Rückmeldungen zur jeweiligen DATZ-Ausgabe

Kürzlich fand ich dieses Foto in meinen Beständen, kann es aber nicht mehr richtig ­zuordnen.
Sehr wahrscheinlich stammt es aus dem River-­Safari-Zoo in Singapur. Es ist ja so etwas wie ein warnendes Hinweisschild, und weil in diesem Stadtstaat für unsere Begriffe allerhand verboten ist, würde das ganz gut passen.
Aber für wen soll der Ratschlag gelten – für die Besucher? Auf öffentliche Toiletten wird ausreichend häufig hingewiesen. An den Wasserspiegel offener Aquarien gelangen nur gestandene Kletterkünstler, das Personal hat bestimmt auch kein Interesse für solche Aktionen.
Wenn man sich in Sin­gapur aufhält, denkt man selbst als Aquarianer sicher nicht gleich an Südamerika. Im Amazonas-Becken leben kleine Schmerlenwelse der Unterfamilie Vandelliinae, sogenannte Harnröhrenwelse. Eigentlich ernähren sich die Parasiten vom Blut größerer Fische, werden aber durch in das Wasser urinierende Säugetiere – somit auch Menschen – angelockt und dringen in deren Harnröhren ein.
Allerdings kann ich mich nicht daran erinnern, im River-Safari-Zoo kleine Welse der einschlägigen Gattungen und Arten gesehen zu haben. Habe ich sie womöglich übersehen?
Oder richtete sich das Hinweisschild doch schlicht und ergreifend an die Besucher?Reinhold Wawrzynski

„Symbiose“ bezeichnet das Zusammenleben von Individuen zweier verschiedener Arten, aus dem sich für beide Beteiligten Vorteile ergeben. Ein Aquarianern geläufiges Beispiel dürfte die Gemeinschaft von Clownfischen und Seeanemonen sein.
Bei einem Aufenthalt in der thailändischen Provinzhauptstadt Chiang Mai stieß ich in der Altstadt auf große Wassergräben, die parallel zur alten Stadtmauer verliefen. In den Gewässern entdeckte ich mehrfach mittelgroße Fische, die von Passanten an den zahlreichen Brücken gefüttert wurden. Wie oft in Südostasien sieht man hier aber kaum einheimische Schuppenträger, son­dern vielmehr die allgegenwärtigen afrikanischen Buntbarsche der Tilapia-Verwandtschaft.
Auffällig war, dass sich bei den Fischfütterungen auch Tauben ganz nah am Ufer, fast schon im Wasser, einfanden. Beim Betrachten der beiden so unterschiedlichen Tierarten kam mir der Begriff Symbiose in den Sinn. Die Tilapien werden mit Reis, Brot und Mais gefüttert. Ganz sicher fällt nicht jeder Futterbrocken ins Wasser, am Ufer bleibt stets etwas zurück, zum Vorteil für die Stadttauben.
Tauben werden nicht nur als „Friedensboten“, sondern auch als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet. Laut Internet können diese Vögel bis zu zwölf verschiedene ­gesundheitsschädliche Insekten mit sich umhertragen. Von diesem Ungeziefer – Flöhe, Milben, Fliegen … – fällt bei der gierigen Futtersuche bestimmt einiges ins Wasser, Futterreste sowieso und Unverdautes wahrscheinlich ebenfalls, zum Vorteil für die Cichliden.
Während meiner Beobachtungen herrschten übrigens außergewöhnliche hohe Lufttemperaturen und eine nicht unbeträchtliche Luftfeuchtigkeit. Aber ich bin davon überzeugt, dass meine Symbiose-Gedanken nichts mit diesen meteoro­logischen Umständen zu tun hatten …
Reinhold Wawrzynski

Im Oktober 2018 gab es im Rhein einen Pegeltiefstand, der in Köln 67 Zentimeter über dem Messpunkt gelegen haben soll. Da das Rhein-Wasser sonst ein paar Meter höher steht, ließen sich obligat submerse sessile Organismen erkennen, also Tiere und Pflanzen, die unbedingt von Wasser umströmt sein müssen.
Wer schon einmal am Rheinufer entlanggegangen ist, wird viele Schalen ge­sehen haben, aber keine lebenden Körbchenmuscheln (Corbicula fluminea). Sie müssen sich ebenfalls permanent unter der Wasseroberfläche befinden. Da der Rhein-Pegel ja andauernd schwankt, bleibt ihnen nur das Flussbett. Als der Strom aber so wenig Wasser führte wie seit 30 Jahren nicht mehr, lagen sie auf den Sandbänken zum Einsammeln bereit.
Einige Muscheln zogen in eines meiner Aquarien (etwa 26 °C) ein. Jetzt, ein halbes Jahr später, leben noch alle zwölf. Ich füttere sie zweimal täglich mit einer Suspension aus Grünalgen (Chorococcum). Das Wasser sieht danach trüb aus, und der Hintergrund wirkt – wie in einem natürlichen Gewässer – „endlos“, da die Rückscheibe kaum zu erkennen ist.
Am gegenüberliegenden Flussufer gab es keinen Sandstrand, sondern Geröll aus größeren Steinen. Darauf wuchsen stellenweise Algenbüschel, doch manche Steine wirkten „saftiger“ grün als andere. Das konnten nur Schwämme sein! Sie sahen so ähnlich aus wie aus dem Meer bekannte Formen. Die grüne Farbe rührt von symbio­tischen Algen her, wahrscheinlich aus der Gattung Chlorella. Dass es diese Organismen im Rhein gibt, wissen – bis auf die Limno­logen – nur wenige.
Zweimal sammelte ich „grüne Steine“ und verteilte sie auf mehrere Teiche des Botanischen Instituts der Universität Köln, einige kamen ins heimische Aquarium. Dort gingen sie erst einmal zurück, da es doch ziemlich warm war. Aber ­einige blieben bis heute am Leben.
Zwei Exemplare befinden sich in einer Schale unmittelbar am Fenster, bekommen also Licht, und werden mit Algen ernährt. Ein weiterer Stein liegt in ­einem anderen Becken und erhält ausschließlich Licht. Ich bin gespannt, wie die Schwämme sich weiter entwickeln.
In den Uni-Teichen sind die im flachen Wasser sichtbaren Exemplare noch schön grün und zeigen einen erhabenen Rand. Andere befinden sich in tieferem Wasser. Ob sie sich eines ­Tages – infolge des Wachstums – wohl ebenfalls nahe der Oberfläche sehen lassen werden?
Bei dem Schwamm könnte es sich um Spongilla lacustris handeln. Im Rhein gibt es noch weitere Arten, wie ich später erfuhr. Genauer bestimmen lassen sie sich aber nur anhand ihrer Skelettelemente und Dauerstadien.
Schwämme sind Ansammlungen einzelner Zellen mit verschiedenen Eigenschaften und Funktionen. Sie bilden ein Gehäuse mit Ver­steifungselementen (Skle­riten), die aus Kalk oder aus Kieselsäureverbindungen bestehen.
Die Art S. lacustris, die gelegentlich in Binnengewässern auftritt, kann ziemlich groß werden. Im stark strömenden Rhein sieht man sie nur in Gestalt von Krusten. In Stillgewässern wird sie wegen ihrer langen ­Auswüchse auch „Geweihschwamm“ genannt.
Marine Schwämme – oder vielmehr ihre toten ­porösen Gehäuse – sind bekannter, etwa als Badeschwämme. Strömungszellen im lebenden Schwammkörper halten das Wasser in Bewegung, sodass Sauerstoff und Nahrungspartikel in den Verband gelangen. Fil­trierende Fresszellen nehmen diese Partikel auf. Andere Zellen sind Gerüstbauer, weitere sorgen für die Fortpflanzung.
Zurzeit ist der Wasserstand im Rhein wieder so hoch, dass ich von der starken Strömung unweigerlich fortgespült würde. 50 Kilometer weiter, in Düsseldorf, könnte ich dann in meinen Sandalen und mit den Worten aus dem Wasser steigen: „Ich bin Kölner!“
Ingo Botho Reize

Sehr geehrte Redaktion, anliegende Anzeige ist ein Ausriss aus dem „Fressnapf-Magazin“ (Dezember 2018). Vermutlich haben Sie den „Fehler“ gleich gefunden.
Ja, die Fische sind nicht aus Plastik!
Also, ich habe ja schon viele fragwürdige Produkte in der Aquaristik gesehen, doch bisher so gut wie immer von osteuropäischen Unternehmen. Dieses Playmobil-Aquarium ist der Einstieg und gleich der direkte Ausstieg aus der Aquaristik. Drei spillerige Pflanzen, ein Grüppchen Panzerwelse auf weißem Bodengrund und Zwergfadenfische, die eine dichte Bepflanzung benötigen, in einer Plastikwüste! Filter und Heizer sind auch nicht zu sehen. Hier werden Lebewesen zu Spielzeugen und Verbrauchsgütern degradiert, was hat das mit ­verantwortungsvoller Tierhaltung zu tun?
Und dann soll man sich noch darüber wundern, dass manche Politiker die Aquaristik verbieten wollen? Diese Anzeige dürfte als eindrucksvolle Werbung für unser Hobby in der Öffentlichkeit kaum zu übertreffen sein.

Anette Wäger

Zu der von Kempkes refe­rierten Beobachtung ist Folgendes zu ergänzen. Zu den mit Fangschrecken (Ordnung Mantodea) assoziierten Parasitoiden (Organismen, die in ihrer Entwicklung parasitisch leben und ihre Wirte schließlich töten) zählen auch Saitenwürmer (Stamm Nematomorpha) der Gattung Chordodes.
Bei Ehrmann (2002) ist deren Lebenszyklus geschildert. Er „beginnt mit der Paarung der (getrenntgeschlechtlichen) Würmer im Wasser, aus den Eiern schlüpft eine sehr kleine Larve, die von den verschiedensten aquatischen Organismen aufgenommen wird, sich durch das Darm­epithel bohrt und im Gewebe encystiert. Weiter geht die Entwicklung nur, wenn es sich um einen Wirt handelt, der durch eine Metamorphose in ein terrestrisches Sta­dium übergeht, z. B. bei Mücken. Werden diese Adulti von Mantodea gefangen und gefressen, entwickelt sich die Nematomorpha-Larve im Abdomen der Mantodea zum großen Wurm weiter. Dabei wird (soweit das die wenigen Daten bisher zeigen) offenbar die Ausbildung von Gonaden und Fettkörper der Mantodea unterbunden, aber sie werden, zumindest kurzfristig, nicht getötet. Durch einen unbekannten Impuls sucht die Gottesanbeterin Wasser auf, darauf bohrt sich der Wurm in der Nähe des Anus an einer weichhäutigen Stel­-le aus, und der Lebenszyklus ist geschlossen (in litt. A. Schmidt-Rhaesa, XI. 2000)“ (Ehrmann 2002).
Mit anderen Worten: Die von Battiston et al. veröffentlichte und von Kempkes referierte Beobachtung „fischender Mantodea“ lässt sich nicht unbedingt mit den „kognitiven Leistungen des Insekts“ erklären, „das offenbar immer wieder zielgerichtet den Teich aufsuchte, um dort … Guppys zu fangen“, sondern womöglich vielmehr durch den bei Ehrmann geschilderten, von einem parasitierenden Wurm ausgelösten Impuls.
Und wenn eine Fangschrecke schon einmal in Wassernähe auf sich dicht unter der Oberfläche bewegende Beutetiere, in diesem Fall Lebendgebärende Zahnkarpfen, stößt, dann schlägt sie auch reflexartig zu.
Reinhard Ehrmann und Rainer Stawikowski