Rückmeldungen zur jeweiligen DATZ-Ausgabe

Garnelen treiben Brutpflege, nicht Brutfürsorge. Biologen unterscheiden zwischen Brutfürsorge und der weitergehenden Brutpflege. Tiere, die ihre Eier dort ablegen, wo besonders günstige Bedingungen für deren Entwicklung herrschen, treiben Brutfürsorge.
So legen beispielsweise Schmetterlinge die Eier auf die Nahrung der Raupen, der Kohlweißling auf den Kohl oder die als Futtertier und Bienenschädling bekannten Wachsmotten in Bienenstöcke. Fruchtfliegen legen ihre Eier auf überreifes Obst, die meisten Reptilien deponieren ihre Eier an geschützten Stellen mit geeigneten Temperaturen.
Honigbienen und Hor­nissen beispielsweise treiben darüber hinausgehende Brutpflege, indem sie ihre Larven verteidigen und füttern, das Nest instand halten und temperieren. Mauerbienen hingegen treiben „nur“ Brutfürsorge, indem sie ein Nest mit Kammern anlegen, die sie mit je einem Ei und Futter belegen, verschließen und dann sich selbst überlassen.
Garnelen treiben meines Wissens keine Brutfürsorge. Entweder sie laichen und kümmern sich nicht weiter um ihre Nachkommen, oder sie treiben unterschiedlich weit reichende Brutpflege, indem sie die Eier mit sich umhertragen, mit frischem Wasser umspülen und reinigen, um dann Larven unterschiedlicher Stadien oder fertige Junggarnelen zu entlassen.
Brutfürsorge läge dann vor, wenn eine Garnele ihre Eier beispielsweise auf geeigneter Nahrung absetzen würde, anstatt sie einfach ins Wasser abzugeben. Dieses Verhalten kommt meines Wissens jedoch bei keiner Art vor.

Klaus de Leuw

Zu dem Aquarienpraxis-Beitrag von Uwe Dost schrieb uns ein Leser: „Leider hat sich in den Vorspann des sehr interessanten Artikels ein Fehler eingeschlichen. Die in der Überschrift und sonst im Text korrekt als Turbellarien bezeichneten Strudelwürmer sind natürlich keine ‚Plana­rien‘, denn die leben ausschließlich in Süßwasser oder an Land.“ Wie gut, dass es solche aufmerksamen Zeitgenossen gibt!

Redaktion

Kürzlich fand ich dieses Foto in meinen Beständen, kann es aber nicht mehr richtig ­zuordnen.
Sehr wahrscheinlich stammt es aus dem River-­Safari-Zoo in Singapur. Es ist ja so etwas wie ein warnendes Hinweisschild, und weil in diesem Stadtstaat für unsere Begriffe allerhand verboten ist, würde das ganz gut passen.
Aber für wen soll der Ratschlag gelten – für die Besucher? Auf öffentliche Toiletten wird ausreichend häufig hingewiesen. An den Wasserspiegel offener Aquarien gelangen nur gestandene Kletterkünstler, das Personal hat bestimmt auch kein Interesse für solche Aktionen.
Wenn man sich in Sin­gapur aufhält, denkt man selbst als Aquarianer sicher nicht gleich an Südamerika. Im Amazonas-Becken leben kleine Schmerlenwelse der Unterfamilie Vandelliinae, sogenannte Harnröhrenwelse. Eigentlich ernähren sich die Parasiten vom Blut größerer Fische, werden aber durch in das Wasser urinierende Säugetiere – somit auch Menschen – angelockt und dringen in deren Harnröhren ein.
Allerdings kann ich mich nicht daran erinnern, im River-Safari-Zoo kleine Welse der einschlägigen Gattungen und Arten gesehen zu haben. Habe ich sie womöglich übersehen?
Oder richtete sich das Hinweisschild doch schlicht und ergreifend an die Besucher?Reinhold Wawrzynski

„Symbiose“ bezeichnet das Zusammenleben von Individuen zweier verschiedener Arten, aus dem sich für beide Beteiligten Vorteile ergeben. Ein Aquarianern geläufiges Beispiel dürfte die Gemeinschaft von Clownfischen und Seeanemonen sein.
Bei einem Aufenthalt in der thailändischen Provinzhauptstadt Chiang Mai stieß ich in der Altstadt auf große Wassergräben, die parallel zur alten Stadtmauer verliefen. In den Gewässern entdeckte ich mehrfach mittelgroße Fische, die von Passanten an den zahlreichen Brücken gefüttert wurden. Wie oft in Südostasien sieht man hier aber kaum einheimische Schuppenträger, son­dern vielmehr die allgegenwärtigen afrikanischen Buntbarsche der Tilapia-Verwandtschaft.
Auffällig war, dass sich bei den Fischfütterungen auch Tauben ganz nah am Ufer, fast schon im Wasser, einfanden. Beim Betrachten der beiden so unterschiedlichen Tierarten kam mir der Begriff Symbiose in den Sinn. Die Tilapien werden mit Reis, Brot und Mais gefüttert. Ganz sicher fällt nicht jeder Futterbrocken ins Wasser, am Ufer bleibt stets etwas zurück, zum Vorteil für die Stadttauben.
Tauben werden nicht nur als „Friedensboten“, sondern auch als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet. Laut Internet können diese Vögel bis zu zwölf verschiedene ­gesundheitsschädliche Insekten mit sich umhertragen. Von diesem Ungeziefer – Flöhe, Milben, Fliegen … – fällt bei der gierigen Futtersuche bestimmt einiges ins Wasser, Futterreste sowieso und Unverdautes wahrscheinlich ebenfalls, zum Vorteil für die Cichliden.
Während meiner Beobachtungen herrschten übrigens außergewöhnliche hohe Lufttemperaturen und eine nicht unbeträchtliche Luftfeuchtigkeit. Aber ich bin davon überzeugt, dass meine Symbiose-Gedanken nichts mit diesen meteoro­logischen Umständen zu tun hatten …
Reinhold Wawrzynski

Im Oktober 2018 gab es im Rhein einen Pegeltiefstand, der in Köln 67 Zentimeter über dem Messpunkt gelegen haben soll. Da das Rhein-Wasser sonst ein paar Meter höher steht, ließen sich obligat submerse sessile Organismen erkennen, also Tiere und Pflanzen, die unbedingt von Wasser umströmt sein müssen.
Wer schon einmal am Rheinufer entlanggegangen ist, wird viele Schalen ge­sehen haben, aber keine lebenden Körbchenmuscheln (Corbicula fluminea). Sie müssen sich ebenfalls permanent unter der Wasseroberfläche befinden. Da der Rhein-Pegel ja andauernd schwankt, bleibt ihnen nur das Flussbett. Als der Strom aber so wenig Wasser führte wie seit 30 Jahren nicht mehr, lagen sie auf den Sandbänken zum Einsammeln bereit.
Einige Muscheln zogen in eines meiner Aquarien (etwa 26 °C) ein. Jetzt, ein halbes Jahr später, leben noch alle zwölf. Ich füttere sie zweimal täglich mit einer Suspension aus Grünalgen (Chorococcum). Das Wasser sieht danach trüb aus, und der Hintergrund wirkt – wie in einem natürlichen Gewässer – „endlos“, da die Rückscheibe kaum zu erkennen ist.
Am gegenüberliegenden Flussufer gab es keinen Sandstrand, sondern Geröll aus größeren Steinen. Darauf wuchsen stellenweise Algenbüschel, doch manche Steine wirkten „saftiger“ grün als andere. Das konnten nur Schwämme sein! Sie sahen so ähnlich aus wie aus dem Meer bekannte Formen. Die grüne Farbe rührt von symbio­tischen Algen her, wahrscheinlich aus der Gattung Chlorella. Dass es diese Organismen im Rhein gibt, wissen – bis auf die Limno­logen – nur wenige.
Zweimal sammelte ich „grüne Steine“ und verteilte sie auf mehrere Teiche des Botanischen Instituts der Universität Köln, einige kamen ins heimische Aquarium. Dort gingen sie erst einmal zurück, da es doch ziemlich warm war. Aber ­einige blieben bis heute am Leben.
Zwei Exemplare befinden sich in einer Schale unmittelbar am Fenster, bekommen also Licht, und werden mit Algen ernährt. Ein weiterer Stein liegt in ­einem anderen Becken und erhält ausschließlich Licht. Ich bin gespannt, wie die Schwämme sich weiter entwickeln.
In den Uni-Teichen sind die im flachen Wasser sichtbaren Exemplare noch schön grün und zeigen einen erhabenen Rand. Andere befinden sich in tieferem Wasser. Ob sie sich eines ­Tages – infolge des Wachstums – wohl ebenfalls nahe der Oberfläche sehen lassen werden?
Bei dem Schwamm könnte es sich um Spongilla lacustris handeln. Im Rhein gibt es noch weitere Arten, wie ich später erfuhr. Genauer bestimmen lassen sie sich aber nur anhand ihrer Skelettelemente und Dauerstadien.
Schwämme sind Ansammlungen einzelner Zellen mit verschiedenen Eigenschaften und Funktionen. Sie bilden ein Gehäuse mit Ver­steifungselementen (Skle­riten), die aus Kalk oder aus Kieselsäureverbindungen bestehen.
Die Art S. lacustris, die gelegentlich in Binnengewässern auftritt, kann ziemlich groß werden. Im stark strömenden Rhein sieht man sie nur in Gestalt von Krusten. In Stillgewässern wird sie wegen ihrer langen ­Auswüchse auch „Geweihschwamm“ genannt.
Marine Schwämme – oder vielmehr ihre toten ­porösen Gehäuse – sind bekannter, etwa als Badeschwämme. Strömungszellen im lebenden Schwammkörper halten das Wasser in Bewegung, sodass Sauerstoff und Nahrungspartikel in den Verband gelangen. Fil­trierende Fresszellen nehmen diese Partikel auf. Andere Zellen sind Gerüstbauer, weitere sorgen für die Fortpflanzung.
Zurzeit ist der Wasserstand im Rhein wieder so hoch, dass ich von der starken Strömung unweigerlich fortgespült würde. 50 Kilometer weiter, in Düsseldorf, könnte ich dann in meinen Sandalen und mit den Worten aus dem Wasser steigen: „Ich bin Kölner!“
Ingo Botho Reize