Rückmeldungen zur jeweiligen DATZ-Ausgabe

Im Oktober 2018 gab es im Rhein einen Pegeltiefstand, der in Köln 67 Zentimeter über dem Messpunkt gelegen haben soll. Da das Rhein-Wasser sonst ein paar Meter höher steht, ließen sich obligat submerse sessile Organismen erkennen, also Tiere und Pflanzen, die unbedingt von Wasser umströmt sein müssen.
Wer schon einmal am Rheinufer entlanggegangen ist, wird viele Schalen ge­sehen haben, aber keine lebenden Körbchenmuscheln (Corbicula fluminea). Sie müssen sich ebenfalls permanent unter der Wasseroberfläche befinden. Da der Rhein-Pegel ja andauernd schwankt, bleibt ihnen nur das Flussbett. Als der Strom aber so wenig Wasser führte wie seit 30 Jahren nicht mehr, lagen sie auf den Sandbänken zum Einsammeln bereit.
Einige Muscheln zogen in eines meiner Aquarien (etwa 26 °C) ein. Jetzt, ein halbes Jahr später, leben noch alle zwölf. Ich füttere sie zweimal täglich mit einer Suspension aus Grünalgen (Chorococcum). Das Wasser sieht danach trüb aus, und der Hintergrund wirkt – wie in einem natürlichen Gewässer – „endlos“, da die Rückscheibe kaum zu erkennen ist.
Am gegenüberliegenden Flussufer gab es keinen Sandstrand, sondern Geröll aus größeren Steinen. Darauf wuchsen stellenweise Algenbüschel, doch manche Steine wirkten „saftiger“ grün als andere. Das konnten nur Schwämme sein! Sie sahen so ähnlich aus wie aus dem Meer bekannte Formen. Die grüne Farbe rührt von symbio­tischen Algen her, wahrscheinlich aus der Gattung Chlorella. Dass es diese Organismen im Rhein gibt, wissen – bis auf die Limno­logen – nur wenige.
Zweimal sammelte ich „grüne Steine“ und verteilte sie auf mehrere Teiche des Botanischen Instituts der Universität Köln, einige kamen ins heimische Aquarium. Dort gingen sie erst einmal zurück, da es doch ziemlich warm war. Aber ­einige blieben bis heute am Leben.
Zwei Exemplare befinden sich in einer Schale unmittelbar am Fenster, bekommen also Licht, und werden mit Algen ernährt. Ein weiterer Stein liegt in ­einem anderen Becken und erhält ausschließlich Licht. Ich bin gespannt, wie die Schwämme sich weiter entwickeln.
In den Uni-Teichen sind die im flachen Wasser sichtbaren Exemplare noch schön grün und zeigen einen erhabenen Rand. Andere befinden sich in tieferem Wasser. Ob sie sich eines ­Tages – infolge des Wachstums – wohl ebenfalls nahe der Oberfläche sehen lassen werden?
Bei dem Schwamm könnte es sich um Spongilla lacustris handeln. Im Rhein gibt es noch weitere Arten, wie ich später erfuhr. Genauer bestimmen lassen sie sich aber nur anhand ihrer Skelettelemente und Dauerstadien.
Schwämme sind Ansammlungen einzelner Zellen mit verschiedenen Eigenschaften und Funktionen. Sie bilden ein Gehäuse mit Ver­steifungselementen (Skle­riten), die aus Kalk oder aus Kieselsäureverbindungen bestehen.
Die Art S. lacustris, die gelegentlich in Binnengewässern auftritt, kann ziemlich groß werden. Im stark strömenden Rhein sieht man sie nur in Gestalt von Krusten. In Stillgewässern wird sie wegen ihrer langen ­Auswüchse auch „Geweihschwamm“ genannt.
Marine Schwämme – oder vielmehr ihre toten ­porösen Gehäuse – sind bekannter, etwa als Badeschwämme. Strömungszellen im lebenden Schwammkörper halten das Wasser in Bewegung, sodass Sauerstoff und Nahrungspartikel in den Verband gelangen. Fil­trierende Fresszellen nehmen diese Partikel auf. Andere Zellen sind Gerüstbauer, weitere sorgen für die Fortpflanzung.
Zurzeit ist der Wasserstand im Rhein wieder so hoch, dass ich von der starken Strömung unweigerlich fortgespült würde. 50 Kilometer weiter, in Düsseldorf, könnte ich dann in meinen Sandalen und mit den Worten aus dem Wasser steigen: „Ich bin Kölner!“
Ingo Botho Reize

Sehr geehrte Redaktion, anliegende Anzeige ist ein Ausriss aus dem „Fressnapf-Magazin“ (Dezember 2018). Vermutlich haben Sie den „Fehler“ gleich gefunden.
Ja, die Fische sind nicht aus Plastik!
Also, ich habe ja schon viele fragwürdige Produkte in der Aquaristik gesehen, doch bisher so gut wie immer von osteuropäischen Unternehmen. Dieses Playmobil-Aquarium ist der Einstieg und gleich der direkte Ausstieg aus der Aquaristik. Drei spillerige Pflanzen, ein Grüppchen Panzerwelse auf weißem Bodengrund und Zwergfadenfische, die eine dichte Bepflanzung benötigen, in einer Plastikwüste! Filter und Heizer sind auch nicht zu sehen. Hier werden Lebewesen zu Spielzeugen und Verbrauchsgütern degradiert, was hat das mit ­verantwortungsvoller Tierhaltung zu tun?
Und dann soll man sich noch darüber wundern, dass manche Politiker die Aquaristik verbieten wollen? Diese Anzeige dürfte als eindrucksvolle Werbung für unser Hobby in der Öffentlichkeit kaum zu übertreffen sein.

Anette Wäger

Zu der von Kempkes refe­rierten Beobachtung ist Folgendes zu ergänzen. Zu den mit Fangschrecken (Ordnung Mantodea) assoziierten Parasitoiden (Organismen, die in ihrer Entwicklung parasitisch leben und ihre Wirte schließlich töten) zählen auch Saitenwürmer (Stamm Nematomorpha) der Gattung Chordodes.
Bei Ehrmann (2002) ist deren Lebenszyklus geschildert. Er „beginnt mit der Paarung der (getrenntgeschlechtlichen) Würmer im Wasser, aus den Eiern schlüpft eine sehr kleine Larve, die von den verschiedensten aquatischen Organismen aufgenommen wird, sich durch das Darm­epithel bohrt und im Gewebe encystiert. Weiter geht die Entwicklung nur, wenn es sich um einen Wirt handelt, der durch eine Metamorphose in ein terrestrisches Sta­dium übergeht, z. B. bei Mücken. Werden diese Adulti von Mantodea gefangen und gefressen, entwickelt sich die Nematomorpha-Larve im Abdomen der Mantodea zum großen Wurm weiter. Dabei wird (soweit das die wenigen Daten bisher zeigen) offenbar die Ausbildung von Gonaden und Fettkörper der Mantodea unterbunden, aber sie werden, zumindest kurzfristig, nicht getötet. Durch einen unbekannten Impuls sucht die Gottesanbeterin Wasser auf, darauf bohrt sich der Wurm in der Nähe des Anus an einer weichhäutigen Stel­-le aus, und der Lebenszyklus ist geschlossen (in litt. A. Schmidt-Rhaesa, XI. 2000)“ (Ehrmann 2002).
Mit anderen Worten: Die von Battiston et al. veröffentlichte und von Kempkes referierte Beobachtung „fischender Mantodea“ lässt sich nicht unbedingt mit den „kognitiven Leistungen des Insekts“ erklären, „das offenbar immer wieder zielgerichtet den Teich aufsuchte, um dort … Guppys zu fangen“, sondern womöglich vielmehr durch den bei Ehrmann geschilderten, von einem parasitierenden Wurm ausgelösten Impuls.
Und wenn eine Fangschrecke schon einmal in Wassernähe auf sich dicht unter der Oberfläche bewegende Beutetiere, in diesem Fall Lebendgebärende Zahnkarpfen, stößt, dann schlägt sie auch reflexartig zu.
Reinhard Ehrmann und Rainer Stawikowski

Strom und Wasser sind bekanntlich eine gefährliche Kombination. Für Elektro­geräte, die in Aquarien betrieben werden, gelten daher zu Recht strenge Sicherheitsvorschriften. Dass man sich hierauf allerdings selbst bei Markengeräten nicht immer verlassen kann, zeigen meine jüngsten Erfahrungen mit ProLine-Heizern von der Firma Tetra.
Um einer möglichen Gefahr durch Glasbruch konventioneller Heizstäbe vorzubeugen, entschied ich mich dafür, unsere Familienaquarien sowie das Becken der örtlichen Grundschule mit Tetra-ProLine-Heizern auszustatten. Diese Geräte wurden vom Hersteller als „leistungsstark und sicher“ beworben, basierend auf ­einer „bruchsicheren Kon­struktion … aus thermoplastischen Kunststoffen und Epoxid-Füllung“. Die Heizer machten in der Tat zunächst einen sehr robusten Eindruck.
Über die Urlaubszeit des heißen Sommers 2018 trennte ich den 200-Watt-ProLine-Heizer in unserem Wohn­zimmeraquarium vorübergehend vom Netz. Als ich den Stecker danach wieder einsteckte, explodierte das Gerät mit lautem Knall und massiver Rauchentwicklung vor meiner Nase im Aqua­rium, Gas mit stechend metallischem Geruch trat aus. Nach diesem Schrecken erkannte ich, dass das Gehäuse des Heizers auf der Rückseite einen langen Riss aufwies.
Als ich die weiteren Ge­räte außer Betrieb nahm, wurde klar: Auch der bau­gleiche Heizer des Aquariums in der Grundschule wies an derselben Stelle bereits einen langen Riss auf. Im ­Internet sind weitere Berichte über vergleichbare Erfahrungen und Vorfälle nach­zulesen; es scheint, als ob die Gehäuse nicht ausreichend abgedichtet sind und entstehender Wasserdampf sie sprengen kann.
Unverzüglich informierte ich die Firma Tetra über meine Erlebnisse. Nach mehrmaliger Rückfrage wurde mir bestätigt, dass Probleme mit diesen Geräten bekannt sind, und die ProLine-Hei­-zer wurden inzwischen vom Markt genommen. Mir wurde die Erstattung des Kaufpreises zugesagt, und als Entschädigung für das Schul­aquarium bekam ich jeweils eine kleine (!) Dose Futter und Wasseraufbereiter – eine warnende Kundenin­formation oder die mir an­gemessen scheinende Rückrufaktion erfolgten jedoch nicht.
Ob dieses Verhalten das Vertrauen in die Herstellerfirma fördert, sei dahin­gestellt. Mir jedenfalls ist nicht begreiflich, wie ein ­bekannter Produzent weiterhin unsichere Heizstäbe für die „uneingeschränkte Positionierung … im Aquarium“ (so heißt es in der Werbung für die ProLine-Heizer) im Verkehr lassen kann.
Fabian Herder

Nach dem Erscheinen des Dezember-Heftes rief ein DATZ-Leser in der Redaktion an und fragte, wie viele ­wissenschaftlich anerkannte Nautilus-Arten es zurzeit eigentlich gibt. Er ging bisher von fünf Spezies aus und fand in dem Beitrag von René Hoffmann den Hinweis auf sechs. Wir fragten den Verfasser nach dem aktuellen Stand.Redaktion

Sehr geehrte Redaktion, vielen Dank für die weiter­geleitete Frage.
Tatsächlich ist die Zahl der validen Nautilus-Arten Gegenstand einer andauernden Diskussion. In der Neuauflage des Buchs „Nautilus – The Biology and Paleobiology of a Living Fossil“ aus dem Jahr 2010 (erste Auflage 1987) listet Bruce Saunders in seinem Kapitel fünf Taxa auf (N. pompilius, N. belau­ensis, N. macromphalus, N. scrobiculatus und N. stenomphalus). Darüber hinaus erwähnt er eine fragliche (N. repertus) sowie drei mutmaßlich nicht valide Spezies (N. ambiguus, N. alumnus und N. moretoni).
Das Taxon N. scrobiculatus gehört in die inzwischen akzeptierte neue Gattung ­Allonautilus Ward & Saunders, 1997. In diesem Genus wurde mittlerweile eine zweite Art beschrieben: Allonautilus perforatus.
Des Weiteren gibt es DNS-Analysen, die vermuten lassen, dass die Gattung Nau­tilus zurzeit eine Radiation erlebt, was darin begründet liegt, dass die Tiere es vermeiden, durch tiefere Gewässer zu schwimmen. Somit sind die meisten Insel­populationen genetisch isoliert und stellen potenziell neue Arten dar, die sich allerdings bisher nicht morphologisch fassen lassen.
Im Gegensatz dazu kommen Landman und Kollegen – basierend auf der Analyse von 300 Gen-Sequenzen – zu dem Schluss, dass es nur eine einzige Nautilus-Art gibt!
All dies und mehr ist nachzulesen in dem wun­derbar bebilderten Buch von Wolfgang Grulke: „Nautilus – Beautiful Survivor. 500 Million Years of Evolu­tionary History“ aus dem Jahr 2016.
Zusammengefasst variiert die Zahl der validen ­Nautilus-Arten also – je nach Bearbeiter – zwischen eins und sieben (N. repertus mit eingeschlossen).
René Hoffmann