Von Alfred Russel Wallace. Herausgegeben von Matthias Glaubrecht. 620 Seiten, viele Schwarzweiß-Abbildungen, gebunden. Galiani Verlag, Berlin, 2014. ISBN 978-3-86971-085-3). 24,99 €

Im Jahr 1823 wurde Alfred Russel Wallace in England geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und musste seine Schulausbildung früh abbrechen. Er arbeitete mit einem älteren Bruder zusammen und wurde Landvermesser. Bis zu diesem Zeitpunkt gibt es noch keinen Hinweis in seinem Lebenslauf, dass hier einer der bis heute bedeutendsten Naturforscher und Forschungsreisenden seine ersten Schritte ins Leben startete. Ganz entscheidend war schließlich seine Bekanntschaft mit Henry Walter Bates (1825–1892), einem begeisterten Insektenforscher. Er führte den jungen Wallace in die Entomologie ein, und so begann der Landvermesser Wallace mit dem Sammeln von Insekten, wenn er auf seinen Baustellen unterwegs war. Er war fasziniert von der Feldforschung und lies sich von Reisebeschreibungen in den Bann ziehen, die um 1840 in rascher Folge in England publiziert wurden, darunter auch die Berichte eines jungen Wissenschaftlers namens Charles Darwin, der auf dem Vermessungsschiff „Beagle“ die Welt umrundet hatte. Besonders faszinierten Wallace die Beschreibungen aus Südamerika.

Von Frank Krönke. 456 Seiten, über 550 Schwarzweiß- und Farbfotos. Oculatusverlag, München, 2015. 98 € (keine ISBN, das Buch ist direkt beim Verlag zu beziehen: Birkerstraße 12, 80636 München, www.oculatusverlag.de)

Der Autor nennt sein Buch mit einem gewissen Understatement „das umfassendste Buch über Kaltwasserfische und Kaltwasseraquaristik“. Diese Aussage kann so falsch nicht sein, denn immerhin liegen beinahe 500 Seiten in großem Format und mit einem Gewicht von 1,6 Kilogramm vor der Leserin oder dem Leser. Das Werk enthält fast 80 Beschreibungen von Arten oder Artengruppen und ist damit meines Wissens wirklich die zurzeit umfassendste Publikation zum Thema. Das allein ist schon ein ganz wesentlicher Pluspunkt – denn das Buch gibt auch Anlass zu Verwirrung: Hatte der Rezensent nicht erst kürzlich vom selben Autor ein ganz ähnliches Werk vorliegen, nur eben nicht so umfangreich? Die Homepage des Oculatusverlags (Verlag des Autors) gibt Auskunft. Unter der Überschrift „Achtung: Vorsicht, Verwirrung!“ ist zu lesen: „Zeitgleich mit diesem Buch ist im Chimaira-Verlag ebenfalls ein Buch von mir zum Thema Kaltwasserfische erschienen: ‚Kaltwasserfische. Freilandhaltung einheimischer und exotischer Arten‘. Leider hat der Chimaira- Verlag mit mir weder den Titel noch die Gestaltung des Covers abgesprochen.“ So ist das also, es gibt zwei Bände von ein und demselben Verfasser zum gleichen Thema.

Von Susan Middleton, übersetzt von Werner Kügler. 256 Seiten, 200 Farbfotos, gebunden. Knesebeck-Verlag, München, 2014. ISBN 9783868737448. 49,95 €

„Gewidmet den kleinen Wesen, die die Welt bewegen“, so heißt es zu Beginn, und tatsächlich, diese kleinen Lebewesen bewegen nicht nur die Welt, sondern sie faszinieren Herz und Verstand eines jeden Betrachters. Man lernt bis zur letzten Seite des Buchs zweierlei zu schätzen: die außerordentliche Qualität eines jeden Fotos, mit dem der opulente Bildband reichlich bestückt ist, und Formen und Vielfalt der Schöpfung. All jene ausgefallenen und exzentrischen Gestalten und Erscheinungen, eine „visuelle Reise ins Lilliput kaum bekannter Tiere, deren Geschichte Hunderte Millionen Jahre vor der Entstehung der Menschen begann“. Würmer und Schnecken, Quallen, Seesterne in den verschiedensten Varianten, wie farblich verschwenderisch und für die Dunkelheit des Meeres mit Ornamenten verziert!

Von Frank Krönke. 224 Seiten, 220 Farbfotos, gebunden. Chimaira, Buchhandelsgesellschaft mbH, Frankfurt (Main), 2015. ISBN 978-3-89973-303-7. 39,80 €

Krönkes Buch beschäftigt sich mit der Haltung von Kaltwasserfischen in Teichen oder in Freilandaquarien. Auf 140 Seiten werden umfassend Arten aus Europa, Nord-, Süd- und Mittelamerika vorgestellt, jede erhält ein eigenes Kapitel mit den Unterpunkten „Im natürlichen Lebensraum“ und „Haltung“. Vorgeschaltet sind jeweils die wissenschaftlichen Bezeichnungen sowie deutsche und englische Gebrauchsnamen. Hinzu kommen Farbfotos in guter bis sehr guter Qualität.

Von Josef H. Reichholf. Sachbuch, 640 Seiten, gebunden, Hardcover. Verlag S. Fischer, Frankfurt (Main), 2015. ISBN 978-3-10-062947-0. 26,99 €

Wenn die liebste Freizeitbeschäftigung eines Jugendlichen darin besteht, sich unter körperlichen Verrenkungen in eine enge, vollgestellte Dachkammer zu zwängen, um dort chemische Experimente durchzuführen oder die winzigen Schädel von Wühlmäusen aus dem Gewöll von Eulen zu präparieren, dann würden sich die meisten Eltern heute wohl ihre Gedanken machen. Auf die Idee, ihm aus dem Nachlass eines mysteriösen russischen Zahnarztes auch noch einen echten Totenschädel zu übergeben, kämen sie jedenfalls kaum. Und des Sprösslings autodidaktischer Eifer, gefangenen Fröschen den Kopf abzutrennen, würde wohl rasch den Schulpsychologen auf den Plan rufen. Aber Ende der 1950er- Jahre war die Welt auf dem Land in Niederbayern – Gott sei Dank! – eine andere, und man akzeptierte die Interessen des jungen Naturfreundes oder – als guter Pädagoge – ermutigte ihn zu Vogelbeobachtungen in den Auwäldern am Inn.