Im tropischen Südamerika sind sie viel häufiger als bei uns und in manchen Gegenden sogar allgegenwärtig, die kleinen emsigen Insekten, die man in spanischsprachigen Ländern „hormigas“ und in Brasilien, wo man Portugiesisch redet, „formigas“ nennt. Ja, es soll von Ameisen die Rede sein, von denen es über 11.000 Arten gibt und die alles in allem durchaus als nützlich gelten, weil sie die Erdkrume umschichten, pflanzliches Material abbauen und Schädlinge vernichten. Aber sie ärgern uns auch, und manche beißen und stechen so heftig, dass man ihnen besser aus dem Weg geht.

Am 13. November des vergangenen Jahres ging Fischern einige Seemeilen vor Rügen ein außergewöhn­licher Beifang ins Netz: ein Mondfisch (Mola mola). Er wurde von Wissenschaftlern des Deutschen Meeresmuseums untersucht und für die Museumssammlung konserviert. Das mit 46 Zentimetern Länge und 72 Zentimetern „Spannweite“ (von Flossenspitze zu Flossenspitze) eher kleine Exemplar befand sich in einem relativ guten Zustand, wie Timo Moritz, Kurator für Fische und Fachbereichsleiter Wissenschaft am Meeresmuseum, feststellte. Er entnahm dem Fisch eine Gewebeprobe für eine DNA-Analyse, danach fixierten Kollegen das Tier in einer vierprozentigen Formalinlösung.

Mola ist der weltweit schwersten Knochenfisch, den Rekord halten Exemplare mit 2,3 Tonnen und 3,33 Metern Länge. Weibchen können bis zu 300 Millionen Eier für einen Laichgang produzieren und gelten somit auch als fruchtbarste Fischart.

„Dass sich ein Mondfisch in die Ostsee verirrt, ist schon selten“, stellt der Stralsunder Fischkundler fest. 2010 wurden drei Beifänge oder Strandungen registriert, 2011 keine. „Das Deutsche Meeresmuseum konserviert diese Irrgäste, damit sie für spätere Forschungen oder zu Ausstellungszwecken zur Verfügung stehen“, erläutert er das Interesse der Wissenschaftler an solchen Beifängen.

In der Ostsee leben circa 80 Fischarten. Von ungefähr noch einmal so vielen Arten verirren sich immer wieder einzelne Exemplare über die Nordsee in das Baltische Meer, darunter auch Schwertfische oder Heringskönige.

In den Ausstellungen des Deutschen Meeresmuseums sind Mondfische als präpariertes Original oder als naturgetreue Nachbildung zu besichtigen. Im Stammhaus im ehemaligen St.-Katharinen-Kloster gibt es einen Abdruck aus den späten 1970er-Jahren. Im Ozeaneum auf der Hafeninsel finden Interessierte eine originalgroße Nachbildung sowie ein konserviertes Präparat in der Sonderausstellung „Erforschung und Nutzung der Meere“, das 2009 vor Dranske (Rügen) gefangen wurde.

Autor: Deutsches Meeresmuseum

Bereits seit 1984 wird jährlich der „Fisch des Jahres“ gekürt; seit 1991 ist der Verband Deutscher Sportfischer (www.vdsf.de) hier in Abstimmung mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) federführend tätig.

Der „Jubiläums-Fisch des Jahres“ ist nicht „einfach eine Fischart“, sondern es sind die Forellen (Salmo trutta). Während die Bachforelle eine Länge von höchstens 60 Zentimetern erreicht, können See- und Meerforelle bis zu einem Meter lang werden.

Die Bachforelle ist in ganz Europa in sauerstoffreichen Gewässern mit Kies- oder Geröllgrund zu finden; sie hält sich besonders in den auch als „Forellenregion“ bezeichneten Oberläufen der Flüsse auf. Als Speisefisch wurde sie in die ganze Welt verbreitet und ist heute in vielen Regionen der Erde heimisch. Die Seeforelle findet sich unter anderem in den Alpen und auf den britischen Inseln, während die Meerforelle in den Küstengebieten von Portugal bis zum Ural anzutreffen ist.

Die Lebensräume der farblich sehr variablen, sich oft an den Gewässeruntergrund anpassenden Forelle sind bedroht, nicht nur infolge der Regulierungen und Verbauungen unserer Flüsse und Bäche (Staustufen und Wehre als Barrieren), sondern auch durch die Turbinen von Wasserkraftwerken. Der Erhalt naturnaher und durchgängiger Fließgewässer ist daher gerade auch für die einheimischen Forellen – die Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss) gehört nicht dazu, sie stammt ja aus Nordamerika – eine wichtige Voraussetzung, um die vielerorts gefährdeten Bestände zu erhalten.

Autor: Dietrich Rössel

Im idyllischen Pont l’Eveque (Normandie) fand am 22./23. September 2012 die erste Europameisterschaft für Zuchtformen von Poecilia wingei im Rahmen der Jahrestagung der „Association France Vivipares“ statt. Die erst 2005 beschriebene Art dürfte vielen Lesern als „Endler-Guppy“ gut bekannt sein.

Frankreich nimmt schon seit einigen Jahren eine herausragende Position in Bezug auf Selektion und Hochzucht dieses kleinen Guppys ein. Hervorzuheben ist hier das Wirken der Franzosen Philip Voissin, der fast jedes Jahr nach Venezuela reist, um gezielt Farbformen von P. wingei nach Frankreich einzuführen, und des Züchters, Buchautors und Genetik-„Freaks“ Ronan Boutot, der zusammen mit ein paar weiteren Liebhabern den ersten internationalen Standard zur Bewertung der P.-wingei-Zuchtformen entwickelte; er kam auf dieser Veranstaltung erstmals zur Anwendung. Die französischen Freunde hatten Tobias Bernsee und mich eingeladen, das Treffen zu besuchen.

Nach einer zweitägigen Fahrt von Berlin über Bamberg nach Pont l’Eveque (mit einigen Zwischenstationen bei befreundeten Züchtern) kamen wir mit unseren Fischen in Frankreich an und machten uns im Hotel eine Nacht lang mit dem neuen Standard vertraut. Schließlich sollten wir am nächsten Tag als Mitglieder eines internationalen Richterteams die ausgestellten Guppys fachgerecht bewerten. Neu war dabei, dass die Tiere erstmals in Farbklassen und nicht nach Flossenstandards begutachtet wurden.

Die Ausstellung fand in der örtlichen Markthalle statt, die als geschlossenes Gebäude beheizbar war. In den etwa 600 Aquarien wurden neben wunderschönen Zucht- auch Wildformen (Stämme von P. reticulata, P. wingei, darüber hinaus Schwertträger und Raritäten wie Zahnkarpfen und Hochlandkärpflinge der Gattungen Gambusia und Skiffia) sowie allein etwa 40 Becken mit verschiedenen P.-wingei-Formen gezeigt. Die Tiere konnten als Trios (drei Männchen) oder als Paare ausgestellt werden.

Die internationale Beteiligung zeigte die hervorragende Qualität – von wenigen „Ausreißern“ abgesehen – der Endler-Guppys, die so vorher wohl noch nirgendwo zu bestaunen war.

Am Sonntag wurden die Ausstellungstiere dann versteigert. Hier gab es die Möglichkeit – teils für wenig Geld –, exquisite und aquaristisch seltene Fische zu erwerben.

Natürlich begleiteten uns einige außergewöhnliche P. wingei neben verschiedenen, bei uns nicht so häufig gepflegten Wildformen auf der langen Heimreise nach Deutschland.

Nicht nur in meinen Augen war der „Concours de Wingei“ mit seiner interna­tionalen Beteiligung ein Erfolg. Die Stärken, aber auch einige Schwächen des von Ronan Boutot und Kollegen entwickelten Zuchtformen-Standards wurden offenbar. Er wird überarbeitet und ­angepasst. Damit sich die „Wingei-Szene“ auf möglichst breiter Basis weiter entwickeln kann, soll zukünftig auf europäischer Ebene an einer Verfeinerung des Zuchtformen-Standards gearbeitet werden.

Mein Dank gilt Ronan Boutout, der Vivipares Francais und Tobi Bernsee, die
es mir ermöglichten, diese gelungene Veranstaltung zu erleben. Die französische Gastfreundschaft war – wie natürlich auch die Gaumenfreuden – „tres bien“!         

Autor: Knut Bieler

Im größten und am wenigsten erforschten Lebensraum unseres Planeten, der Tiefsee, entdeckte das Forscher-Team um Gerhard J. Herndl, Meeresbiologe an der Universität Wien, erstmals Bakterien, die – wie Pflanzen – das Enzym Ribulose-Biphosphat-Karboxylase (RuBisCo) besitzen. Dieses Protein spielt eine wichtige Rolle
bei der Photosynthese: Die Pflanzen wandeln damit Kohlendioxid in organischen Kohlenstoff und Biomasse um.

Bei den neu entdeckten Bakterien kann jedoch Sonnenlicht nicht als Energiequelle dienen, da sie ja in
der Tiefsee leben, 200 bis 3.000 Meter unter dem Wasserspiegel. Stattdessen ernähren sie sich von Schwefelverbindungen. „Wir konnten entsprechende Gene in den Mikroben finden“, erklärte Herndl.

Fundorte sind die sauerstoffhaltigen Regionen von Atlantik und Pazifik. Die Bakterien mit dem RuBisCo-Eiweiß kamen vorwiegend auf millimeter- bis zentime­tergroßen Partikeln vor, „die mit einer Geschwindigkeit von etwa 100 Metern pro Tag in die Tiefe rieseln, [sie] könnten in ihrem Inneren sauerstofflos sein“. Somit könnte eine eigentlich sauerstoffhaltige Umgebung sauerstoffarme Mikrozonen bieten, eben im Inneren jener Partikel.

Die Befunde zeigen, wie wenig bisher über die vielfältigsten Lebensformen der Erde, die Mikroorganismen, bekannt ist. Die Forschungsergebnisse sind ein wesent­licher Schritt zu einem besseren Verständnis der Prozesse in der Tiefsee. Autor: Oliver Mengedoht­

Literatur

Swan, B. K., M. Martinez-Garcia, C. M. Preston, A. Scyrba, T. Woyke, D. Lamy, T. Reinthaler, N. J. Poulton, E. D. Masland, M. L. Gomez, M. E. Sieracki, E. F. DeLong, G. J. Herndl & R. Stepanauskas (2011): Potential for chemolitho­autotrophy among ubiquitous bacteria lineages in the dark ocean. – Science 333: 1296–1300. DOI: 10. 1126/science.1203690.