Als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hielt, fielen mir die vielen guten Fotos auf. „Der Autor versteht sein Handwerk“, dachte ich. Etwas gedämpft wurde mein Eindruck durch die Druckqualität. Auf mattem Papier erstrahlen Fotos nie so brillant wie Hochglanzbilder, und Friedrichs Aufnahmen hätten mehr Glanz verdient! Das Werk ist inhaltlich gut strukturiert. Zu jedem Abschnitt gibt es eine Zusammenfassung aller wichtigen Punkte. Nicht immer stimme ich mit dem Autor inhaltlich überein. Mir scheinen manche Aussagen unpräzise oder zu pauschal, sodass ein Anfänger in der Unterwasserfotografie sich mitunter fragen muss: „Was ist denn nun richtig?“ Der neueste Stand der Technik wird ausreichend und ausführlich wiedergegeben. Auf Grundlagen wird verwiesen, aber nicht unmittelbar eingegangen. Das macht es dem Anfänger nicht immer leicht, sich bestimmte Zusammenhänge zu erschließen. Dem erfahrenen Fotografen hingegen werden verallgemeinernde Aussagen auffallen, wie: „Kit-Objektive sind nicht zu gebrauchen“, die nicht immer zutreffen. Auf Seite 51 heißt es: „Wird die Blende erhöht, muss entweder die ISO hoch gesetzt werden oder die Belichtung verlängert werden.“ Korrekt wären „Blendenzahl“, „ISO-Wert“ und „Belichtungszeit“. Der Erfahrene weiß, was gemeint ist, braucht den Hinweis aber nicht, der Anfänger wird verwirrt und kann nichts damit anfangen. Gut gefallen mir die Ausführungen zu den Gestaltungsregeln.

Das Umsetzen von Ideen ist, neben den Grundlagen und dem Beherrschen der Ausrüstung, die entscheidende Voraussetzung für gute Fotos. Diese Ideen folgen Regeln, die ein Fotograf kennen sollte und die in dem Werk gut dargestellt sind. Anhand zahlreicher Bilder werden sie nachvollziehbar erklärt.

Zwei wesentliche Kapitel der Unterwasserfotografie sind Landschaftsbilder mit Weitwinkelobjektiven und Makroaufnahmen. Beiden Themen wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Jedes Bild wird ausführlich beschrieben, was es dem Leser ermöglicht, den Gedanken des Autors zu folgen und zu begreifen, warum er ausgerechnet die genannten Parameter gewählt hat. Digitale Fotografie geht nicht ohne Bildbearbeitung. Wo Schwebstoffe im Wasser, schwache Kontraste oder Farbfehler zu Problemen führen, kann die spätere Bearbeitung die Bildqualität erheblich verbessern (Kontrastumfang, Weißabgleich, kleine Retuschen). Auch diesem Thema wird ein Kapitel gewidmet. Beispielbilder zeigen, was einem Fotografen entgeht, wenn er auf eine Bildbearbeitung verzichtet; die erste erfolgt automatisch in der Kamera, aber keine Automatik kann so gut sein wie der manuelle Eingriff eines erfahrenen Fotografen. Das Buch schließt mit einer Checkliste für Reisen. Was allerdings Zahnbürste, zweites Paar Schuhe, Wander- oder Badehose in einem Fotobuch zu suchen haben, erschließt sich mir nicht. Demgegenüber vermisse ich Hinweise auf die Besonderheiten der Unterwasserfotografie im Süßwasser. Zu diesem Thema gibt es nur wenige Bilder, und inhaltlich geht der Verfasser gar nicht darauf ein. Schade! Insgesamt fasst Friedrich seine Erfahrungen si cher bestmöglich zusammen.

Er spart nicht an guten und praktischen Tipps – was ich bei anderen Buchautoren vermisse! Das Werk richtet sich sowohl an Anfänger als auch an erfahrene Unterwasserfotografen, doch das gewählte Konzept wird weder der einen noch der anderen dieser beiden Zielgruppen wirklich gerecht. Dem Einsteiger wird suggeriert, dass sich nur mit Hightech (Vollformatkameras) wirklich exzellente Bilder machen lassen, und dem ambitionierten Fotografen fallen einige zu pauschale und unpräzise Aussagen auf.

Insgesamt ist das Buch aber ein gutes Nachschlagewerk, dem ich etliche Anregungen für meine nächsten Unterwasser-Fotoexkursionen verdanke! Siegfried Bäsler