schwimmenden Kalmaren. Im Mittelmeer gibt es über 50 Cephalopoden-Arten, die zum Teil die Tiefsee ­besiedeln. | von Robert A. Patzner

Unter den Achtarmigen ist der Gemeine Krake (Octopus vulgaris) die weitaus häufigste Art im Mittelmeer. Er kommt im gesamten Gebiet vom Flachwasser bis in etwa 100 Metern Tiefe vor. Bevorzugt lebt er an Felsküsten, aber auch auf Weich­böden und in Seegraswiesen kann man ihn antreffen. Er ist bodenlebend und bewegt sich normalerweise kriechend, kann aber auch kurze Strecken frei schwimmen. Das geschieht – zumindest wenn es schnell sein muss – mit dem Rumpfende voran, die acht stromlinienförmig angelegten Tentakel werden nachgezogen, als Rückstoß-Antrieb dient das mit großem Druck durch den schwenkbaren „Trichter“ ausgestoßene Atemwasser.
In den meisten Fällen stellt die schwimmende Fortbewegung eine Fluchtreaktion dar, bei der auch ­häufig „Tinte“ ausgestoßen wird. Das dunkelbraune Sekret wird in Wolken ab­gegeben, um Verfolger (größere Raubfische) abzulenken. Meist schlägt der Krake unmittelbar nach der Tinten­abgabe einen Haken, während der Räuber sich auf die Tintenwolke stürzt. Die Tinte besteht hauptsächlich aus Melanin und wirkt lähmend auf die Geschmackssinnesorgane des Feindes.

… kann man in den meisten Meeresgebieten nicht planen, sondern sie geschehen einfach. Und wenn man auf einen Kraken trifft, ist das Rendezvous oft nur von kurzer Dauer, denn das Tier verkriecht sich in ein Versteck und lugt höchstens mit seinen Augen daraus hervor. | von Horst Moosleitner

E s geht aber auch anders: Ein Freund erzählte mir, dass er zwei Wochen lang nach den Riesenkraken (Enteroctopus dofleini) vor Vancouver Island an der Westküste Kanadas vergeblich gesucht hatte. Am letzten Tauchtag war plötzlich einer da; wie aus dem Nichts war er auf­getaucht und näherte sich furchtlos dem Taucher, befühlte ihn mit seinen Tentakeln und zog weiter. Nicht der Mensch hatte den Kopffüßer gefunden, sondern umgekehrt.
Nur selten traf ich in tropischen Meeren tagsüber auf Kraken. Es gibt aber einige Arten, die auch tagaktiv sind und auf der Suche nach Nahrung Korallenriffe und Felsen absuchen. Meist wurde ich auf einen Großen Blauen Kraken (Octopus cyanea) aufmerksam, weil er von kleinen Zackenbarschen und anderen Fischen (meist Lippfischen) begleitet wurde, die darauf hofften, falls der Kopffüßer Beute machte, einen Teil davon abzubekommen. Der Krake spürt mit seinen langen Armen Krebse und Fische in ihren Verstecken auf, umschließt mit der zwischen den Fangarmen liegenden Haut kleinere Korallenstöcke oder ­Felsen und treibt seine Beute mit den Armspitzen zum Mund.

Zu ihnen gehören die weltweit größten Wirbellosen, sie sind die am höchsten entwickelten Weichtiere, ihr komplexes Verhalten ist mit dem der Wirbeltiere vergleichbar. Sie leben nur in den Meeren, besiedeln dort alle denkbaren Habitate: von Gezeitentümpeln und flachsten Uferregionen bis in die lichtlosen Zonen der Tiefsee, vom Äquator bis zu den Polen. Sie ­bewohnen Meeresböden jeglicher Art, schwimmen wie Fische durch das freie Wasser oder lassen sich im Plankton von Strömungen treiben. Kopffüßer bevölkern unsere Erde seit 550 Millionen Jahren. | von Helmut Göthel

Innerhalb des Tierstamms der Weichtiere oder Mollusken (Mollusca) bilden die Kopffüßer (Cephalopoda) nach den Schnecken (Gastropoda) und den Muscheln (Bivalvia) mit ungefähr 1.000 heute lebenden Arten die drittgrößte der acht rezenten Klassen. Fossil sind mehrere zehn­tausend Arten von bekannt! Allein bei den schalentragenden und dadurch fossil reichhaltig belegten Ammoniten werden Artenzahlen zwischen 30.000 und 40.000 in weit mehr als 1.500 ­beschriebenen Gattungen diskutiert. Von den ebenfalls ausgestorbenen und fossil belegten Belemniten dagegen sind „nur“ ungefähr 1.800 Arten und Unterarten bekannt.

Etliche leben am Meeresgrund und graben sich bis zu den Augen ein, andere gleiten elegant durch das Wasser und scheinen fast zu fliegen. Viele Arten verfügen auf der Schwanzoberseite über einen oder mehrere Giftstacheln, die sogar dem Menschen gefährlich werden können. Wiederum andere produzieren zur Orientierung, zur Verteidigung oder zum Beuteerwerb unterschiedlich starke Stromstöße. Eines aber haben alle Rochen gemeinsam: einen abgeflachten Körper mit großen Brustflossen, die mit dem Kopf verwachsen und als solche nicht mehr zu erkennen sind. | von Helmut Göthel

Zusammen mit den Haien (Selachii) und den Seekatzen oder Chimären (Chimaeriformes) bilden die Rochen (Batoidea) die Klasse der Knorpelfische (Chondrichthyes). Dabei werden Haie und Rochen zur Unter- oder Teilklasse der Platten­kiemer (Elasmobranchii) zusammengefasst, während die Seekatzen als ein­zige rezente Gruppe der Unterklasse Holocephali zugeordnet werden, die die Schwestergruppe der Haie und ­Rochen darstellt.
Knorpelfische sind weltweit mit rund 1.200 Arten verbreitet: Laut Last et al. (2016) entfallen 633 Spezies auf Rochen, über 500 auf Haie und nur etwa 55 auf die wenig bekannten Seekatzen.
Gemeinsames Merkmal aller drei Gruppen, die sich äußerlich gut von­einander unterscheiden lassen, ist der namensgebende Besitz eines knorpeligen Skeletts. Dabei stammen die Knorpelfische aber von knochentragenden Vorfahren ab und haben ihr Knorpelskelett sekundär entwickelt. Ein weiteres gemeinsames Merkmal ist das Fehlen einer Schwimmblase.
Existierten die ersten Knorpelfische bereits vor über 400 Millionen Jahren, sind Rochen, erdgeschichtlich betrachtet, wesentlich jünger. Sie haben sich etwa zur Zeit der Dinosaurier – wahrscheinlich aus dorsoventral ­abgeflachten Haien – entwickelt und sind erst aus dem Oberjura vor 145 bis 160 Millionen Jahren durch Exemplare der als ursprünglich geltenden Geigenrochen fossil belegt.

Manche wirken filigran und zerbrechlich, etliche fallen durch ihre kompakte Gestalt und ­massive Panzerung auf. Die einen sind grell bunt, die anderen tragen ein unscheinbares Kleid, weitere sind so gut getarnt, dass man sie kaum erkennen kann. Viele führen ein Leben als Einzelgänger, ebenfalls nicht wenige setzen alles auf die Partnerschaft mit anderen Tierarten. So vielfältig das Erscheinungsbild von Krabben ist, so überraschend sind auch ihre Über­lebensstrategien. | von Helmut Göthel

Schon wenn man sich die Extreme bezüglich der Körpergröße unter den fast 7.000 weltweit vorkommenden Krabben-Spezies anschaut, wird deutlich, wie vielgestaltig diese artenreichste Gruppe in der Ordnung der Zehnfußkrebse (Deca­poda) ist.

Riesen …
Mit einem Körperradius von fast 40 und einer Spannweite der gestreckten Beine von 370 Zentimetern sowie einem Körpergewicht bis zu 14 – unbestätigten Berichten zufolge bis zu 20
– Kilogramm wird die Japanische ­Riesenkrabbe (Macro­cheira kaempferi) ihrem Namen völlig gerecht; sie ist der absolute Riese unter den Krabben. Sie lebt nur im Pazifik, vor allem in den Gewässern um Japan, in Tiefen zwischen 300 und 400 Metern und ernährt sich von Aas und von Wirbel­losen, etwa Mollusken, deren Schalen sie mithilfe ihrer Scheren öffnen kann.