margin-right: 20px; margin-bottom: 10pxVon Murat Draman. 132 Seiten, 130 Fotos, Softcover. Verlag A4 Ofset Matbaacilik Sa. Ve Tic. Ltd. Sti., Istanbul. ISBN 978-975-8416-45-5 (in türkischer und englischer Sprache). 20 €, zuzüglich etwa 9 € Versandkosten. Weitere Infos: www.redseainthemed.com. Bestellungen und Kontakt zum Autor: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

In DATZ 9/2017 wurden die lykische Küste und die Unterwasserwelt der türkischen Ägäis in einer Reise-Reportage vorgestellt. In diesem Artikel wurden auch die Wanderbewegungen der Meerestiere infolge der Lesseps­schen Migration erwähnt. Seit der Öffnung des Suez­kanals 1869 wandern Arten aus dem Roten Meer ins Mittelmeer ein und verändern das Artenspektrum. Umgekehrt zieht es kaum me­di­ter­rane Spezies ins Rote Meer.
Die Einwanderer queren selten das offene Meer und verbreiten sich überwiegend den Küstenlinien folgend. Weil die meisten Arten die Süßwassermassen der Nilmündung meiden, wandern sie nach Osten und Norden. Man schätzt, dass vor der südtürkischen Küste bereits mindes­tens 100 aus dem Roten Meer stammende Arten leben und sich fortpflanzen. Damit wirkt sich die Lessepssche Mi­gration vor der türkischen Ägäis-Küste am stärksten aus, wenn der ganze ­Mittelmeerraum in den Vergleich einbezogen wird.
Der Unterwasserfotograf, Tauchlehrer und Meeresbiologie-Enthusiast Murat Draman betreibt im maritimen Schutzgebiet von Kas und Kekova seit über 15 ­Jahren eine Tauchbasis mit eigenem Schiff und diversen Booten. Er nennt es ein Privileg, das ganze Jahr in ­diesem wunderschönen Meeresschutz­gebiet tauchen zu dürfen.
In diesem Areal wird über bestimmten Flächen nicht gefischt, es gibt über sensiblen Zonen Ankerverbote, außerdem bestehen ­archäologische Reservate.
Draman beobachtete und fotografierte seine Tauchplätze, die Unterwasserlebensräume und die dort lebenden Arten von Anfang an intensiv. Er veröffentlichte zuerst das knapp 200-seitige und viersprachige (Türkisch, Deutsch, Englisch, Französisch) Buch „The Kas Diving Guide“, das inzwischen in überarbeiteter Auflage vorliegt und in Taucherkreisen gut bekannt ist.
Dieser Tauchführer vermittelt dem na­turkundlich interessierten Tauchgast viel meeresbiologisches Wissen und eine gute Artenkenntnis für die mediterrane Region um Kas und Kekova.
Die Beobachtungen im glasklaren Meer vor Kas in­spirierten Draman, sich als nächste Publikation eine ­Dokumentation jener Arten vorzunehmen, die infolge der Lessepsschen Migration dauerhaft in das südtür­ki­sche Schutzgebiet einwandern und dort siedeln. Eine solche Arbeit darf als naturkundlicher Beweis dafür angesehen werden, dass bestimmte ­Arten in der betrachteten Region dauerhaft vorkommen. Wie der Rezensent aus eigener Erfahrung weiß, ist es ungleich schwieriger, zu allen Tieren, die man vielleicht schon oft kurz beobachtet hat oder über ­deren Existenz man von anderen Menschen weiß, echte in-­situ-Fotos zu erstellen.
In dem Buch kann der Leser verfolgen, welche Fischarten – vom Trompetenfisch bis zum Rotfeuerfisch – inzwischen die Ägäis erreicht haben. Doch mittlerweile haben sich auch viel langsamere Organismen, etwa Tintenfische, Seepferdchen, Nacktschnecken, Garnelen, Krabben oder Seeigel, im Archipel kleiner Inseln vor Kas und Kekova etabliert.
Das Werk ist im Wesent­lichen eine Fotodokumentation mit einigen naturkundlichen Absätzen pro Art, ein edles Bild-Bestimmungsbuch mit speziellem zoogeografischen Hintergrund.
Draman präsentiert darin 128 höchst ästhetische Unterwasserfotos, die das Vorkommen von mindestens 58 der invasiven Arten aus dem Roten Meer vor der türkischen Küste belegen.
Dieses spezielle Buch-Projekt, das sicher fortgeführt werden wird, erschien bereits im Sommer 2016.
Die vorgelegten Aufnahmen stammen von Tauchgängen und Unterwasserbeobachtungen aus den Jahren 2000 bis 2015.
Falk Wieland