Die Häutung von Libellenlarven – Beobachtungen und Erlebnisse, die unter die Haut gehen. | von Rainer Stawikowski

Libellen sind Insekten, und als solche wachsen sie ausschließlich als Larve: Wird ihnen ihre alte Haut zu eng, dann streifen sie sie einfach ab. Doch ganz so simpel ist das auch wieder nicht. Bevor wir den Häutungsvorgang näher betrachten, sind ein paar Überlegungen angebracht.
Während die Libellen als Fluginsekten in unseren Breiten nur ein paar Wochen oder mehrere Monate leben, währt das Larvendasein der meisten Arten deutlich länger. Zwar schaffen
es manche Weidenjungfern (Gattung Lestes) und Heidelibellen (Gattung Sympetrum), ihre Entwicklung vom Schlupf aus dem Ei bis zur Verwandlung innerhalb von zwei bis drei Mo­naten zu durchlaufen, doch kann es bei einigen Fluss- (Gattung Gomphus) und Quelljungfern (Gattung Cordulegaster) gut fünf Jahre dauern, ehe sie ihr Larvenleben hinter sich lassen. Diese letzte Häutung wird Imaginalschlupf genannt – und nicht, wie in der Vorschau von DATZ 3/2019 irrtümlich geschehen, „Emarginalschlupf“. Der Fehler kam dadurch zustande, dass ich zwei Begriffe miteinander vermengte: Als Imago (Mehrzahl Imagines) wird das fertig entwickelte Insekt bezeichnet, und der letzte Schlupf, bei der also die Imago ihre Larvenhülle verlässt, als Emergenz.

Schützende Rüstung und Wehrlosigkeit, Wachstum und Altern, Erneuerung und Abgenutztes – so gegensätzlich diese Begriffe auch klingen mögen, sie alle spielen bei der Häutung von Flusskrebsen, Krabben und Garnelen eine wichtige Rolle. | von Monika Rademacher

Alle Crustaceen sind von einer starren Hülle umgeben, lediglich die Landeinsiedlerkrebse (Familie Coenobitidae) bilden hier eine Ausnahme, da ihr Hinterleib nicht derart umhüllt ist.
Die feste Außenhaut erfüllt verschiedenste Funktionen, von denen Schutz und Stabilität die beiden wichtigsten sind. Schutz bietet der harte Panzer vor Prädatoren und Umgebungsbedingungen, die den Tieren Verletzungen zuführen könnten, Stabilität, weil wirbellose Organismen, anders als Wirbeltiere, keinerlei formstabilisierende Strukturen in ihrem Körper besitzen. So wie bei den Wirbeltieren das (Innen-)Skelett die Körperform vorgibt und stabilisiert, erfüllt also bei den Wirbellosen ein Exoskelett diese Aufgabe.

Die afrikanischen Winzlinge erneuern ihre empfindliche Amphibienhaut regelmäßig. Zwei- bis viermal im Monat ziehen Zwergkrallenfrösche ihre Haut einem Anzug gleich aus. | von Monika Rademacher

Wie alle Amphibien häuten sich auch die Angehörigen der Familie der „Zungenlosen“ (Pipidae) regelmäßig (siehe etwa https://www.pipidae.org). Charakteristisch für die Haut von Lurchen ist das Fehlen jeglicher Haare, Schuppen oder Federn. Lediglich die Blindwühlen oder Schleichenlurche (Ordnung Gymnophiona) mit ihren kleinen, eingelagerten Kalkschuppen bilden eine Ausnahme.
Generell besitzen die Organismen, die in beiden Elementen – Land und Wasser – zu Hause sind, eine relativ dünne Haut, die entweder sehr glatt ist oder aber durch Warzen und Drüsen eine körnige, raue Oberfläche aufweist.

Was haben Krebse, Spinnen und Insekten, Lurche und Kriechtiere gemeinsam? Genau,
sie häuten sich regelmäßig. Und manche Fische tun es auch. | von Rainer Stawikowski

Spätestens, wenn sie ihre ­erste abgestreifte Haut entdeckt und den Schreck über den vermeintlichen Leichenfund verdaut haben, wissen Aquarianer, dass ihre Krebse – anders als sie selbst – sehr wohl „aus ihrer Haut können“. Weil eben auch Crustaceen zeitlebens wachsen, müssen sie sich von Zeit zu Zeit ihres alten Panzers entledigen, denn die starre Außenhaut wächst ja nicht mit. Ist der Anzug zu klein geworden, platzt er an einer dafür vorgesehenen Stelle, und sein Besitzer kriecht aus der alten Hülle. Sein neues Kleid trägt er bereits, doch ist es noch weich, muss also erst aushärten; eine gefährliche Situation, denn ein solcher „Butterkrebs“ ist gegenüber Fressfeinden völlig wehrlos.

In DATZ 3/2018 berichtete die Redaktion über einen Hautpilz, der tödlich für infizierte Schwanzlurche ist und in Westeuropa immer weiter um sich greift. Wie ist der aktuelle Stand? | von Hans-Peter Ziemek

Im Jahr 1989 fand in Canterbury der „First World Congress of Herpetology“ statt. Dort berichteten Forscherteams von einem rätselhaften Amphibiensterben in unterschiedlichen Teilen der Welt. Manche Arten waren bereits vollständig verschwunden. Die Ursachen waren erst einmal rätselhaft. Es dauerte einige Zeit, bis der Hautpilz Batrachochytrium den­drobatidis (Bd) als Verursacher identifiziert wurde.
Befällt er ein Amphib, kommt es zu einer Chytridiomykose mit tödlichem Ausgang. Die Atmung und die Regulation des Wasserhaushalts werden durch flächige Hautveränderungen gestört und letztlich komplett außer Kraft gesetzt. Äußerlich kommt es zu Verfärbungen und Blasenbildung.
Der Tod kann nach wenigen Tagen oder auch nur nach Stunden eintreten. Der Pilz ist hoch ansteckend, und seine Sporen können lange Zeit im Freiland überdauern.
Der Ursprung des Pilzes liegt wahrscheinlich in Asien und wurde bisher an rund 520 Amphibienarten in 56 Ländern festgestellt. Die weltweite Verbreitung erfolgte über den Handel mit Froschlurchen.
In Europa sind bisher kaum Krankheitsfälle bekannt. Allerdings wurden infizierte Tiere gefunden, wenn man gezielt nach ihnen suchte.