Rückmeldungen zur jeweiligen DATZ-Ausgabe

In der Natur ist es klar: Die allermeisten Fische erreichen nicht den Abend ihres ersten Tages. Dann staffelt es sich aufwärts bis zu ganz wenigen Exemplaren, die ein adultes Fortpflanzungs-Dasein erleben. Das basiert auf der Fortpflanzungsstrategie, die mit hohen bis sehr hohen Zahlen gegen alle Widernisse des Fischlebens arbeitet. Überhaupt sind Fische ökologisch als Nahrungsfaktor zahlloser anderer Tiere in die Natur eingebaut.
Die biologische Forschung und die Aquarientechnik verbesserten vor allem in den letzten Jahrzehnten die Lebensbedingungen für die Aquarienbewohner so sehr, dass deren Vitalität für ein sehr viel längeres ­Leben zum Tragen kommt. Es gibt hier keine Dürren, Temperaturstürze und andere Katastrophen. Da es sich im konkreten Fall um ein „gewöhnliches“ Wohnzimmer-Gesellschaftsaquarium handelt (80 x 40 x 40 Zen­timeter, L x B x H), gibt es ­darin auch keine rastlosen Hände verbesserungswütiger Aquarianer. Es steht seit Jahrzehnten mit Sand als ­Bodengrund und schönen Pflanzen, das Wasser wird gefiltert, auf 25 °C beheizt und beleuchtet. Gefüttert wird ausschließlich mit handelsüblichem Flockenfutter.
In dieser Umgebung lebte ein Antennenwels (Ancistrus cf. dolichopterus) von August 1979 bis Oktober 1999, wurde also 20 Jahre alt; zwei Feuermaulbuntbarsche (Thorichthys meeki) bewohnten das Becken von März 1991 bis Mai 2000 und März 2002, erreichten also Lebensalter von neun und elf Jahren; einer von zwei Kongosalmlern (Phenacogrammus interruptus) schwamm von Dezember 1990 bis Juli 2003, der andere schwimmt immer noch, einer wurde also zwölfeinhalb, der andere ist jetzt 16 Jahre alt; zwei Me­­-tall-Panzerwelse (Corydoras aeneus) schafften es von ­Oktober 1983 bis Dezember 1999 und Juni 2004 und wurden somit 16 respektive 21 Jahre alt.
Erworben wurden alle diese Fische als juvenile Exemplare im Zoohandel, jeweils einzeln oder zu we­nigen Individuen. Natürlich starb immer wieder einmal ein Fisch, etwa durch Unverträglichkeiten oder infolge anderer Ursachen, die nicht weiter geklärt wurden.
Stuft man diese Beobachtungen und Erfahrungen jedoch insgesamt als „Experiment“ ein, dann werfen sie ein außerordentlich positives Licht auf den heutigen Stand der aquaristischen Technik.
Sicher gibt es Fischarten, die von Natur aus kurzlebig sind. Hier sind beispielsweise jene Killifische zu nennen, die sich nur für eine Regen-Saison entfalten. Sie hinterlassen ihre Eier im ein­trocknenden Schlamm ihres Tümpels bis zur nächsten Regenzeit. Aber auch kleinere, schwarmbildende Salmler und Barben bringen es auf kaum mehr als drei
bis fünf Jahre. In der Natur dürften diese Spannen noch arg verkürzt und damit die Bestände dieser Fischchen stark ausgedünnt werden.
Walter Sachsse

Ein Dankeschön an Christel Kasselmann für ihre sehr gut recherchierten und wissenschaftlich fundierten Artikel!
Als selbstständiger Limnologe (Gewässerkundler) habe ich seit 1994 mit „bo­tanischen Neubürgern“ zu tun. Meine Arbeitsschwerpunkte sind gewässerbegleitende invasive Neophyten, ihre ökologischen, ökonomischen und pflanzensoziologischen Auswirkungen sowie deren Regulierung.
Bei den von mir bearbeiteten rund 200 Kilometern von Fließgewässern im Norden von Rheinland-Pfalz ­stehen die Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum), die asiatische Knöterichsippe (Fallopia spp.), das Drüsige Springkraut (Impa­tiens glandulifera) und – als einzige hier vorkommende aquatische Pflanze – die Schmalblättrige Wasserpest (Elodea nuttallii) im Mittelpunkt meiner Untersuchungen.
Hier beschränke ich mich auf E. nuttallii. Die Pflanze ist seit vielen Jahren in zwei Flüssen (Sieg und Nister) vorhanden. Die Populationsgrößen sowie die Zahl der Bestände sind gering und ­relativ konstant. In den ­strömungsarmen Abschnitten gibt es vereinzelt Vorkommen von wenigen bis maximal 300 Quadratmetern Fläche. Die Pflanzen verdriften bereits bei mittleren Hochwässern, die drei- bis fünfmal jährlich vorkommen. Die Neubildung der ­Bestände erfolgt sehr langsam, meist erst im Sommer. Von einer Invasion kann also keine Rede sein!
Die Auswirkungen auf die Ökosystem-Dienstleistung des Gewässers würde ich nicht als negativ beschreiben, eher überwiegen die positiven Aspekte wie Stoffhaushalt, Beschattung und Schutzfunktion für Jungfische. Da außer dem Flutenden Hahnenfuß (Ranunculus fluitans) in beiden Flüssen fast keine submersen Pflanzen gedeihen, sehe ich E. nuttallii eher als eine Bereicherung an. Diese Wasserpest ist in meinem Arbeitsgebiet die einzige aquaristisch genutzte Art.
Sieg und Nister sind übrigens stark eutroph, dennoch findet keine Invasion statt.
Anders ist die Situation in Stillgewässern, wo es durchaus zu Massenvermehrungen kommen kann. In meinem Arbeitsgebiet liegt ein kleiner Flachsee (bis zu drei Meter tief, 123 Hektar), der für intensive Karpfenzucht und als Badegewässer genutzt wird. Hier sind in jedem Sommer große Bestände von E. nuttallii zu beobachten, die auch den Badebetrieb beeinträchtigen. Sie sind über die Jahre konstant. Auch das jährliche Ablassen des Wassers im Winter hat die Pflanzen nicht reduziert, ebenso wenig der Einsatz von Graskarpfen durch den Fischzüchter.
Dieser See ist ebenfalls sehr stark eutrophiert, was ich auf die Fischzucht zurückführe.
Die Eintragspfade sind sowohl bei den Flüssen als auch dem See nicht mehr eindeutig zu klären. Eine Verschleppung durch Fischbesatz oder Wasservögel für eine weitere Verbreitung ­erachte ich durchaus als möglich. Daraus jedoch ein Zucht-, Handels- oder Haltungsverbot abzuleiten ist schon sehr gewagt, hier bewegt sich die EU auf ganz dünnem (Daten-)Eis!
Viele der seit Jahren in der wissenschaftlichen Literatur und in der Presse genannten Zahlen bezüglich der Verbreitung invasiver Spezies und der durch sie verursachten Kosten sind sehr wahrscheinlich falsch. Pearce (2016) spricht bei diesen Daten von einfachen Hochrechnungen und willkürlichen Schätzungen. Zudem regt er eine neue Sichtweise auf viele Neophyten an. Eine gesetzliche Grundlage, die die Verbreitung gebietsfremder Pflanzen und Tiere in die Natur regelt, gibt es übrigens schon lange: § 40 des BNatSchG. Abs. 4 ­(Kowarik 2010; Holljesiefken 2007).
Dennoch möchte die EU noch einige Schritte weitergehen und ihre Liste („Unionsliste“), die zurzeit 49 ­Spezies umfasst, ab 2018 bis 2030 schrittweise erweitern (Carboneras 2017 a). Die ­gesamte Diskussionsliste der in dieser Hinsicht infrage kommenden Arten (zurzeit > 1.300) ist im Internet als ­Exceldatei abzurufen (Carboneras 2017 b).
Fred Duscha

Literatur
Carboneras, C. (2017 a): http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ 1365-2664.12997/full.
Carboneras, C. (2017 b): http://datadryad.org/bitstream/handle/10255/dryad.153829/JPECarbonerasST2.xlsx?sequence=1.
Holljesiefken, A. (2007): Die recht­liche Regulierung invasiver gebietsfremder Arten in Deutschland (Dissertation). – Springer-Verlag, Berlin.
Kowarik, I. (2010): Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. Zweite Auflage. – Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.
Pearce, F. (2016): Die neuen Wilden. – Oekom Verlag, München.

margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxAls langjähriger DATZ-Leser und selbst auch Meeresbiologe – Schwerpunkt Fischfauna – freue ich mich immer sehr über Artikel aus diesem Fachbereich. Insbesondere die Beiträge von Helmut Göthel sowie von Cornelia und Falk Wieland lese ich gern. Auch die fantastischen Fotos sind sehenswert.
Da ich jedoch „vom Fach“ bin, achte ich automatisch auf die wissenschaftliche Korrektheit der Namen. In dem Reisebericht von Cornelia und Falk Wieland stieß ich auf mehrere Bildunterschriften, die nicht richtig waren. Die Fotos sind so
gut, dass eine Bestimmung durchaus möglich war.
Die Abbildung vom „Kleinen Drachenkopf (Scorpaena notata)“ zeigt sehr wahrscheinlich nicht diese Art, sondern eher den Braunen Drachenkopf (S. porcus Linnaeus, 1758). Man kann das an den deutlichen Augenfortsätzen erkennen, die S. notata fehlen. Zum Vergleich füge ich eine eigene Aufnahme von einem S.-notata-Exemplar bei, das ich auf der griechischen Insel Samos von einem Fischer gekauft und fotografiert hatte.
Das nächste Foto des genannten Artikels zeigt nicht – wie angegeben – die „Fünfbindenbrasse (Diplodus cervinus)“, sondern eindeutig die Spitzbrasse (D. puntazzo [Walbaum, 1792]). Mehrere Merkmale, darunter die Streifenzeichnung, das Maul, die Schwanzwurzel und die Schwanzfärbung, weisen darauf hin.
Das folgende Bild stellt laut C. & F. Wieland eine „Schnauzen-Pikarelle (Spicara flexuosa)“ dar. Abgesehen von der aktuellen Diskussion, ob S. flexuosa eine valide Art ist oder nicht (das sollen Taxonomen entscheiden), handelt es sich hier wahrscheinlich um den Laxierfisch (S. maena [Linnae­us, 1758]). Die typischen hohen Flossenstrahlen im ersten Teil der Rückenflosse, wie sie für S. flexuosa beschrieben werden, fehlen bei dem abgebildeten Tier. Außerdem ist der dunkle Fleck in der Körpermitte sehr breit, wie er eher für S. maena ­charakteristisch ist. Die Arten aus dieser Gattung sind jedoch wirklich schwierig allein anhand von Fotos zu bestimmen (Iglésias 2013).
Der Braune Zackenbarsch wird schon länger nicht mehr als Epi­nephelus guaza bezeichnet, der gültige Name lautet E. marginatus (Lowe, 1834).
Trotz aller Kritik handelt es sich bei dem Beitrag um einen schönen und informativen Artikel. Insbesondere die Lessepsschen Einwan­derer, also die durch den ­Sueskanal aus dem Roten Meer kommenden Arten, sind ein spannendes, immer aktuelles Thema. Interessant das Foto eines ­solchen Einwanderers, des Flötenfisches (Fistularia commersonii), der nur in der Nacht das Bindenmuster trägt (wie auf dem Bild zu ­sehen) und tagsüber einfarbig ist, mit schmalen blauen Längsstreifen (Lieske & Myers 2010).
Ich bin gespannt auf die nächsten Artikel zu meeresbiologischen Themen!
Michael George

Literatur
Iglésias, S. P. (2013): Actinopterygians from the North-eastern Atlantic and the Mediterranean (a natural classification based on collection specimens, with DNA barcodes and standardized photographs), Volume I (plates), Provisional version 09, 1. April 2013. – http://www.mnhn.fr/iccanam.
Lieske, E., & R. Myers (2010): Korallenriff-Führer Rotes Meer. – Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart.

Nach dem ersten Auftreten 2007 (siehe auch: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/gentechnik-verbotene-leuchtfische-in-deutschland-aufgetaucht-a-472468.html) gerieten offenbar auch in diesem Jahr wieder „GloFish“ in Deutschland in den Einzelhandel. „Glo“- oder „GlowFish“ („Glüh“- oder „Leuchtfisch“) ist der Markenname für modifizierte Fische, die infolge eines gentechnischen Eingriffs fluoreszieren.
Bereits 1999 wurde an der Universität von Singapur ein Gen einer Quallenart, das grünes Fluoreszieren verursacht, in das Genom von Danio rerio eingefügt. Vor allem in die Embryonen des Zebrabärblings, aber auch weiterer Barben und Salmler wurden Gene fluoreszierender Quallen bereits im Ei eingebaut, sodass die Tiere im Dunkeln „glühen“ oder „leuchten“ („glow in the dark“). Diese Gene werden an die Nachkommen weitervererbt. Das ursprüngliche wissenschaftliche Ziel war, einen Modellorganismus zu erschaffen, mit dem sich die Wasserqualität mittels Fluoreszenz-Änderungen überwachen lässt.
Einfuhr, Nachzucht und Haltung transgener Organismen als Heimtiere ist europaweit untersagt. Die Pflege transgener Fische ist in Deutschland allein in Versuchstierhaltungen mit entsprechender Genehmigung zulässig. Da das Fluoreszieren nur im Dunkeln oder unter blauem LED-Licht wahrnehmbar ist, darf man annehmen, dass solche Tiere überwiegend unter naturfernen Verhältnissen gepflegt werden. Schon deshalb ist ihre Haltung abzulehnen.
In Europa ist der Verkauf transgener Fische im Handel oder privat nicht gestattet (§ 2 Abs. 1 Nr. 4 Gentechnik­gesetz; http://www.gesetze-im-internet.de/gentg/). Dieses Gesetz gilt auch für das Inverkehrbringen von Produkten, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten oder daraus bestehen (Tiere gelten im Sinn dieses Gesetzes als Produkte). Die Einfuhr zu Forschungszwecken bedarf der Genehmigung durch die zuständige Behörde (§ 14 GenTG).
Anders sieht es in Asien oder in den USA aus, wo „Glowfish“ im Internet, in Supermärkten und in Zooläden mit Aquarienset und spezieller Beleuchtung von jedermann zu erwerben sind.Petra Kölle
und Dietrich Rössel

Ein trauriger Anblick. Im seichten Uferwasser dümpelt ein 50 Zentimeter langer Bachforellenkadaver über dem Kiesgrund. Es muss ein prächtiges Exemplar gewesen sein, noch deutlich sind die roten Punkte auf der Flanke zu erkennen.
Wenige Meter flussabwärts treibt ein weiteres totes Tier. Es scheint erst kürzlich verendet zu sein. Auffällig ist seine ungewöhnlich schwarze Körperverfärbung, aber auch bei diesem Fisch sind die charakteristischen roten Tüpfel zu sehen.
In den Monaten August und September sind tote oder verendende Bachforellen keine Seltenheit. Vor allem in Flüssen der Alpenvorländer Oberbayerns, Tirols und der Schweiz wurde das Fischsterben in den letzten Jahren dokumentiert. Die Lage ist jedoch recht unübersichtlich: Welche Fließgewässer sind genau betroffen?
Noch seltsamer ist, dass bisher die Ursache für das Sterben der Bachforellen ­unklar ist. Handelt es sich um eine Infektionskrankheit? Bakterien oder Viren wurden als Erreger nicht ­entdeckt. Haben wir es womöglich mit einer Prionen-Krankheit zu tun?
Gegen eine tödliche Infektion spricht das Verbreitungsmuster der sterbenden Bachforellen. Warum sind
in Oberbayern nur die süd­lichen Zuflüsse zur Donau betroffen, aber anscheinend nicht die übrigen Gewässer?
In Bezug auf einen potenziellen Giftstoff, der Salmo trutta in den Sommermonaten dahinraffen könnte, besteht ebenfalls Ratlosigkeit, denn die charakteristischen Wasserparameter zeigen keine Auffälligkeiten. Jedoch sind die Zutaten eines Cocktails aus organischen Verbindungen, die nicht bei hydrologischen Routinemessungen bestimmt werden, in den letzten Jahren sicher nicht weniger geworden. Zu denken ist etwa an pharmazeutisch-medizinisch wirksame Substanzen wie Schmerzmittel, Antibiotika oder Röntgen-Kontrastmittel, die nicht vollständig abgebaut in unsere Flüsse gelangen.
Noch unübersichtlicher sind die Abbauprodukte dieser chemischen Verbindungen, gar nicht zu reden von deren Wirksamkeit auf die Gewässer-Lebensgemeinschaften. Im Gegensatz zur im 19. Jahrhundert importierten Regenbogenforelle, eigentlich ein pazifischer Lachs, ist die Bachforelle deutlich sensibler in Bezug auf den Zustand ihres Lebensraums.
Beim derzeitigen Stand des Wissens ist also nicht von Vornherein auszuschließen, dass nicht doch eine ­toxische, schwierig nachzuweisende Substanz einen Anteil an dem Fischsterben hat – eventuell angereichert über die spezi­fische Nahrungskette der Fließgewässer in den nördlichen Kalk­alpen.
Es wäre für die Biodiversität Mitteleuropas ein massiver Schlag, wenn ein autochthoner Salmonide wie S. truttra f. fario aus den Landschaften der Alpenvorländer verschwinden würde.
Martinus Fesq-Martin