Argentinische Fische gehörten zu den ersten Arten, die in deutsche Aquarien gelangten. Kaum bekannt ist, wie es dazu kam – und was ein Aquarianer anstellte, um einen privat organisierten Südamerika-Import zu verwirklichen. | Von Stefan Körber

Neozoen! Dieser Begriff lässt heutzutage vielen Biologen die Nackenhaare zu Berge stehen, bemüht man sich doch weltweit mit allen wirtschaftlich vertretbaren Mitteln, fremde Organismen aus der heimischen Natur fernzuhalten oder, falls bereits etabliert, wieder daraus zu ­entfernen. Die DATZ hat vielfach über dieses Thema berichtet.
Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese Angelegenheit genau entgegengesetzt betrachtet. Man suchte ausländische Tier- und Pflanzenarten, die geeignet waren, die heimische Flora und Fauna zu „bereichern“, oder hei­mische Organismen, die in den überseeischen Kolonialgebieten zum Vor­-teil angesiedelt werden konnten. Eigens um diese Bereicherung organisiert voranzutreiben, wurden sogar „Akklimatisationsgesellschaften“ gegründet.

In der ehemaligen Gemeindebücherei im Gelsenkirchener Stadtteil Bulmke-Hüllen stapelten sich vor nicht langer Zeit noch Glasbecken mit Fischen und jede Menge bedrucktes Papier. Zwischen Aquarien und Bücherregalen befand sich viele Jahre die Redaktion der DATZ, in der Mitte am Rechner: Rainer Stawikowski. Seit 1970 hat er für die Zeitschrift geschrieben, seit 1983 arbeitet er in der Redaktion, seit 1988 hat er als Chefredakteur die Fäden in der Hand gehalten. | Das Interview führte Anna-Katharina Wöbse

Rainer Stawikowskis Leben ist von seinem großen Interesse an der Natur geprägt – und das hat ihn im wahrsten Sinn des Wortes weit gebracht. Seit seiner Jugend befasste er sich mit Fischen, insbeson­dere die Buntbarsche hatten es ihm angetan.
Bei Rainer verbindet sich Fach­wissen mit einem außergewöhnlichen Sinn für die Vermittlung – er ist nicht nur gut mit Fischen, sondern auch mit Worten. Das zeigt sich in den fast 400 DATZ-Heften, die er verantwortet hat.
Dieses Talent nutzt er auch außerhalb der Redaktionsräume. Rainer ist nicht nur Experte, sondern auch Aktivist, was Arten- und Naturschutz betrifft. Auf DATZ-Reisen nach Südamerika hat er den Teilnehmern die Schönheit, aber auch Fragilität aquatischer Ökosysteme vermittelt. Inzwischen engagiert er sich auf lokaler Ebene: In Gelsenkirchen geht er mit Kindern und Erwachsenen, die etwas von der Natur „um die Ecke“ erfahren wollen, auf Exkursionen in die Nachbarschaft.

Eine mit Regenwasser gefüllte Wagenspur im Wald, ein Restwassertümpel bei Ebbe an der Nordsee, eine Lache auf einer ehemaligen Bergehalde im Ruhrgebiet – es gibt etliche günstige Gelegenheiten für naturinteressierte Menschen, einen aquatischen Lebensraum auf einfache und bequeme Weise zu erkunden. | Von Andreas Spreinat

Besonders bemerkenswerte Habitate können Gezeiten- oder Spritzwassertümpel in den Uferzonen subtropischer und tropischer Meere sein. Gern erinnere ich mich daran, wie mein Vater und ich in den frühen 1980er-Jahren an der spanischen Costa Brava Fische für ­unser Mittelmeeraquarium fingen: kleine Brassen, verschiedene Blenni­iden und Grundeln sowie juvenile Lippfische, die in teilweise nur qua­dratmetergroßen Restwassertümpeln lebten und sich einfach mit Hand­keschern erbeuten ließen.
Interessant war für mich auch die Erkundung kleiner Wasseransammlungen in der Uferzone von Saumriffen am Roten Meer. Es ist höchst erstaunlich, welche Fülle an Organismen und welcher Artenreichtum mit etwas Geduld hier zu beobachten sind! Abgesehen von verschiedensten Wirbellosen konnte ich von kleinen Grundeln bis hin zu Muränen zahlreiche Meeresfische bequem und trockenen Fußes fotografieren. Eine aufgeschreckte Muräne schlängelte sich sogar ein gutes Stück über tro­ckenes Terrain, um auf der Flucht vor mir im nächsten kleinen Wasserloch zwischen abgestorbenen Korallenblöcken zu verschwinden.

Die Biologin Vanessa Schulz ist Mitarbeiterin des bundesweiten Feuer­salamander-Projekts an der Technischen Universität Braunschweig und dort unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. | Das Interview führte Rainer Stawikowski

DATZ: In der jüngeren Vergangenheit warst Du maßgeblich an Veröffentlichungen über die Entwicklung und den aktuellen Stand der Ausbreitung des Salamanderfresser-Pilzes (Batrachochytrium salamandrivorans, kurz Bsal) beteiligt (Literaturverzeichnis) und hieltest Vorträge zu diesem Thema (etwa auf dem Flora-Fauna-Tag der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet im Januar dieses Jahres in Essen). Erläuterst Du bitte kurz Deine Arbeit und Deine Funk­tion im Zusammenhang mit der Bsal-Forschung an der Technischen Universität Braunschweig?

Der Feuersalamander gilt als weit verbreitet, doch aktuelle Daten gibt es kaum. Wo kommt er tatsächlich vor, wie groß sind die Populationen? Im Rahmen eines Projekts der JLU werden in Hessen Bäche kartiert, um aktuelle Bestandsdaten zu erfassen. | von Laura Jung

Nicht nur sein charakteristisches Aussehen macht den Feuersalamander unverwechselbar, sondern auch sein Reproduk­tionsverhalten ist einzigartig. Die Paarungszeit von Salaman­dra salamandra erstreckt sich auf den Zeitraum von Spätsommer bis Herbst. Anders als die übrigen heimischen Schwanzlurche paaren sich Feuersalamander an Land statt im Wasser. Die Embryonen ent­wickeln sich anschließend vollständig im Mutterleib.