Rückmeldungen zur jeweiligen DATZ-Ausgabe

In DATZ 9/2018 erschienen im Rahmen des Titelthemas („Südamerikanische Salmler“) gleich mehrere Artikel von uns, und in der Rubrik „Neu beschrieben“ berichteten wir über Hyphessobrycon piranga, eine hübsche kleine Art, die bereits vor der kürzlich erfolgten wissenschaft­lichen Beschreibung in der Aquaristik angekommen war. Hier ein kleiner Nachtrag zur Illustration der Geschlechtsunterschiede bei H. piranga und den anderen in unserem Beitrag erwähnten Spezies.
Grundsätzlich sind geschlechtsspezifische Farbunterschiede bei vielen kleiner bleibenden Salmlern nicht sonderlich deutlich ausgeprägt. Uns bekannte Ausnahmen sind – neben H. piranga – etwa die hier abgebildeten Arten Hyphessobrycon robustulus (ursprünglich und auch weiterhin immer wieder als H. sp. Pandurini“ gehandelt) sowie eine von uns (2017) als Hemigrammus sp. „Green Line“ vorgestellte Art. Differenzen in der Beflossung hingegen sind häufig (Männchen mit längeren Flossen, insbesondere die Rücken- und die Afterflosse sind oft verändert).
Der ausgeprägte Sexualdichromatismus bei H. pi­ranga ist auch in der Beschreibung ausdrücklich erwähnt und mit Bildern do­kumentiert. Männchen besitzen rote Flossen und zeigen eine – je nach Stimmung – sehr intensive Rotfärbung auf dem Körper, Weibchen werden als komplett gelb geschildert. Die von uns gepflegten weib­lichen Tiere – sowohl Wildfänge als auch Nachzuchten – sind blasser als die männlichen, bleiben aber nicht vollständig gelb, sondern färben sich in laichreifem ­Alter orangefarben oder blass rot.
Das ist bei H. robustulus anders, hier bleibt die Gelbfärbung der Weibchen immer erhalten. Daher waren wir zuerst etwas unsicher, ob es sich bei den von uns gepflegten Fischen tatsächlich um H. piranga handelt. Also nahmen wir Kontakt mit einer der Beschreiberinnen (P. Camelier) auf. Sie hält die hier abgebildeten Tiere definitiv für H. piranga, weshalb wir sie auch so bezeichnen. Möglicherweise variiert die Farbgebung der Tiere fundortabhängig?
Obwohl uns die Nachzucht mehrfach gelang und es sich um eine wunder­schöne, klein bleibende und friedliche Art handelt, bleibt abzuwarten, ob sie sich ­dauerhaft in der Aquaristik durchsetzen wird.

Peter und Martin Hoffmann

„Wenn Jemand eine Reise thut, // So kann er was erzählen“, dichtete einst Matthias Claudius (1740–1815). Die Empfehlung, bei längeren Autoreisen zwischendurch mal eine Pause einzulegen, ist natürlich neueren Datums. Aber auch solche kleinen Reiseunterbrechungen bieten manchmal Stoff, über den es zu berichten lohnt.
Wenn meine Frau und ich, aus Frankreich kommend, ins Allgäu fahren, ist unser Standard-Halt ein Einkaufszentrum am Stadtrand von Überlingen. Die Bodensee-Stadt liegt so ungefähr auf der „hinteren Mitte“ unserer Reiseroute. Auf der Rückfahrt legen wir dort ebenfalls eine Pause ein.
Ein netter Anziehungspunkt in Überlingen ist ein Terrassenrestaurant mit einem großen Zierfischteich, etwa im Format eines Fußballplatzes. Dementsprechend stattlich sind auch die darin lebenden Koi-Karpfen. Im Wasser schwimmen wahre Riesen von wenigstens 50, vielleicht auch 60 Zentimetern Länge. Zwar speisen meine und Frau und ich zuerst geruhsam in besagtem Restaurant, doch anschließend, wenn meine liebe Gattin im Supermarkt ihre Einkäufe erledigt, begebe ich mich mit meiner Kamera zu den Fischen.
Beim Blick quer über die Terrasse auf den Teich sehe ich eine Mutter (oder ist es eine Großmutter?), die für ihre ­(Enkel-)Kinder Fisch­futter-Ta­bletten aus einem am Ufer aufgestellten Automaten zieht.
Als Durchreisender hatte ich bislang leider noch nicht die Gelegenheit, mich bei dem Eigentümer oder Verantwortlichen über den Teich, die technischen In­stallationen und den genauen Besatz zu informieren. Links in dem Bild unten rechts meine ich, einen Oberflächen-Skimmer zu erkennen, und rechts, am Teichrand, strömt von Zeit zu Zeit in ­hohem Bogen offenbar gefiltertes Wasser zurück in den Teich (auf dem Foto gerade nicht in Betrieb).
Die Koi-Karpfen scheinen den Futterautomaten übrigens ganz gut zu kennen. Sobald ihn jemand bedient, schwärmen sie zum Teichufer …
Eine weitere Teichanlage, die wir im Urlaub kennenlernten, befindet sich im Kurpark von Oberstaufen (Allgäu), direkt hinter dem dortigen Parkhotel. Wenn ich dieses Gewässer vormittags besuche, ist das Interesse des Publikums meist sehr gering, oft bin ich dann ganz allein. Aber an heißen Nachmittagen (auch im letzten Sommer hatten wir ja schon Temperaturen bis zu 33 °C) lassen vor allem weibliche Kurgäste, auch gesetzteren Alters, gern ihre Füße ins kühle Nass baumeln.
Anders als der Supermarkt-Teich in Überlingen ist der Oberstaufener Kurpark-Teich mit Goldfischen besetzt. Mit näheren Angaben zum Besatz und zu weiteren Details, beispielsweise zur Größe und Tiefe des Gewässers, kann ich auch hier leider nicht dienen, ...
… aber ein paar Libellen beobachten. Eine zeigt sich in rotem Goldfischkleid. Eindeutig handelt es sich um das Männchen einer Heide­libelle (Gattung Sympetrum), um welche Art, lässt sich aus der Entfernung jedoch nicht erkennen. Ein zweiter, etwas größerer Hubschrauber in schwarz-gelbem Wespen-Look schwirrt eine ganze Weile im Zwei-Meter-Abstand unmittelbar vor mir über dem Teichrand, fliegt aber jedes Mal, wenn ich meine Kamera zücke, flink davon, sodass mir keine scharfe Aufnahme gelingt.
Zwar bin ich von Kindesbeinen an Aquarianer, aber weder Goldfisch- oder Koi- noch Teich-Experte. Dennoch interessiert und begeistert mich so ziemlich alles pflanzliche und tierische ­Leben an und in Gewässern. Zu beobachten gibt es immer etwas, selbst in den kurzen Pausen einer längeren Autofahrt oder auf einem kleinen Spaziergang im Park …
Hubert F. Bollig

Springen wir neun Jahre zurück, irgendwo in Düsseldorf. Meine Frau und ich bekommen die Frage gestellt: „Wollen Sie wissen, was es wird?“ Mir liegt auf der Zunge zu sagen: „Ich ­hoffe, ein Kind … und dann ist klar: Es wird ein Mädchen!“
Plötzlich läuft in Sekunden ein Film in meinem Kopf ab: Mit meinem Sohn stehe ich beim Zoofachhändler, und er bettelt mich an, doch neue Fische für sein Aqua­rium zu kaufen. Aber während ich noch zwischen meiner pädagogischen Aufgabe, ihm erklären zu müssen, dass ein Roter Oskar (Astronotus ocellatus) und Guppys (Poecilia reticulata) eher nicht zusammenpassen, und dem Zweifel, ob ich dem Kleinen seinen Wunsch überhaupt abschlagen kann, schwanke, platzt dieses Bild wie eine Seifenblase, und ich sehe mich vor meinem geistigen Auge mit vier Einkaufstüten voller Klamotten vor einem Schuhgeschäft in der Innenstadt stehen und, auf meine beiden Frauen wartend, zu der Erkenntnis gelangen: Einsteins Relativitätstheorie ist bestätigt – Zeit kann unterschiedlich schnell vergehen.
Aber manchmal kommt eben alles anders, als man denkt …
Schon im zarten Alter von zwei Jahren hat Anna mit mir zusammen draußen Gartenkreuzspinnen (Ara­neus diadematus) gefüttert, jede Biene ganz genau an­geschaut, wir haben uns über einen Schmetterling gefreut, der durch den Garten geflattert ist, und im Gartenteich Molche gefangen.
Im Kindergarten habe ich Terrarien mit Gespenstschrecken, Glasküvetten mit Larven von Fruchtkäfern und Aquarien mit Zwergkrallenfröschen aufgestellt. Alle Kinder haben es geliebt, und Anna hat stolz erzählt: „Das ist von meinem Papa!“
An einem Tag im letzten Sommer komme ich von der Arbeit und frage meine Tochter: „Und, Große, was machen wir noch?“ Ihre Antwort, wie aus der Pistole geschossen: „Ich möchte an ­einen See im Wald, dort ein Brot zu Abend essen, warten, bis es dunkel wird, und dann den Fledermäusen zuschauen, wie sie über dem Wasser Insekten fangen.“ „Tochter“, lautet meine Antwort, „so sei es!“
Gestern – Anna ist in­zwischen acht Jahre alt – kommt sie von einer Freundin zurück, und ich frage sie: „Hat Marlene auch Tiere?“ Ihre Antwort: „Nö, Marlene darf nicht. Schade, oder?“ „Was hätte sie denn gern für ein Haustier?“, frage ich weiter. „Ach, Papa, die will nur eine Katze. Ist das nicht langweilig? Ich will nie eine Katze oder einen Hund. Ich habe viel tollere Tiere!“
Nun liegt es selbstverständlich im Auge des Betrachters, was „toll“ bedeutet. Und es braucht natürlich auch Verständnis von Seiten des Lebenspartners – in meinem Fall von meiner Frau – denn ohne geht es nun einmal nicht.
Zurzeit stehen eine Orchideen-Mantis (Hymenopus coronatus), eine von Anna selbst gefangene Wolfspinne (Pardosa sp.) und eine Kö­nigin der Schwarzen Rossameise (Camponotus herculeanus) in ihren Behausungen auf dem Esstisch in der Küche. Alle diese „Haustiere“ werden selbstverständlich täglich betreut und beobachtet. „Haben wollen“ ist bei einer Acht-Jährigen die eine Sache, sich dann auch darum kümmern zu müssen, die ­andere.
Für mich ist es ein Pri­vileg, dass meine Frau die wöchentliche Überschwemmung als Folge der Wasserwechsel in den Aquarien duldet, dass sie sich nicht aufregt, wenn wieder einmal ein Heimchen durch die ­Küche hüpft, die frisch geputzten Fenster völlig verschmiert sind, weil Tochter und Vater gemeinsam eine leckere Fliege jagen, oder ­neben den Eiswürfeln und der Petersilie im Gefrierfach ein Vorrat an roten, schwarzen und weißen Mückenlarven gebunkert wird.
Welche Freude, dass meine Tochter von meiner Leidenschaft für die Natur etwas angenommen hat und meine Frau trotz – na ja, sagen wir mal – nur mäßigen Eigeninteresses uns zumindest gewähren lässt!
Auf die Frage an meine Tochter: „Gehen wir nach oben und sehen etwas fern?“, kommt prompt die Antwort. „Nö, lieber noch ein bisschen ins Aquarium schauen. Ich habe gestern ein ganz dunkles Männchen gesehen, dass möchte ich nochmal finden und Dir ­zeigen.“
Gibt es etwas Besseres, Schöneres?
Ganz sicher nicht … jedenfalls in meiner Welt!
Martin Stöckl

In meinem Artikel „Impres­sionen aus dem Schwertträger-Land“ in der Juni-Ausgabe der DATZ spekulierte ich auf Seite 80 über die mögliche Gefahr einer Ansiedlung des australischen Rotscherenkrebses (Cherax quadricarinatus; von mir vor lauter Xiphophorus maculatus versehentlich als C. quadrimaculatus bezeichnet).
Frei nach dem Motto: „Nach dem Artikel ist vor dem Artikel“, stöberte ich nach der Fertigstellung des Schwertträger-Manuskriptes im Internet noch ein wenig nach Informationen zu Flusskrebsen in Mexiko. Dabei stieß ich auf zwei Bei­träge über wildlebende ­Populationen dieser exotischen Panzerträger.
Auf der Internet-Seite von Jose-Luis Bortolini-Rosales fand ich einen Artikel von Alvarez et al. über den Rotscherenkrebs in Mexiko. Dort wird berichtet, dass C. quadricarinatus während der 1990er-Jahre in die mexikanische Aquakultur eingeführt wurde.
An mehreren Orten entkamen einige der Krebse und gründeten sich selbst erhaltende Populationen. In den Jahren 2004 und 2005 wurden demnach erstmals frei­lebende Rotscherenkrebse in den mexikanischen Bundesstaaten Tamaulipas und Morelos gefangen. Wir besuchten diese Bundesstaaten auf unserer Reise im Mai 2000.
Die genannten Autoren berichten ferner von dem ersten Nachweis der Art im Bundesstaat San Luis Potosí 2012 in Gräben der Media-Luna-Lagune bei Río Verde.
In allen drei Bundesstaaten wurde C. quadricarinatus in den Oberläufen großer Flusssysteme, etwa im Río Balsas, im Río Tampaon und im Río Tamesi, entdeckt. Es wird auf die Gefahr der Weiterverbreitung der Art über die gesamten Einzugsgebiete hingewiesen. In diesen Gewässern leben etliche endemische mexikanische Flusskrebsarten, die durch die invasiven Exoten verdrängt werden könnten.
Die Autoren führen aus, dass über 640 Flusskrebs­arten oder -unterarten weltweit bekannt sind. Davon sind 66 Prozent (432 Arten und Unterarten) auf dem nordamerikanischen Kontinent beheimatet. In Mexiko wurden bisher mehr als 170 Süßwasser-Spezies und Subspezies von Krebsen nach­gewiesen.
Aber die Exoten bedeuten nicht nur für die autochthone Krebsfauna eine potenzielle Gefahr, sondern auch für alle anderen Wasserbewohner, etwa Fische, Garnelen und Amphibien. Der Nachweis weiterer wildlebender Vorkommen von C. quadricarinatus in anderen mexikanischen Bundesstaaten ist nach Auffassung der Verfasser nur eine Frage der Zeit.
Der zweite Artikel stammt von Vega-Villasante et al. (2015). Die Autoren berichten, dass C. quadricarinatus illegal entlang der Küste im Süden des Bundesstaates ­Jalisco angesiedelt wurde. Unachtsamkeit und Miss­management ermöglichte es den Krebsen, zu entkommen und sich unkontrolliert in den Gewässern Jaliscos auszubreiten.
Das Ziel dieser Studie war die Abschätzung der Verbreitung der Rotscherenkrebse sowie deren Nutzen für die dort ansässigen Fischer, die ursprünglich vor allem der Großarmgarnele Macrobrachium americanum nachstellten. Während in Fließgewässern die Rotscherenkrebse 32 Prozent des Fangs ausmachten und der Großteil nach wie vor aus Macrobrachium bestand, verschob sich die Zusammensetzung in Stauseen mit 85 Prozent Cherax deutlich zugunsten der Exoten, die sich zu einem bedeutenden Bestandteil des Fangs ent­wickelten.
Um die ökologischen Auswirkungen der ungezügelten Ausbreitung der eingeführten Rotscherenkrebse zu ermessen, sind den Autoren zufolge weitere Studien erforderlich.
Immer wieder bereiten vom Menschen absichtlich oder durch Nachlässigkeit freigesetzte Exoten angestammten Arten Probleme, in Deutschland etwa die Nordamerikaner Kamberkrebs (Orconectes limosus), Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus) oder Louisiana-Sumpfkrebs (Procambarus clarkii), wobei diese Arten nicht nur wegen ihrer großen Fruchtbarkeit, sondern vor allem auch als mögliche Überträger der Krebspest eine tödliche Gefahr für die Restbestände unserer einheimischen Flusskrebse darstellen.
Die australischen Flusskrebse haben laut Literatur der Krebspest ebenfalls nichts entgegenzusetzen; erstaunlicherweise hat dies ihre Ausbreitung in Mexiko aber nicht verhindert. Da die Artikel über Rotscherenkrebse in Mexiko jedoch recht jungen Datums sind, bleibt abzuwarten, wie sich die Sachlage weiter entwickelt. Über große Krebssterben in mexikanischen Gewässern fand ich bisher jedenfalls noch keine Veröffentlichung.

Uwe Dost

Literatur
Alvarez, F., J. L. Bortolini-Rosales, J. L. Villalobos & L. Gárcia-Vázquez (2014): The presence of the Australian crayfish Cherax quadricarinatus (von Martens, 1868) in Mexico. – https://www.researchgate.net/publication/ 268818362.
Vega-Villasante, F., J. J. Avalos-Aguilar, H. Nolasco-Soria, M. A. Vargas-Ceballos, J. L. Bortolini-Rosales, O. Chong-Carillo, M. F. Ruiz-Nunez & J. C. Morales-Hernandez (2015): Wild populations of the invasive Australian red claw crayfish Cherax quadricarinatus (Crustacea, Decapoda) near the northern coast of Jalisco, Mexico: A new fishing and profitable resource. – Lat. Am. J. Aquat. Res. 43 (4): 781–785.

Jeder kennt das: Hält man sich länger im ­Wasser auf – Badewanne, Schwimmbad –, verändern sich Finger und Zehen. Im Internet gibt es zahlreiche Erklärungen dafür, wissenschaftlich inter­essante und glaubhafte wie spekulativ hypothetische.
Mir als Aquarianer gefällt dieser Ansatz: Der Schrumpelzustand ist ein Relikt aus unserer frühen Jäger- und Sammlerzeit. Als es noch keine Fangnetze gab, musste man seine Hände benutzen. Mit schrumpeligen Fingern lassen sich glitschige Wassertiere viel besser greifen, mit glatten rutscht man leicht ab; in Strömungen und Strudeln ist man hilflos.
Zum Glück schrumpeln auch die Zehen im Wasser. So war es unseren Vorfahren möglich, selbst in reißenden Flüssen ihrer Beute sicher nachzustellen.
Wer mit dem Handkescher ungeschickt im Aquarium hantiert, um Fische oder anderes Getier zu fangen, sollte den Methoden aus früheren Zeiten vertrauen; mit den Händen geht es bestimmt besser! Die Zehen dürfen in den Socken bleiben.

Reinhold Wawrzynski